720 Hertz. Diese Zahl stand am 25. August 2026 im Zentrum der Eröffnungsnacht von Gamescom in Köln, als ASUS seinen neuen ROG Swift OLED PG259QWS Ace vorstellte und ihn selbst als das schnellste jemals gebaute OLED-Display bezeichnete. Wenige Meter weiter zeigte Samsung mit dem Odyssey G8 den nach eigenen Angaben ersten 6K-Gaming-Monitor der Welt, während im Hintergrund eine neue SSD-Generation mit 14.800 MB/s Lesegeschwindigkeit durch die Messehallen kursierte. Für Besucher der Koelnmesse war schnell klar: Gamescom 2026 drehte sich in diesem Jahr nicht nur um neue Spiele, sondern in erheblichem Maß um Hardware-Rekorde.

Die Ankündigungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Games-Hardware-Markt selbst unter Druck steht. Laut dem Jahresreport der deutschen Games-Branche des Verbands game, veröffentlicht am 12. August 2026, erzielte der Bereich Games, Online-Gaming-Dienste und Games-Hardware in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 zusammen 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Der Hardware-Teilmarkt allein kam auf rund 1,3 Milliarden Euro, ein Minus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ausgerechnet in diesem Umfeld bringen ASUS, Samsung und weitere Hersteller ihre bislang teuersten und technisch anspruchsvollsten Gaming-Displays und Komponenten auf den Markt. Dieser Artikel ordnet ein, was auf der Messe wirklich neu ist, was die Zahlen bedeuten und wohin sich der Markt für Gaming-Hardware als Nächstes bewegt.

Der schnellste OLED-Monitor aller Zeiten: ASUS ROG Swift OLED PG259QWS Ace

Der ROG Swift OLED PG259QWS Ace ist das Herzstück der ASUS-Ankündigungen. Der 24,5 Zoll große Monitor nutzt ein TrueBlack-Glossy-Tandem-WOLED-Panel und erreicht eine Reaktionszeit von 0,02 Millisekunden GtG. ASUS bewirbt ihn ausdrücklich als das schnellste jemals gebaute OLED-Display. Neu ist zudem ein integrierter Positionssensor, der Neigung, Höhe und Drehwinkel des Bildschirms misst und direkt auf dem Screen anzeigt, damit Profispieler ihre bevorzugte Einstellung auch in Wettkampfsituationen exakt reproduzieren können. Laut der offiziellen ASUS-Pressemitteilung vom 25. August 2026 startet der PG259QWS Ace im frühen vierten Quartal 2026 zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.099 US-Dollar.

Bemerkenswert ist die Partnerschaft mit dem Turnierveranstalter PGL: Der PG259QWS Ace wurde als offizieller Esports-Monitor der PGL CS2 Major 2026 ausgewählt. Silviu Stroie, CEO von PGL, ordnete diese Entscheidung in der Pressemitteilung so ein, dass eine derart historische Bühne einen ebenbürtigen Bildschirm verdiene und das erste OLED-Major nun auf dem schnellsten je gebauten OLED-Panel stattfinde. Für ASUS ist das ein wichtiger Marketing-Erfolg, denn Major-Turniere im Counter-Strike-Umfeld gelten in der Szene als Referenzpunkt für Hardware-Kaufentscheidungen bei ambitionierten Spielern.

Drei Ace-Monitore für unterschiedliche Budgets: 720, 560 und 360 Hz im Vergleich

ASUS staffelt seine neue Ace-Serie bewusst nach Preis und Leistung. Neben dem Topmodell PG259QWS Ace stehen der ROG Strix OLED XG259QDPG Ace mit 560 Hz sowie der ROG Strix OLED XG259QDNS Ace mit 360 Hz. Beide nutzen RGB-QD-OLED-Panels mit einer sogenannten BlackShield-Folie und einer entspiegelten Low-Reflection-Beschichtung, die laut Hersteller die wahrgenommene Schwarzwerttiefe um bis zu 40 Prozent verbessert und die Panel-Härte um das 2,5-Fache erhöht. Der XG259QDPG Ace bietet eine DisplayPort-1.4-Buchse mit DSC, zwei HDMI-2.1-Anschlüsse und zwei USB-3.2-Gen-2-Ports vom Typ A. Der günstigere XG259QDNS Ace verzichtet auf die USB-Anschlüsse, bietet aber weiterhin DisplayPort 1.4 sowie zwei HDMI-2.1-Ports.

