Am 2. September 2026 verschwand ein Stück Steam-Infrastruktur aus den Händen, die es 13 Jahre lang gehalten hatten. SteamDB, die inoffizielle Datenbank, die Millionen Spielerinnen und Spieler für Preisvergleiche, Spielerzahlen und Update-Historien nutzen, gehört nun Chosen, der Firma hinter dem Modding-Portal Nexus Mods. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, doch die Nachricht schlug in der Gaming-Community hohe Wellen, weil SteamDB seit 2013 als Ein-Personen-Projekt von Pavel Djundik, bekannt unter dem Namen “xPaw”, geführt wurde.
Der Verkauf reiht sich in eine Serie von Übernahmen ein, bei denen große Plattformbetreiber kleine, aber essenzielle Community-Tools aufkaufen. Für Entwickler, Publisher und die Millionen Nutzer, die täglich SteamDB-Daten abrufen, stellt sich die Frage, ob Datentransparenz und Neutralität erhalten bleiben, wenn ein kommerzielles Unternehmen das Ruder übernimmt. Dieser Artikel ordnet die Fakten ein, vergleicht SteamDB mit konkurrierenden Tools und zeigt, was der Deal für den deutschen und europäischen Gaming-Markt bedeutet.
Die Fakten zum Deal: Wer kauft SteamDB und wann kam die Meldung
Die Übernahme wurde am 2. September 2026 offiziell über den SteamDB-Blog verkündet. Käufer ist Chosen, ein Unternehmen, das sich selbst als Übernahmefirma für gründergeführte Gaming-Plattformen positioniert. Chosen gehört bereits Nexus Mods, die größte Plattform für Spiele-Mods weltweit. Finanzielle Details des Deals blieben unter Verschluss, weder Chosen noch Djundik nannten eine Kaufsumme. In der Ankündigung betonten beide Seiten, dass sich für Nutzer zunächst nichts ändert: Die URL bleibt bestehen, die Kernfunktionen bleiben kostenlos, und ein Nexus-Mods-Konto ist für die Nutzung von SteamDB nicht erforderlich.
Djundik soll während der Übergangsphase weiter eingebunden bleiben, um einen reibungslosen Wechsel zu gewährleisten. Beobachter werten den Schritt weniger als Abschaltung oder Neustart, sondern als Übergabe der Verantwortung an ein Team mit mehr Ressourcen. Das ist insofern bemerkenswert, als SteamDB in der Szene als eine der verlässlichsten Datenquellen rund um Steam gilt und täglich von Journalisten, Analysten und Spielern gleichermaßen zitiert wird.
Wer ist Chosen? Die Firma hinter Nexus Mods und jetzt SteamDB
Chosen wurde im Januar 2025 von Victor Folmann gegründet und beschäftigt nach Crunchbase-Angaben zwischen 11 und 50 Mitarbeitende. Folmann übernahm im Juni 2025 zusätzlich die Rolle als Owner und CEO von Nexus Mods. Öffentliche Angaben zu Finanzierungsrunden oder Investoren liegen nicht vor, weshalb Chosen bislang eher als selbstfinanzierter Übernehmer denn als klassisches Venture-Capital-Start-up auftritt. Das Unternehmen beschreibt seine Mission damit, gründergeführte Gaming- und Creator-Plattformen zu erwerben und wachsen zu lassen, ohne das zu zerstören, was sie ursprünglich besonders gemacht hat.
Mit SteamDB kommt nun ein zweites zentrales Community-Werkzeug ins Chosen-Portfolio. Djundik selbst zog in der Ankündigung eine direkte Parallele zwischen beiden Plattformen: “Nexus Mods has served the gaming community for over twenty years – and, like SteamDB, grew from a personal project into a service used by tens of millions. It was important for me to find a team that understands what it means to be responsible for something the community can’t do without”, sagte Djundik laut einem Bericht von Gagadget. Folmann selbst formulierte seinen Anspruch an sich als Käufer so: “I founded Chosen to become the kind of long-term owner I wish had existed when I sold my own company, someone who genuinely cares about what has been built, protects what makes it special, and listens to the community that made it possible”, heißt es im offiziellen SteamDB-Blogpost.
