Xbox hat am 22. September 2026 den nächsten Akt seines seit Juli laufenden Umbaus eingeleitet. 268 weitere Stellen fallen weg, die nächste Halo-Hauptreihe wandert komplett zu Call-of-Duty-Macher Activision, und Ninja Theory steht vor der Schließung. Für Microsofts Spielesparte ist es die dritte große Zäsur seit der Übernahme von Activision Blizzard 2023, für Tausende Beschäftigte in der Branche bedeutet es erneut Unsicherheit. Was am Dienstag als interne Mitteilung von Xbox-Content-Chef Matt Booty begann, ist inzwischen eine der meistdiskutierten Meldungen der Gaming-Woche, auch in Deutschland, wo die eigene Games-Branche parallel mit sinkenden Beschäftigtenzahlen kämpft.
Was ist am 22. September 2026 bei Xbox passiert?
In einer internen Mitteilung mit dem Titel “Continuing Our Reset” kündigte Xbox-Chief-Content-Officer Matt Booty an, 268 Stellen bei Halo Studios, weiteren First-Party-Teams sowie in der Management- und Zentralfunktionsebene von Xbox Game Studios zu streichen. Die Nachricht wurde offiziell auf Xbox Wire veröffentlicht und wenige Stunden später von Bloomberg, der BBC und zahlreichen Fachmedien aufgegriffen. Anders als frühere Entlassungsrunden betraf diese vor allem etablierte Studios und nicht nur Support-Funktionen.
Booty beschrieb den Schritt als Fortsetzung eines Plans, den Xbox bereits im Juli 2026 angekündigt hatte. Damals ging es um insgesamt 3.200 Stellen, etwa 20 Prozent der Xbox-Belegschaft. Wörtlich schrieb er dazu: “The actions completed since July, inclusive of the studio divestitures, bring us roughly three-quarters of the way through previously announced restructuring.” Auf Deutsch: Die seit Juli abgeschlossenen Maßnahmen, einschließlich der Studio-Verkäufe, brächten Xbox etwa drei Viertel des angekündigten Umbaus voran. Damit bestätigte Xbox erstmals öffentlich, wie weit der im Sommer gestartete Kahlschlag inzwischen fortgeschritten ist, und dass ein Viertel der Maßnahmen offenbar noch aussteht.
Zur Begründung nannte Booty vor allem Effizienz. Wörtlich: “The goal is to strengthen our franchises and games by operating fewer business units, aligning groups that already work closely together, and focusing our publishing expertise.” Auf Deutsch: Ziel sei es, die Marken und Spiele zu stärken, indem Xbox mit weniger Geschäftseinheiten arbeite, ohnehin eng kooperierende Teams zusammenlege und die Publishing-Kompetenz bündle. Die offizielle Mitteilung auf Xbox Wire listet die betroffenen Bereiche im Detail auf.
Halo wandert zu Activision: Das plant Microsoft mit der Kult-Reihe
Die größte Überraschung der Ankündigung betrifft Halo. Die Entwicklung des nächsten Hauptteils übernimmt künftig Activision, und zwar über ein neu aufgebautes Team, das getrennt von der laufenden Call-of-Duty-Produktion arbeitet. Halo Studios, früher als 343 Industries bekannt, bleibt zwar bestehen, schrumpft aber auf eine kleinere Einheit, die bestehende Halo-Titel, die Community und den Esport-Betrieb betreut. Die eigentliche kreative Führung für den nächsten Teil der Reihe liegt damit erstmals außerhalb des ursprünglichen Studios.
Für Fans ist das ein historischer Einschnitt. Halo war seit dem Start der ersten Xbox-Konsole 2001 das Aushängeschild der Marke, ein Titel, der maßgeblich zum Erfolg der Plattform beitrug. Dass ausgerechnet Activision, der Verlag hinter der Konkurrenzserie Call of Duty, künftig über Halos Zukunft entscheidet, zeigt, wie sehr Microsoft die 2023 für rund 69 Milliarden US-Dollar übernommene Activision Blizzard inzwischen als zentrales Entwicklungs-Standbein begreift. Laut einem Bericht von GeekWire soll das neue Halo-Team komplett unabhängig von der Call-of-Duty-Organisation aufgebaut werden, um Ressourcenkonflikte zwischen den beiden Marken zu vermeiden.
