Es ist der größte fremdfinanzierte Firmenkauf (Leveraged Buyout) der Wirtschaftsgeschichte – und im Zentrum steht ausgerechnet ein Videospielkonzern. Für 55 Milliarden US-Dollar soll Electronic Arts von der Börse genommen und privatisiert werden. Doch mehr als neun Monate nach der Ankündigung hängt die EA-Übernahme im Sommer 2026 in der Schwebe: Der ursprünglich für Juni 2026 anvisierte Abschluss ist verstrichen, und der Deal steckt in der Prüfung durch die US-Sicherheitsbehörde CFIUS fest. Stand dieser Analyse ist der 3. Juli 2026.

Für Spielerinnen und Spieler im deutschsprachigen Raum ist das keine ferne Wall-Street-Randnotiz. Hinter Electronic Arts stehen EA Sports FC – die meistgespielte Fußballsimulation Europas – sowie Battlefield 6, der erfolgreichste Serienstart der Marke überhaupt. Wenn Saudi-Arabiens Staatsfonds künftig fast alleiniger Eigentümer dieser Marken wird, verschieben sich Machtverhältnisse in einer Branche, die 2025 allein in Deutschland 9,4 Milliarden Euro umsetzte. Diese Analyse ordnet Zahlen, Finanzierung, Risiken und Prognosen ein – und erklärt, warum die EA-Übernahme selbst für den FIFA-Nachfolger auf der heimischen Konsole relevant ist.

EA-Übernahme: Die wichtigsten Zahlen zum 55-Milliarden-Dollar-Deal

Am 29. September 2025 gab Electronic Arts bekannt, dass ein Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und den Affinity Partners von Jared Kushner das Unternehmen für einen Unternehmenswert von 55 Milliarden US-Dollar erwirbt. Aktionäre erhalten 210 US-Dollar je Aktie in bar – ein Aufschlag von rund 25 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs vor Bekanntwerden der Gespräche. Vor der Ankündigung war EA an der Börse mit etwa 43 Milliarden US-Dollar bewertet, wie die Aufarbeitung des Deals bei Wikipedia dokumentiert.

Der Superlativ ist doppelt: Es handelt sich zugleich um den größten Leveraged Buyout der Geschichte und um die größte rein bar bezahlte Privatisierung (Take-private) durch Finanzinvestoren, die je vereinbart wurde. Nach dem Abschluss wird EA von der Technologiebörse NASDAQ genommen und als privates Unternehmen geführt. Die folgende Tabelle fasst die Eckdaten zusammen, wie sie im Bericht von Variety und in den offiziellen Deal-Unterlagen dokumentiert sind.

KennzahlWert
Transaktionsvolumen (Unternehmenswert)55 Mrd. US-Dollar
Preis je Aktie (bar)210 US-Dollar
Aufschlag auf unbeeinflussten Kursrund 25 %
Eigenkapitalanteil (PIF/Silver Lake/Affinity)rund 36 Mrd. US-Dollar
Fremdkapital (JPMorgan Chase)rund 20 Mrd. US-Dollar
Ankündigung29. September 2025
Zustimmung der Aktionäre22. Dezember 2025
Vertragliche Frist (Outside Date)28. September 2026
Status (3. Juli 2026)CFIUS-Prüfung ausstehend

Wer EA kauft: Saudi-PIF, Silver Lake und Kushners Affinity Partners

Das Käuferkonsortium ist ungewöhnlich prominent besetzt. Dominierender Partner ist der Public Investment Fund, der Staatsfonds Saudi-Arabiens, der bereits vor dem Deal einen Anteil von 9,9 Prozent an Electronic Arts hielt und diesen in die Transaktion einbringt. Die zweite Kraft ist Silver Lake, eine der weltgrößten auf Technologie spezialisierten Beteiligungsgesellschaften. Den dritten Sitz nimmt Affinity Partners ein – die Investmentfirma von Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, die selbst maßgeblich von Golfstaaten finanziert wird.