Ergänzt wird die Reihe durch den bereits auf der Computex 2026 vorgestellten ROG Strix OLED XG259QWPG Ace, der zusammen mit dem PG259QWS Ace im frühen vierten Quartal 2026 für 699 US-Dollar in den Handel kommt. Damit deckt ASUS mit vier Modellen eine Preisspanne von rund 700 bis 1.100 US-Dollar ab, alle auf Basis von 24,5-Zoll-Panels, die speziell für kompetitives Spielen entwickelt wurden. Für den deutschen Markt liegen noch keine offiziellen Europreise vor, üblich ist bei ASUS-Monitoren dieser Preisklasse jedoch eine Umrechnung nahe am US-Dollar-Betrag zuzüglich Mehrwertsteuer.

Samsung Odyssey G8: der erste 6K-Gaming-Monitor der Welt

Während ASUS auf die Bildwiederholrate setzt, wählt Samsung mit dem Odyssey G8 (Modellbezeichnung G80HS) einen anderen Weg. Der 32 Zoll große Monitor löst mit 6.144 mal 3.456 Pixeln auf und ist laut Samsungs offizieller Ankündigung zur Gamescom 2026 der erste 6K-Gaming-Monitor der Welt. Bei voller Auflösung liefert das IPS-Panel 165 Hz, unterstützt HDR10+ Gaming sowie AMD FreeSync Premium Pro und ist G-Sync-kompatibel. Angebunden wird der Monitor über DisplayPort 2.1 und HDMI 2.1, die Reaktionszeit liegt bei 1 Millisekunde GtG. Kontrast (1.000:1) und Helligkeit (350 cd/m²) bewegen sich dagegen im für IPS-Panels üblichen Rahmen und stechen nicht besonders heraus.

Der Odyssey G8 ist bereits seit Mai 2026 verfügbar und wurde auf der Gamescom lediglich erneut ausgestellt, in Halle 9 direkt neben der neuen SSD-Serie und dem Galaxy Z Fold8 Ultra. In den USA wird der Monitor für rund 1.500 US-Dollar gehandelt, in Korea liegt der Preis bei etwa 1,89 Millionen Won. Ein Kaufargument ist die enorme Pixeldichte auf 32 Zoll, ein echtes Kaufhindernis bleibt jedoch die Grafikleistung: Selbst eine RTX 5090 gerät bei nativer 6K-Auflösung in aktuellen Spielen an ihre Grenzen. Für alltägliches, kompetitives Spielen dürfte der zweite Modus deutlich relevanter sein.

Dual-Modus-Technologie: 6K oder 3K, was bringt das in der Praxis?

Der Odyssey G8 lässt sich per Knopfdruck zwischen zwei Betriebsmodi umschalten. Im ersten Modus liefert der Monitor die volle 6K-Auflösung bei 165 Hz, geeignet für Arbeit, Kreativanwendungen und Singleplayer-Titel mit hohem Detailgrad. Im zweiten Modus reduziert sich die Auflösung auf 3.072 mal 1.728 Pixel, dafür steigt die Bildwiederholrate auf 330 Hz. Für schnelle Shooter und andere kompetitive Genres ist dieser 3K-Modus die praxistauglichere Wahl, weil er auch mit weniger extremer GPU-Leistung hohe Frameraten erlaubt.

