Xiaomi hat am 10. Oktober 2026 eine überarbeitete, vollständig offene Version seines KI-Programmierassistenten MiMo Code veröffentlicht und dabei Zahlen vorgelegt, die direkt auf Marktführer Claude Code von Anthropic zielen. Nach eigenen Angaben schlägt das Terminal-Tool aus Peking den US-Konkurrenten in mehreren zentralen Programmier-Benchmarks, in einem Fall mit sieben Prozentpunkten Vorsprung.
Für die Entwickler-Community ist das mehr als eine weitere Produktankündigung. MiMo Code läuft komplett unter MIT-Lizenz, lässt sich mit Modellen von DeepSeek, Kimi oder GLM kombinieren und bringt ein eigenes KI-Modell mit, das laut Xiaomi zeitlich befristet kostenlos bleibt. Die Ankündigung reiht sich in eine wachsende Liste chinesischer Coding-Agenten ein, die westliche Platzhirsche unter Druck setzen – und sie wirft die Frage auf, wie belastbar herstellereigene Benchmarks tatsächlich sind.
Was ist MiMo Code und warum redet die Branche darüber?
MiMo Code ist ein terminal-nativer KI-Programmieragent, den Xiaomi erstmals am 10. Juni 2026 als Version V0.1.0 veröffentlichte. Das Projekt basiert auf dem Open-Source-Agenten OpenCode und wurde von Xiaomi um ein eigenes Speichersystem, mehrere Arbeitsmodi und die Anbindung an verschiedene KI-Modelle erweitert. Der Quellcode liegt öffentlich auf GitHub unter dem Namen XiaomiMiMo/MiMo-Code, die aktuellste Veröffentlichung trägt die Versionsnummer 0.1.14 und stammt vom 2. September 2026.
Am 10. Oktober 2026 hat Xiaomi das Projekt in einer größer angelegten Ankündigung erneut in den Mittelpunkt gerückt und gleichzeitig den Umstieg auf eine neue Modellgeneration eingeleitet. Der Agent selbst bleibt dabei unter der Bezeichnung MiMo Code V0.1.0 bestehen, während im Hintergrund die Modelle ausgetauscht werden. Das Werkzeug läuft auf macOS, Linux und Windows und wird über die Kommandozeile bedient, nicht über eine grafische Oberfläche. Entwickler, die mit Claude Code oder ähnlichen Terminal-Agenten bereits vertraut sind, finden eine ähnliche Arbeitsweise vor: Der Agent liest und schreibt Code, führt Befehle aus und verwaltet Git-Repositories eigenständig.
Vom Smartphone-Konzern zum KI-Labor: Xiaomis Weg zu MiMo
Dass ausgerechnet Xiaomi, bekannt für Smartphones, Haushaltsgeräte und Elektroautos, einen KI-Programmieragenten vorlegt, überrascht auf den ersten Blick. Tatsächlich betreibt der Konzern seit Jahren ein eigenes KI-Forschungslabor unter der Marke MiMo, das zunächst Sprachmodelle für interne Produkte entwickelte. Die Leitung der Coding-Sparte liegt laut Berichten bei Fuli Luo, einer Forscherin, die zuvor an der Entwicklung des DeepSeek-R1-Modells beteiligt war. Diese Personalie erklärt, warum MiMo Code technisch näher an DeepSeeks Ansätzen liegt als an klassischen Konsumgüter-Projekten.
Mit dem Start von MiMo-V2.5 kündigte Xiaomi zusätzlich ein Kontingent von 100 Billionen Token an, das Entwicklern kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollte. Diese Größenordnung zeigt, wie aggressiv Xiaomi in den Markt für KI-Coding-Werkzeuge einsteigt: Während Anthropic und OpenAI ihre Modelle über gestaffelte Abonnements und Nutzungsgebühren refinanzieren, setzt Xiaomi zunächst auf Reichweite und Entwickler-Bindung.
Technische Architektur: Terminal-Agent mit vier Gedächtnisschichten
Der technisch interessanteste Teil von MiMo Code ist nicht das Sprachmodell selbst, sondern die Art, wie der Agent mit langen Programmiersitzungen umgeht. KI-Coding-Agenten verlieren bei sehr langen Aufgaben häufig den Überblick, weil das Kontextfenster irgendwann voll ist und ältere Informationen aus dem Gedächtnis fallen. Xiaomi begegnet diesem Problem mit einem mehrschichtigen Speichersystem, das auf einer SQLite-Datenbank mit Volltextsuche (FTS5) aufbaut.
