OpenAI hat auf seiner DevDay-Konferenz am 29. September 2026 die bisher weitreichendste Erweiterung seines Programmier-Agenten Codex vorgestellt. Das neue Modell GPT-6.1 Sol treibt Codex künftig in der Cloud an, Entwickler können Programmieraufgaben jetzt vom Laptop, vom Smartphone oder komplett unabhängig vom eigenen Rechner starten. Parallel dazu hat OpenAI wenige Wochen zuvor die Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Cursor aufgekündigt. Für Softwareentwickler in Österreich und der gesamten DACH-Region bedeutet das: Der Wettbewerb um die beste KI-Unterstützung beim Programmieren verschärft sich gerade massiv, und OpenAI spielt dabei nicht mehr nur Zulieferer, sondern zunehmend Platzhirsch.
Was OpenAI bei der DevDay 2026 konkret angekündigt hat
Die DevDay-Ankündigungen drehten sich um zwei eng verknüpfte Neuerungen. Erstens brachte OpenAI mit GPT-6.1 Sol ein neues Modell für agentisches Programmieren, Computerbedienung und professionelle Aufgaben an den Start. Zweitens erhielt Codex, der hauseigene Coding-Agent, die Fähigkeit, komplett in der Cloud zu laufen. Laut OpenAIs eigenem DevDay-Rückblick können Entwickler Codex nun “auf dem Computer, per Fernzugriff vom Handy oder in der Cloud von jedem Gerät aus” betreiben, wie es im offiziellen DevDay-2026-Recap heißt.
Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, ist aber ein echter Bruch mit dem bisherigen Modell. Bislang war Codex, wie die meisten KI-Coding-Tools, an eine lokale Sitzung gebunden. Ein Entwickler startete eine Aufgabe, musste den Rechner offen lassen und wartete auf das Ergebnis. Mit den neuen Cloud-Umgebungen läuft eine Programmieraufgabe weiter, selbst wenn der Laptop zugeklappt ist. Nutzer können den Fortschritt später vom Smartphone aus prüfen oder neue Aufgaben von unterwegs anstoßen. Für Teams mit verteilten Zeitzonen oder für Entwickler, die zwischen Büro und Homeoffice pendeln, ist das ein echter Arbeitsablauf-Wandel und kein reines Marketing-Feature.
GPT-6.1 Sol: Das neue Preismodell für Coding-Agenten
Der eigentliche Hebel hinter der Ankündigung ist der Preis. GPT-6.1 Sol kostet laut der offiziellen OpenAI-Preisliste 2,00 Dollar pro Million Input-Token und 10,00 Dollar pro Million Output-Token. Das teurere Spitzenmodell GPT-6 Astra kostet dagegen 10,00 Dollar pro Million Input-Token und 50,00 Dollar pro Million Output-Token, also jeweils das Fünffache. OpenAI selbst bewirbt GPT-6.1 Sol damit, nahezu an die Leistung von Astra heranzureichen und gleichzeitig nur ein Fünftel von dessen Standardpreis zu kosten.
Im Vergleich zum direkten Vorgänger GPT-6 Sol bleibt der unveränderte Input- und Output-Preis gleich, bei zwischengespeicherten (gecachten) Input-Token sinkt der Preis aber von 0,20 auf 0,10 Dollar pro Million Token, eine Halbierung. Noch deutlicher zeigt sich der Preistrend im Rückblick: Der Vorgänger-Vorgänger GPT-5.6 Sol kostete 4,00 Dollar Input und 20,00 Dollar Output pro Million Token, GPT-6 Sol senkte das bereits um 50 Prozent. Für Teams, die täglich Millionen Token durch Coding-Agenten jagen, summiert sich dieser Unterschied schnell zu echten Budgetfragen.
