Nach fast elf Monaten Prüfung durch Kartellbehörden auf drei Kontinenten ist es soweit: Die EA-Übernahme durch ein Konsortium aus dem saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), Silver Lake und Affinity Partners schließt am Dienstag, den 4. August 2026, offiziell ab. Electronic Arts verlässt damit nach mehr als drei Jahrzehnten als börsennotiertes Unternehmen die NASDAQ – im Rahmen des größten Leveraged Buyouts der Geschichte.
Der Deal hat ein Volumen von 55 Milliarden US-Dollar und übertrifft damit jede frühere fremdfinanzierte Übernahme, einschließlich des bisherigen Rekordhalters TXU Energy aus dem Jahr 2007. In einer SEC-Mitteilung vom 30. Juli 2026 bestätigte EA, dass „alle für den Abschluss der Fusion erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen” – die letzte offene Hürde, eine Prüfung durch das US-Gremium CFIUS wegen der saudischen Staatsbeteiligung, ist damit stillschweigend genommen. Was die EA-Übernahme für Spieler, Beschäftigte und den deutschen Games-Markt bedeutet, ordnet dieser Artikel mit allen verfügbaren Zahlen ein.
Der Deal im Überblick: 55 Milliarden Dollar, Abschluss am 4. August
Das Konsortium zahlt 210 US-Dollar je Aktie in bar – ein Aufschlag von 25 Prozent auf den Schlusskurs von 168,32 Dollar vor Bekanntwerden der Gespräche. Der Unternehmenswert von 55 Milliarden Dollar setzt sich aus dem Eigenkapitalwert von rund 52,5 Milliarden Dollar bei 210 Dollar je Aktie sowie der übernommenen Verschuldung zusammen. Angekündigt wurde die Transaktion am 28./29. September 2025, die Aktionäre stimmten ihr am 22. Dezember 2025 zu. EA schloss den letzten Handelstag vor dem offiziellen Vollzug am 30. Juli 2026 auf einem Allzeithoch von 209,59 Dollar – der Kursabstand zum Übernahmepreis war damit auf wenige Cent geschrumpft, ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Markt den Abschluss längst als Formsache einpreiste.
Nach Abschluss firmiert EA als hundertprozentige Tochter der neu gegründeten Holding Oak-Eagle AcquireCo, Inc., die Fusion selbst läuft über die Tochtergesellschaft Oak-Eagle MergerCo, Inc. EA bleibt als operative Gesellschaft bestehen, verschwindet aber vom Kurszettel der NASDAQ. CEO Andrew Wilson bleibt im Amt, der Hauptsitz in Redwood City, Kalifornien, ändert sich nicht.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Unternehmenswert | 55 Mrd. $ |
| Preis je Aktie | 210 $ |
| Aufschlag auf Kurs vor Deal | 25 % |
| Eigenkapital der Käufer | ~36 Mrd. $ |
| Zugesagtes Fremdkapital | ~20 Mrd. $ |
| Bei Abschluss gezogenes Fremdkapital | ~18 Mrd. $ |
| Anteil Public Investment Fund (PIF) | 93,4 % |
| Anteil Silver Lake | 5,5 % |
| Anteil Affinity Partners | 1,1 % |
| Abschlussdatum | 4. August 2026 |
Die Käufer: PIF, Silver Lake und Affinity Partners
Die endgültige Eigentümerstruktur nach Abschluss: 93,4 Prozent gehen an den Public Investment Fund, Saudi-Arabiens Staatsfonds, der bereits vor dem Deal 9,9 Prozent an EA hielt und diese Beteiligung nun in die neue Holding einbringt. Silver Lake, ein auf Technologieinvestitionen spezialisierter Private-Equity-Riese, hält 5,5 Prozent. Affinity Partners, der von Jared Kushner gegründete Investmentfonds, kommt auf 1,1 Prozent. Diese Aufteilung hatte sich im Verlauf der Prüfung mehrfach in Presseberichten unterschiedlich dargestellt – die zuletzt von zahlreichen Quellen übereinstimmend genannten Zahlen (93,4/5,5/1,1) gelten inzwischen als belastbar.