Vier Gedächtnisschichten gegen das Kontext-Problem
Konkret unterscheidet MiMo Code vier Ebenen: ein Projektgedächtnis in Form einer MEMORY.md-Datei, Sitzungs-Checkpoints, lose Notizen während der Arbeit und abgeschlossene Aufgabenprotokolle. Ein eigener Unteragent, intern als Checkpoint-Writer bezeichnet, übernimmt das Mitschreiben dieser Notizen, während der Hauptagent weiterarbeitet. Alle rund sieben Tage durchsucht ein als “/dream” bezeichneter Befehl vergangene Sitzungen und destilliert wiederkehrende Arbeitsabläufe in automatisierbare Routinen. Dieser Mechanismus soll erklären, warum MiMo Code bei sehr langen Aufgabenketten laut Xiaomi besser abschneidet als Agenten ohne vergleichbares Langzeitgedächtnis.
Compose-Modus und Sprachsteuerung
Neben dem klassischen Chat-Modus bietet MiMo Code einen sogenannten Compose-Modus, der auf vorab definierten Spezifikationen basiert. Statt Schritt für Schritt nachzufragen, plant der Agent hier zunächst ausführlich und setzt die Umsetzung danach möglichst stabil und ohne Rückfragen um. Ergänzt wird das Angebot durch Sprachsteuerung auf Basis von Xiaomis eigener Spracherkennung MiMo-ASR in Kombination mit der Stimmaktivitätserkennung TenVAD. Das Werkzeug unterstützt außerdem das offene MCP-Protokoll für externe Werkzeuge sowie ein eigenes Skills-System und erlaubt projektspezifische Konfigurationen über eine Datei namens .mimocode.
Die Modelle hinter MiMo Code: V2.5, V2.5-Pro und der Wechsel zu V2.6
MiMo Code selbst ist nur die Hülle. Das eigentliche Sprachmodell dahinter hat Xiaomi mehrfach aktualisiert. Zum Start kam MiMo-V2.5 zum Einsatz, ein Modell mit insgesamt 310 Milliarden Parametern, von denen durch eine Sparse-Mixture-of-Experts-Architektur jeweils 15 Milliarden gleichzeitig aktiv sind. Das Kontextfenster liegt bei einer Million Token. Für anspruchsvollere Aufgaben bietet Xiaomi zusätzlich MiMo-V2.5-Pro an, ein deutlich größeres Modell mit 1,02 Billionen Parametern und 42 Milliarden aktiven Parametern, das eine Hybrid-Attention-Architektur nutzt.
Mit der Ankündigung vom 10. Oktober 2026 beginnt zugleich die Ablösung dieser Modellgeneration. Anfragen an MiMo-V2.5-Pro und MiMo-V2.5 werden ab dem 14. Oktober 2026, 18:00 Uhr (UTC+8), automatisch an die neue Modellfamilie MiMo-V2.6 weitergeleitet. Ab dem 21. Oktober 2026, 10:00 Uhr (UTC+8), werden die alten Modell-Kennungen dann endgültig abgeschaltet. Entwickler, die MiMo-V2.5 fest in eigene Skripte oder Automatisierungen eingebaut haben, müssen ihre Konfiguration also innerhalb von rund zehn Tagen anpassen.
Die Benchmark-Zahlen im Detail
Den größten Gesprächsstoff liefern die Vergleichszahlen, die Xiaomi und unabhängige Fachmedien rund um den Start veröffentlicht haben. In der Kombination mit MiMo-V2.5-Pro erreicht MiMo Code auf dem bekannten SWE-bench-Verified-Test 82 Prozent gelöste Aufgaben, während Claude Code in derselben Auswertung auf 79 Prozent kommt. Beim schwierigeren SWE-bench Pro liegt MiMo Code bei 62 Prozent gegenüber 55 Prozent für Claude Code, bei Terminal-Bench 2 stehen 73 Prozent für MiMo Code gegen 69 Prozent für Claude Code zu Buche.