Wie viele Mitarbeitende künftig noch bei Halo Studios verbleiben, hat Xbox nicht beziffert. Aus den bisherigen Berichten geht aber hervor, dass die verbliebene Gruppe deutlich kleiner ausfällt als das Team, das zuletzt an Halo Campaign Evolved arbeitete. Der jüngste Serienableger hatte bei Kritikern ohnehin gemischte bis schwache Wertungen erhalten und markierte damit einen der schwächeren Momente der Reihe, kurz bevor die Entwicklungshoheit nun komplett wechselt.
Ninja Theory vor dem Aus: Zwei gescheiterte Rettungsversuche
Neben dem Halo-Wechsel sorgt vor allem das Schicksal von Ninja Theory für Aufsehen. Das britische Studio, bekannt für die Hellblade-Reihe rund um die Protagonistin Senua, steht laut Xbox vor der Schließung. Zwei separate Versuche, eine neue Finanzierung oder einen neuen Eigentümer für das Studio zu finden, sind gescheitert. Xbox teilte mit, nun in die Konsultation mit den Beschäftigten über eine vorgeschlagene Schließung einzutreten, wolle aber parallel weiter nach Alternativen suchen.
Wichtig ist die Unterscheidung: Es handelt sich formal um einen Vorschlag und einen Konsultationsprozess, keine bereits vollzogene Schließung. In Großbritannien ist ein solches Konsultationsverfahren bei größeren Personalmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben, bevor ein Unternehmen final entscheiden darf. Für die Belegschaft von Ninja Theory bedeutet das dennoch wochenlange Unsicherheit über die eigene Zukunft, während gleichzeitig über eine mögliche Fortführung verhandelt wird.
Ninja Theory war 2018 von Microsoft übernommen worden und hatte mit Hellblade: Senua’s Sacrifice und der Fortsetzung Senua’s Saga: Hellblade II ein Nischenpublikum für psychologisch dichte Erzählspiele aufgebaut, kommerziell aber nie an die großen First-Party-Marken herangereicht. Genau das dürfte laut mehreren Fachmedien, darunter Game Informer, ein Hauptgrund dafür sein, warum das Studio nun besonders stark unter Druck gerät.
Playground Games und Turn 10 werden eins
Ein weiterer zentraler Baustein der Reorganisation betrifft die Rennspiel-Sparte von Xbox. Playground Games und Turn 10 Studios werden zu einer gemeinsamen Organisation zusammengelegt, die sich künftig um die Marken Forza und Fable kümmert. Turn 10 entwickelt die Forza-Motorsport-Reihe seit deren erstem Teil 2005, Playground Games ist für die kommerziell erfolgreichere Forza-Horizon-Reihe sowie die Fable-Neuauflage verantwortlich.
Die Fusion folgt einer Logik, die sich durch die gesamte Ankündigung zieht. Statt mehrerer eigenständiger Studios mit eigenen Führungsstrukturen will Xbox größere, aber weniger Einheiten schaffen, die sich jeweils um verwandte Marken kümmern. Für Spielerinnen und Spieler dürfte sich das zunächst kaum bemerkbar machen. Mittelfristig könnte die Zusammenlegung aber bedeuten, dass Ressourcen und Entwicklerteams zwischen den Marken hin- und herwandern, je nachdem, welches Projekt gerade Priorität hat.
Rare, World’s Edge und Obsidian: Die stille Umverteilung
Neben den bereits genannten Studios verschiebt Xbox auch die Zuständigkeiten für Rare und World’s Edge, das Studio hinter Age of Empires. Beide werden künftig unter dem erweiterten Zuständigkeitsbereich von Activision geführt. Obsidian Entertainment, bekannt für Rollenspiele wie The Outer Worlds, wird organisatorisch an Bethesda angeglichen. Bei Arkane, dem Studio hinter Dishonored und Redfall, läuft die Konsultation über eine mögliche Veräußerung nach Angaben mehrerer Medien weiterhin unabhängig davon.