Warum xPaw verkauft hat: Erschöpfung nach 13 Jahren als Sologründer
Djundik gründete SteamDB 2013 zunächst als Nebenprojekt, das aus dem Wunsch entstand, Steam-Metadaten sichtbar zu machen, die Valve selbst nicht öffentlich aufbereitete. Über die Jahre wuchs das Projekt zu einer Vollzeitaufgabe, die eine einzelne Person kaum noch tragen konnte. Als Hauptgrund für den Verkauf nannte Djundik Erschöpfung. In seiner Stellungnahme, die unter anderem von der Website Softonic zusammengefasst wurde, beschrieb er, wie sich sein Verhältnis zur Arbeit an SteamDB über die Pandemie und die anschließende Verbreitung von KI-Tools verändert hat.
Im offiziellen Blogpost hält Djundik fest: “SteamDB will continue to be SteamDB, now with the resources it needs”, ein Satz, der laut dem SteamDB-Blog zentral für die gesamte Ankündigung ist. Der Fall reiht sich in ein größeres Muster ein: Eine Erhebung des Analyseunternehmens Sonarsource unter Open-Source-Maintainern ergab bereits 2023, dass 58 Prozent der Projektbetreuer mindestens ein Projekt aufgegeben oder ernsthaft in Erwägung gezogen haben, dies zu tun, wobei 44 Prozent explizit Erschöpfung als Grund nannten. SteamDB ist damit ein besonders sichtbares Beispiel für ein branchenweites Problem: kritische Infrastruktur, die von einzelnen, unbezahlten oder unterbezahlten Freiwilligen getragen wird.
Das Versprechen von Chosen: kein Paywall, keine Datenverkäufe
Um Befürchtungen in der Community zu zerstreuen, machte Chosen mehrere konkrete Zusagen. In einer Stellungnahme, zitiert vom Portal Goranked, verspricht das Unternehmen: “no paywall on anything that exists today, no selling your personal data, no login walls, no degrading the site to squeeze value out of it.” Gleichzeitig räumt Chosen ein, dass SteamDB langfristig Geld verdienen muss, um zu bestehen. Wörtlich heißt es dazu: “Yes, SteamDB needs to make money.” Wie genau eine Monetarisierung aussehen könnte, die bestehende Funktionen unangetastet lässt, blieb in der Ankündigung offen.
Für viele Nutzer ist genau diese Ambivalenz der Knackpunkt: Ein Versprechen, nichts zu ändern, steht neben der offenen Aussage, dass sich am Geschäftsmodell etwas ändern muss. Bisher hat sich SteamDB überwiegend über Spenden und eine kleine Zahl von Werbeplätzen finanziert, ein Modell, das für ein Ein-Personen-Projekt tragfähig war, für ein Unternehmen mit Mitarbeitenden aber kaum ausreichen dürfte.
Community-Reaktionen: zwischen Erleichterung und Skepsis
Die Reaktionen in Foren und sozialen Netzwerken fielen gemischt aus. Ein Teil der Community begrüßte, dass SteamDB nun über personelle und finanzielle Ressourcen verfügt, die einem einzelnen Betreiber fehlten, und dass ein plötzliches Verschwinden der Seite dadurch unwahrscheinlicher wird. Der andere Teil äußerte Sorge, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen langfristig andere Prioritäten setzen könnte als ein leidenschaftlicher Einzelentwickler. Konkrete Kritikpunkte betrafen vor allem mögliche künftige Werbeformate und die Frage, wie mit Nutzungsdaten umgegangen wird, sobald SteamDB stärker in die Chosen-Infrastruktur eingebunden ist.
Bislang gibt es laut den verfügbaren Berichten keine Ankündigung von Bannerwerbung oder einem Verkauf personenbezogener Daten. Die Community reagiert damit vor allem auf ein hypothetisches Risiko, nicht auf bereits eingetretene Änderungen. Diese Wahrnehmung ist typisch für Übernahmen im Bereich kostenloser Community-Infrastruktur: Vertrauen wird über Jahre aufgebaut und kann bei einem Eigentümerwechsel schneller erschüttert werden, als es objektiv gerechtfertigt wäre.