Über die genaue Verteilung der Anteile nach dem Abschluss kursieren leicht unterschiedliche Angaben. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird der PIF künftig rund 93 Prozent an EA halten, Silver Lake etwa 5,5 Prozent und Affinity Partners gut ein Prozent. Damit wird der saudische Staatsfonds faktisch zum alleinigen Eigentümer eines der wichtigsten westlichen Spielekonzerne. Vorstandschef Andrew Wilson bleibt an der Spitze; auch der operative Sitz in Kalifornien soll erhalten bleiben. Wer wissen will, warum EA verkauft wird, findet die Antwort weniger in einer Notlage als in der Rechnung der Investoren: EA liefert planbare, wiederkehrende Umsätze – ideal für ein schuldenfinanziertes Geschäftsmodell.

Die Rolle von Jared Kushners Affinity Partners

Die Beteiligung von Affinity Partners verleiht dem Deal eine politische Dimension. Der Fonds wurde 2021 gegründet und erhielt einen Großteil seines Kapitals von staatlichen Investoren aus dem Nahen Osten, darunter dem PIF selbst. Kritiker sehen darin eine enge Verflechtung von Kapital, Politik und einer Branche, die weltweit rund drei Milliarden Menschen erreicht. Für die regulatorische Bewertung in den USA ist genau diese Nähe zu einem ausländischen Staatsfonds der zentrale Reibungspunkt – dazu später mehr.

Die Finanzierung: 36 Milliarden Eigenkapital, 20 Milliarden Schulden

Ein Leveraged Buyout lebt vom Hebel – und der ist hier gewaltig. Rund 36 Milliarden US-Dollar bringen die Investoren als Eigenkapital ein, den Löwenanteil davon der PIF. Die restlichen etwa 20 Milliarden US-Dollar steuert JPMorgan Chase als Fremdkapital bei; die Bank sagte die Finanzierung bereits am 17. September 2025 zu. Das Entscheidende: Diese Schulden landen nicht bei den Investoren, sondern in der Bilanz von Electronic Arts selbst. Der Konzern, der vor dem Deal lediglich rund 2,2 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten trug, wird über Nacht mit einem Schuldenberg von etwa 20 Milliarden US-Dollar belastet.

KAPITALSTRUKTUR DER EA-UEBERNAHME (Leveraged Buyout)
-----------------------------------------------------
Eigenkapital  (PIF / Silver Lake / Affinity) ~ 36 Mrd. $
Fremdkapital  (JPMorgan, Term Loans)         ~ 20 Mrd. $
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Unternehmenswert (Enterprise Value)          ~ 55 Mrd. $
Bestehende EA-Schulden vor dem Deal          ~ 2,2 Mrd. $
Neuer Schuldenstand nach dem Deal            ~ 20 Mrd. $
Preis je Aktie                               =  210,00 $
Aufschlag auf unbeeinflussten Kurs           =  ~25 %

Zur Absicherung enthält der Vertrag eine wechselseitige Abbruchgebühr (Break-up Fee) von einer Milliarde US-Dollar, falls eine der Parteien aussteigt oder regulatorische Verzögerungen die Grenze von einem Jahr überschreiten. Diese Klausel ist im Sommer 2026 keine Theorie mehr: Sie definiert den finanziellen Rahmen, in dem sich beide Seiten bewegen, während die Uhr in Richtung Fristende tickt.

Warum die EA-Übernahme stockt: CFIUS und die nationale Sicherheit

Die Aktionäre stimmten der EA-Übernahme bereits am 22. Dezember 2025 auf einer virtuellen Hauptversammlung zu. Auch die kartellrechtliche Freigabe nach dem US-amerikanischen HSR-Verfahren liegt vor. Damit ist nur noch eine – aber entscheidende – Hürde offen: die Prüfung durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS). Dieses Gremium bewertet, ob eine ausländische Beteiligung die nationale Sicherheit der USA berührt. Genau hier wird der saudische Staatsfonds als Käufer zum Problem.