Samsung setzt dieses Dual-Mode-Prinzip inzwischen über die gesamte Odyssey-Reihe hinweg fort. Auf der Gamescom zeigte das Unternehmen zusätzlich den Odyssey OLED G8, ein ebenfalls 32 Zoll großes UHD-OLED-Modell mit einem QD-OLED-Panel der fünften Generation und Penta-Tandem-Technologie, das im sogenannten Triple-Mode-Betrieb bis zu 360 Hz erreicht. Damit positioniert sich Samsung bewusst zwischen reiner Bildqualität und roher Geschwindigkeit und überlässt ASUS das Rennen um die höchste absolute Bildwiederholrate.

Triple-Mode-Monitore: ASUS XG27UCMG und XG27ACNS für Alleskönner

Neben den reinrassigen Esports-Displays zeigte ASUS mit dem ROG Strix XG27UCMG nach eigenen Angaben den weltweit ersten 4K-Triple-Mode-Gaming-Monitor. Das 27-Zoll-Panel schaltet zwischen 4K bei 240 Hz, WQHD bei 400 Hz (übertaktet) und Full HD bei 488 Hz (übertaktet) um, je nachdem, ob Bildqualität oder Bildrate im Vordergrund steht. Ergänzt wird das Modell durch einen 95-prozentigen DCI-P3-Farbraum, VESA DisplayHDR 400 sowie einen eingebauten KVM-Switch für den schnellen Wechsel zwischen zwei angeschlossenen Systemen.

Der kleinere ROG Strix XG27ACNS setzt auf ein 27-Zoll-WQHD-Fast-IPS-Panel mit einer Reaktionszeit von minimal 0,3 Millisekunden GtG und bietet in seinen drei Modi WQHD bei 475 Hz (übertaktet), Full HD bei 620 Hz und HD bei 920 Hz. Beide Modelle verfügen über ASUS DisplayWidget Center für automatische Firmware-Updates sowie über ASUS-eigene KI-Gaming-Funktionen wie Dynamic Shadow Boost und Dynamic Crosshair. Damit richtet sich diese Produktlinie klar an Nutzer, die nicht zwischen Arbeits- und Gaming-Monitor wechseln wollen, sondern beides in einem Gerät kombinieren möchten.

Samsung 9100 PRO: SSD mit 14.800 MB/s Lesegeschwindigkeit

Neben Monitoren rückte Samsung auch Speicher in den Mittelpunkt seines Gamescom-Auftritts. Der 9100 PRO ist eine PCIe-5.0-x4-SSD im NVMe-2.0-Standard und im kompakten M.2-2280-Formfaktor. Laut Samsung erreicht das Laufwerk sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von 14.800 MB/s und Schreibgeschwindigkeiten von 13.400 MB/s. Möglich macht das ein hauseigener Presto-Controller in Kombination mit TLC-V-NAND-Speicher und einem LPDDR4X-Cache, dessen Größe je nach Kapazität zwischen 1 und 8 GB liegt.

Preislich staffelt sich die Serie wie folgt: Die 1-TB-Variante kostet 199 US-Dollar (219 US-Dollar mit Kühlkörper), die 2-TB-Version 299 US-Dollar (319 US-Dollar mit Kühlkörper) und die 4-TB-Ausführung 549 US-Dollar (569 US-Dollar mit Kühlkörper). Konkurrenz kommt unter anderem von Crucial, Western Digital und Kioxia, die in derselben PCIe-5.0-Leistungsklasse antreten. Angesichts der für die kommenden Jahre erwarteten steigenden NAND-Preise könnte sich ein Kauf zum aktuellen Preisniveau für Spieler lohnen, die ohnehin auf neue Systeme mit PCIe-5.0-Anbindung umsteigen.

Gigabyte AORUS Infinity RTX 50: Europapremiere für die Kühlmonster-Grafikkarten

Auch bei Grafikkarten zeigte sich auf der Messe Bewegung. Gigabyte nutzte die Gamescom für die erste europäische Vor-Ort-Präsentation seiner AORUS-Infinity-Serie, die bereits auf der CES 2026 (RTX 5090) und der Computex 2026 (RTX 5080, 5070 Ti und 5070) angekündigt worden war. Kern der Reihe ist die WINDFORCE-Hyperburst-Kühlung, ein sogenannter Double-Flow-Through-Luftstrom, bei dem die Karte von einer Seite zur anderen durchströmt wird, kombiniert mit Hawk- und Overdrive-Lüftern, doppeltem BIOS für Performance- und Silent-Profile sowie RGB-Halo-Beleuchtung. Das Topmodell RTX 5090 Infinity im 3,5-Slot-Format misst 330 mal 145 mal 65 Millimeter und benötigt laut Gigabyte ein Netzteil mit mindestens 1.000 Watt Leistung.