Zusätzlich bestätigte Xbox die Trennung von Undead Labs, dem Studio hinter State of Decay. Nach Angaben von GamesIndustry.biz reiht sich das in eine Serie von Studio-Veräußerungen ein, die Xbox bereits seit dem Sommer vorantreibt. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie sich die wichtigsten First-Party-Studios nach der Ankündigung vom 22. September neu sortieren.
| Studio | Bekannt für | Status nach dem 22. September 2026 |
|---|---|---|
| Halo Studios (ex-343 Industries) | Halo-Reihe | Verkleinert, betreut nur noch Bestandstitel und Community |
| Activision | Call of Duty | Übernimmt Entwicklung des nächsten Halo-Titels mit neuem Team |
| Playground Games | Forza Horizon, Fable | Fusioniert mit Turn 10 zu einer Forza/Fable-Einheit |
| Turn 10 Studios | Forza Motorsport | Fusioniert mit Playground Games |
| Rare | Sea of Thieves | Unter erweiterter Zuständigkeit von Activision |
| World’s Edge | Age of Empires | Unter erweiterter Zuständigkeit von Activision |
| Obsidian Entertainment | The Outer Worlds | Organisatorisch an Bethesda angeglichen |
| Ninja Theory | Senua’s Saga: Hellblade II | Konsultation über vorgeschlagene Schließung läuft |
| Arkane | Dishonored, Redfall | Veräußerung weiterhin in Konsultation, ungeklärt |
| Undead Labs | State of Decay | Von Microsoft veräußert |
Vier Jahre Einschnitte: Die Xbox-Entlassungs-Chronik seit 2023
Der 22. September ist kein Einzelfall, sondern die vorläufig letzte Station einer Entlassungsserie, die bei Microsofts Spielesparte seit fast vier Jahren anhält. Los ging es im Januar 2023 mit einem konzernweiten Stellenabbau von 10.000 Jobs, der neben Windows, Devices und HoloLens auch Teile von Xbox traf. Nach dem Abschluss der Activision-Blizzard-Übernahme strich Microsoft im Januar 2024 rund 1.900 Stellen im Games-Bereich, betroffen waren Activision Blizzard, Xbox und ZeniMax gemeinsam. Im September desselben Jahres folgten weitere rund 650 Jobs, vor allem im Publishing und in Studio-Support-Funktionen.
Die bislang größte Zäsur kam im Juli 2026: Xbox kündigte damals einen Abbau von insgesamt 3.200 Positionen an, umgerechnet etwa 20 Prozent der gesamten Xbox-Belegschaft. Xbox-Präsidentin Sarah Bond beschrieb den Schritt laut BBC-Berichterstattung als Beginn des bedeutendsten Umbaus in der Geschichte von Xbox. Wörtlich zitiert wurde sie mit “beginning the most significant restructure in Xbox history”. Die Ankündigung vom 22. September mit ihren 268 zusätzlichen Stellen reiht sich in genau diesen im Juli gestarteten Plan ein und markiert nach Bootys eigenen Angaben rund drei Viertel des Gesamtvolumens.
| Datum | Umfang | Betroffene Bereiche |
|---|---|---|
| 18. Januar 2023 | 10.000 Stellen (konzernweit) | Windows, Devices, Xbox, HoloLens, Recruiting, Marketing |
| 25. Januar 2024 | 1.900 Stellen | Activision Blizzard, Xbox, ZeniMax |
| 12. September 2024 | rund 650 Stellen | Xbox Publishing, Studio-Support |
| Juli 2026 | 3.200 Stellen (~20 % der Belegschaft) | Studios, Publishing, Zentralfunktionen |
| 22. September 2026 | 268 Stellen | Halo Studios, First-Party-Studios, XGS-Management |
Die Börse reagiert: Microsoft-Aktie nach der Ankündigung
Anleger nahmen die Nachricht mit Zurückhaltung auf. Nach Angaben von Yahoo Finance gab die Microsoft-Aktie am Tag der Ankündigung um rund 0,7 Prozent nach. Andere Marktdaten zeigten im Tagesverlauf einen Rückgang von bis zu 1,4 Prozent auf 494,80 US-Dollar gegen 11:35 Uhr Ostküstenzeit. Die Schwankungsbreite lässt sich damit erklären, dass unterschiedliche Zeitpunkte des Handelstags erfasst wurden. Ein zweistelliger Kursverlust blieb jedenfalls aus, was zeigt, dass Investoren die Restrukturierung inzwischen eher als erwarteten Teil eines laufenden Sparkurses einordnen als als Überraschung.
Bemerkenswert ist dabei die Größenordnung im Vergleich zu Microsofts Gesamtgeschäft. Die Gaming-Sparte ist zwar ein wichtiger, aber längst nicht der umsatzstärkste Bereich des Konzerns, dessen Kerngeschäft heute vor allem aus Cloud-Diensten und Unternehmenssoftware besteht. Entsprechend gering fällt die unmittelbare Kursreaktion aus, verglichen etwa mit Meldungen zu Microsofts KI- oder Azure-Geschäft. Das ändert nichts daran, dass der Umbau für die Beschäftigten von Xbox selbst existenziell ist.