| Benchmark | MiMo Code (mit MiMo-V2.5-Pro) | Claude Code | Vorsprung MiMo Code |
|---|---|---|---|
| SWE-bench Verified | 82 % | 79 % | +3 Prozentpunkte |
| SWE-bench Pro | 62 % | 55 % | +7 Prozentpunkte |
| Terminal-Bench 2 | 73 % | 69 % | +4 Prozentpunkte |
MiMo Code Bench: Der interne Vergleichsmaßstab
Zusätzlich zu den etablierten Branchentests hat Xiaomi einen eigenen Benchmark namens MiMo Code Bench entwickelt und auf der offiziellen MiMo-V2.6-Seite erste Vergleichswerte veröffentlicht. Dort erreicht Claude Opus 5 den höchsten Wert mit 68,6 Punkten, gefolgt von MiMo-V2.6-Pro mit 63,2 Punkten, MiMo-V2.6-Flash mit 61,2 Punkten und GPT-5.6 Sol mit 59,3 Punkten. Bei zwei weiteren von Xiaomi offengelegten Tests, DeepSWE v1.1 und ProgramBench, führen ebenfalls die Modelle von Anthropic und OpenAI: DeepSWE v1.1 bewertet Claude Opus 5 mit 74,0 Punkten vor GPT-5.6 Sol mit 73,0 und MiMo-V2.6-Pro mit 71,9 Punkten, bei ProgramBench liegt Claude Opus 5 mit 37,0 Punkten deutlich vor MiMo-V2.6-Pro mit 26,5 Punkten.
Diese Zahlen relativieren die Schlagzeile “MiMo schlägt Claude” erheblich. Auf reiner Modellebene bleibt Claude Opus 5 in zwei von drei von Xiaomi selbst veröffentlichten Tests vorne. Der Vorsprung, den MiMo Code in den Schlagzeilen für sich beansprucht, bezieht sich nicht auf das Sprachmodell, sondern auf den Agenten, der darum gebaut ist.
Der faire Test: Gleiches Modell, unterschiedlicher Agent
Um genau diesen Unterschied zwischen Modell und Agent sichtbar zu machen, hat Xiaomi einen zweiten Testlauf veröffentlicht, bei dem beide Werkzeuge mit demselben Sprachmodell arbeiten. Statt Claude Code mit einem Claude-Modell laufen zu lassen, wurde in diesem Experiment auch Claude Code mit MiMo-V2.5-Pro betrieben. Das Ergebnis: MiMo Code kommt bei SWE-bench Pro auf 62 Prozent, Claude Code mit dem identischen Modell nur auf 57 Prozent. Bei Terminal-Bench 2 liegt MiMo Code bei 73 Prozent, Claude Code bei 68 Prozent.
| Benchmark | MiMo Code (Agent) | Claude Code (Agent) | Modell in beiden Fällen |
|---|---|---|---|
| SWE-bench Pro | 62 % | 57 % | MiMo-V2.5-Pro |
| Terminal-Bench 2 | 73 % | 68 % | MiMo-V2.5-Pro |
Dieser Aufbau ist methodisch deutlich aussagekräftiger als ein reiner Produktvergleich, weil er die Variable Modell herausrechnet. Der verbleibende Unterschied von fünf Prozentpunkten in beiden Tests lässt sich damit tatsächlich auf die Architektur von MiMo Code zurückführen, also auf das Speichersystem, die Aufgabenplanung und die Art, wie der Agent mit Werkzeugen umgeht. Unabhängig bestätigt wurde dieser Vergleich bislang allerdings nicht, die Zahlen stammen aus Xiaomis eigener Testumgebung.
Die 200-Schritte-Schwelle: Wo MiMo Code wirklich vorne liegt
Der auffälligste Befund aus den bisher veröffentlichten Daten betrifft nicht einzelne Benchmark-Prozentpunkte, sondern das Verhalten bei sehr langen Aufgaben. In einem direkten A/B-Test mit 576 Entwicklern und insgesamt 1.213 paarweisen Aufgabenvergleichen zeigte sich: Unterhalb von 200 Ausführungsschritten liegen MiMo Code und Claude Code etwa gleich auf, die Gewinnquote pendelt nahe 50 Prozent. Oberhalb dieser Schwelle kippt das Bild deutlich: Bei Aufgaben mit mehr als 200 Schritten gewinnt MiMo Code in über 65 Prozent der direkten Vergleiche.
Das deckt sich mit der technischen Ausrichtung des Projekts. Das vierschichtige Gedächtnissystem und der Compose-Modus wurden gezielt für lange, verzweigte Programmieraufgaben entwickelt, etwa größere Refactorings oder mehrstufige Migrationen, bei denen ein Agent über Stunden hinweg den Überblick über viele einzelne Dateien und Abhängigkeiten behalten muss. Für kurze, klar umrissene Aufgaben wie einen einzelnen Bugfix spielt dieser Vorteil dagegen kaum eine Rolle.