Begleitet wird die Grafikkartenserie von einem neuen Mainboard namens X870E AORUS Infinity Next sowie dem Gehäuse C510 Glass Infinity. Auch wenn die eigentlichen GPU-Spezifikationen bereits seit den früheren Vorstellungen in diesem Jahr bekannt waren, markiert die Gamescom für Gigabyte den ersten direkten Kundenkontakt in Europa mit der kompletten Infinity-Produktfamilie, wie das Fachportal DropReference von der Messe berichtete.

Preise und Verfügbarkeit im Überblick

ProduktHerstellerSchlüsselspezifikationPreis (UVP)Verfügbarkeit
ROG Swift OLED PG259QWS AceASUS24,5″, 720 Hz, TrueBlack Tandem WOLED, 0,02 ms1.099 $Q4 2026
ROG Strix OLED XG259QDPG AceASUS24,5″, 560 Hz, QD-OLED, BlackShield-Foliek. A.Q4 2026
ROG Strix OLED XG259QWPG AceASUS24,5″, QD-OLED, Ace-Serie (Debüt Computex 2026)699 $Q4 2026
ROG Strix OLED XG259QDNS AceASUS24,5″, 360 Hz, QD-OLED, Einstiegsmodellk. A.Q4 2026
ROG Swift OLED PG27AQWP-G Edition 20ASUS26,5″, 540 Hz QHD / 720 Hz HD, DP 2.1aca. 1.199 $seit Gamescom vorgestellt
Odyssey G8 (G80HS)Samsung32″, 6K bei 165 Hz / 3K bei 330 Hz, IPSca. 1.500 $seit Mai 2026
9100 PRO (2 TB)SamsungPCIe 5.0, 14.800 MB/s Lesegeschwindigkeit299 $verfügbar

Historischer Kontext: Wie sich Gaming-Monitore in wenigen Jahren beschleunigt haben

Die aktuelle Rekordjagd bei Bildwiederholraten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Wettrüstens, das ASUS mit seiner ROG-Marke seit zwei Jahrzehnten mitprägt. 2026 feiert ROG sein 20-jähriges Bestehen und hat dafür eigens eine Edition-20-Produktlinie aufgelegt, angeführt vom bereits erwähnten Swift OLED PG27AQWP-G Edition 20 mit 540 Hz in QHD und 720 Hz im HD-Dual-Modus. Ergänzt wird die Jubiläumsreihe durch das Mainboard Crosshair X870E Edition 20 für Ryzen-9000-, 8000- und 7000-Prozessoren, den Flüssigkeitskühler Ryujin 360 Edition 20 mit Asetek-Gen10-Pumpe, den WLAN-7-Router Rapture GT-BE98 Pro Edition 20 in Schwarz-Gold sowie eine TUF-RTX-5060-Ti-Grafikkarte in Kollaboration mit dem Esports-Team T1, ausgestattet mit 4.608 CUDA-Kernen zu einem Preis zwischen etwa 480 und 540 US-Dollar.

Verglichen mit den kompetitiven Monitoren, die noch vor wenigen Jahren als Referenz galten, zeigt die aktuelle Entwicklung, wie stark sich das Segment ausdifferenziert hat. Während früher ein einziger Wert, die maximale Bildwiederholrate, als Verkaufsargument reichte, kombinieren die neuen Modelle mehrere umschaltbare Modi, KI-gestützte Bildoptimierung und auf Profispieler zugeschnittene Zusatzfunktionen wie den Positionssensor des PG259QWS Ace. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten auf der Gamescom 2026 gezeigten Produkte nach ihrem jeweiligen Höchstwert bei der Bildwiederholrate ein.