Historischer Kontext: Wie Activision zum neuen Halo-Entwickler wurde
Um zu verstehen, warum ausgerechnet Activision künftig über Halo entscheidet, lohnt ein Blick auf die Übernahmegeschichte. Microsoft hatte Activision Blizzard 2023 für rund 69 Milliarden US-Dollar gekauft, die bis dahin teuerste Übernahme der Firmengeschichte im Gaming-Bereich. Ursprünglich sollte die Übernahme vor allem den Zugriff auf Call of Duty, World of Warcraft und die mobile Marke Candy Crush sichern. Dass Activision nun auch kreative Verantwortung für eine der ältesten Xbox-Eigenmarken übernimmt, zeigt, wie stark sich die internen Machtverhältnisse innerhalb von Xbox seit dem Deal verschoben haben.
Vor der Übernahme war Activision in erster Linie Publisher großer Third-Party-Marken. Heute steuert das Unternehmen laut den vorliegenden Berichten Teile von Rare, World’s Edge und nun auch die Halo-Entwicklung. Für Branchenbeobachter ist das ein Beleg dafür, dass Microsoft Activisions Produktionskapazitäten und Managementstrukturen offenbar als effizienter einstuft als die eigenen, historisch gewachsenen Xbox-Studios. Der Bericht der BBC ordnet den Schritt entsprechend als Teil einer größeren internen Machtverschiebung ein.
Marktfolgen: Was der Umbau für Call of Duty und Halo-Fans bedeutet
Für Spielerinnen und Spieler dürften die praktischen Folgen erst mittelfristig sichtbar werden. Ein neues Halo-Team muss zunächst aufgebaut werden, bevor es überhaupt an einem neuen Hauptteil arbeiten kann. Bis ein Ergebnis dieser Umstrukturierung im Handel landet, dürften nach Einschätzung mehrerer Fachmedien mehrere Jahre vergehen. Kurzfristig ändert sich für bestehende Halo-Titel wenig, da das verkleinerte Halo-Studios-Team explizit für deren Weiterbetrieb zuständig bleibt.
Für Call of Duty selbst besteht laut Xbox-Angaben keine unmittelbare Gefahr durch Ressourcenkonkurrenz, da das neue Halo-Team getrennt von der laufenden Call-of-Duty-Produktion aufgebaut wird. Ob sich das in der Praxis durchhalten lässt, wenn beide Marken künftig unter demselben Unternehmensdach um Budget und Personal konkurrieren, bleibt allerdings offen. Für Forza-Fans wiederum dürfte die Fusion von Playground Games und Turn 10 zunächst kaum spürbar sein, langfristig aber die Entwicklungszyklen beider Rennspielserien beeinflussen.
Wettbewerbsvergleich: Xbox, PlayStation und Nintendo im Strategie-Check
Im Vergleich zu seinen beiden großen Konkurrenten verfolgt Xbox derzeit einen deutlich anderen Kurs. Sony hat seine PlayStation Studios in den vergangenen Jahren zwar ebenfalls konsolidiert, etwa mit der Zusammenlegung kleinerer Teams, meldete für 2026 aber keine vergleichbar große, öffentlich kommunizierte Entlassungswelle bei den eigenen Erstanbieter-Studios. Nintendo wiederum hält traditionell an einem sehr kleinen, stabilen Kreis interner Studios fest und hat auch 2026 keine Restrukturierung in der Größenordnung von Xbox bekanntgegeben.
Der Unterschied lässt sich strukturell erklären. Xbox hat durch die Übernahmen von Activision Blizzard, Bethesda und weiteren Studios in kurzer Zeit ein sehr großes, heterogenes Portfolio an Entwicklern aufgebaut, das nun neu geordnet wird. Sony und Nintendo sind organisch gewachsen und verfügen über deutlich kleinere, historisch gewachsene Studio-Familien. Die aktuelle Konsolidierung bei Xbox lässt sich damit auch als verspätete Integration mehrerer milliardenschwerer Zukäufe lesen, nicht allein als Reaktion auf schwache Verkaufszahlen.
Gleichzeitig verweist Xbox selbst gerne auf seine Rückkehr zu klassischen Exklusivtiteln als Wachstumsstrategie. Wie widersprüchlich sich das zur aktuellen Studio-Verkleinerung verhält, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Projekte aus den neu zusammengelegten Teams tatsächlich erscheinen.
