Jahrzehntelang war die Sache klar verteilt: JetBrains baute die IDEs für Java-, Python- und Kotlin-Entwickler, Microsoft baute den schlanken Allrounder VS Code, und beide Lager mieden das Terrain des jeweils anderen. Diese Aufteilung ist Geschichte. JetBrains hat seine KI-Erweiterung “AI Assistant” mittlerweile fest im Visual Studio Code Marketplace verankert, dazu kommen der Coding-Agent Junie und das quelloffene Sprachmodell Mellum2. Der Vorstoß trifft GitHub Copilot ausgerechnet in dem Moment, in dem laut mehreren Marktanalysen der Marktanteil des Platzhirschen bereits bröckelt und Microsoft parallel die Abrechnung seines KI-Assistenten komplett umgebaut hat. Für Entwicklerteams in Österreich und der gesamten DACH-Region bedeutet das eine neue Wahlsituation: Bleibt man bei Copilot, wechselt man zu Cursor oder Claude Code, oder holt man sich mit JetBrains’ Werkzeugkasten gleich einen dritten Anbieter direkt in den gewohnten Microsoft-Editor.

JetBrains schickt die eigene KI in fremdes Terrain

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich, denn JetBrains hat drei Jahrzehnte lang praktisch ausschließlich auf die eigenen IDEs wie IntelliJ IDEA, PyCharm oder WebStorm gesetzt. Mit der KI-Erweiterung für Visual Studio Code bricht das Unternehmen erstmals konsequent mit diesem Prinzip. Die Marketplace-Beschreibung der Erweiterung formuliert den Anspruch unmissverständlich: Dieselbe KI-Engine, die im Zentrum der JetBrains-IDEs steht, soll jetzt allen Entwicklern in ihrem bevorzugten Editor zur Verfügung stehen. Das Listing wurde zuletzt am 11. August 2026 aktualisiert, was zeigt, dass JetBrains die VS-Code-Variante aktiv weiterpflegt statt sie als Randprojekt laufen zu lassen.

Gestartet ist die öffentliche Vorschau bereits im Mai 2025, als JetBrains die Erweiterung erstmals im VS Code Marketplace veröffentlichte. Seitdem ist “AI Assistant” für VS Code kontinuierlich gewachsen, bleibt aber offiziell im Public-Preview-Status. Bemerkenswert ist die Strategie dahinter: JetBrains betont im eigenen Blog zum Start der Erweiterung, dass sich das Team zwar aktuell auf die VS-Code-Erweiterung konzentriert, Entwickler die Erweiterung aber auch in anderen Editoren installieren können, die mit VS Code kompatibel sind. Damit zielt JetBrains nicht nur auf Microsofts Editor, sondern indirekt auch auf das gesamte Ökosystem an VS-Code-Forks, zu dem auch Wettbewerber wie Cursor zählen.

Installation und Verfügbarkeit der Erweiterung

Technisch bleibt die Installation simpel und unterscheidet sich kaum von anderen VS-Code-Erweiterungen. Laut der offiziellen JetBrains-Dokumentation öffnen Entwickler die Extensions-Ansicht, suchen nach “JetBrains AI Assistant” und klicken auf Installieren. Alternativ steht eine .vsix-Datei zum manuellen Import bereit, was vor allem in Unternehmen mit eingeschränktem Marketplace-Zugriff relevant ist. Wer die Kommandozeile bevorzugt, kann die Erweiterung auch direkt über die VS-Code-CLI nachladen:

code --install-extension JetBrains.jetbrains-ai-assistant

Nach der Installation greift die Erweiterung auf dieselbe Mellum-Engine zu, die auch in IntelliJ IDEA und PyCharm läuft. Für Teams, die parallel JetBrains-IDEs und VS Code einsetzen, verspricht das eine einheitliche KI-Erfahrung über Editorgrenzen hinweg, ein Argument, das gerade in gemischten Entwicklerteams mit unterschiedlichen Editor-Vorlieben zieht. Der Haken: Ein Public-Preview-Status bedeutet auch, dass sich Funktionsumfang, Limits und mögliche Kosten noch ändern können, bevor JetBrains eine finale Version veröffentlicht.