Was SteamDB leistet und warum Millionen Nutzer darauf angewiesen sind
SteamDB sammelt und strukturiert Daten, die Valve über die offizielle Steamworks-Plattform zwar technisch bereitstellt, aber nicht in einer für Endnutzer aufbereiteten Form präsentiert. Dazu gehören historische Preisverläufe für einzelne Titel, gleichzeitige Spielerzahlen, Änderungsprotokolle von Spiele-Builds sowie Informationen zu bevorstehenden Veröffentlichungen, die aus öffentlich zugänglichen Steam-Metadaten extrahiert werden. Für Schnäppchenjäger ist die Preishistorie besonders wertvoll, weil sie zeigt, ob ein aktueller Rabatt tatsächlich der niedrigste jemals angebotene Preis ist.
Preis-Tracking und Spielerzahlen als Kernfunktion
Journalisten und Marktanalysten nutzen SteamDB regelmäßig, um Spielerzahlen einzuordnen, etwa wenn ein neuer Titel beim Launch besonders viele gleichzeitige Nutzer erreicht oder ein etabliertes Spiel überraschend an Popularität verliert. Diese Daten fließen häufig direkt in Berichterstattung über Erfolg oder Misserfolg von Veröffentlichungen ein, ohne dass Valve selbst offizielle Zahlen dazu veröffentlicht.
Öffentliche Steam-Schnittstellen als technische Grundlage
Ein Teil der Daten, auf denen Tools wie SteamDB aufbauen, stammt aus öffentlich dokumentierten Endpunkten der Steam Web API. Ein einfaches Beispiel, wie sich die aktuelle Spielerzahl eines Titels über die offizielle Schnittstelle abrufen lässt, zeigt der folgende Aufruf:
curl "https://api.steampowered.com/ISteamUserStats/GetNumberOfCurrentPlayers/v1/?appid=730"
Dienste wie SteamDB kombinieren solche offiziellen, aber rohen Datenpunkte mit eigener Historisierung, Archivierung und Aufbereitung, was den eigentlichen Mehrwert für die Community ausmacht und gleichzeitig erklärt, warum der Betrieb einer solchen Infrastruktur mit wachsender Nutzerzahl immer aufwendiger wird.
SteamDB im Vergleich: konkurrierende Steam-Tracking-Tools
SteamDB ist nicht das einzige Drittanbieter-Werkzeug rund um Steam. Mehrere ähnliche Projekte decken benachbarte Bedürfnisse ab, unterscheiden sich aber deutlich in Betreiberstruktur und Finanzierung. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Alternativen ein.
| Tool | Hauptfunktion | Gründung | Betreiberstruktur 2026 |
|---|---|---|---|
| SteamDB | Preis-, Spielerzahl- und Build-Tracking | 2013 | Seit September 2026 im Besitz von Chosen (Nexus Mods) |
| SteamSpy | Schätzung von Besitzerzahlen und Spielzeiten | 2015 | Weiterhin aktiv, im Beta-Status |
| IsThereAnyDeal | Preisvergleich über mehrere Stores hinweg | 2010er-Jahre | Unabhängig, rund 5,16 Mio. Besuche im März 2026 |
| ProtonDB | Kompatibilitätsberichte für Linux/Steam Deck via Proton | 2018 | Community-getragen, von Buck DeFore initiiert |
Auffällig ist, dass gleich drei der vier genannten Tools historisch von einzelnen Personen oder sehr kleinen Teams betrieben wurden. Das unterstreicht, wie stark die gesamte Transparenz-Infrastruktur rund um Steam von wenigen, oft unbezahlten Freiwilligen abhängt. ProtonDB etwa wird nach eigenen Angaben von Buck DeFore in seiner Freizeit betrieben, während IsThereAnyDeal bislang unabhängig geblieben ist und nach eigenen Traffic-Zahlen von rund 3,67 Millionen Besuchen im Februar 2025 auf etwa 5,16 Millionen Besuche im März 2026 gewachsen ist.