Im Fokus stehen zwei Punkte: der Zugriff eines ausländischen Staatsfonds auf einen strategisch bedeutenden Medienkonzern und – heikler noch – die riesigen Mengen an Spielerdaten, die EA über Konten, Zahlungen und Online-Verhalten sammelt. Weil sich das Verfahren zog, wurde die vertragliche Frist zum Abschluss (das sogenannte Outside Date) auf den 28. September 2026 verlängert. Das ursprüngliche Ziel eines Abschlusses bis Ende Juni 2026 ist damit gescheitert. Aus der Frage „Kommt der Deal zustande?“ ist die Frage „Wie lange dauert die Sicherheitsprüfung noch?“ geworden – ein feiner, aber wichtiger Unterschied für Beschäftigte, Studios und Anlegerinnen.

Was der Deal für deutsche Gamer bedeutet: EA Sports FC und Battlefield 6

Kaum ein Publisher ist so tief in der deutschen Spielkultur verankert wie Electronic Arts. Das liegt vor allem am Fußball. EA Sports FC 26, der Nachfolger der früheren FIFA-Reihe, erschien am 26. September 2025 und verkaufte sich rasant: Rund neun Millionen Einheiten in der ersten Woche, zehn Millionen nach 14 Tagen und zwölf Millionen bis Ende Oktober – laut EA etwa 1,4-mal schneller als der Vorgänger FC 25. In den europäischen Jahres-Charts von GfK Entertainment landete das Spiel 2025 in 16 von 17 untersuchten Ländern auf Platz eins. In Deutschland, wo Fußball und Konsole traditionell zusammengehören, ist FC de facto Marktführer.

Die zweite Säule ist Battlefield 6. Der Ego-Shooter startete am 10. Oktober 2025 und wurde laut offizieller EA-Mitteilung zum größten Serienstart der Geschichte: über sieben Millionen verkaufte Exemplare in den ersten drei Tagen, mehr als 172 Millionen gespielte Online-Partien allein am Startwochenende. Bis Dezember 2025 wuchs die Zahl auf über 20 Millionen verkaufte Einheiten und einen geschätzten Umsatz von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert für den deutschen PC-Markt: Laut Analystenschätzungen, die Tom’s Hardware aufführt, entfielen 56,7 Prozent der Verkäufe auf den PC, ein großer Teil davon über Steam.

EA Sports FC 26: Marktführer in Europa

Diese Zahlen erklären, warum die EA-Übernahme für deutsche Spielerinnen und Spieler mehr ist als eine Finanznachricht. Wer künftig entscheidet, ob eine FC-Ausgabe teurer wird, ob Ultimate-Team-Mechaniken verschärft werden oder ob ein Server abgeschaltet wird, sitzt nach dem Abschluss zu über 90 Prozent in Riad. Die Debatte um Lootboxen und Verbraucherschutz, die in Europa ohnehin schwelt, bekommt damit einen neuen Eigentümer als Adressaten.

EA-Aktie und Geschäftszahlen: Warum EA 55 Milliarden wert ist

Ein Aufschlag von 25 Prozent zahlt niemand ohne Grund. Electronic Arts ist hochprofitabel und generiert stabile Cashflows. Im Geschäftsjahr 2025 (zum 31. März 2025) erzielte der Konzern laut eigenem Quartalsbericht Netto-Buchungen (Net Bookings) von 7,355 Milliarden US-Dollar und einen Nettoumsatz von 7,463 Milliarden US-Dollar. Der operative Cashflow lag bei rund 2,079 Milliarden US-Dollar. Allein die American-Football-Sparte (Madden und College Football) überschritt erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar an Netto-Buchungen. Zusätzlich kaufte EA im Geschäftsjahr eigene Aktien im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar zurück.

Vor der Ankündigung stieg die EA-Aktie ohnehin: Mitte August 2025 markierte sie ein Rekordhoch. Nach Bekanntwerden des Deals sprang der Kurs in Richtung des Angebotspreises von 210 US-Dollar – klassisches Verhalten bei einer bevorstehenden Übernahme. Für Anlegerinnen und Anleger ist die EA-Aktie damit faktisch zum Wettschein auf den Abschluss geworden: Solange die CFIUS-Prüfung läuft, notiert sie mit einem Abschlag zum Angebotspreis, der das Restrisiko eines Scheiterns abbildet. Genau deshalb suchen viele Investoren aktuell nach Antworten rund um die EA-Aktie und die Erfolgsaussichten des Deals.

