Seit dem 9. September 2026 verlangt der Epic Games Store von Spielern in Australien einen Alters-Nachweis, bevor sie ein Spiel mit R18+-Einstufung kaufen oder herunterladen. Wer volljährig ist, kann seit diesem Tag zwischen vier Verfahren wählen: einem Selfie-Scan, einer Kreditkarten-Prüfung, einem Ausweis-Check oder, etwas später im Monat, einer Bankbestätigung. Epic kündigte die Änderung am 8. September über den offiziellen Account an, nur einen Tag vor dem Start.
Der Schritt reiht sich in eine Welle von Alterskontrollen ein, die 2025 und 2026 fast alle großen Spieleplattformen erreicht hat. Steam führte im August 2025 eine Kreditkarten-Pflicht für Erwachseneninhalte in Großbritannien ein und zog exakt am selben Tag wie Epic, dem 9. September 2026, mit Australien nach. Xbox verlangt seit 2025 in UK und Irland eine Alters-Verifizierung für soziale Funktionen. Roblox meldete Anfang September 2026, dass sein Gesichtsscan-System inzwischen 338 Millionen Alters-Checks verarbeitet hat.
Für Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Geschichte mehr als eine Randnotiz aus Down Under. Die EU-Kommission veröffentlichte im Juli 2025 eigene Leitlinien zur Altersprüfung unter dem Digital Services Act, und deutsche Verbraucherschützer fordern seit Monaten strengere Kontrollen für Minderjährige. Was in Canberra beginnt, dient in Brüssel und Berlin oft als Blaupause für die nächste Regelrunde.
Was Epic Games in Australien geändert hat
Die Ankündigung kam kurzfristig. Am 7. und 8. September postete der offizielle Epic-Games-Account eine Warnung an australische Spieler, dass ab dem 9. September eine Altersprüfung für R18+-Titel Pflicht wird. Die Formulierung ließ wenig Interpretationsspielraum:
„Heads up Australia players: Due to local regulations, you’ll need to verify that you’re 18 or older to get or buy R18+ games on the Store, starting September 9. This won’t affect games you already own or anything rated below R18+.“
Epic Games Store, offizieller Account (Quelle)
Übersetzt: Wer in Australien ein neues R18+-Spiel kaufen oder kostenlos beanspruchen will, muss ab sofort sein Alter nachweisen. Bereits gekaufte Titel bleiben uneingeschränkt zugänglich, und Spiele unterhalb der R18+-Schwelle sind von der Regel gar nicht betroffen. Epic reagiert damit direkt auf australisches Jugendschutzrecht, ohne die Änderung global auszurollen. Die Alters-Verifizierung gilt bislang ausschließlich für Konten mit australischer Region.
Die vier Verifizierungsmethoden im Detail
Anders als viele Plattformen setzt Epic nicht auf ein einziges Verfahren, sondern auf vier parallele Wege, von denen Nutzer einen auswählen können. Das soll Reibung reduzieren, denn nicht jeder Spieler besitzt eine Kreditkarte oder will ein Ausweisfoto hochladen.
Biometrische und dokumentenbasierte Verfahren
Die erste Option nutzt den britischen Anbieter Yoti: Nutzer laden ein Selfie hoch, ein Algorithmus schätzt anschließend das Alter anhand von Gesichtsmerkmalen. Die zweite Option führt über den Anbieter Veriff, der ein amtliches Dokument wie Führerschein oder Reisepass scannt und mit einem Live-Foto abgleicht. Beide Verfahren erfassen biometrische Daten, unterscheiden sich aber deutlich in der Genauigkeit: Die Gesichtsschätzung liefert eine Wahrscheinlichkeit, der Dokumenten-Scan ein belastbares Geburtsdatum.
Finanzielle Verfahren
Die dritte Option läuft über Stripe und nutzt eine Kreditkarten-Autorisierung als Volljährigkeits-Indiz, ähnlich dem Steam-Modell. Die vierte Methode, eine Bankverifizierung über ConnectID, ist an die australische Banken-Infrastruktur gekoppelt und startet laut Epic erst im weiteren Verlauf des Septembers, nicht bereits zum 9. September. ConnectID prüft die Identität direkt über die Hausbank des Nutzers, ohne dass Epic selbst Ausweis- oder Gesichtsdaten speichert.