Der PIF ist längst der größte institutionelle Investor der globalen Spieleindustrie. Über seine Tochter Savvy Games Group, für die 2021 ein Budget von 38 Milliarden Dollar reserviert wurde, hält der Fonds bereits Anteile an Nintendo (rund 5 %), Capcom (rund 5 %), Take-Two Interactive, Activision Blizzard, Bandai Namco, Koei Tecmo, NCSoft, Nexon, Square Enix, Scopely, Niantic und SNK. Mit EA kommt nun erstmals eine komplette Mehrheitsübernahme eines Weltklasse-Publishers hinzu, nicht nur eine Minderheitsbeteiligung. Berichten zufolge verschiebt der PIF seit Anfang 2026 zusätzlich rund 12 Milliarden Dollar an Gaming-Anteilen in die Savvy-Struktur, um sein Portfolio zu bündeln.
Der lange Weg zum Abschluss: Zeitplan einer Rekordübernahme
Ursprünglich sollte der Deal bereits zum 30. Juni 2026 abgeschlossen sein. Diese Frist verstrich, ohne dass die europäische Kartellprüfung abgeschlossen war – das Konsortium verlängerte daraufhin die sogenannte „Outside Date” bis zum 28. September 2026, ein Puffer, der sich am Ende als nicht notwendig erwies. Die US-Kartellprüfung nach dem Hart-Scott-Rodino Act war bereits deutlich früher durch. Die eigentliche Hängepartie spielte sich in Brüssel und Washington ab.
Die EU-Prüfung als letzte große Hürde
Die EU-Kommission hatte für ihre kartellrechtliche Phase-1-Prüfung eine Frist bis zum 22. Juli 2026 gesetzt und zusätzlich einen sogenannten Markttest durchgeführt, bei dem Wettbewerber und andere Publisher befragt wurden. Parallel lief erstmals für einen großen Gaming-Deal eine Prüfung nach der noch jungen EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen (Foreign Subsidies Regulation, FSR), die eigens auf staatlich finanzierte Käufer wie den PIF zielt und mit einer Entscheidung um den 30. Juli 2026 rechnete. Da der PIF als Finanzinvestor auftritt und nicht als konkurrierender Spiele-Publisher, blieben die klassischen kartellrechtlichen Überschneidungen gering; schwerer wog die Frage staatlicher Subventionen und Datensouveränität. Die EU-Freigabe fiel Ende Juli, kurz darauf bestätigte auch das US-Gremium CFIUS – zuständig für ausländische Investitionen mit nationaler Sicherheitsrelevanz – seine Zustimmung, wenn auch ohne gesonderte öffentliche Erklärung, sondern nur implizit über die SEC-Mitteilung vom 30. Juli.
Finanzierung: 36 Milliarden Eigenkapital, 20 Milliarden Schulden
Finanziert wird die EA-Übernahme aus rund 36 Milliarden Dollar Eigenkapital der drei Käufer sowie einem von JPMorgan Chase arrangierten Fremdkapitalpaket von bis zu 20 Milliarden Dollar. Bei Abschluss werden davon rund 18 Milliarden Dollar tatsächlich gezogen. Für EA selbst bedeutet das einen Sprung der Gesamtverschuldung um 2,2 Milliarden auf rund 20 Milliarden Dollar. Ein wechselseitiges Vertragsstrafen-Arrangement über 1 Milliarde Dollar für den Fall eines Scheiterns – aus Käufer- wie aus EA-Sicht – wird mit dem Vollzug am 4. August gegenstandslos.
Analysten der Beratungsfirma MergerSight beziffern die Verschuldung nach Abschluss auf das rund 9,95-fache des EBITDA, mit geschätzten jährlichen Zinskosten von etwa 1,4 Milliarden Dollar und einer Zinsdeckung von nur rund dem 1,44-fachen des Betriebsergebnisses – Zahlen, die klassisch für ein hoch gehebeltes Leveraged Buyout sind und die Debatte über die langfristige finanzielle Belastbarkeit von EA befeuern.
Andrew Wilson bleibt CEO – mit über 125 Millionen Dollar Absicherung
CEO Andrew Wilson bleibt nach dem Vollzug im Amt. Laut dem 204-seitigen SEC-Fusionsprospekt erhält er für seine Aktien- und Optionspakete rund 105,93 Millionen Dollar, ausgezahlt in Raten. Sollte Wilson innerhalb von 18 Monaten nach Abschluss ohne wichtigen Grund entlassen werden, greift ein deutlich größeres Sicherheitsnetz: eine Barabfindung von 9,1 Millionen Dollar zuzüglich Bonuszahlung und vollständiger Ausübung sämtlicher noch nicht ausgeübter EA-Aktienoptionen – macht in Summe mehr als 125 Millionen Dollar, wie mehrere unabhängige Quellen übereinstimmend berichten.