Was MiMo Code kostet – und was Claude Code kostet
MiMo Code selbst ist als Software kostenlos und open source. Kosten entstehen erst, wenn ein zahlungspflichtiges Modell dahinter läuft. Für das Basismodell MiMo-V2.5 verlangt Xiaomi 0,40 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 2,00 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token, bis der zeitlich befristete kostenlose Zugang endet. Für MiMo-V2.5-Pro liegen die Preise bei kurzen Kontexten von bis zu 256.000 Token bei 1,00 US-Dollar Eingabe und 3,00 US-Dollar Ausgabe pro Million Token, bei längeren Kontexten steigen die Preise auf 2,00 US-Dollar Eingabe und 6,00 US-Dollar Ausgabe.
| Modell | Preis Eingabe (pro 1 Mio. Token) | Preis Ausgabe (pro 1 Mio. Token) |
|---|---|---|
| MiMo-V2.5 | 0,40 $ | 2,00 $ |
| MiMo-V2.5-Pro (bis 256K Kontext) | 1,00 $ | 3,00 $ |
| MiMo-V2.5-Pro (über 256K Kontext) | 2,00 $ | 6,00 $ |
| Claude Opus 4.8 (Anthropic, zum Vergleich) | 5,00 $ | 25,00 $ |
Der Preisunterschied zu Anthropics Spitzenmodell Claude Opus 4.8 fällt deutlich aus: Bei der Ausgabe verlangt Xiaomi weniger als ein Zehntel des Preises von Anthropic. Wichtig für die Einordnung ist, dass Claude Code selbst nicht an ein bestimmtes Modell gebunden ist und auch mit günstigeren Claude-Modellen betrieben werden kann. Der direkte Preisvergleich zeigt dennoch, wie stark chinesische Anbieter derzeit über den Preis Marktanteile bei KI-Coding-Werkzeugen gewinnen wollen.
MIT-Lizenz und Open Source: Was Entwickler wirklich bekommen
MiMo Code steht unter der MIT-Lizenz, einer der freizügigsten Open-Source-Lizenzen überhaupt. Sie erlaubt Nutzung, Veränderung und Weiterverbreitung des Codes, auch in kommerziellen Produkten, solange der ursprüngliche Lizenztext und Urheberrechtshinweis erhalten bleiben. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Agenten und dem Modell: Während der Agenten-Code selbst offen auf GitHub liegt, bleiben die eigentlichen Sprachmodelle MiMo-V2.5 und MiMo-V2.5-Pro proprietär und laufen über Xiaomis eigene Server.
Praktisch bedeutet das: Wer MiMo Code nutzt, kann den Agenten selbst anpassen, forken oder in eigene Werkzeuge integrieren. Für das Sprachmodell dahinter bleibt man jedoch auf einen Anbieter angewiesen, sei es Xiaomi selbst oder einer der unterstützten Drittanbieter wie DeepSeek, Kimi oder GLM. Diese Offenheit auf Werkzeug-Ebene, kombiniert mit geschlossenen Modellen im Hintergrund, ist mittlerweile das übliche Muster bei chinesischen KI-Coding-Projekten.
Konkurrenz aus China: DeepSeek, Kimi, GLM, Qwen Code und Z.ai
MiMo Code tritt nicht in einem leeren Markt an. Allein in den vergangenen Monaten haben mehrere chinesische Anbieter eigene Terminal-Agenten oder Coding-Modelle vorgestellt, darunter Alibabas Qwen Code und das Z.ai-Projekt ZCode. Xiaomi positioniert MiMo Code bewusst als Werkzeug, das sich mit mehreren dieser Modelle kombinieren lässt, statt ausschließlich auf das eigene MiMo-Modell zu setzen. Diese Offenheit gegenüber Drittanbietern unterscheidet MiMo Code von stärker geschlossenen Ökosystemen wie GitHub Copilot oder Claude Code, die in der Regel an die Modelle des jeweiligen Mutterkonzerns gebunden sind.
Für europäische Entwickler ergibt sich daraus eine ungewohnte Lage: Erstmals existiert eine wachsende Gruppe leistungsfähiger, günstiger und offener Coding-Agenten, die technisch nicht aus den USA stammen. Ob sich daraus tatsächlich eine dauerhafte Verschiebung von Marktanteilen ergibt, hängt stark davon ab, wie Unternehmen außerhalb Chinas mit den im nächsten Abschnitt beschriebenen Datenschutz- und Governance-Fragen umgehen.