Nexus Mods und Chosens Portfolio in Zahlen
Um die Größenordnung von Chosens Übernahme einzuschätzen, lohnt ein Blick auf Nexus Mods selbst. Die Plattform ging aus der 2001 gestarteten Seite Tesnexus hervor und zählte nach eigenen Angaben zum 23. April 2026 mehr als 73,3 Millionen registrierte Nutzer, ein deutlicher Sprung gegenüber den 61,5 Millionen registrierten Nutzern im April 2025. Zum gleichen Zeitpunkt im April 2026 unterstützte Nexus Mods 4.581 Spiele und verzeichnete kumuliert 22,5 Milliarden Downloads, verglichen mit 661.920 Mods für 3.444 Spiele und 14,7 Milliarden Downloads noch im Februar 2025.
| Kennzahl | Februar 2025 | April 2026 |
|---|---|---|
| Registrierte Nutzer | ca. 59,2 Mio. | 73,3 Mio. |
| Unterstützte Spiele | 3.444 | 4.581 |
| Gehostete Mods | 661.920 | nicht separat ausgewiesen |
| Kumulierte Downloads | 14,7 Mrd. | 22,5 Mrd. |
Das Wachstum von Nexus Mods erklärt, warum Chosen finanziell in der Lage ist, ein zweites großes Community-Projekt wie SteamDB zu übernehmen. Gleichzeitig zeigt es, welches Nutzerpotenzial ein Unternehmen erschließt, wenn es zwei der zentralen Anlaufstellen für PC-Spieler unter einem Dach vereint: Modding auf der einen, Marktdaten auf der anderen Seite.
Historischer Kontext: Wenn Ein-Personen-Projekte an ihre Grenzen kommen
SteamDB ist bei Weitem nicht der erste Fall, in dem ein zentrales Community-Werkzeug an seine Grenzen stößt. Romhacking.net, seit rund 20 Jahren eine der wichtigsten Anlaufstellen für Fan-Übersetzungen und ROM-Patches klassischer Spiele, kündigte 2024 seine Schließung an. Der Betreiber, der unter dem Namen Nightcrawler auftrat, nannte damals die zunehmende Belastung durch automatisierten Bot-Traffic und die Schwierigkeit, einen verlässlichen Nachfolger zu finden, als Hauptgründe. Immerhin konnte der Inhalt der Seite ins Internet Archive überführt werden, sodass die Patches weiter zugänglich bleiben.
Der Unterschied zu SteamDB liegt darin, dass Djundik einen kommerziellen Käufer statt einer Archivierung wählte, was das Fortbestehen der aktiven Funktionen sichert, aber gleichzeitig neue Fragen zur künftigen Ausrichtung aufwirft. Beide Fälle zeigen jedoch dasselbe strukturelle Problem: Digitale Infrastruktur, auf die Millionen Menschen täglich vertrauen, hängt oft am seidenen Faden einzelner Freiwilliger, ohne dass dafür ein tragfähiges, langfristiges Geschäftsmodell existiert.
Marktauswirkungen: Warum Datentransparenz für Steams Wachstum zählt
Der Zeitpunkt der Übernahme fällt in eine Phase, in der Steam selbst Rekordwerte verzeichnet. Am 11. Januar 2026 erreichte die Plattform laut SteamDB-eigenen Aufzeichnungen einen neuen Höchststand von 42.042.778 gleichzeitig aktiven Nutzern, nachdem bereits im Oktober 2025 mit 41.666.455 gleichzeitigen Spielern ein vorheriger Rekord aufgestellt worden war. Die monatlich aktiven Nutzer wuchsen 2025 auf schätzungsweise 147 Millionen, gegenüber rund 132 Millionen im Jahr 2024. Allein 2025 kamen laut Analysen des Branchenbeobachters Chris Zukowski, die sich auf SteamDB-Daten stützen, 20.282 neue Spiele auf die Plattform hinzu, andere Zählungen kommen auf mindestens 19.000 neue Titel. Insgesamt umfasst der Steam-Katalog nach dieser Zählweise inzwischen mehr als 130.000 jemals veröffentlichte Spiele, Stand Ende Juni 2026.