Junie: Der Agent, der eigenständig Code verändert

Während “AI Assistant” die klassische Rolle eines Chat- und Vervollständigungs-Tools übernimmt, geht JetBrains mit dem Agenten Junie einen Schritt weiter. Laut dem JetBrains Annual Highlights Report 2026 wurde Junie bereits 2025 eingeführt und direkt in die JetBrains-IDEs integriert. Der Agent versteht laut Unternehmensangaben den Projektkontext, nutzt IDE-Funktionen wie Refactoring-Werkzeuge und Testläufe und arbeitet in derselben Umgebung, in der Entwickler ohnehin lesen, refaktorieren, testen und ausliefern. Das unterscheidet Junie von reinen Vorschlags-Assistenten, die lediglich Codezeilen vorschlagen und die eigentliche Umsetzung dem Menschen überlassen.

Für den VS-Code-Vorstoß ist Junie deshalb wichtig, weil JetBrains damit ein zweites, agentisches Standbein neben dem klassischen Chat-Assistenten aufbaut. GitHub verfolgt mit dem “Agent Mode” in Copilot eine ähnliche Richtung, ebenso Cursor mit seinem Composer und Anthropic mit Claude Code. Der Wettbewerb verschiebt sich damit spürbar von reiner Codevervollständigung hin zu Agenten, die mehrstufige Aufgaben eigenständig abarbeiten, von der Fehlersuche über das Schreiben von Tests bis zum fertigen Pull Request.

Mellum2: Ein offenes Modell als Fundament

Den dritten Baustein der Strategie bildet Mellum, das eigene, proprietäre Sprachmodell von JetBrains, das speziell für Codevervollständigung entwickelt und optimiert wurde. Im Sommer 2026 ging JetBrains einen ungewöhnlichen Schritt und veröffentlichte mit Mellum2 eine schnellere Variante als offenes Modell für KI-Workflows. Anders als GitHub, das bei Copilot überwiegend auf fremde Modelle wie GPT, Claude oder Gemini setzt, kontrolliert JetBrains mit Mellum und Mellum2 einen Teil der eigenen KI-Wertschöpfungskette selbst.

Das Unternehmen selbst beschreibt sein Produktportfolio als mehr als 30 Werkzeuge, darunter die bekannten IDEs IntelliJ IDEA und PyCharm sowie Team-Werkzeuge wie YouTrack, Qodana und TeamCity. Mellum und Mellum2 fungieren dabei als gemeinsamer KI-Unterbau für dieses gesamte Portfolio, was JetBrains einen Kostenvorteil gegenüber Anbietern verschafft, die für jede Anfrage an ein fremdes Modell wie GPT oder Claude bezahlen müssen. Für Entwickler heißt das potenziell günstigere und schnellere Antwortzeiten bei Routineaufgaben, während komplexere Anfragen weiterhin an leistungsfähigere Drittmodelle weitergereicht werden können.

Copilot unter Druck: Marktanteile im Rückwärtsgang

JetBrains wählt seinen Zeitpunkt nicht zufällig. Eine Marktanalyse auf Basis von Stack-Overflow-Daten aus dem Sommer 2026 zeigt, dass der Anteil von GitHub Copilot an der Nutzung von KI-Coding-Werkzeugen von 67 auf 51 Prozent gefallen ist. Die JetBrains Developer Ecosystem Survey, für die zu Jahresbeginn 2026 mehr als 10.000 Entwickler befragt wurden, kommt mit einer anderen Methodik zu einem ähnlichen Bild: Copilot liegt dort bei 29 Prozent, während Cursor und Claude Code mit jeweils 18 Prozent gleichauf folgen. Beide Erhebungen deuten in dieselbe Richtung, auch wenn die absoluten Zahlen wegen unterschiedlicher Methodik voneinander abweichen.

Cursor profitiert von dieser Verschiebung sichtbar. Laut Marktbeobachtern hat der auf VS Code basierende Editor mittlerweile eine jährlich wiederkehrende Umsatzrate von rund 2 Milliarden Dollar erreicht. Für GitHub bedeutet der Rückgang keine akute Krise, Copilot bleibt mit weitem Abstand der größte Einzelanbieter, doch die einstige Quasi-Monopolstellung aus den Jahren 2023 und 2024 ist spürbar aufgebrochen, während GitHub im eigenen Changelog für September 2026 weiterhin fast wöchentlich neue Copilot-Funktionen nachreicht. Genau in diese Lücke stößt JetBrains mit einem dritten, unabhängigen Angebot direkt im selben Editor.