Die deutsche Games-Branche spürt den globalen Trend
Auch wenn die aktuelle Xbox-Ankündigung vor allem US-amerikanische und britische Studios betrifft, zeigt sich der übergeordnete Konsolidierungsdruck auch in Deutschland. Der Branchenverband game – Verband der deutschen Games-Branche meldete im April 2026, dass die Zahl der Beschäftigten bei deutschen Spieleentwicklern und -publishern von 12.659 im Vorjahr auf 12.235 gesunken ist, ein Rückgang von rund drei Prozent oder 424 Stellen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Unternehmen von 917 auf 956, ein Plus von vier Prozent.
Diese gegenläufige Entwicklung, mehr Unternehmen bei gleichzeitig sinkender Beschäftigtenzahl, deutet laut Verbandsangaben auf eine Marktphase hin, in der viele kleinere Studios entstehen, während größere Strukturen schrumpfen. Inklusive angrenzender Bereiche wie Bildung, Medien, öffentliche Verwaltung, Handel und Dienstleistungen sichert die deutsche Games-Branche laut demselben Bericht weiterhin mehr als 30.000 Arbeitsplätze. Die vollständigen Zahlen sind im aktuellen Marktbericht des Verbands nachzulesen.
| Kennzahl | 2025 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Beschäftigte bei Entwicklern/Publishern (Deutschland) | 12.659 | 12.235 | -3 % |
| Anzahl Unternehmen (Deutschland) | 917 | 956 | +4 % |
| Weltweite Games-Branche-Layoffs (Jahresprognose) | 9.175 | 14.259–14.666 (Prognose) | rund +55–60 % |
Die Branche insgesamt: 2026 wird zu einem der schlechtesten Jobjahre
Der Xbox-Umbau ist Teil eines viel breiteren Musters. Nach Zahlen, die Branchenanalyst Amir Satvat bei seiner Eröffnungs-Keynote auf der Gamescom Devs präsentierte und die GamesIndustry.biz aufgriff, waren bis zum 11. August 2026 bereits rund 10.140 Entlassungen in der weltweiten Games-Branche öffentlich angekündigt worden. Damit lag der Wert zu diesem Zeitpunkt bereits über der Gesamtsumme des Vorjahres. Die ASGC Games Industry Layoffs Tracker-Prognose für das Gesamtjahr 2026 liegt bei 14.259 Entlassungen, ein Anstieg von 78 Prozent gegenüber der ursprünglichen Januar-Prognose von 8.025.
Der Branchenanalyst Matthew Ball kommt in seinem Bericht “State of Video Gaming 2026” sogar auf eine Prognose von 14.666 Entlassungen für das Gesamtjahr, fast eine Verdopplung seiner ursprünglichen Schätzung. Zum Vergleich: 2025 verzeichnete die Branche rund 9.175 Entlassungen, 2024 markierte mit etwa 15.631 Stellen bislang den traurigen Höhepunkt der aktuellen Konsolidierungswelle, die laut mehreren Trackern bereits 2022 mit rund 8.500 Entlassungen begann. Xbox trägt mit seinen 3.200 im Juli angekündigten und weiteren 268 im September gestrichenen Stellen einen relevanten Anteil zu dieser Gesamtsumme bei.
Stimmen aus der Branche
Xbox-Präsidentin Sarah Bond hatte den Umbau im Juli 2026 selbst als historischen Einschnitt eingeordnet. Gegenüber der BBC wurde sie mit den Worten zitiert: “beginning the most significant restructure in Xbox history” (auf Deutsch: der Beginn der bedeutendsten Restrukturierung in der Geschichte von Xbox). Diese Einordnung stammt zwar aus dem Juli, bildet aber weiterhin den Rahmen, in den Xbox selbst die Ereignisse vom 22. September einordnet.
Chief Content Officer Matt Booty lieferte in seiner eigenen Mitteilung die operative Begründung nach: Man baue Geschäftseinheiten ab, um Teams zusammenzulegen, die ohnehin eng kooperieren, und um die Publishing-Kompetenz zu bündeln. Außerhalb von Xbox meldete sich auch Epic-Games-Chef Tim Sweeney zu Wort. Nach einem Bericht von PCGuide verteidigte Sweeney die Xbox-Maßnahmen öffentlich und bezeichnete die Logik dahinter als nachvollziehbar, auch wenn er als Chef eines direkten Konkurrenz-Ökosystems für den Epic Games Store naturgemäß aus einer anderen Interessenlage argumentiert.