Für das Geschäftsjahr 2026 wies EA Wilsons Gesamtvergütung mit 38,6 Millionen Dollar aus, ein Plus von rund 8 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr und dem 305-fachen des Medianeinkommens eines EA-Beschäftigten. Bemerkenswert: Wilsons Beratervertrag mit Silver Lake über 250.000 Dollar jährlich wurde am 12. September 2025 beendet – nur rund zwei Wochen vor der offiziellen Ankündigung der Übernahme, was Kritikern als möglicher Interessenkonflikt auffiel. Die Vergütungssteigerung fiel zudem in dasselbe Geschäftsjahr, in dem EA-Studios reale Stellenstreichungen im Entwicklerbereich vornahmen, etwa im Umfeld von Battlefield 6 – ein Kontrast, der die Debatte um Führungsvergütung in der Branche zusätzlich befeuert.
EA vor der Übernahme: Rekordzahlen im Geschäftsjahr 2026
Anders als bei vielen Leveraged Buyouts historisch üblich, übernimmt das PIF-Konsortium kein angeschlagenes Unternehmen. Im am 31. März 2026 beendeten Geschäftsjahr meldete EA einen Rekord-Netto-Buchungswert von 8,026 Milliarden Dollar (+9 % gegenüber Vorjahr), einen Nettoumsatz von 7,531 Milliarden Dollar (+1 %) und einen operativen Cashflow von 2,553 Milliarden Dollar (+23 %). Im vierten Quartal allein standen 580 Millionen Dollar operativer Cashflow zu Buche. Trotz laufender Übernahme zahlte EA im Juni 2026 sogar eine Dividende von 0,19 Dollar je Aktie aus – ein Unternehmen in dieser Verfassung lässt sich schwerlich als „Rettungsfall” darstellen, wie es bei klassischen Buyout-Zielen oft der Fall ist.
Zum Vergleich: Im vorangegangenen Geschäftsjahr 2025 (bis März 2025) hatte EA einen Netto-Buchungswert von 7,355 Milliarden Dollar und einen Nettoumsatz von 7,463 Milliarden Dollar ausgewiesen, dazu einen Aktienrückkauf von 2,5 Milliarden Dollar für 17,6 Millionen Aktien. Das American-Football-Franchise – gemeint ist die Serie rund um College Football und Madden – erzielte allein über 1 Milliarde Dollar Netto-Buchungswert.
Battlefield 6 und EA Sports FC 26 als Wertfaktoren
Zwei Titel erklären einen Großteil der starken Zahlen. Battlefield 6, gestartet am 10. Oktober 2025, verkaufte sich laut EA-eigenen Angaben in den ersten drei Tagen 7 Millionen Mal – der bislang größte Franchise-Start der Firmengeschichte. Bis Dezember 2025 kletterte die Zahl auf mehr als 20 Millionen verkaufte Einheiten mit einem geschätzten Umsatzbeitrag von rund 1,4 Milliarden Dollar; an einem einzigen Wochenende zählte EA 172 Millionen gespielte Matches. Nach Analystenschätzungen von Tom’s Hardware entfielen 56,7 Prozent der Verkäufe auf den PC.
EA Sports FC 26, gestartet am 26. September 2025, erreichte in der ersten Woche 9 Millionen Spieler, nach 14 Tagen 10 Millionen und bis Ende Oktober 12 Millionen – ein um 40 Prozent schnellerer Start als beim Vorgänger FC 25. Der Metacritic-Wert liegt bei 84 Punkten. Besonders für den deutschsprachigen Markt relevant: Laut GfK-Daten für 2025 lag FC 26 in 16 von 17 europäischen Ländern auf Platz 1 der Verkaufscharts – ein Beleg dafür, wie zentral die Fußball-Simulation für EAs Umsatzbasis gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist.