Kritik, offene Fragen und Risiken
So beeindruckend die Zahlen auf den ersten Blick wirken, es gibt mehrere berechtigte Einwände. Erstens stammen praktisch alle Benchmark-Ergebnisse, die MiMo Code einen Vorsprung gegenüber Claude Code zuschreiben, aus Xiaomis eigener Testumgebung. Eine unabhängige Nachprüfung durch Dritte liegt bislang nicht vor. Zweitens zeigen unabhängige Leaderboards zu Terminal-Bench 2.0, dass OpenAIs GPT-5.5 dort 82,2 Prozent erreicht, deutlich über den von Xiaomi für MiMo Code selbst gemeldeten 73 Prozent. Das zeigt, wie unterschiedlich Testergebnisse ausfallen können, je nachdem wer sie misst und unter welchen Bedingungen.
Drittens bleibt die Frage der Datenhaltung ungeklärt. Wer MiMo Code mit Xiaomis eigenen Modellen betreibt, schickt Code-Kontext über Xiaomis Server. Für Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben, etwa im öffentlichen Sektor oder in regulierten Branchen wie dem Finanzwesen, kann das ein Ausschlussgrund sein, unabhängig von der technischen Leistungsfähigkeit des Werkzeugs. In den USA bestehen zudem Beschaffungsbeschränkungen für Software chinesischer Anbieter im öffentlichen Bereich, die MiMo Code in bestimmten Kontexten faktisch ausschließen. Viertens signalisiert die Versionsnummer V0.1.0 selbst eine frühe Entwicklungsphase. Für produktionskritische Einsätze in großen Unternehmen dürfte das vielen IT-Verantwortlichen zu riskant sein, solange keine längere Historie an Stabilität und Sicherheitsupdates vorliegt.
Historischer Kontext: Wie Claude Code zum Maßstab wurde
Um die Bedeutung von MiMo Code einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Geschichte seines Vergleichsobjekts. Anthropic veröffentlichte Claude Code im Februar 2025 zunächst als eng limitierte Forschungsvorschau parallel zum Start von Claude 3.7 Sonnet. Erst im Mai 2025, zeitgleich mit der Einführung der Claude-4-Modelle, wurde das Werkzeug allgemein verfügbar. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich Claude Code zu einem der am schnellsten wachsenden Entwicklerwerkzeuge überhaupt und überschritt laut öffentlich gewordenen Berichten bis November 2025 eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde US-Dollar.
Dieser rasante Aufstieg erklärt, warum praktisch jeder neue Terminal-Agent, der seither auf den Markt kommt, sich an Claude Code misst statt an älteren IDE-Plugins. MiMo Code ist damit kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters: Neue Anbieter positionieren sich fast ausschließlich über den direkten Vergleich mit dem etablierten Platzhirsch, weil genau das die Aufmerksamkeit der Entwickler-Community garantiert.
Was das für Entwickler in Österreich und der EU bedeutet
Für Entwickler und IT-Abteilungen in Österreich stellt sich MiMo Code zunächst als interessantes, aber nicht unkompliziertes Angebot dar. Die Kombination aus Open-Source-Agent und günstigen Modellpreisen ist für Einzelentwickler, Start-ups und Bildungseinrichtungen attraktiv, die Kosten sparen wollen und mit einem Terminal-Werkzeug vertraut sind. Wer MiMo Code ausschließlich lokal mit alternativen Modell-Backends wie selbst gehosteten Open-Source-Modellen betreibt, kann zudem einen Teil der Datenschutz-Bedenken umgehen.
Für Unternehmen, die der Datenschutz-Grundverordnung und branchenspezifischen Auflagen unterliegen, bleibt die Nutzung von Xiaomis eigenen Servern dagegen ein ernstzunehmender Prüfpunkt. Vor einer Einführung im Unternehmensumfeld empfiehlt sich eine klare Abklärung, wo Code-Kontext tatsächlich verarbeitet wird, welche Modelle dabei zum Einsatz kommen und ob sich MiMo Code gegebenenfalls ausschließlich mit in der EU gehosteten Modell-Alternativen betreiben lässt. Bis entsprechende Nachweise vorliegen, dürfte der produktive Einsatz vor allem auf Einzelpersonen und kleinere Teams beschränkt bleiben.
Prognosen: Wie geht es mit MiMo Code weiter?