Die neue Abrechnung: AI Credits statt Pauschale

Parallel zum wachsenden Wettbewerb hat GitHub am 1. Juni 2026 das Abrechnungsmodell von Copilot grundlegend umgestellt, wie unter anderem vaasblock.com im Detail dokumentiert. Statt eines festen Kontingents an “Premium Requests” zahlen Nutzer jetzt nach tatsächlichem Tokenverbrauch über sogenannte AI Credits, wobei ein Credit 0,01 Dollar kostet. Reine Codevervollständigungen und die Funktion “Next Edit” bleiben davon unberührt und werden weiterhin nicht extra abgerechnet. Für Vielnutzer von Chat- und Agentenfunktionen kann das je nach Nutzungsmuster teurer werden als das alte Pauschalmodell, für Gelegenheitsnutzer dagegen günstiger.

Diese Umstellung fällt in eine Phase, in der GitHub ohnehin bereits mehrere ältere Modelle aus Copilot entfernt und Nutzer zu neueren Generationen wie Gemini 3.6 Flash oder Claude Sonnet 5 migriert, wie shattered.io zur Modell-Abschaltung im September 2026 bereits berichtet hat. Für Unternehmen bedeutet die neue Kreditlogik zusätzlichen Verwaltungsaufwand, weil sich Kosten nun schwerer im Voraus planen lassen als bei einer festen monatlichen Pauschale. Genau diese Unsicherheit könnte einigen Teams einen zusätzlichen Anreiz geben, Alternativen wie JetBrains AI Assistant oder Cursor zumindest testweise einzuführen.

Preisvergleich: Was kostet KI-Unterstützung im Editor

Ein direkter Preisvergleich zeigt, wie unterschiedlich die Anbieter ihre Modelle bepreisen. Die folgende Tabelle fasst die aktuell veröffentlichten Tarife von GitHub Copilot, JetBrains AI Assistant und dem wichtigsten Herausforderer Cursor zusammen, Stand September 2026.

Anbieter / TarifPreis pro MonatEnthaltenBesonderheit
GitHub Copilot Free0 $2.000 Vervollständigungen, 50 Premium-AnfragenFür Studierende, Lehrende und Open-Source-Maintainer kostenlos
GitHub Copilot Pro10 $Basis-Chat und Agent ModeEinzelentwickler-Tarif
GitHub Copilot Pro+39 $1.500 Premium-Anfragen, Zugriff auf Claude Opus 4.7Für Power-User
GitHub Copilot Business19 $ pro Sitzplatz19 $ inkludierte AI Credits (seit 1.9.2026)Team-Verwaltung, SSO
GitHub Copilot Enterprise39 $ pro Sitzplatz39 $ inkludierte AI Credits (seit 1.9.2026)Für große Organisationen
JetBrains AI Assistant (VS Code)Public PreviewMellum-Engine, an JetBrains-Konto gekoppeltGleiche Engine wie in allen JetBrains-IDEs
Cursor Hobby0 $Begrenzte Agent-Anfragen und Tab-VervollständigungEinstiegstarif im eigenen VS-Code-Fork

Auffällig ist, dass GitHub trotz der neuen Kreditlogik an seinen Grundpreisen von 10, 19 und 39 Dollar festhält, während sich die tatsächlichen Kosten je nach Nutzung nach oben oder unten verschieben können. JetBrains hält sich bei der VS-Code-Erweiterung noch bedeckt, was ein finales Preismodell angeht, solange der Public-Preview-Status andauert.

Funktionsvergleich: Agenten, Modelle, Reichweite

Neben dem Preis entscheidet vor allem der Funktionsumfang darüber, welches Werkzeug sich in Entwicklerteams durchsetzt. Die folgende Übersicht stellt die vier wichtigsten Ansätze gegenüber.

AnbieterVerfügbare EditorenAgentEigenes ModellMarktanteil (Umfrage)
GitHub CopilotVS Code, JetBrains-IDEs, Visual Studio, NeovimAgent ModeNein, nutzt GPT, Claude, Gemini29% (JetBrains) / 51% (Stack Overflow)
JetBrains AI AssistantAlle JetBrains-IDEs, VS Code (Preview)JunieJa, Mellum / Mellum2Neu in VS Code, noch ohne eigene Kennzahl
CursorEigener VS-Code-ForkComposerComposer 2.5 plus Drittmodelle18% (JetBrains)
Claude CodeTerminal, CLI, Editor-PluginsAgent-CLIJa, Anthropic Claude-Modelle18% (JetBrains)

Der Vergleich macht deutlich, dass JetBrains mit Mellum und Mellum2 der einzige Anbieter neben Anthropic ist, der ein selbst kontrolliertes Modell direkt mit einem Agenten und einer breiten Editor-Verfügbarkeit kombiniert. GitHub bleibt dagegen bewusst modell-agnostisch und lässt Kunden zwischen mehreren Drittanbieter-Modellen wählen, was Flexibilität bringt, aber auch von den Preis- und Verfügbarkeitsentscheidungen anderer Unternehmen abhängig macht.