| Modell | Input (pro 1 Mio. Token) | Gecachter Input | Output (pro 1 Mio. Token) |
|---|---|---|---|
| GPT-5.6 Sol (Vorgänger) | 4,00 $ | k. A. | 20,00 $ |
| GPT-6 Sol | 2,00 $ | 0,20 $ | 10,00 $ |
| GPT-6.1 Sol (aktuell) | 2,00 $ | 0,10 $ | 10,00 $ |
| GPT-6 Astra (Spitzenmodell) | 10,00 $ | 1,00 $ | 50,00 $ |
Interessant ist die Positionierung: GPT-6.1 Sol wird explizit über die ChatGPT-Pläne Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu ausgerollt, zusätzlich über die API unter der Modellkennung gpt-6.1-sol. Laut OpenAI-Ankündigung steht das Modell “ab sofort allen Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu-Nutzern in ChatGPT Work und Codex zur Verfügung”, wie es in der offiziellen Produktankündigung heißt. Für Einzelentwickler in Österreich, die bislang aus Kostengründen beim günstigeren Modell geblieben sind, öffnet sich damit ein Mittelweg zwischen Sparmodus und Spitzenleistung.
Codex Cloud: Programmieren vom Smartphone aus
Der Reporter Maxwell Zeff beschrieb die Neuerung bei TechCrunch so: “OpenAI introduced new capabilities for its software engineering agent Codex, making it more useful beyond a developer’s laptop with reusable cloud development environments that can be accessed from any device”, nachzulesen im TechCrunch-Artikel vom 29. September 2026. Die Kernidee dahinter: Statt für jede neue Aufgabe eine frische Umgebung aufzubauen, bekommt ein Projekt eine wiederverwendbare Cloud-Umgebung mit Repository, Werkzeugen, Abhängigkeiten und freigegebenen Berechtigungen.
Mobile Steuerung als neuer Standard
Entwickler können eine Aufgabe laut OpenAI jetzt auf drei Wegen bearbeiten: lokal auf dem eigenen Rechner, per Fernsteuerung vom Smartphone, oder vollständig in der Cloud unabhängig vom Gerät. Die DevDay-Formulierung dazu lautet wörtlich: “Now developers can run Codex wherever they need it: on a computer, remotely from a phone, or in the cloud from any device.” Für Entwickler bedeutet das praktisch: Eine Codex-Aufgabe, die morgens im Büro gestartet wird, lässt sich am Nachmittag unterwegs per Handy weiterverfolgen, ohne dass der ursprüngliche Rechner eingeschaltet bleiben muss.
Persistente Aufgaben ohne Rechnerbindung
Technisch bedeutet das einen Umstieg von kurzlebigen, rechnergebundenen Sitzungen hin zu dauerhaften Cloud-Jobs. Ein Codex-Cloud-Auftrag bekommt dabei laut Berichten eine isolierte Cloud-Umgebung, die Projektdateien, Werkzeuge und Abhängigkeiten enthält und unabhängig vom lokalen Gerät weiterläuft. Für längere Refactoring-Aufgaben, Testläufe oder Migrationen, die bisher stundenlang einen Laptop blockierten, ist das ein handfester Produktivitätsgewinn. Gleichzeitig verschiebt sich damit auch die Verantwortung: Ein Agent, der eigenständig im Hintergrund weiterarbeitet, braucht klarere Regeln dafür, was er darf und was nicht.
Wiederverwendbare Cloud-Umgebungen für Teams
Für Unternehmen ist vor allem die Team-Komponente relevant. Die wiederverwendbaren Umgebungen lassen sich laut OpenAI so konfigurieren, dass sie ein freigegebenes Setup und eine festgelegte Berechtigungsstruktur enthalten. Statt dass jeder Entwickler im Team seine eigene Codex-Konfiguration pflegt, kann eine Organisation eine Umgebung einmal definieren und sie für alle Aufgaben im selben Projekt wiederverwenden. Das reduziert Reibungsverluste, bringt aber auch eine zentrale Angriffsfläche mit sich, wenn diese gemeinsame Umgebung Zugriff auf Produktionssysteme oder Geheimnisse wie API-Schlüssel erhält.