ModellPanel-TypMaximale BildwiederholrateSegment
ROG Strix XG27ACNSFast IPS, Triple Mode920 Hz (bei HD)Allround-Esports
ROG Swift OLED PG259QWS AceTrueBlack Tandem WOLED720 HzPremium-Esports
ROG Swift OLED PG27AQWP-G Edition 20TrueBlack Tandem WOLED, Dual Mode720 Hz (bei HD) / 540 Hz (QHD nativ)Jubiläumsmodell
ROG Strix OLED XG259QDPG AceQD-OLED560 HzMittelklasse-Esports
Odyssey OLED G8QD-OLED, Penta Tandem, Triple Mode360 HzBildqualität plus Speed
ROG Strix OLED XG259QDNS AceQD-OLED360 HzEinstiegs-Esports
Odyssey G8 (G80HS)IPS, Dual Mode330 Hz (bei 3K)Auflösung plus Speed

Marktauswirkungen: Was die Hardware-Welle für den DACH-Markt bedeutet

Die neue Produktwelle trifft auf einen deutschen Games-Hardware-Markt, der laut dem game-Jahresreport 2026 im ersten Halbjahr rückläufig war. Während der gesamte deutsche Games-Markt inklusive Online-Diensten mit 4,2 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2026 wieder wächst, fiel der Hardware-Teilbereich, also Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör, auf rund 1,3 Milliarden Euro und damit 8 Prozent unter das Vorjahresniveau. Der Verband game wertete den Gesamtmarkt dennoch als klares Zeichen einer Erholung nach mehreren schwierigen Jahren, mit steigenden Unternehmenszahlen und zurückkehrendem Vertrauen in der Branche.

Für Hersteller wie ASUS und Samsung bedeutet ein schrumpfender Hardware-Gesamtmarkt nicht automatisch schlechte Geschäfte im Premiumsegment. Im Gegenteil: Wenn die Stückzahlen insgesamt sinken, wird die Marge pro verkauftem Gerät wichtiger, und genau hier setzen 1.000-Euro-Monitore und High-End-SSDs an. Diese Strategie ist im PC-Hardware-Markt nicht neu, wird aber angesichts der aktuellen Zahlen noch deutlicher sichtbar. Für Endkunden in Deutschland und der Schweiz bedeutet das in der Praxis: Wer im Einstiegssegment kauft, profitiert eher von Preisdruck, während im Spitzensegment die Preise durch neue Rekordfunktionen tendenziell steigen statt fallen.

Wettbewerbsvergleich: ASUS gegen Samsung gegen Gigabyte

Die drei großen Aussteller verfolgen auf der Gamescom 2026 sichtbar unterschiedliche Strategien. ASUS konzentriert sich fast ausschließlich auf Geschwindigkeit und Profisport-Tauglichkeit, erkennbar an der PGL-Partnerschaft, dem Positionssensor und den bis zu 920 Hz erreichenden Triple-Mode-Panels. Samsung setzt dagegen stärker auf Bildqualität und Auflösung, mit dem 6K-Monitor als Vorzeigeprodukt, verzichtet dabei aber nicht auf hohe Bildwiederholraten im umschaltbaren Zweitmodus. Gigabyte wiederum positioniert sich nicht über Monitore, sondern über Kühltechnik und rohe GPU-Leistung und nutzt die Messe vor allem, um bereits angekündigte Produkte einem europäischen Publikum erstmals persönlich zu zeigen.

Preislich liegen ASUS und Samsung bei ihren jeweiligen Topmodellen dicht beieinander, zwischen etwa 1.099 und 1.500 US-Dollar. Der entscheidende Unterschied liegt im Anwendungsfall: Der PG259QWS Ace richtet sich klar an Profispieler und Turnierteilnehmer, während der Odyssey G8 eher Nutzer anspricht, die zwischen Bildqualität für Singleplayer-Titel und Geschwindigkeit für kompetitive Spiele wechseln wollen. Für die breite Masse der Käufer dürften ohnehin weder das eine noch das andere Modell infrage kommen, dafür sind Einstiegsprodukte wie der XG259QDNS Ace oder etablierte Mittelklasse-Monitore anderer Hersteller preislich deutlich zugänglicher.