Warum Australien und warum jetzt
Australien treibt die Alters-Verifizierung im Netz seit 2024 mit dem Online Safety Amendment (Social Media Minimum Age) Act voran. Das Gesetz verbietet Nutzern unter 16 Jahren seit dem 10. Dezember 2025 Konten auf einer Liste festgelegter Plattformen, darunter Facebook, Instagram, Snapchat, Threads, TikTok, X, YouTube, Reddit, Twitch und Kick. Reine Gaming-Plattformen wie Steam oder Roblox wurden bewusst nicht auf diese Liste gesetzt, klassisches Online-Gaming ist von der Social-Media-Altersgrenze ausdrücklich ausgenommen.
Die Epic-Regel läuft über ein anderes Gleis: die Klassifizierung von Spieleinhalten durch das Australian Classification Board. R18+ ist dort die höchste Alterseinstufung für Spiele und deckt hochgradige Gewalt, sexuelle Inhalte und andere Materialien ab, die ausschließlich für Erwachsene freigegeben sind. Plattformen, die R18+-Titel anbieten, geraten damit zunehmend unter Druck, den Zugang technisch abzusichern statt sich auf eine reine Selbstauskunft zu verlassen. Genau das hat Epic am 9. September umgesetzt, zeitgleich mit Valve.
Wer betroffen ist und wer nicht
Der Geltungsbereich der neuen Regel ist enger gefasst, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Drei Punkte fasst Epic in der eigenen Ankündigung klar zusammen. Erstens betrifft die Alters-Verifizierung ausschließlich R18+-Titel, alle anderen Alterseinstufungen bleiben unangetastet. Zweitens gilt sie nur für neue Käufe und das Beanspruchen kostenloser Titel, nicht für bereits erworbene Spiele in der eigenen Bibliothek. Drittens ist die Regelung geografisch auf Australien begrenzt und greift damit nicht automatisch für deutsche, österreichische oder schweizerische Nutzerkonten.
Für Publisher bedeutet das dennoch zusätzlichen Aufwand: Wer ein R18+-Spiel im Epic Games Store listet, muss künftig damit rechnen, dass ein Teil der australischen Käufer den Kauf erst nach einer Verifizierung abschließt, mit allen Risiken für Kaufabbrüche, die eine zusätzliche Hürde im Checkout-Prozess typischerweise mit sich bringt.
Steam zieht nach: ein Weg statt vier
Steam hatte bereits vorgelegt. Seit dem 29. August 2025 verlangt Valve von britischen Nutzern eine Alters-Verifizierung, um Shop-Seiten und Community-Bereiche für Spiele mit expliziten Inhalten zu sehen, als Reaktion auf den britischen Online Safety Act. Das Verfahren ist simpel, aber restriktiv: Nutzer hinterlegen eine gültige Kreditkarte, durchlaufen eine Autorisierungsprüfung mit einer nicht abgebuchten Testbelastung und bestätigen anschließend eine bankseitige Sicherheitsabfrage. Solange die Karte im Konto hinterlegt bleibt, gilt das Konto als altersgeprüft.
Am 9. September 2026, zeitgleich mit Epic, weitete Valve dieses Modell auf Australien aus. Auch hier akzeptiert Steam ausdrücklich nur Kreditkarten und keine Debitkarten, weil Minderjährige in Australien leichter an Debitkarten kommen. Die Regel betrifft nicht nur Nischentitel, sondern auch bekannte Mainstream-Spiele wie Cyberpunk 2077 und GTA V, sobald deren australische Einstufung eine Altersprüfung auslöst.
Der Unterschied zu Epic liegt auf der Hand. Wo Steam Nutzer auf einen einzigen, finanzbasierten Weg festlegt, bietet der Epic Games Store Wahlfreiheit zwischen Biometrie, Dokument, Kreditkarte und Bankverifizierung. Das kann mehr Spieler ohne Kreditkarte erreichen, erzeugt aber auch vier separate Angriffsflächen für Datenschutzfragen statt einer.