Ein Beispiel, wie ein Aufruf des neuen Modells über die API aussieht, zeigt der folgende Codeausschnitt. Er ruft GPT-6.1 Sol für eine einfache Coding-Aufgabe auf und orientiert sich an der offiziellen OpenAI-API-Struktur:
curl https://api.openai.com/v1/responses \
-H "Authorization: Bearer $OPENAI_API_KEY" \
-H "Content-Type: application/json" \
-d '{
"model": "gpt-6.1-sol",
"input": "Refactor diese Python-Funktion fuer bessere Lesbarkeit."
}'
Solche Aufrufe lassen sich künftig direkt an eine Cloud-Umgebung binden, statt nur eine einzelne Antwort zurückzugeben. Für Entwicklerteams in Österreich, die ohnehin stark auf Azure- oder AWS-Infrastruktur setzen, dürfte die Integration in bestehende CI/CD-Pipelines der nächste logische Schritt sein, auch wenn OpenAI dazu noch keine Detailspezifikation veröffentlicht hat.
Von der Textvervollständigung zum autonomen Agenten: Die Codex-Geschichte
Um die Tragweite der aktuellen Ankündigung einzuordnen, lohnt ein Blick zurück. Der Name Codex ist älter, als viele Entwickler annehmen. OpenAI stellte das erste Codex-Modell bereits am 10. August 2021 vor, ein auf GPT-3 feinabgestimmtes System, das natürliche Sprache in Code übersetzte. Dieses frühe Codex trieb die erste Version von GitHub Copilot an, wurde aber im März 2023 abgekündigt, nachdem leistungsfähigere Basismodelle verfügbar wurden.
Der Neustart kam zwei Jahre später. Am 16. April 2025 veröffentlichte OpenAI Codex CLI, einen quelloffenen, lokal laufenden Coding-Agenten für das Terminal. Nur einen Monat später, am 16. Mai 2025, folgte die Cloud-Version: ein Software-Engineering-Agent, der laut OpenAI mehrere Aufgaben parallel bearbeiten konnte und zunächst als Forschungsvorschau für ChatGPT-Pro-, Enterprise- und Team-Nutzer startete. Am 6. Oktober 2025 erreichte Codex dann die allgemeine Verfügbarkeit. Die jetzige Erweiterung um vollständige Cloud-Ausführung und mobile Steuerung ist damit der nächste konsequente Schritt in einer Entwicklung, die noch vor eineinhalb Jahren mit einem simplen Terminal-Tool begann.
| Datum | Meilenstein |
|---|---|
| 10. August 2021 | Erstes Codex-Modell (GPT-3-Basis) treibt frühe Version von GitHub Copilot an |
| März 2023 | Ursprüngliches Codex-Modell von OpenAI abgekündigt |
| 16. April 2025 | Codex CLI startet als quelloffener, lokaler Coding-Agent |
| 16. Mai 2025 | Codex-Cloud-Agent startet als Forschungsvorschau, parallele Aufgabenbearbeitung |
| 6. Oktober 2025 | Codex erreicht allgemeine Verfügbarkeit (GA) |
| 29. August 2026 | OpenAI kündigt Ende des Modellzugriffs für Cursor zum 12. November 2026 an |
| 22. September 2026 | GPT-6.1 Sol wird veröffentlicht und in ChatGPT Work sowie Codex integriert |
| 29. September 2026 | DevDay 2026: Codex Cloud mit mobiler Steuerung und wiederverwendbaren Umgebungen vorgestellt |
Der Cursor-Bruch: Warum OpenAI den eigenen Partner kappt
Die Codex-Cloud-Ankündigung lässt sich nicht losgelöst von einem anderen Ereignis lesen, das nur vier Wochen zuvor passierte. Am 29. August 2026 kündigte OpenAI an, den direkten Modellzugriff für Cursor zu beenden, mit einem vorgeschlagenen Stichtag am 12. November 2026. Auslöser war laut Berichten die Übernahme von Cursors Mutterfirma Anysphere durch SpaceX für rund 60 Milliarden Dollar. CNBC berichtete am 29. August, dass OpenAI den Entwicklerzugriff auf seine Modelle über Cursor beenden werde, nachzulesen im CNBC-Bericht zur Übernahme.