Historischer Vergleich: Die größten Leveraged Buyouts aller Zeiten
Mit 55 Milliarden Dollar stellt die EA-Übernahme den bisherigen Rekordhalter TXU/Energy Future Holdings aus dem Jahr 2007 in den Schatten – und liefert zugleich eine mahnende Fußnote, denn TXU meldete 2014 Insolvenz an und vernichtete nahezu das gesamte eingesetzte Eigenkapital. Nicht jeder Rekord-Buyout endet so: Der Hilton-Deal von Blackstone aus demselben Jahr 2007 gilt als einer der profitabelsten Private-Equity-Deals überhaupt.
| Deal | Jahr | Volumen | Käufer | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Electronic Arts | 2025/26 | 55 Mrd. $ | PIF, Silver Lake, Affinity | Abschluss 4. Aug. 2026 |
| TXU / Energy Future Holdings | 2007 | 45 Mrd. $ | KKR, TPG, Goldman Sachs | Insolvenz 2014 |
| HCA Healthcare | 2006 | 33 Mrd. $ | Bain Capital, KKR | Börsengang 2011 |
| RJR Nabisco | 1988 | 31 Mrd. $ | KKR | „Barbarians at the Gate” |
| Dell | 2013 | 24,4 Mrd. $ | Michael Dell, Silver Lake | Rückkehr an Börse 2018 |
| Hilton Worldwide | 2007 | 14 Mrd. $ | Blackstone | Profitabelster PE-Deal der Geschichte |
EA-Deal im Vergleich zu anderen Gaming-Megadeals
Innerhalb der Spielebranche bleibt Microsofts 68,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Activision Blizzard (abgeschlossen Oktober 2023) das größere Geschäft in absoluten Zahlen. Der entscheidende Unterschied: Microsoft kaufte strategisch, um Activision-Blizzard-Inhalte ins eigene Xbox- und Game-Pass-Ökosystem zu integrieren. Die EA-Übernahme ist dagegen ein klassisches Leveraged Buyout ohne originäres operatives Interesse eines Wettbewerbers – PIF, Silver Lake und Affinity treten als Finanzinvestoren auf, nicht als Spielehersteller.
| Deal | Jahr | Volumen | Typ |
|---|---|---|---|
| Microsoft – Activision Blizzard | 2023 | 68,7 Mrd. $ | Strategische Übernahme |
| EA – Going Private | 2026 | 55 Mrd. $ | Leveraged Buyout |
| Take-Two – Zynga | 2022 | 12,7 Mrd. $ | Strategische Übernahme |
| Microsoft – ZeniMax/Bethesda | 2021 | 7,5 Mrd. $ | Strategische Übernahme |
| Sony – Bungie | 2022 | 3,6 Mrd. $ | Strategische Übernahme |
Stimmen aus der deutschen und internationalen Presse
Auch die deutschsprachige Fachpresse griff die Nachricht unmittelbar auf. Hardwareluxx bestätigte den Abschlusstermin unter Berufung auf die SEC-Unterlagen und ordnete die Finanzierungsstruktur ein. Eurogamer.de beleuchtete insbesondere die Kritik an der Transaktion und die Verteilung der Firmenanteile. KeyforSteam bezeichnete den Deal als „historisch” und verwies auf die Signalwirkung für künftige Übernahmen in der Branche, während Playfront den ursprünglich für den 30. Juni angesetzten Termin und die anschließende einmonatige Verzögerung durch die Kartellprüfung nachzeichnete.
Eine förmliche, öffentlich verifizierbare Stellungnahme von Andrew Wilson oder Vertretern des PIF-Konsortiums zum eigentlichen Vollzugstermin liegt bislang nicht in zitierfähiger Form vor – mehrere US-Portale beriefen sich auf interne Kommunikation, die sich nicht unabhängig verifizieren ließ. Diese Zurückhaltung deckt sich mit dem bisherigen Kommunikationsverhalten des Konsortiums: Offizielle Stellungnahmen erfolgten während der gesamten Prüfungsphase fast ausschließlich über nüchterne SEC-Mitteilungen, nicht über Interviews oder Pressekonferenzen.
Der deutsche Games-Markt und die Bedeutung für DACH-Spieler
Für den deutschen Markt ist der Zeitpunkt bemerkenswert: Laut Verband der deutschen Games-Branche (game – Verband der deutschen Games-Branche) wuchs der deutsche Games-Markt 2025 um 4 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Konsolen legten um 26 Prozent zu, Online-Dienste wie PS Plus und Game Pass knackten erstmals gemeinsam die Marke von 1 Milliarde Euro, während klassische Vollpreis-Spielverkäufe um 13 Prozent auf 807 Millionen Euro zurückgingen – ein Marktumfeld, in dem ein finanzstarker, aber stärker verschuldeter EA-Konzern seine Preisgestaltung und Live-Service-Strategie noch gezielter steuern dürfte.