Datentabelle: Alters-Check bei den großen Plattformen
Die folgende Übersicht vergleicht die aktuell bekannten Verfahren der wichtigsten Gaming-Plattformen, Stand September 2026.
| Plattform | Pflicht seit | Methode(n) | Betroffene Inhalte | Region |
|---|---|---|---|---|
| Epic Games Store | 9. September 2026 | Yoti, Veriff, Stripe, ConnectID | R18+-Spiele | Australien |
| Steam (Valve) | 29. August 2025 (UK), 9. September 2026 (AU) | Kreditkarte | Mature-Content-Titel | UK, Australien |
| Xbox (Microsoft) | 2025 | Yoti, ID-Scan, Kreditkarte, Mobilfunkanbieter | Konto ab 18, soziale Funktionen | UK, Irland |
| PlayStation Store (Sony) | laufend, Ausbau 2026 | Geburtsdatum, Eltern-Kontrolllevel, teils Kamera-Schätzung | M- und AO-Inhalte | Global (PEGI-Basis) |
| Google Play | Play Age Signals API seit Juli 2026 | Family Link, Alters-Signale | Ab 18 eingestufte Apps | Ausgewählte Märkte |
| Roblox | Januar 2026 (global) | Gesichtsschätzung, optional Ausweis | Chat-Funktion | Global |
Konsolen und Mobile: Xbox, PlayStation und Google Play
Microsoft ist bei Konsolen bereits einen Schritt weiter als Sony. Xbox verlangt seit 2025 in Großbritannien und Irland von allen Nutzern ab 18 Jahren eine einmalige Alters-Verifizierung, wahlweise über Yoti, einen ID-plus-Selfie-Scan, eine Kreditkarte oder die Bestätigung durch den Mobilfunkanbieter. Wer die Prüfung nicht durchläuft, verliert Zugriff auf Clubs, die Gruppensuche, Broadcasts und Messaging, also auf den Großteil der sozialen Funktionen der Plattform.
Sony setzt bei der PlayStation Store weiterhin primär auf das PEGI-Ratingsystem in Kombination mit Eltern-Kontrolllevels. Levels zwischen 2 und 9 sind dort direkt an PEGI-Alterseinstufungen gekoppelt, ein Kind-Unterkonto mit hinterlegtem Geburtsdatum kann keine Inhalte oberhalb seines Levels kaufen. Ein 2026 veröffentlichter Verbraucherratgeber beschreibt zusätzlich eine kamerabasierte Alters-Schätzung, die den Zugriff auf M- und AO-Inhalte ohne Eltern-Freigabe regeln soll, offiziell bestätigt Sony diesen Mechanismus bislang nicht in vollem Umfang öffentlich.
Google verfolgt einen anderen Ansatz über die Android-Ebene statt eine einzelne App. Die im Juli 2026 vorgestellte Play Age Signals API erlaubt es Entwicklern, in bestimmten Märkten Alters- oder Aufsichtsstatus, Altersspannen und weitere Signale direkt von Google Play und Family Link abzurufen. Seit einem Sicherheitsupdate im Juli 2025 blockiert Google zudem Nutzer, die als minderjährig erkannt werden, aktiv vom Zugriff auf als „nur für Erwachsene” eingestufte Apps.
Der Vorreiter: Roblox und die globale Gesichtsscan-Pflicht
Kein großer Anbieter ist bei der Alters-Verifizierung weiter gegangen als Roblox. Seit Januar 2026 müssen alle Nutzer weltweit eine KI-gestützte Gesichtsschätzung durchlaufen, um die Chat-Funktion zu nutzen, wie shattered.io bereits ausführlich berichtete. Wer die Kamera-Freigabe verweigert, kann weiterhin spielen, verliert aber den Zugang zu Chat und weiteren sozialen Werkzeugen.
Das System sortiert Nutzer in sechs Altersgruppen ein: unter 9, 9 bis 12, 13 bis 15, 16 bis 17, 18 bis 20 und 21 plus. Je nach Gruppe greifen unterschiedliche Regeln, für 9- bis 12-Jährige etwa ist Chat nur mit Nutzern unter 16 möglich, Voice-Chat ist komplett deaktiviert, und nur Inhalte mit „Moderate”-Einstufung sind sichtbar. In einem Newsroom-Beitrag vom 4. September 2026 gab Roblox bekannt, dass das Gesichtsschätzungs-System inzwischen 338 Millionen Alters-Checks verarbeitet hat, ein Volumen, das die Dimension des Themas verdeutlicht.
Historischer Kontext: vom Geburtsdatum-Klick zur Biometrie
Alters-Gates in Videospielen sind nicht neu. Steam etwa fragt bis heute bei bestimmten Shop-Seiten schlicht das Geburtsdatum ab, ein Eingabefeld ohne jede Prüfung, das jede Sitzung neu ausgefüllt werden muss. Diese Selbstauskunft war jahrzehntelang der Standard in der Branche und lässt sich naturgemäß mit ein paar Klicks umgehen.