EA-Kennzahl / TitelWert (2025)
Netto-Buchungen Geschäftsjahr 20257,355 Mrd. US-Dollar
Nettoumsatz Geschäftsjahr 20257,463 Mrd. US-Dollar
Operativer Cashflow 2025~2,079 Mrd. US-Dollar
Aktienrückkäufe 20252,5 Mrd. US-Dollar
Battlefield 6 (erste 3 Tage)> 7 Mio. Einheiten
Battlefield 6 (bis Dez. 2025)> 20 Mio. Einheiten
EA Sports FC 26 (bis Ende Okt. 2025)12 Mio. Einheiten
EA Sports FC 26 in Europa (GfK 2025)Platz 1 in 16 von 17 Ländern

Saudi-Arabiens Gaming-Imperium: Von Nintendo bis Capcom

Die EA-Übernahme ist kein Einzelfall, sondern der bislang größte Baustein einer langfristigen Strategie. Bereits 2021 gründete der PIF die Savvy Games Group und stattete sie mit rund 38 Milliarden US-Dollar für Investitionen in Spiele aus – Teil des Programms „Vision 2030“, mit dem Saudi-Arabien seine Wirtschaft über das Öl hinaus diversifizieren will. Seither hat der Fonds Beteiligungen an einer beeindruckenden Liste von Studios und Publishern aufgebaut.

  • Nintendo: rund 5 Prozent (ab 2022 aufgebaut)
  • Capcom (Resident Evil, Monster Hunter): rund 5 Prozent
  • Take-Two Interactive (GTA-Publisher), Activision Blizzard und Electronic Arts: Anteile seit 2021
  • Scopely (Monopoly Go): vollständig übernommen
  • Beteiligungen an Nexon, NCSoft, Square Enix, Koei Tecmo, Bandai Namco und SNK

Anfang 2026 begann der PIF laut Berichten, Gaming-Beteiligungen im Wert von rund zwölf Milliarden US-Dollar in die Savvy Games Group zu überführen und sein Portfolio zu bündeln. Die vollständige Übernahme von EA wäre die Krönung dieser Strategie: vom Minderheitsaktionär zum Alleineigentümer eines der größten westlichen Publisher. Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die weit über die Gaming-Branche hinausreicht – die nach Einfluss, Soft Power und kultureller Kontrolle.

Rekord-Buyout im Vergleich: EA, Activision und Zynga

Um die Dimension einzuordnen, lohnt der Blick auf die größten Deals der Branche seit 2020. Microsofts Kauf von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden US-Dollar bleibt zwar die teuerste Gaming-Akquisition überhaupt – doch es war ein strategischer Kauf durch einen Technologiekonzern, kein schuldenfinanzierter Buyout. Die EA-Übernahme ist mit 55 Milliarden US-Dollar der größte Leveraged Buyout der Gaming-Geschichte und übertrifft alle bisherigen Finanzinvestoren-Deals deutlich. Zur Einordnung dient auch der frühere Rekord bei den Publisher-Zusammenschlüssen: Take-Two übernahm den Mobile-Spezialisten Zynga, wie Game Developer berichtet, für 12,7 Milliarden US-Dollar.

DealWertJahrTyp
Microsoft – Activision Blizzard68,7 Mrd. $2023 (Abschluss)Strategischer Kauf
PIF/Silver Lake/Affinity – Electronic Arts55 Mrd. $2025/26Leveraged Buyout
Take-Two – Zynga12,7 Mrd. $2022Strategischer Kauf
Microsoft – ZeniMax/Bethesda7,5 Mrd. $2021Strategischer Kauf
Sony – Bungie3,6 Mrd. $2022Strategischer Kauf

Der Schuldenberg: Was der Buyout für EA-Studios riskiert

Der zentrale Unterschied zu Microsofts Activision-Kauf liegt im Risiko. Ein strategischer Käufer wie Microsoft kann Verluste einer Sparte quersubventionieren. Ein Leveraged Buyout dagegen legt dem gekauften Unternehmen die Schulden selbst auf. Electronic Arts muss künftig aus dem eigenen Cashflow Zins und Tilgung für rund 20 Milliarden US-Dollar stemmen. Branchenbeobachter, darunter das US-Magazin The Verge, warnen deshalb vor Stellenabbau, kleineren Budgets und weniger kreativem Risiko – klassische Begleiterscheinungen fremdfinanzierter Übernahmen.