Die Bedeutung von EA Sports FC für den deutschsprachigen Raum lässt sich kaum überschätzen: Mit Rang 1 in 16 von 17 europäischen Märkten laut GfK zählt Deutschland zu den wichtigsten Absatzregionen des gesamten EA-Deals – jede strategische Entscheidung des neuen Eigentümerkreises rund um Preisgestaltung, Season-Pass-Modelle oder Serverbetrieb wirkt sich hier überdurchschnittlich stark aus.
Was der Börsenrückzug für Spieler und Entwickler bedeutet
Kurzfristig ändert sich für Spielerinnen und Spieler nichts: Laufende Titel, Server, Season Passes und Accounts bleiben unter der operativen EA-Marke bestehen, unabhängig vom Eigentümerwechsel. Auch datenschutzrechtlich bleibt EA an die DSGVO gebunden – die Nationalität der neuen Eigentümer ändert daran nichts, ein Aspekt, der angesichts der saudischen Staatsbeteiligung in Diskussionsforen immer wieder aufkommt.
Mittelfristig sehen Branchenbeobachter jedoch Risiken: Ein mit rund 20 Milliarden Dollar Schulden und geschätzten 1,4 Milliarden Dollar jährlichen Zinskosten belastetes Unternehmen gerät tendenziell unter stärkeren Druck, Kernfranchises wie Battlefield, EA Sports FC und Apex Legends noch konsequenter zu monetarisieren und Randprojekte zu streichen. Dass reale Stellenstreichungen im EA-Entwicklerumfeld bereits im laufenden Geschäftsjahr stattfanden, während gleichzeitig Managementgehälter stiegen, gilt vielen als Vorbote dieser Dynamik.
Bleiben die Studios in Deutschland unangetastet?
EA unterhält in Deutschland vor allem Vertriebs- und Marketingstrukturen, keine großen eigenständigen Entwicklerstudios vergleichbar mit DICE (Schweden) oder Respawn (USA). Für DACH-Beschäftigte im EA-Umfeld dürfte sich das unmittelbare Risiko daher eher über Zulieferer, Marketingagenturen und Esports-Partnerschaften bemerkbar machen als über direkte Werksschließungen – eine Einschätzung, die sich an den bisherigen Restrukturierungsmustern vergleichbarer Übernahmen in der Branche orientiert, aber keine offizielle Zusage von EA darstellt.
Risiko-Analyse: Warum Kritiker an das TXU-Debakel erinnern
Die Parallelen zum bisherigen LBO-Rekordhalter TXU/Energy Future Holdings sind struktureller Natur: hohe Verschuldung, ein zyklisches Geschäftsmodell und die Wette, dass zukünftige Cashflows die Zinslast tragen. TXU scheiterte 2014 an genau dieser Kombination und meldete Insolvenz an, nachdem sich die zugrunde liegenden Marktannahmen (Energiepreise) grundlegend verschoben hatten. Bei EA lautet die analoge Wette, dass Battlefield, EA Sports FC und Apex Legends auch unter höherer Schuldenlast verlässlich wachsende, planbare Cashflows liefern – gestützt durch Live-Service- und Abo-Elemente, die in den letzten Jahren gezielt ausgebaut wurden.
Gegen eine zu pessimistische Lesart spricht die Ausgangslage: EA übernimmt die neue Schuldenlast von einer Position historischer Rekordumsätze aus, nicht aus einer Schwächephase heraus wie viele frühere Buyout-Ziele. Die Bandbreite möglicher Ausgänge – vom TXU-Totalverlust bis zum Hilton-Erfolgsmodell mit einer Rendite von rund dem 16,8-Fachen des eingesetzten Kapitals – zeigt aber, dass die Finanzstruktur allein noch keine Prognose über den Ausgang erlaubt.
Ausblick: 5 Prognosen für EA nach der Privatisierung
- Kein abrupter Strategiewechsel im laufenden Betrieb: Bestehende Live-Services, Season Passes und Studios dürften in den ersten 12 Monaten nach dem Vollzug weitgehend unverändert weiterlaufen, um Spieler- und Umsatzbasis nicht zu gefährden.