Der Bruch kam über Regulierung, nicht über Technik-Enthusiasmus der Plattformen selbst. Großbritanniens Online Safety Act zwang Steam im August 2025 zur Kreditkarten-Pflicht. Die EU-Kommission legte im Juli 2025 ihre DSA-Leitlinien zur Altersprüfung vor. Australien verschärfte im Dezember 2025 die Regeln für soziale Netzwerke. Roblox zog im Januar 2026 global mit Gesichtsscans nach. Epic und Steam folgten im September 2026 mit eigenen, plattformspezifischen Lösungen für R18+-Inhalte. Die Linie ist klar erkennbar: von der freiwilligen Angabe zur verpflichtenden, technisch geprüften Identität.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 29. August 2025 | Steam führt Kreditkarten-Pflicht für Mature-Content in UK ein |
| 14. Juli 2025 | EU-Kommission veröffentlicht DSA-Leitlinien zur Altersprüfung samt App-Prototyp |
| 10. Dezember 2025 | Australiens Social-Media-Altersgrenze für Under-16 tritt in Kraft |
| 1. Dezember 2025 (geplant) | Sechste Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags soll greifen, vorbehaltlich Ratifizierung aller 16 Länder |
| Januar 2026 | Roblox rollt Gesichtsschätzung für Chat weltweit aus |
| Juli 2026 | Google stellt Play Age Signals API vor |
| 4. September 2026 | Roblox meldet 338 Mio. verarbeitete Alters-Checks |
| 9. September 2026 | Epic Games Store und Steam starten Alters-Verifizierung in Australien |
Deutschland und die EU: JuSchG, USK und der Digital Services Act
Für den deutschen Markt bildet das Jugendschutzgesetz (JuSchG) weiterhin die zentrale Rechtsgrundlage für Alterskontrollen bei Spielen. Das Gesetz wurde zuletzt am 6. Mai 2024 novelliert. Parallel dazu soll die sechste Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags zum 1. Dezember 2025 greifen, vorausgesetzt alle 16 Bundesländer ratifizieren sie rechtzeitig. Im Zentrum steht der Ausbau sogenannter „Kinder- und Jugendmedienschutz-Dienste” unter Aufsicht der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz.
Die USK-Alterskennzeichen bleiben für in Deutschland vertriebene Spiele verpflichtend, wie shattered.io bereits im Zusammenhang mit der PEGI-16-Regel für Lootboxen beschrieben hat. Plattformen, die USK-eingestufte Inhalte anbieten, müssen technisch oder vertraglich sicherstellen, dass Minderjährige keinen Zugriff auf Inhalte oberhalb ihrer Altersfreigabe erhalten, eine Anforderung, die sich strukturell mit der australischen R18+-Logik deckt.
Auf EU-Ebene veröffentlichte die Europäische Kommission am 14. Juli 2025 Leitlinien zum Schutz Minderjähriger unter dem Digital Services Act und empfahl darin ausdrücklich „effektive Alters-Verifizierungsmethoden”, die genau, zuverlässig, robust, wenig aufdringlich und diskriminierungsfrei sein müssen. Am selben Tag präsentierte die Kommission einen Prototyp einer plattformübergreifenden Alters-Verifizierungs-App. Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte im Juni 2025 in einer Stellungnahme zu den DSA-Leitlinien, dass Minderjährigen standardmäßig die höchste Schutzstufe zugewiesen wird und eine Alters-Verifizierung notwendig sein sollte, um diese Schutzeinstellungen überhaupt zu ändern.
Marktauswirkungen: was das für Publisher und Plattformen bedeutet
Für Publisher, die R18+- oder Mature-Titel über Epic, Steam oder Konsolen-Stores verkaufen, wächst der technische und rechtliche Aufwand spürbar. Jede zusätzliche Hürde im Kaufprozess kostet erfahrungsgemäß einen Teil der Conversion, weil Nutzer den Kauf abbrechen, statt ein Ausweisfoto hochzuladen oder ihre Bank zu autorisieren. Gleichzeitig verschafft sich, wer früh compliant ist, einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die erst unter regulatorischem Druck nachziehen.