Damit verliert einer der meistgenutzten KI-Code-Editoren den Zugang zu OpenAIs GPT-Modellfamilie, während OpenAI im selben Atemzug sein eigenes Codex-Produkt mit mehr Reichweite und niedrigeren Preisen ausstattet. Cursor-Mitgründer Michael Truell erklärte laut Berichten, dass beide Unternehmen weiterhin im Gespräch seien und der 12. November als vorgeschlagener, nicht endgültig fixierter Stichtag gelte. Für Entwicklerteams, die Cursor mit GPT-Modellen kombiniert hatten, bedeutet das in jedem Fall eine bevorstehende Umstellung auf andere Modellanbieter wie Anthropic oder Google.
Die zeitliche Nähe der beiden Ereignisse wirft eine naheliegende Frage auf: Baut OpenAI mit Codex Cloud bewusst eine Alternative auf, die den Verlust von Cursor als GPT-Vertriebskanal kompensieren soll? Offiziell äußert sich OpenAI dazu nicht, die Konstellation spricht aber für sich. Ein Anbieter, der gleichzeitig sein Basismodell an einen Konkurrenten abdreht und das eigene Endkundenprodukt ausbaut, verfolgt erkennbar eine Strategie der vertikalen Integration.
Wettbewerbsvergleich: Codex Cloud gegen Copilot, Cursor und Claude Code
Der Markt für KI-Coding-Agenten ist 2026 deutlich dichter geworden als noch vor zwei Jahren. GitHub Copilot hat laut dem offiziellen GitHub-Changelog vom 25. September 2026 in den Wochen vor der DevDay gleich mehrere neue Modelle aufgenommen, darunter Claude Opus 5.5 für Pro+-, Max-, Business- und Enterprise-Pläne sowie GPT-6 Sol für Pro-Nutzer. Anders als Codex setzt Copilot also bewusst auf eine Multi-Modell-Strategie, bei der Entwickler zwischen Anbietern wie OpenAI, Anthropic und zuletzt auch xAI wählen können.
Cursor wiederum steht nach der SpaceX-Übernahme und dem angekündigten OpenAI-Rückzug vor der Aufgabe, sein Modellangebot neu zu ordnen. Claude Code von Anthropic bleibt als reiner Terminal- und IDE-Agent ohne eigene vollwertige Cloud-Ausführung im Codex-Stil positioniert, auch wenn Anthropic laufend neue Funktionen nachlegt. Codex Cloud unterscheidet sich von all diesen Ansätzen dadurch, dass OpenAI Modell, Agent und Cloud-Infrastruktur aus einer Hand anbietet, während Copilot und Cursor auf externe Modellanbieter angewiesen sind oder waren.
Für Entwickler bedeutet diese Fragmentierung vor allem eines: Die Wahl des richtigen Tools hängt zunehmend davon ab, wie sehr ein Team an einen bestimmten Modellanbieter gebunden sein will. Wer auf Codex setzt, bindet sich enger an OpenAI, bekommt dafür aber ein durchgängiges Erlebnis von der lokalen CLI bis zur Cloud-Ausführung. Wer auf Copilot setzt, bleibt flexibler bei der Modellwahl, verzichtet aber derzeit auf eine vergleichbar tiefe Cloud-Integration mit mobiler Steuerung.
Sicherheitsfragen bei autonomen Cloud-Agenten
Je mehr Autonomie ein Coding-Agent bekommt, desto größer wird die Angriffsfläche. Ein Agent, der eigenständig in der Cloud weiterarbeitet, braucht Zugriff auf Repositories, Paketverwaltungen und mitunter auch auf Deployment-Werkzeuge. Genau hier liegt das Risiko: Werden Umgebungsvariablen, API-Schlüssel oder SSH-Zugangsdaten in eine Agenten-Umgebung eingebettet, können sie bei einer Fehlkonfiguration offengelegt werden. Hinzu kommt die Gefahr von Prompt-Injection, bei der bösartige Anweisungen in Quelldateien, Dokumentation oder Abhängigkeiten versteckt werden und den Agenten zu unerwünschten Aktionen verleiten.