Rekordwerte bei gleichzeitigen Spielern
Gerade diese Rekordzahlen werden regelmäßig über SteamDB verbreitet und von Medien aufgegriffen, bevor Valve selbst offizielle Statistiken bestätigt. Fällt diese unabhängige Datenquelle aus oder verändert sie ihre Neutralität, verlieren Marktanalysten, Investoren und Presse einen wichtigen Frühindikator für die Entwicklung des PC-Gaming-Markts, gerade weil Valve selbst kaum Umsatzzahlen oder detaillierte Nutzerstatistiken veröffentlicht.
Wettbewerbsvergleich: SteamDB gegen offizielle Valve-Werkzeuge
Valve selbst betreibt mit dem Steam Hardware Survey und der Steamworks-Statistik zwar eigene Datenwerkzeuge, doch beide richten sich in erster Linie an Entwickler mit einem eigenen Account beziehungsweise an ein breites Publikum mit begrenztem Detailgrad. SteamDB füllt die Lücke dazwischen: öffentlich zugänglich, granular und historisch nachvollziehbar. Wer sich näher mit der technischen Basis von Steam auf Linux-Systemen beschäftigt, findet ergänzend Kontext in unserer Analyse zum Steam Hardware Survey, der zeigt, wie stark sich die Hardware-Landschaft der Steam-Nutzer seit dem VRAM-Crossover im Sommer 2026 verändert hat.
Im Vergleich zu SteamSpy, das Besitzerzahlen eher schätzt als exakt misst, punktet SteamDB mit tagesaktuellen, direkt aus Steam-Metadaten abgeleiteten Werten. Gegenüber IsThereAnyDeal, das sich auf Preisvergleiche über mehrere Stores hinweg spezialisiert, bleibt SteamDB stärker auf die Steam-Plattform selbst fokussiert, dafür aber technisch tiefer, etwa bei Build- und Update-Historien einzelner Titel. Diese Arbeitsteilung erklärt, warum keines der Tools das andere bislang verdrängt hat, sondern sich die Nutzerbasis in weiten Teilen überschneidet.
Was Entwickler und Publisher jetzt beachten müssen
Für Studios, die SteamDB-Daten in ihre eigene Markt- und Konkurrenzbeobachtung einbeziehen, ändert sich kurzfristig nichts an der technischen Nutzung. Mittelfristig lohnt sich aber ein Blick darauf, ob Chosen zusätzliche kostenpflichtige Funktionen für professionelle Nutzer einführt, etwa erweiterte API-Zugänge oder aggregierte Reports, wie sie in anderen Branchen bei ähnlichen Übernahmen üblich geworden sind. Gerade kleinere deutsche und europäische Indie-Studios, die SteamDB kostenlos zur Konkurrenzbeobachtung nutzen, sollten die Kommunikation von Chosen in den kommenden Monaten aufmerksam verfolgen, insbesondere mit Blick auf mögliche neue Nutzungsbedingungen für automatisierte Datenabfragen.
Auch für Marktbeobachter, die im Kontext von Kartellverfahren gegen Valve argumentieren, bleibt SteamDB eine wichtige unabhängige Quelle. Wie sensibel dieses Umfeld inzwischen ist, zeigt die laufende Diskussion um Valves Marktmacht, mit der wir uns in unserer Berichterstattung zur Steam-Kartellklage bereits ausführlich befasst haben. Auch das frühere Datenleck bei Valve hatte gezeigt, wie stark Nutzer und Presse auf unabhängige Quellen angewiesen sind, wenn Valve selbst wenig kommuniziert.
Prognosen: Wie es mit SteamDB und Chosen weitergeht
Auf Basis der bisher bekannten Fakten lassen sich mehrere plausible Entwicklungen für die kommenden Monate skizzieren.
- Chosen wird voraussichtlich innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate ein konkretes Monetarisierungsmodell für SteamDB vorstellen, das über Spenden und einzelne Werbeplätze hinausgeht, etwa in Form kostenpflichtiger API-Kontingente für Unternehmen.