Kritische Einordnung: Braucht wirklich jemand 720 Hz?

So beeindruckend die Zahlen klingen, so berechtigt ist die Frage, ob 720 Hz im Alltag einen spürbaren Unterschied machen. Menschliche Reaktionszeiten liegen selbst bei trainierten Esports-Profis im Bereich von rund 150 bis 200 Millisekunden, während der Sprung von 360 auf 720 Hz die reine Bildwiederholzeit lediglich von etwa 2,8 auf 1,4 Millisekunden verkürzt. Der praktische Nutzen konzentriert sich damit vor allem auf reduzierte Bewegungsunschärfe und geringere Latenz in der Eingabekette, nicht auf eine messbar schnellere menschliche Reaktion selbst.

Hinzu kommt das GPU-Problem, das bereits beim 6K-Monitor sichtbar wird: Um 720 Hz in kompetitiven Titeln wie Counter-Strike 2 tatsächlich auszureizen, braucht es nicht nur eine potente Grafikkarte, sondern auch stark reduzierte Grafikoptionen, wie sie im professionellen Esports ohnehin üblich sind. Für Gelegenheitsspieler mit Mittelklasse-Hardware bleiben diese Bildwiederholraten deshalb vorerst theoretisch. Der eigentliche Fortschritt liegt weniger im nackten Hertz-Wert als in der Kombination aus niedriger Reaktionszeit, stabiler OLED-Bildqualität und Zusatzfunktionen wie dem Positionssensor, die tatsächlich den Turnieralltag erleichtern.

Prognosen: Wie geht die Hardware-Eskalation 2027 weiter?

  • Weitere Hersteller ziehen nach: Sollte sich der PGL-Deal für ASUS als Marketingerfolg erweisen, ist davon auszugehen, dass Konkurrenten wie BenQ Zowie, Dell Alienware oder LG bis zur Computex 2027 eigene Monitore jenseits der 500-Hz-Marke ankündigen.
  • Der 6K-Trend bleibt vorerst eine Nische: Solange selbst eine RTX 5090 an nativer 6K-Auflösung in aktuellen Spielen scheitert, dürfte der Odyssey G8 ein Produkt für Enthusiasten und Content-Creator bleiben, kein Massenmarktartikel.
  • PCIe-5.0-SSDs werden zum neuen Standard bei High-End-Builds: Mit Preisen ab 199 US-Dollar für ein Terabyte nähert sich der 9100 PRO einem Niveau, das PCIe-5.0-Speicher auch außerhalb absoluter Enthusiasten-Systeme attraktiv macht, vorausgesetzt die von Branchenbeobachtern erwarteten NAND-Preissteigerungen bleiben moderat.
  • Der deutsche Hardware-Markt bleibt zweigeteilt: Angesichts des 8-Prozent-Rückgangs im ersten Halbjahr 2026 ist für die zweite Jahreshälfte mit weiterer Polarisierung zu rechnen, sinkende Stückzahlen im Massenmarkt bei gleichzeitig wachsendem Premiumsegment.
  • Triple-Mode-Monitore verdrängen einfache Umschalt-Panels: Modelle wie der XG27UCMG mit drei statt zwei wählbaren Auflösungs-Hertz-Kombinationen dürften sich 2027 als neuer Standard bei Allround-Gaming-Monitoren etablieren, weil sie Arbeits- und Spielnutzung in einem Gerät vereinen.