Auch die Dauer der Ausführung spielt eine Rolle. Ein Agent, der weiterläuft, während der Laptop zugeklappt ist, braucht klare Zeitlimits, Freigabeschritte und Protokollierung, damit niemand im Nachhinein rätseln muss, welche Änderung wann und warum vorgenommen wurde. Bei wiederverwendbaren Cloud-Umgebungen für ganze Teams kommt die Frage der Mandantentrennung hinzu: Mehrere Entwickler und mehrere Aufgaben müssen sauber voneinander isoliert bleiben, sonst kann ein kompromittierter Auftrag auf Daten anderer Projekte durchgreifen. OpenAI hat zwar angekündigt, dass sich Umgebungen mit freigegebenen Einstellungen und Berechtigungen konfigurieren lassen, eine vollständige technische Spezifikation zu Isolationsmodell, Datenaufbewahrung oder Netzwerkbeschränkungen liegt bislang aber nicht öffentlich vor.
Was Branchenbeobachter zur Ankündigung sagen
OpenAI selbst beschreibt den Kern der Neuerung in seinem offiziellen DevDay-Rückblick so: “We’re introducing GPT-6.1 Sol, a major upgrade to GPT-6 Sol with exceptionally strong performance on agentic coding, along with computer use, and professional work.” Die Formulierung stammt direkt aus dem DevDay-2026-Recap und macht deutlich, dass OpenAI das Modell gezielt für eigenständig arbeitende Agenten positioniert, nicht nur für klassische Codevervollständigung.
Zur Verfügbarkeit hält OpenAI fest: “GPT-6.1 Sol is available starting today to all Plus, Pro, Business, Enterprise, and Edu users in ChatGPT Work and Codex”, wie es in der Produktankündigung zu GPT-6.1 Sol heißt. Der breite Rollout über fast alle Abo-Stufen hinweg zeigt, dass OpenAI das Modell nicht als Nischenangebot für Großkunden versteht, sondern als neuen Standard für die gesamte Nutzerbasis.
Auch die journalistische Einordnung bestätigt die strategische Stoßrichtung. TechCrunch-Reporter Maxwell Zeff schrieb, OpenAI habe neue Fähigkeiten für seinen Software-Engineering-Agenten Codex eingeführt und ihn damit “more useful beyond a developer’s laptop” gemacht, nachzulesen im bereits erwähnten TechCrunch-Bericht. Bei Axios ordnete Zeff zusätzlich die Preisstrategie ein: “OpenAI says Sol approaches the performance of its more powerful Astra model on tasks including coding and computer use, at a fraction of the cost”, wie im Axios-Artikel vom 29. September 2026 nachzulesen ist. Beide Einschätzungen bestätigen unabhängig voneinander, dass die eigentliche Neuerung in der Kombination aus niedrigerem Preis und erweiterten Fähigkeiten liegt, nicht in einem einzelnen Feature.
Marktauswirkungen für Entwickler in Österreich
Für österreichische Softwarefirmen und freiberufliche Entwickler verschiebt sich mit Codex Cloud eine Kostenrechnung, die bislang vor allem von lokaler Rechenleistung und Abo-Gebühren bestimmt war. Wenn ein Agent in der Cloud läuft und nach Token abgerechnet wird, hängt der tatsächliche Preis einer Programmieraufgabe stark davon ab, wie effizient Prompts formuliert sind und wie viel Kontext ein Projekt mitschleppt. Bei einem Preis von 10 Dollar pro Million Output-Token für GPT-6.1 Sol bleibt die Rechnung für kleinere Teams überschaubar, kann sich bei großen Refactoring-Projekten mit vielen parallelen Cloud-Aufgaben aber durchaus summieren.