Widerspruch kommt auch von Beschäftigtenseite. Die junge Gewerkschaft United Videogame Workers-CWA kritisierte den Deal öffentlich und äußerte die Sorge, die Schuldenlast könne Entlassungen erzwingen, um die Renditen der Investoren zu bedienen. Für die europäischen EA-Standorte – etwa das für die FC-Reihe wichtige Umfeld – ist das keine abstrakte Gefahr: Wenn ein privatisierter Konzern unter Renditedruck gerät, trifft es erfahrungsgemäß zuerst Support-, Live-Service- und Qualitätssicherungsteams. Genau diese Bereiche sind für ein Online-Dauerprodukt wie EA Sports FC jedoch überlebenswichtig.

Sportswashing-Debatte: Saudi-Arabien und der europäische Sport

Die EA-Übernahme lässt sich nicht ohne den größeren Kontext saudischer Investitionen im Sport verstehen. Der PIF ist bereits im europäischen Fußball und im Motorsport präsent, veranstaltet Boxkämpfe und Golfturniere und richtet Großereignisse im Königreich aus. Kritiker sprechen von „Sportswashing“ – dem Versuch, über populäre Unterhaltung das internationale Image aufzupolieren. Dass nun ausgerechnet die weltweit dominierende Fußballsimulation in saudischen Besitz übergeht, verleiht dieser Debatte eine digitale Dimension. Für den deutschsprachigen Markt, in dem Fußball und Gaming besonders eng verzahnt sind, ist das ein sensibler Punkt.

Befürworter halten dagegen, dass langfristig orientiertes Kapital dem oft von Quartalszahlen getriebenen Publisher Stabilität geben könne. Ohne den Druck der Börse, so das Argument, ließen sich größere Wetten und langlebigere Marken aufbauen. Welche Lesart zutrifft, wird sich erst nach dem Abschluss zeigen – und maßgeblich davon abhängen, wie stark die 20 Milliarden Schulden die kreative Freiheit tatsächlich einschnüren.

Marktumfeld: Der deutsche Games-Markt wächst auf 9,4 Milliarden Euro

Die Übernahme fällt in eine Phase, in der der deutsche Markt trotz globaler Konsolenflaute wächst. Nach Zahlen des Branchenverbands game setzte die deutsche Games-Branche 2025 rund 9,4 Milliarden Euro um – ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark wuchs die Hardware: Der Teilmarkt für Spielekonsolen legte um 26 Prozent zu, Zubehör für Gaming-PCs um 13 Prozent. Erstmals durchbrach der Umsatz mit Online-Diensten wie PlayStation Plus und dem Xbox Game Pass die Grenze von einer Milliarde Euro.

Gegen den Trend schrumpfte allerdings der klassische Verkauf einzelner Spiele: Über alle Plattformen hinweg sank dieser Umsatz um 13 Prozent auf 807 Millionen Euro. Der strukturelle Wandel – weg vom Einzelverkauf, hin zu Abos, Live-Services und wiederkehrenden Umsätzen – spielt genau jenem Geschäftsmodell in die Hände, das EA für Finanzinvestoren so attraktiv macht. Ein privatisierter EA-Konzern dürfte diesen Kurs eher verstärken als lockern.

Prognosen: Wie es mit der EA-Übernahme 2026 weitergeht

Eine seriöse Analyse endet nicht bei den Fakten, sondern wagt einen Ausblick. Fünf Entwicklungen erscheinen im Sommer 2026 am wahrscheinlichsten:

  1. Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2026: Da Aktionäre und Kartellbehörde bereits zugestimmt haben und nur CFIUS aussteht, ist ein Scheitern unwahrscheinlicher als eine weitere Verzögerung. Ein Abschluss vor dem Fristende am 28. September 2026 gilt als Basisszenario.
  2. Auflagen statt Blockade: Realistischer als ein Veto sind Zugeständnisse beim Datenschutz – etwa strengere Regeln, wie EA die Daten seiner Nutzer speichert und wer darauf Zugriff hat.
  3. Fokus auf wiederkehrende Umsätze: Unter privatem Eigentum dürfte EA Live-Services, Ultimate Team und Abo-Modelle rund um EA Sports FC weiter ausbauen, um den Schuldendienst zu sichern.
  4. Kostendruck bei Studios: Um Zinsen zu bedienen, sind Effizienzprogramme und selektiver Stellenabbau wahrscheinlich – trotz Rekordumsätzen bei Battlefield und FC.
  5. Regulatorische Nachbeben in Europa: Die EU und einzelne Mitgliedstaaten dürften die wachsende Marktmacht saudischer Investoren im Kultur- und Mediensektor kritischer beobachten – auch mit Blick auf Lootboxen und Jugendschutz.

Einordnung: Warum die EA-Übernahme ein Wendepunkt ist

Die EA-Übernahme markiert eine Zeitenwende für die Spielebranche. Zum ersten Mal wechselt ein westlicher Top-Publisher nicht an einen Technologiekonzern, sondern an einen ausländischen Staatsfonds – finanziert über den größten Schuldenhebel, den die Branche je gesehen hat. Für Deutschland und den DACH-Raum ist das mehr als eine Randnotiz: EA Sports FC ist hier Kulturgut, Battlefield ein PC-Zugpferd, und der Games-Markt wächst gerade dann, wenn Eigentum und Kontrolle sich verschieben. Ob aus dem Rekord-Buyout langfristige Stabilität oder ein von Schulden getriebener Sparkurs wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten – zunächst in den Büros der CFIUS-Prüfer, danach in den Studios.

Häufige Fragen zur EA-Übernahme

Wie viel kostet die EA-Übernahme?

Der Deal bewertet Electronic Arts mit einem Unternehmenswert von 55 Milliarden US-Dollar. Aktionäre erhalten 210 US-Dollar je Aktie in bar – ein Aufschlag von rund 25 Prozent auf den unbeeinflussten Kurs. Es ist der größte Leveraged Buyout der Geschichte.

Wer kauft Electronic Arts?

Ein Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds PIF, der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und Affinity Partners von Jared Kushner. Nach Medienberichten wird der PIF nach Abschluss rund 93 Prozent halten und damit faktisch alleiniger Eigentümer.

Warum wird EA verkauft?

Nicht aus Not: EA ist hochprofitabel und liefert stabile, wiederkehrende Umsätze aus EA Sports FC und Battlefield. Genau diese Planbarkeit macht den Konzern für einen schuldenfinanzierten Buyout attraktiv. Für die Investoren ist EA eine verlässliche Cash-Maschine.

Ist die EA-Übernahme schon abgeschlossen?

Nein. Stand 3. Juli 2026 haben Aktionäre (22. Dezember 2025) und die US-Kartellbehörde bereits zugestimmt, doch die Sicherheitsprüfung durch CFIUS läuft noch. Die vertragliche Frist wurde auf den 28. September 2026 verlängert.

Was bedeutet die Übernahme für die EA-Aktie?

Nach der Ankündigung näherte sich die EA-Aktie dem Angebotspreis von 210 US-Dollar an. Solange die CFIUS-Prüfung läuft, spiegelt ein Abschlag zum Angebotspreis das Restrisiko eines Scheiterns wider. Mit dem Abschluss würde EA von der NASDAQ genommen.

Was ändert sich für Spieler von EA Sports FC und Battlefield?

Kurzfristig wenig, langfristig womöglich viel. Ein privatisierter, hoch verschuldeter Konzern dürfte den Fokus auf Live-Services, Ultimate Team und Abos verstärken. Kritiker fürchten mehr Monetarisierung; Befürworter hoffen auf längerfristige Planung ohne Börsendruck.

Warum ist gerade der saudische Staatsfonds als Käufer umstritten?

Weil ein ausländischer Staatsfonds Zugriff auf einen strategischen Medienkonzern und riesige Mengen an Spielerdaten erhält. Das ist der Kern der CFIUS-Prüfung. Hinzu kommt die politische Debatte um „Sportswashing“ und saudischen Einfluss auf westliche Unterhaltung.

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