Warum VS Code zum Schlachtfeld wird

VS Code ist längst nicht mehr nur Microsofts eigener Editor, sondern eine offene Plattform, auf der Cursor, Windsurf und zahlreiche kleinere Erweiterungen aufsetzen. Genau diese Offenheit macht den Editor für JetBrains attraktiv: Statt Entwickler zum Umstieg auf eine komplette IntelliJ-Installation zu bewegen, was eine hohe Hürde darstellt, reicht eine einzige Erweiterung im vertrauten Marketplace. Wer bereits VS Code nutzt, kann JetBrains AI Assistant in wenigen Minuten testen, ohne den gewohnten Editor zu verlassen.

Diese Logik gilt im Grunde auch für kleinere Marketplace-Konkurrenten. Erweiterungen wie SideCar bewerben sich mittlerweile explizit als Ersatz für GitHub Copilot und Claude Code und docken sich als eigener Chat-Teilnehmer direkt in die Copilot-Chat-Oberfläche von VS Code ein. Der Marketplace selbst wird damit zum eigentlichen Wettbewerbsfeld, nicht mehr die einzelne IDE. Für Microsoft ergibt sich daraus ein Balanceakt: Der offene Marketplace war stets ein zentraler Vorteil von VS Code gegenüber geschlosseneren Editoren, jetzt nutzen genau diese Offenheit auch die stärksten Konkurrenten des hauseigenen Copilot-Produkts.

Historischer Kontext: Von der geschlossenen IDE zur offenen Erweiterung

Um die Tragweite des Schritts einzuordnen, lohnt ein Blick zurück. JetBrains hat sein Geschäft jahrzehntelang auf kostenpflichtige, spezialisierte IDEs aufgebaut, während Microsoft mit dem kostenlosen VS Code ab 2015 gezielt Marktanteile bei Einsteigern und Web-Entwicklern gewann. Beide Unternehmen respektierten lange eine stille Aufteilung: JetBrains dominierte bei Java, Kotlin und Python in Unternehmensumgebungen, Microsoft bei JavaScript, TypeScript und leichtgewichtigen Projekten. Mit der Einführung von Copilot ab 2021 verschob sich das Kräfteverhältnis erstmals zugunsten von Microsoft, weil Copilot von Anfang an eng mit VS Code verzahnt war.

JetBrains reagierte zunächst mit einer eigenen KI-Integration innerhalb der eigenen IDEs. Der Schritt in den VS Code Marketplace im Mai 2025 markiert dagegen eine Kehrtwende: Statt nur die eigene Kundschaft zu verteidigen, versucht JetBrains aktiv, Marktanteile im Lager des Konkurrenten zu gewinnen. Die parallele Öffnung von IntelliJ-Funktionen über das Language Server Protocol, über die shattered.io bereits berichtet hat, passt in dasselbe Bild: JetBrains öffnet zentrale IntelliJ-Funktionen für Drittanbieter-Editoren und verschiebt damit die klassischen Grenzen zwischen den Werkzeug-Ökosystemen weiter.

Sicherheits- und Kompatibilitätsfragen bei mehreren KI-Plugins

Mit einem dritten großen KI-Anbieter im selben Editor stellt sich für IT-Abteilungen zwangsläufig eine neue Frage: Wie viele KI-Erweiterungen mit Zugriff auf den eigenen Quellcode sollten in einem Editor gleichzeitig aktiv sein? Jede zusätzliche Erweiterung sendet Codeausschnitte an einen weiteren externen Dienst, was Compliance-Teams in regulierten Branchen wie dem Finanzsektor genauer prüfen müssen. JetBrains verweist zwar auf dieselbe Engine, die auch in den eigenen IDEs läuft und dort bereits Sicherheitsprüfungen durchlaufen hat, dennoch bedeutet ein zusätzliches Plugin immer auch eine zusätzliche Angriffsfläche und einen weiteren Punkt, an dem Zugangsdaten oder Unternehmensrichtlinien verwaltet werden müssen.