Gleichzeitig verschärft die Ankündigung den Wettbewerbsdruck auf heimische Dienstleister, die KI-Coding-Beratung anbieten. Wer Kunden bislang riet, auf Cursor in Kombination mit GPT-Modellen zu setzen, muss angesichts des angekündigten Zugriffsendes zum 12. November 2026 neu bewerten, welche Kombination aus Editor und Modell künftig noch Bestand hat. Für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen, wie sie etwa im österreichischen öffentlichen Sektor üblich sind, dürfte zudem die Frage nach dem Serverstandort der neuen Cloud-Umgebungen an Bedeutung gewinnen, sobald OpenAI dazu konkrete Angaben macht.
Analyse: Die strategische Logik hinter Codex Cloud
Betrachtet man die Ereignisse der vergangenen sechs Wochen als Ganzes, zeichnet sich ein klares Muster ab. Ende August kappt OpenAI den Modellzugriff für einen der größten externen Vertriebskanäle seiner Technologie. Ende September liefert OpenAI im selben Atemzug ein günstigeres, leistungsfähigeres Modell und baut sein eigenes Coding-Produkt so aus, dass es die Lücke, die Cursor hinterlässt, direkt füllen kann. Das ist kein Zufall, sondern ein Lehrbuchbeispiel für vertikale Integration in der KI-Branche: Statt Modelle nur an Dritte zu lizenzieren, baut der Modellanbieter selbst ein konkurrenzfähiges Endprodukt und zieht damit Marge und Kundenbindung zu sich.
Für den breiteren Markt bedeutet das eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse. GitHub Copilot kontert mit einer bewussten Gegenstrategie: mehr Modellvielfalt statt eines einzelnen bevorzugten Anbieters, inklusive Modellen von Anthropic und zuletzt auch xAI. Anthropic wiederum konzentriert sich mit Claude Code auf ein fokussiertes Terminal- und IDE-Erlebnis, ohne den gleichen Cloud-Ausbau wie OpenAI zu verfolgen, zumindest bislang. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich eine offene, modellunabhängige Strategie oder ein geschlossenes, vertikal integriertes Ökosystem im Markt für KI-Coding-Agenten durchsetzt.
Prognosen: Wie sich der Markt für KI-Coding-Agenten weiterentwickelt
- Weitere Preissenkungen bei Mittelklasse-Modellen sind wahrscheinlich, da der Sprung von GPT-5.6 Sol über GPT-6 Sol zu GPT-6.1 Sol in nur wenigen Monaten bereits zwei deutliche Preisschritte brachte.
- Cursor dürfte sein Modellangebot bis zum 12. November 2026 spürbar umbauen und stärker auf Anthropic- oder Google-Modelle setzen, um den OpenAI-Ausfall zu kompensieren.
- Andere Anbieter von KI-Coding-Tools werden voraussichtlich mit eigenen Cloud- und Mobil-Funktionen nachziehen, sobald sich zeigt, dass Entwickler das Konzept der rechnerunabhängigen Aufgaben annehmen.
- Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben werden vermehrt nach Details zu Datenresidenz und Isolationsmodell der neuen Cloud-Umgebungen fragen, bevor sie Codex Cloud produktiv einsetzen.
- Die Debatte um Sicherheitskontrollen bei autonomen, dauerhaft laufenden Coding-Agenten dürfte sich 2027 zu einem eigenen Prüf- und Zertifizierungsthema entwickeln, ähnlich wie es bei Cloud-Sicherheitszertifizierungen bereits existiert.
Was Entwickler jetzt beachten sollten
Wer Codex bereits im Team einsetzt, sollte zunächst prüfen, welches Modell aktuell in Verwendung ist und ob ein Wechsel zu GPT-6.1 Sol angesichts der niedrigeren Kosten sinnvoll ist. Für Projekte, die besonders lange Kontexte benötigen, lohnt ein Blick auf die separat ausgewiesenen Preise für lange Prompts, die in der offiziellen OpenAI-Preisliste höher liegen als die Standardtarife. Teams, die noch mit Cursor und GPT-Modellen arbeiten, sollten den 12. November 2026 im Kalender markieren und frühzeitig Alternativen testen, statt erst kurz vor dem Stichtag umzusteigen.