- Die für den 14. Oktober 2026 angekündigte automatische Umstellung auf MiMo-V2.6 dürfte kurzfristig zu weiteren, direkt vergleichbaren Benchmark-Daten führen, sobald Nutzer die neue Modellgeneration in der Praxis testen.
- Angesichts der Versionsnummer V0.1.0 ist mit mehreren schnellen Folgeversionen innerhalb der kommenden Monate zu rechnen, ähnlich wie es bei anderen jungen Terminal-Agenten üblich war.
- Der Druck auf etablierte Anbieter wie Anthropic und OpenAI dürfte zunehmen, eigene Preise für Vielnutzer stärker zu differenzieren, da die Preislücke zu chinesischen Modellen inzwischen erheblich ist.
- Unabhängige Benchmark-Plattformen werden voraussichtlich eigene, nicht herstellergesteuerte Tests zu MiMo Code veröffentlichen, sobald das Werkzeug eine breitere Nutzerbasis erreicht hat.
- Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen werden MiMo Code mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst nur in Kombination mit westlichen oder selbst gehosteten Modell-Backends evaluieren, nicht mit Xiaomis eigener Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen zu Xiaomi MiMo Code
Was ist Xiaomi MiMo Code genau?
MiMo Code ist ein terminal-nativer KI-Programmieragent von Xiaomi, der auf dem Open-Source-Projekt OpenCode basiert. Er liest und schreibt Code, führt Kommandozeilenbefehle aus und verwaltet Git-Repositories, ergänzt um ein eigenes mehrschichtiges Speichersystem für lange Programmiersitzungen.
Ist MiMo Code wirklich kostenlos?
Der Agent selbst ist kostenlos und unter MIT-Lizenz open source. Das bei der Markteinführung gebündelte Modell MiMo-V2.5 ist laut Xiaomi zeitlich befristet kostenlos, danach fallen Nutzungsgebühren pro verarbeiteter Million Token an, abhängig vom gewählten Modell.
Wie gut ist MiMo Code im Vergleich zu Claude Code tatsächlich?
In Xiaomis eigenen Tests liegt MiMo Code bei SWE-bench Verified, SWE-bench Pro und Terminal-Bench 2 jeweils einige Prozentpunkte vor Claude Code, besonders deutlich bei Aufgaben mit mehr als 200 Ausführungsschritten. Auf reiner Modellebene schneidet Claude Opus 5 in zwei von drei von Xiaomi veröffentlichten Benchmarks jedoch weiterhin besser ab als Xiaomis eigene Modelle.
Kann ich MiMo Code mit anderen KI-Modellen wie GPT oder Claude nutzen?
MiMo Code unterstützt neben den eigenen MiMo-Modellen auch Drittanbieter wie DeepSeek, Kimi und GLM sowie generell OpenAI-kompatible Programmierschnittstellen. Damit lässt sich der Agent grundsätzlich auch mit anderen Modell-Anbietern betreiben, sofern eine kompatible Schnittstelle vorhanden ist.
Welche Lizenz hat MiMo Code und was bedeutet das?
Der Agenten-Code steht unter der MIT-Lizenz und darf frei genutzt, verändert und weiterverbreitet werden, auch kommerziell. Die eigentlichen Sprachmodelle MiMo-V2.5 und MiMo-V2.5-Pro sind davon getrennt zu betrachten und bleiben proprietär.
Gibt es Datenschutz-Bedenken bei MiMo Code?
Ja. Wird MiMo Code mit Xiaomis eigenen Modellen betrieben, läuft der Code-Kontext über Xiaomi-Server. Für Unternehmen mit strengen Datenschutz- oder Compliance-Vorgaben ist das ein relevanter Prüfpunkt, der unabhängig von der technischen Leistung des Werkzeugs bewertet werden sollte.
Läuft MiMo Code auch unter Windows?
Ja, MiMo Code unterstützt laut offizieller Dokumentation macOS, Linux und Windows. Die Installation unter Windows erfolgt über npm, auf macOS und Linux über ein Installationsskript.
Was passiert mit MiMo-V2.5 nach der Umstellung auf V2.6?
Anfragen an MiMo-V2.5 und MiMo-V2.5-Pro werden ab dem 14. Oktober 2026, 18:00 Uhr (UTC+8), automatisch an die neue Modellfamilie MiMo-V2.6 weitergeleitet. Ab dem 21. Oktober 2026, 10:00 Uhr (UTC+8), werden die alten Modell-Kennungen endgültig deaktiviert, sodass bestehende Integrationen bis dahin umgestellt werden müssen.