Hinzu kommt die praktische Frage der Kompatibilität. Läuft eine JetBrains-Erweiterung parallel zu GitHub Copilot im selben VS-Code-Fenster, können sich Tastenkombinationen, Autocomplete-Vorschläge oder Chat-Panels überschneiden. Größere Entwicklerteams tun daher gut daran, vor einem breiten Rollout zunächst in einer kleinen Testgruppe zu prüfen, ob sich beide Werkzeuge sinnvoll ergänzen oder ob sie sich gegenseitig blockieren. Für Einzelentwickler ist das Risiko geringer, hier lässt sich unkompliziert zwischen Erweiterungen wechseln, je nachdem, welches Werkzeug bei der jeweiligen Aufgabe die besseren Ergebnisse liefert.

Marktauswirkungen für Unternehmen in Österreich und der DACH-Region

Für heimische Softwarefirmen und IT-Abteilungen ist die Entwicklung mehr als eine Randnotiz aus dem Silicon Valley. Viele österreichische Unternehmen setzen bereits JetBrains-IDEs für Java- und Kotlin-Projekte ein, etwa im Banken- und Versicherungsumfeld, während gleichzeitig VS Code in Web- und Cloud-Teams dominiert. Wenn JetBrains seine KI-Werkzeuge künftig direkt in VS Code anbietet, könnten Unternehmen ihre bestehenden JetBrains-Lizenzen möglicherweise auf beide Editor-Welten ausweiten, statt für dieselbe Belegschaft zwei getrennte KI-Abonnements zu bezahlen.

Gleichzeitig verschärft die neue Kreditabrechnung bei Copilot den Planungsaufwand für IT-Einkäufer, die Lizenzkosten meist jährlich budgetieren. Wer bislang mit einer festen Copilot-Business-Pauschale kalkuliert hat, muss nun stärker beobachten, wie viele AI Credits Teams tatsächlich verbrauchen. Für kleinere österreichische Softwarehäuser mit knappen IT-Budgets kann das ein Argument sein, testweise auf ein zweites, günstigeres oder anders bepreistes Werkzeug wie JetBrains AI Assistant oder das bereits von shattered.io verglichene JetBrains-KI-Angebot innerhalb der eigenen IDEs auszuweichen, bevor eine unternehmensweite Entscheidung fällt.

Reaktionen aus der Entwicklerszene

In Entwickler-Communitys wird der Vorstoß überwiegend als logischer, aber überfälliger Schritt aufgenommen. Foren-Diskussionen rund um die Marketplace-Erweiterung drehen sich vor allem um zwei Punkte: die Sorge, dass ein Public-Preview-Status noch längere Zeit andauern könnte, und die Frage, ob Mellum2 in der Praxis mit den großen Drittmodellen mithalten kann, die Copilot und Cursor standardmäßig anbieten. Positiv bewertet wird dagegen, dass Entwickler mit JetBrains-Hintergrund erstmals eine vertraute KI-Erfahrung bekommen, ohne den Editor wechseln zu müssen, wenn ein Projekt aus organisatorischen Gründen in VS Code stattfindet.

Auch die zunehmende Zahl an Drittanbieter-Erweiterungen, die sich ausdrücklich als Copilot-Alternative positionieren, spricht für ein wachsendes Interesse an Auswahl statt an einer einzigen Standardlösung. So bewirbt sich etwa die Erweiterung SideCar im VS Code Marketplace ausdrücklich als Ersatz für Copilot und Claude Code. Entwickler testen zunehmend mehrere KI-Werkzeuge parallel und wechseln je nach Aufgabe, statt sich dauerhaft auf einen Anbieter festzulegen. Dieses Verhalten dürfte sich mit einem etablierten Namen wie JetBrains als zusätzlicher Option in VS Code eher verstärken als abschwächen.