Bei der Nutzung der neuen Cloud-Umgebungen empfiehlt sich außerdem ein konservativer Umgang mit Berechtigungen. Eine wiederverwendbare Umgebung sollte nur die Zugriffsrechte erhalten, die für die jeweilige Aufgabe tatsächlich nötig sind, statt pauschal weitreichenden Zugriff auf Produktionssysteme einzuräumen. Das reduziert den potenziellen Schaden, falls eine Aufgabe fehlerhaft konfiguriert wird oder ein Agent unerwartet handelt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist GPT-6.1 Sol genau?
GPT-6.1 Sol ist ein von OpenAI am 22. September 2026 veröffentlichtes Modell, das auf agentisches Programmieren, Computerbedienung und professionelle Aufgaben ausgelegt ist. Es kostet 2,00 Dollar pro Million Input-Token und 10,00 Dollar pro Million Output-Token und ist über ChatGPT Work, Codex und die OpenAI-API verfügbar.
Was bedeutet “Codex Cloud” konkret?
Codex Cloud bezeichnet die Fähigkeit, Programmieraufgaben vollständig in der Cloud auszuführen, unabhängig davon, ob der eigene Rechner eingeschaltet ist. Aufgaben lassen sich laut OpenAI vom Computer, per Fernzugriff vom Smartphone oder vollständig geräteunabhängig in der Cloud starten und überwachen.
Wie viel günstiger ist GPT-6.1 Sol im Vergleich zu GPT-6 Astra?
GPT-6.1 Sol kostet pro Million Token sowohl beim Input als auch beim Output jeweils ein Fünftel des Standardpreises von GPT-6 Astra, also 2,00 statt 10,00 Dollar beim Input und 10,00 statt 50,00 Dollar beim Output.
Warum beendet OpenAI die Zusammenarbeit mit Cursor?
OpenAI kündigte am 29. August 2026 an, den direkten Modellzugriff für Cursor zum 12. November 2026 zu beenden. Als Hintergrund gilt die Übernahme von Cursors Mutterfirma Anysphere durch SpaceX für rund 60 Milliarden Dollar. Laut Berichten befinden sich beide Unternehmen weiterhin in Gesprächen über die genauen Konditionen.
Seit wann gibt es Codex überhaupt?
Der Name Codex existiert bereits seit August 2021, als OpenAI ein auf GPT-3 basierendes Modell zur Codeerzeugung vorstellte, das die erste Version von GitHub Copilot antrieb. Nach der Abkündigung im März 2023 kehrte Codex im April und Mai 2025 als eigenständiger Coding-Agent zurück und erreichte im Oktober 2025 die allgemeine Verfügbarkeit.
Ist Codex Cloud sicher für Firmenprojekte?
OpenAI hat angekündigt, dass sich Cloud-Umgebungen mit freigegebenen Einstellungen und Berechtigungen konfigurieren lassen. Eine vollständige technische Spezifikation zu Isolation, Datenaufbewahrung und Netzwerkbeschränkungen liegt öffentlich bislang aber nicht vor, weshalb Unternehmen vor dem produktiven Einsatz eigene Sicherheitsprüfungen durchführen sollten.
Können auch Einzelentwickler in Österreich GPT-6.1 Sol nutzen?
Ja, das Modell steht laut OpenAI allen Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu-Nutzern in ChatGPT Work und Codex zur Verfügung sowie Entwicklern mit API-Zugang unter der Modellkennung gpt-6.1-sol.
Was passiert mit Projekten, die aktuell Cursor und GPT-Modelle kombinieren?
Diese Kombination verliert zum vorgeschlagenen Stichtag 12. November 2026 den direkten OpenAI-Modellzugriff über Cursor. Betroffene Teams sollten frühzeitig alternative Modellanbieter testen oder prüfen, ob ein Umstieg auf Codex direkt infrage kommt.