Prognosen: Wie es bei Xbox weitergeht
- Ein viertes Kürzungspaket ist wahrscheinlich. Booty selbst sprach von “drei Vierteln” des angekündigten Volumens von 3.200 Stellen. Das verbleibende Viertel, rund 800 Stellen, dürfte in den kommenden Monaten in weiteren Ankündigungen folgen.
- Arkane bekommt in den nächsten Wochen Klarheit. Die Konsultation über eine mögliche Veräußerung des Studios läuft bereits seit dem Sommer und dürfte angesichts des Tempos der übrigen Entscheidungen zeitnah abgeschlossen werden.
- Das neue Halo-Team wird frühestens 2027 sichtbare Fortschritte zeigen. Der Aufbau eines komplett neuen, von Call of Duty getrennten Teams braucht Zeit, bevor überhaupt Produktionsdetails zum nächsten Hauptteil bekannt werden dürften.
- Die Fusion von Playground Games und Turn 10 wird die Veröffentlichungstakte von Forza beeinflussen. Gemeinsame Ressourcen könnten künftig zwischen Horizon- und Motorsport-Ablegern verschoben werden, was Verzögerungen bei mindestens einer der beiden Reihen wahrscheinlich macht.
- Die weltweite Entlassungswelle in der Games-Branche dürfte sich 2027 abschwächen, aber nicht stoppen. Sollte sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen, folgt auf jedes Rekordjahr in der Regel ein moderaterer Rückgang, kein abrupter Stopp der Konsolidierung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Stellen hat Xbox am 22. September 2026 gestrichen?
Xbox strich 268 Stellen bei Halo Studios, weiteren First-Party-Studios sowie in der Management- und Zentralfunktionsebene von Xbox Game Studios. Diese Zahl kommt zu den bereits im Juli 2026 angekündigten 3.200 Stellen hinzu.
Wer entwickelt jetzt den nächsten Halo-Teil?
Die Entwicklung übernimmt ein neues, eigens aufgebautes Team bei Activision, getrennt von der laufenden Call-of-Duty-Produktion. Halo Studios bleibt als kleineres Team für bestehende Titel, Community und Esport zuständig.
Wird Ninja Theory endgültig geschlossen?
Xbox hat eine Konsultation über eine vorgeschlagene Schließung eingeleitet, nachdem zwei separate Versuche einer neuen Finanzierung oder eines neuen Eigentümers gescheitert waren. Eine endgültige Entscheidung ist zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch nicht gefallen.
Was passiert mit Forza und Fable?
Playground Games und Turn 10 Studios werden zu einer gemeinsamen Organisation zusammengelegt, die sich künftig um beide Marken kümmert. Laufende Projekte werden dadurch nicht offiziell gestoppt, könnten aber zeitlich beeinflusst werden.
Wie hat die Microsoft-Aktie auf die Ankündigung reagiert?
Die Aktie gab am Ankündigungstag nach Angaben von Yahoo Finance um rund 0,7 Prozent nach, im Tagesverlauf zeitweise auch stärker. Ein dramatischer Kurseinbruch blieb jedoch aus.
Wie viele Stellen hat Xbox insgesamt seit 2023 abgebaut?
Zählt man alle bekannten Runden zusammen, etwa 10.000 Stellen konzernweit 2023, 1.900 im Januar 2024, rund 650 im September 2024 sowie 3.200 seit Juli 2026 inklusive der 268 vom September, ergibt sich über vier Jahre eine der umfangreichsten Entlassungsserien der gesamten Spielebranche.
Ist die deutsche Games-Branche von der Xbox-Restrukturierung direkt betroffen?
Direkt betroffene deutsche Xbox-Studios sind aus den bisherigen Meldungen nicht bekannt. Die deutsche Games-Branche verzeichnet aber unabhängig davon einen eigenen Beschäftigungsrückgang von rund drei Prozent im Jahr 2026, ein Zeichen für einen globalen Konsolidierungstrend, der die gesamte Branche erfasst.
Bekommt Call of Duty durch die Halo-Übernahme weniger Ressourcen?
Xbox betont, dass das neue Halo-Team unabhängig von der laufenden Call-of-Duty-Entwicklung aufgebaut wird. Ob sich diese Trennung langfristig halten lässt, sobald beide Marken um dasselbe Unternehmensbudget konkurrieren, ist bislang nicht öffentlich belegt.