Epics Vier-Wege-Modell lässt sich auch als Wettbewerbsansage an Steam lesen. Wo Valve Nutzer ohne Kreditkarte faktisch aussperrt, öffnet Epic mit ConnectID und Yoti zusätzliche Wege für Spieler, die keine Kreditkarte besitzen, etwa jüngere Erwachsene oder Nutzer ohne Bankkarte. Das kann sich als Kaufargument im Ringen um Marktanteile gegenüber Steam auszahlen, besonders in Märkten mit geringerer Kreditkartendurchdringung.
Für die Anbieter der Verifizierungstechnologie selbst, allen voran Yoti, Veriff, Stripe und ConnectID, bedeutet die Regulierungswelle ein wachsendes Geschäft. Je mehr Länder eigene Alters-Vorgaben erlassen, wie es aktuell bei den App-Store-Regularien ohnehin schon in mehreren Rechtsräumen zu beobachten ist, desto mehr Plattformen benötigen externe Infrastruktur statt Eigenentwicklung.
Datenschutz und Sicherheit: die Kehrseite der Alters-Prüfung
Je mehr Plattformen biometrische Daten, Ausweiskopien oder Bankverbindungen zur Alters-Bestätigung verlangen, desto größer wird die Angriffsfläche für Datenlecks. Ein Selfie bei Yoti, ein Ausweisfoto bei Veriff oder eine Kartenautorisierung bei Stripe sind einzeln betrachtet überschaubare Risiken, in Summe entsteht aber ein wachsendes Ökosystem sensibler persönlicher Daten, das über mehrere Drittanbieter verteilt liegt.
Die EU-Kommission hat diesen Zielkonflikt in ihren DSA-Leitlinien direkt adressiert und verlangt, dass Alters-Verifizierung „wenig aufdringlich” bleibt und keine Nutzergruppe diskriminiert, etwa Menschen ohne Bankkonto oder ohne amtliches Ausweisdokument. Genau hier liegt der Vorteil von ConnectIDs Ansatz: Die Bank bestätigt lediglich das Ergebnis „volljährig ja/nein” gegenüber Epic, ohne dass persönliche Kontodaten oder das genaue Geburtsdatum an die Plattform übertragen werden. Bei Gesichtsschätzungen über Yoti oder Ausweis-Scans über Veriff verbleiben dagegen zumindest kurzzeitig biometrische oder dokumentbasierte Daten im Verarbeitungsprozess des jeweiligen Dienstleisters.
Stimmen aus der Branche
Valve begründet sein eigenes Vorgehen mit dem Schutz der Nutzerprivatsphäre: Laut Unternehmensangaben läuft die Kreditkarten-Prüfung intern über das zertifizierte Zahlungssystem von Valve, an den Shop selbst wird ausschließlich das binäre Verifizierungsergebnis weitergegeben, nicht die Kartendaten. Das Unternehmen betont zudem, dass nur eingeloggte, aktive Konten überhaupt zur Verifizierung aufgefordert werden und der Prozess ein bewusstes Opt-in voraussetzt.
Microsoft verankert seine Xbox-Regel im eigenen Gaming Safety Toolkit und koppelt Alters-Freigaben konsequent an Familieneinstellungen: Kinder müssen für Spiele oberhalb ihrer Alterseinstufung aktiv die Zustimmung eines Elternteils einholen. Sony wiederum verweist in seinen Nutzungsbedingungen darauf, dass die eigenen Online-Dienste grundsätzlich nicht für Nutzer unter 7 Jahren gedacht sind und Inhalte für Kind-Unterkonten strikt nach hinterlegtem Geburtsdatum und PEGI-Einstufung gefiltert werden.
Der vzbv positioniert sich klar auf der Seite strengerer Kontrollen: Nach Ansicht des Verbands sollten Plattformen Minderjährigen automatisch die höchste Schutzstufe zuweisen, und jede Lockerung dieser Einstellungen sollte an eine belastbare Alters-Verifizierung gebunden sein, nicht an eine simple Selbstauskunft per Klick.
Prognosen: wohin die Alters-Verifizierung als Nächstes geht
- Bankbasierte Verfahren wachsen. Modelle wie ConnectID dürften sich in weiteren Ländern etablieren, weil sie ohne Speicherung von Biometrie oder Ausweiskopien auskommen und damit datenschutzfreundlicher wirken als Gesichtsschätzung oder Dokumenten-Scans.
- Die EU-Alters-App wird zum Referenzmodell. Der im Juli 2025 vorgestellte DSA-Prototyp hat gute Chancen, bis 2027 zur Standard-Komponente für Plattformen zu werden, die in Deutschland und der übrigen EU Erwachseneninhalte anbieten.