Prognosen: Wie sich der Wettbewerb bis Ende 2026 entwickelt

  • JetBrains dürfte den Public-Preview-Status von AI Assistant für VS Code noch mindestens bis Anfang 2027 beibehalten, um vor einem finalen Preismodell genug Nutzungsdaten zu sammeln.
  • Der gemeinsame Marktanteil von Cursor und Claude Code wird gegenüber Copilot voraussichtlich weiter steigen, da beide Anbieter aggressiv neue Agenten-Funktionen ausrollen.
  • GitHub wird die AI-Credits-Logik im Laufe des Jahres nachjustieren müssen, sollten sich Beschwerden über unvorhersehbare Kosten häufen, ähnlich wie bei früheren Anpassungen der Premium-Request-Regeln.
  • JetBrains wird Mellum2 voraussichtlich enger mit Junie verzahnen, um den Agenten von externen Modellanbietern unabhängiger zu machen und Kosten zu senken.
  • Weitere IDE-Anbieter, etwa im Umfeld von Visual Studio oder Neovim, dürften dem Beispiel folgen und eigene KI-Erweiterungen stärker plattformübergreifend anbieten, um dem Trend zu Multi-Vendor-Setups nicht hinterherzulaufen.

Der rote Faden hinter allen fünf Einschätzungen: Die Zeit der klaren Editor-Anbieter-Bindung geht zu Ende. Wer heute VS Code öffnet, kann in Zukunft frei zwischen mehreren vollwertigen KI-Ökosystemen wählen, ganz gleich, welche IDE ursprünglich die Basis dafür gelegt hat.

Häufig gestellte Fragen zu JetBrains AI Assistant in VS Code

Ist JetBrains AI Assistant für VS Code kostenlos?

Die Erweiterung befindet sich weiterhin im Public-Preview-Status, ein finales Preismodell hat JetBrains bislang nicht veröffentlicht. In der Vorschauphase ist die Nutzung an ein JetBrains-Konto gekoppelt.

Kann ich JetBrains AI Assistant und GitHub Copilot gleichzeitig in VS Code nutzen?

Technisch lassen sich beide Erweiterungen parallel installieren. In der Praxis empfiehlt sich ein Test in kleinem Rahmen, da sich Chat-Panels und Vorschlagsfunktionen beider Werkzeuge überschneiden können.

Was ist der Unterschied zwischen Junie und dem klassischen AI Assistant?

AI Assistant liefert vor allem Codevorschläge, Erklärungen und Chat-Antworten. Junie ist ein Agent, der Aufgaben eigenständig über mehrere Schritte hinweg abarbeitet, etwa Refactorings durchführen oder Tests schreiben, und dabei direkt mit dem Projekt interagiert.

Was ist Mellum2 und warum hat JetBrains es quelloffen veröffentlicht?

Mellum2 ist eine schnellere, offene Variante des JetBrains-eigenen Sprachmodells Mellum, das ursprünglich für Codevervollständigung entwickelt wurde. Die Veröffentlichung als offenes Modell soll Entwicklern und Forschungseinrichtungen erlauben, es einzusetzen und weiterzuentwickeln, während JetBrains die Weiterentwicklung der Kernversion weiter vorantreibt.

Wie stark ist der Marktanteil von GitHub Copilot tatsächlich gesunken?

Je nach Erhebung unterscheiden sich die Zahlen. Eine Analyse auf Basis von Stack-Overflow-Daten zeigt einen Rückgang von 67 auf 51 Prozent, während die JetBrains Developer Ecosystem Survey mit anderer Methodik einen Anteil von 29 Prozent ermittelt hat. Beide Erhebungen zeigen aber denselben Trend: Copilot verliert relativ an Boden, bleibt jedoch der größte Einzelanbieter.

Wie funktioniert die neue AI-Credits-Abrechnung bei GitHub Copilot?

Seit 1. Juni 2026 rechnet GitHub Chat- und Agentenfunktionen über AI Credits ab, wobei ein Credit 0,01 Dollar kostet und sich nach dem tatsächlichen Tokenverbrauch richtet. Reine Codevervollständigungen und die Funktion Next Edit bleiben davon unberührt.

Funktioniert JetBrains AI Assistant auch in Cursor oder anderen VS-Code-Forks?

JetBrains gibt an, dass sich die Erweiterung grundsätzlich auch in anderen Editoren installieren lässt, die mit VS Code kompatibel sind. Der offizielle Fokus des Entwicklungsteams liegt aktuell aber klar auf Visual Studio Code selbst.

Lohnt sich der Umstieg für kleine Entwicklerteams in Österreich schon jetzt?

Für Teams, die bereits JetBrains-Lizenzen für andere Projekte besitzen, lohnt sich ein risikoarmer Test, da keine zusätzlichen Werkzeuge angeschafft werden müssen. Für reine VS-Code-Teams ohne JetBrains-Hintergrund ist ein Vergleich mit bestehenden Alternativen wie Copilot oder Cursor sinnvoller, solange sich AI Assistant noch im Preview-Status befindet.