Sim-Racing und Zubehör: Auch abseits der Monitore tut sich etwas

Neben Bildschirmen, Speicher und Grafikkarten war auf der Gamescom 2026 auch im Zubehörbereich Bewegung zu beobachten. ASUS präsentierte mit dem ROG Gladius IV Ace eine neue Esports-Maus, die laut Hersteller nur 56 Gramm wiegt, über austauschbare Gewichte in sieben Konfigurationen verfügt und mit dem hauseigenen AimPoint-Pro-65K-Sensor bis zu 65.000 DPI Sensitivität sowie eine elfstufig einstellbare Abhebedistanz bietet. Die kabellose Übertragung erfolgt über die zweite Generation der SpeedNova-8K-Technologie mit echter 8-Kilohertz-Abtastrate.

Auch im Sim-Racing-Bereich zeigte sich Bewegung: Der Zubehörhersteller MOZA Racing präsentierte am Messestand erstmals öffentlich offizielle MotoGP-Simulationshardware sowie ein neues Lenkrad im Ford-Mustang-GTD-Design, dessen genaue technische Daten zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht vollständig veröffentlicht waren. Für den DACH-Markt ist das relevant, weil Sim-Racing als Nischensegment in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist und zunehmend eigene Hardware-Ökosysteme jenseits klassischer Gaming-Peripherie hervorbringt.

Häufig gestellte Fragen

Wann kommt der ASUS ROG Swift OLED PG259QWS Ace in den Handel?

Laut ASUS startet der Verkauf im frühen vierten Quartal 2026, zunächst zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.099 US-Dollar in den USA. Ein konkreter Europa-Preis wurde bislang nicht offiziell genannt.

Ist der Samsung Odyssey G8 wirklich der erste 6K-Gaming-Monitor?

Samsung bewirbt den Odyssey G8 selbst als weltweit ersten 6K-Gaming-Monitor. Der Markt für Monitore oberhalb von 4K oder 5K ist bislang sehr klein, sodass diese Einordnung nach aktuellem Kenntnisstand zutrifft.

Brauche ich eine RTX 5090, um 720 Hz auszureizen?

Bei kompetitiven Titeln mit reduzierten Grafikeinstellungen, wie sie im Esports üblich sind, reichen oft auch schwächere Grafikkarten der aktuellen Generation. Für visuell anspruchsvolle Spiele bei hohen Bildraten bleibt eine leistungsstarke aktuelle GPU jedoch weiterhin Voraussetzung.

Was kostet die Samsung 9100 PRO SSD in Deutschland?

Samsung nennt für die 2-TB-Version einen US-Preis von 299 US-Dollar. Für den deutschen Markt liegen noch keine offiziellen Euro-Preise vor, üblich ist bei Samsung-Speicherprodukten eine Umrechnung nahe am Dollarbetrag zuzüglich Mehrwertsteuer.

Warum ist der deutsche Games-Hardware-Markt trotz neuer Produkte rückläufig?

Laut dem game-Jahresreport 2026 lag der Umsatz mit Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör im ersten Halbjahr 2026 bei rund 1,3 Milliarden Euro, 8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang betrifft vor allem den breiten Massenmarkt, während das Premiumsegment mit Produkten wie den hier vorgestellten Monitoren und SSDs stabiler bis wachsend erscheint.

Was unterscheidet die Ace-Serie von den Edition-20-Modellen bei ASUS?

Die Ace-Serie ist eine eigenständige Produktlinie für kompetitives Gaming, entwickelt mit direktem Input von Profispielern. Die Edition-20-Modelle sind dagegen eine limitierte Jubiläumsreihe zum 20-jährigen Bestehen der Marke ROG und umfassen neben einem Monitor auch Mainboards, Kühler und Router in besonderem Schwarz-Gold-Design.

Lohnt sich der Kauf eines 720-Hz-Monitors für Gelegenheitsspieler?

Für die meisten Gelegenheitsspieler eher nicht. Der Unterschied zwischen 240 und 720 Hz ist außerhalb schneller Shooter im Alltag kaum wahrnehmbar, während der Preisaufschlag erheblich ausfällt. Zielgruppe sind vor allem Turnierspieler und Enthusiasten mit entsprechend leistungsfähiger Grafikkarte.