- Die Kernfunktionen für private Nutzer, Preishistorie, Spielerzahlen und Wunschlisten-Tracking, dürften mindestens bis Ende 2026 kostenlos bleiben, um das gegebene Versprechen nicht sofort zu brechen.
- Weitere Übernahmen ähnlicher Nischenprojekte durch Chosen oder vergleichbare Firmen sind wahrscheinlich, da das Muster, gründergeführte, aber personell überlastete Plattformen aufzukaufen, sich als wiederholbares Geschäftsmodell etabliert.
- Konkurrierende, weiterhin unabhängige Tools wie IsThereAnyDeal oder ProtonDB könnten von verunsicherten SteamDB-Nutzern zumindest teilweise profitieren, sollten sich Sorgen um Neutralität oder Datennutzung verstärken.
- Valve selbst dürfte den offiziellen Umgang mit Drittanbieter-Datenzugriffen in den kommenden Monaten nicht grundlegend ändern, da ein Konflikt mit einem inzwischen kommerziell verankerten Partner wie Chosen für beide Seiten wirtschaftlich riskanter wäre als eine stillschweigende Fortsetzung des Status quo.
Diese Einschätzungen bleiben naturgemäß mit Unsicherheit behaftet, da weder Chosen noch Valve bislang detaillierte Fahrpläne veröffentlicht haben. Für die deutsche und europäische Community, die SteamDB stark für Preisvergleiche bei Rabattaktionen nutzt, bleibt vor allem die Frage relevant, ob historische Preisdaten, ein zentrales Vertrauensmerkmal des Tools, unverändert zugänglich bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat SteamDB gekauft?
SteamDB wurde von Chosen übernommen, dem Unternehmen von Victor Folmann, das bereits die Modding-Plattform Nexus Mods besitzt. Die Übernahme wurde am 2. September 2026 bekannt gegeben.
Wie viel hat Chosen für SteamDB bezahlt?
Der Kaufpreis wurde von keiner der beteiligten Parteien öffentlich genannt. Weder Chosen noch Gründer Pavel Djundik haben eine Summe bestätigt.
Bleibt SteamDB kostenlos nutzbar?
Nach aktuellem Stand ja. Chosen hat zugesichert, dass bestehende Funktionen nicht hinter eine Bezahlschranke wandern und dass keine Login-Pflicht eingeführt wird. Gleichzeitig hat das Unternehmen offen eingeräumt, dass SteamDB langfristig Einnahmen erzielen muss.
Warum hat der Gründer xPaw SteamDB verkauft?
Pavel Djundik nannte Erschöpfung nach 13 Jahren als Ein-Personen-Betreiber als Hauptgrund. Das Projekt war aus einem Nebenprojekt zu einer Vollzeitaufgabe geworden, die er allein nicht mehr tragen wollte.
Was ist Nexus Mods, und wie hängt es mit SteamDB zusammen?
Nexus Mods ist die weltweit größte Plattform für Spiele-Mods mit mehr als 73,3 Millionen registrierten Nutzern, Stand April 2026. Beide Plattformen gehören seit September 2026 zu Chosen, werden aber weiterhin unter eigenem Namen und eigener Marke betrieben.
Gibt es Alternativen zu SteamDB?
Ja. SteamSpy schätzt Besitzerzahlen und Spielzeiten, IsThereAnyDeal vergleicht Preise über mehrere Stores hinweg, und ProtonDB sammelt Kompatibilitätsberichte für Linux und Steam Deck. Keines dieser Tools deckt jedoch exakt denselben Funktionsumfang ab wie SteamDB.
Muss ich jetzt ein Nexus-Mods-Konto haben, um SteamDB zu nutzen?
Nein. Laut der Ankündigung bleibt der Zugang zu SteamDB unabhängig von einem Nexus-Mods-Konto bestehen.
Was bedeutet der Verkauf für Entwickler und Publisher?
Kurzfristig ändert sich an der Nutzung öffentlicher SteamDB-Daten nichts. Mittelfristig sollten Studios beobachten, ob Chosen zusätzliche kostenpflichtige Angebote für professionelle Datenanalysen einführt, etwa erweiterte API-Zugänge.