- Wahlfreiheit statt Einzelweg setzt sich durch. Epics Vier-Methoden-Ansatz dürfte Schule machen, weil ein einziger Verifizierungsweg wie bei Steam zwangsläufig Nutzer ohne Kreditkarte oder Bankkonto ausschließt.
- Der Geltungsbereich wächst über R18+ hinaus. Angesichts des JuSchG-Rahmens und der DSA-Leitlinien ist es wahrscheinlich, dass Alters-Checks künftig auch niedrigere USK- und PEGI-Stufen erfassen, nicht nur die höchste Kategorie.
- Verifizierungs-Anbieter konsolidieren sich. Je mehr Plattformen gesetzlich zur Alters-Prüfung verpflichtet werden, desto stärker dürften sich Yoti, Veriff, Stripe Identity und vergleichbare Dienste als Infrastruktur-Standard etablieren, statt dass jede Plattform eigene Lösungen baut.
Häufig gestellte Fragen
Was ändert sich konkret für Epic-Games-Store-Nutzer in Australien?
Seit dem 9. September 2026 müssen australische Nutzer ihr Alter nachweisen, bevor sie ein neues R18+-Spiel kaufen oder kostenlos beanspruchen können. Sie wählen dafür zwischen Gesichtsschätzung, Ausweis-Scan, Kreditkarte oder, etwas später im Monat, Bankverifizierung.
Betrifft die Alters-Prüfung auch bereits gekaufte Spiele?
Nein. Epic stellt in der eigenen Ankündigung klar, dass die Regel ausschließlich neue Käufe und Freischaltungen betrifft. Spiele, die bereits in der Bibliothek liegen, bleiben uneingeschränkt zugänglich.
Welche der vier Methoden ist am schnellsten?
Die Kreditkarten-Autorisierung über Stripe und die Gesichtsschätzung über Yoti laufen typischerweise am zügigsten ab, da beide ohne manuelle Dokumentenprüfung auskommen. Der Ausweis-Scan über Veriff und die Bankverifizierung über ConnectID benötigen etwas mehr Zeit, gelten dafür als genauer.
Gilt die neue Regel auch für Deutschland, Österreich oder die Schweiz?
Bislang nicht direkt. Die Epic-Regel ist geografisch auf australische Konten begrenzt. Für Deutschland bleibt weiterhin das Jugendschutzgesetz in Kombination mit den USK-Alterskennzeichen maßgeblich, während auf EU-Ebene die DSA-Leitlinien zur Alters-Verifizierung zusätzlichen Druck aufbauen.
Wie unterscheidet sich Epics Ansatz von dem von Steam?
Steam verlangt ausschließlich eine Kreditkarte, Epic bietet vier Wege zur Auswahl. Das macht Epics System potenziell zugänglicher für Nutzer ohne Kreditkarte, gleichzeitig aber komplexer in der technischen Umsetzung und Datenschutz-Governance.
Was passiert, wenn ich mich nicht verifizieren lassen will?
Ohne abgeschlossene Verifizierung lassen sich neue R18+-Titel im Epic Games Store in Australien weder kaufen noch kostenlos beanspruchen. Bereits vorhandene Spiele in der Bibliothek bleiben davon unberührt.
Sind biometrische Daten bei Yoti sicher?
Yoti wird auch von Xbox in UK und Irland als Verifizierungspartner eingesetzt und positioniert sich als spezialisierter Anbieter für Alters-Schätzung per Selfie. Wie bei jedem Drittanbieter, der biometrische Daten verarbeitet, bleibt der Umgang mit Speicherung und Löschung dieser Daten ein zentraler Datenschutzpunkt, den die EU-DSA-Leitlinien mit der Forderung nach „wenig aufdringlichen” Verfahren explizit adressieren.
Kommt eine ähnliche Pflicht auch für andere Länder oder Plattformen?
Sehr wahrscheinlich. Xbox verlangt bereits seit 2025 Alters-Checks in UK und Irland, Roblox seit Januar 2026 weltweit für die Chat-Funktion, und die EU-Kommission arbeitet an einer eigenen, plattformübergreifenden Alters-Verifizierungs-App. Der Trend zeigt klar in Richtung verpflichtender, technisch geprüfter Alters-Nachweise statt reiner Selbstauskunft.