- Verschärfter Fokus auf die drei Kernfranchises: Battlefield, EA Sports FC und Apex Legends dürften überproportional Investitionen erhalten, da sie die verlässlichsten Cashflows zur Bedienung der neuen Schuldenlast liefern.
- Weitere Restrukturierungen sind wahrscheinlich: Angesichts von rund 1,4 Milliarden Dollar geschätzter jährlicher Zinslast dürfte der Druck auf Randprojekte und weniger profitable Studios eher zu- als abnehmen.
- Ein erneuter Börsengang oder Weiterverkauf in 5 bis 7 Jahren ist realistisch: Private-Equity-Investoren wie Silver Lake planen typischerweise mit Exit-Horizonten in dieser Größenordnung, etwa nach dem Vorbild von Dells Rückkehr an die Börse 2018.
- Der PIF baut sein Gaming-Portfolio über Savvy Games weiter aus: EA dürfte als Ankerinvestment dienen, während weitere Minderheitsbeteiligungen oder Kooperationen mit bereits gehaltenen Studios wie Nintendo, Capcom oder Take-Two folgen könnten.
Zur Einordnung dieser Kennzahlen dient folgende, nicht offizielle Zusammenfassung der wichtigsten Eckdaten:
{
"deal": "Electronic Arts – Going Private",
"status": "Abschluss 4. August 2026",
"unternehmenswert_usd": "55 Mrd.",
"preis_je_aktie_usd": 210,
"aufschlag_prozent": 25,
"eigentuemer_nach_abschluss": {
"PIF": "93,4 %",
"Silver Lake": "5,5 %",
"Affinity Partners": "1,1 %"
},
"finanzierung": {
"eigenkapital_usd": "36 Mrd.",
"fremdkapital_zugesagt_usd": "20 Mrd.",
"fremdkapital_gezogen_usd": "18 Mrd."
},
"hinweis": "Illustrative Zusammenfassung, keine offizielle EA-Veröffentlichung"
}
Häufig gestellte Fragen zur EA-Übernahme
Wann schließt die EA-Übernahme offiziell ab?
Der Vollzug ist für Dienstag, den 4. August 2026, vorgesehen. EA bestätigte in einer SEC-Mitteilung vom 30. Juli 2026, dass alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen.
Wie viel ist der Deal wert?
Der Unternehmenswert beträgt 55 Milliarden US-Dollar bei einem Preis von 210 Dollar je Aktie – damit ist es der größte Leveraged Buyout der Geschichte.
Wer sind die neuen Eigentümer von EA?
Ein Konsortium aus dem saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (93,4 %), Silver Lake (5,5 %) und Affinity Partners (1,1 %), dem Investmentfonds von Jared Kushner.
Bleibt Andrew Wilson CEO von EA?
Ja. Wilson bleibt im Amt und erhält für seine Aktienpakete rund 105,93 Millionen Dollar; bei einer Entlassung ohne wichtigen Grund innerhalb von 18 Monaten nach Abschluss stünden ihm mehr als 125 Millionen Dollar zu.
Was passiert mit meinen EA-Spielen und meinem Account?
Nichts Unmittelbares. Laufende Spiele, Server, Season Passes und Accounts bleiben von der Eigentümerübernahme zunächst unberührt, EA bleibt zudem an die DSGVO gebunden.
Ist EA nach der Übernahme noch an der Börse gehandelt?
Nein. Mit dem Vollzug am 4. August 2026 verlässt EA die NASDAQ und wird zur hundertprozentigen Tochter der neu gegründeten Holding Oak-Eagle AcquireCo, Inc.
Warum hat die Übernahme so lange gedauert?
Weil neben der US-Kartellprüfung erstmals auch eine EU-Prüfung nach der Foreign Subsidies Regulation griff, die staatlich finanzierte Käufer wie den PIF gesondert untersucht, zusätzlich zur klassischen CFIUS-Prüfung wegen der nationalen Sicherheitsrelevanz.
Ist die hohe Verschuldung nach dem Deal ein Risiko?
Laut Analystenschätzungen von MergerSight liegt die Verschuldung beim rund 9,95-Fachen des EBITDA mit einer Zinsdeckung von etwa dem 1,44-Fachen – ein für Leveraged Buyouts typisches, aber nicht risikoloses Niveau, wie das historische Beispiel TXU zeigt.
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