GitHub räumt eine Grenze weg, die es seit Jahren gab: die automatische Löschung von Copilot-Chatverläufen nach 28 Tagen. Ab dem 28. September 2026 verschmilzt GitHub die drei getrennten Copilot-Chat-Oberflächen auf github.com, in der GitHub-Mobile-App und im Copilot-Cloud-Agent zu einer einzigen, einheitlichen Erfahrung. Der Preis für diese Vereinfachung: Chatdaten werden künftig nicht mehr nach vier Wochen gelöscht, sondern für die gesamte Lebensdauer des Kontos gespeichert. Für Entwickler in Österreich und Deutschland, die unter DSGVO und dem heimischen NISG arbeiten, ist das mehr als eine technische Randnotiz. Es ist eine Änderung, die Compliance-Teams jetzt auf den Tisch legen müssen, bevor die Umstellung greift.
Was GitHub am 28. September genau ändert
Die Ankündigung stammt aus dem offiziellen GitHub-Changelog vom 28. August 2026 und beschreibt gleich mehrere Umstellungen auf einmal. Die wichtigste: Copilot Chat auf github.com, Copilot Chat in der GitHub-Mobile-App und der Copilot-Cloud-Agent werden “no earlier than September 28th, 2026” zu einer einheitlichen Copilot-Erfahrung zusammengelegt, wie GitHub in seiner offiziellen Mitteilung schreibt. Bislang liefen diese drei Oberflächen technisch getrennt, mit unterschiedlichen Speicherregeln. Der Cloud-Agent nutzte bereits das sogenannte “Agent Sessions”-Modell mit Speicherung über die Kontolebensdauer hinweg, während Chats auf github.com und in der Mobile-App nach 28 Tagen automatisch gelöscht wurden.
Mit der Fusion übernehmen alle drei Oberflächen das Modell des Cloud-Agents. Praktisch bedeutet das: Jede Unterhaltung, jede Codezeile, die in einem Copilot-Chat eingefügt wurde, jede Anfrage an das Modell bleibt gespeichert, solange das GitHub-Konto existiert. Die Umstellung ist laut GitHub standardmäßig aktiv, ein separates Opt-in ist nicht vorgesehen. Wer die neue Speicherlogik vermeiden will, kann laut den vorliegenden Unterlagen nur Copilot Chat auf github.com und in der Mobile-App komplett deaktivieren, ein granularer Regler für die Speicherdauer existiert nicht.
Von 28 Tagen zur Ewigkeit: Die neue Speicherlogik im Detail
Der zentrale Satz aus der GitHub-Mitteilung lässt wenig Interpretationsspielraum: “As a result, chat data will be retained for the life of the account instead of 28 days, aligning with our existing Copilot cloud agent experience”, schreibt GitHub in seinem Changelog. Übersetzt heißt das: Chatdaten werden künftig für die Lebensdauer des Kontos gespeichert statt nach 28 Tagen gelöscht, angeglichen an die bestehende Copilot-Cloud-Agent-Erfahrung.
Betroffen sind alle drei Kanäle gleichzeitig. Chats auf github.com wandern in die Agent-Sessions-Architektur und erben damit die unbegrenzte Speicherung. Die GitHub-Mobile-App folgt demselben Muster, weil sie technisch an dieselbe einheitliche Copilot-Chat-Erfahrung gekoppelt wird. Der Cloud-Agent selbst ändert sich kaum, er war schon vorher der Maßstab. Netto betrachtet verlieren also nur github.com und die Mobile-App ihre bisherige Löschautomatik, während der Rest des Systems auf deren Standard angehoben wird.
Wichtig für IT-Abteilungen: Es handelt sich nicht um eine verlängerte Frist, sondern um eine grundsätzlich andere Speicherphilosophie. Ein Team, das Copilot-Konversationen bisher als flüchtig behandelt hat, etwa weil sensible Codefragmente oder interne API-Schlüssel versehentlich in einen Prompt gerutscht sind, muss ab Ende September davon ausgehen, dass diese Daten dauerhaft bei GitHub liegen. Admin-Leitfäden, die im Vorfeld der Umstellung kursieren, formulieren es so: Wer Copilot-Chats bislang wie E-Mails mit automatischer Löschfrist eingestuft hat, muss interne Richtliniendokumente jetzt aktualisieren.
Warum GitHub diesen Schritt jetzt geht
GitHub begründet die Vereinheitlichung in erster Linie technisch: Drei Systeme mit drei Speicherlogiken zu pflegen, verursacht Wartungsaufwand und Inkonsistenzen für Nutzer, die zwischen Desktop, Browser und Mobilgerät wechseln. Ein Entwickler, der einen Chat auf dem Smartphone beginnt und am Rechner fortsetzt, sollte den vollständigen Kontext sehen, unabhängig vom Endgerät. Das war bislang wegen der ungleichen Aufbewahrungsfristen nicht durchgängig möglich.
Der zweite Treiber ist naheliegend, auch wenn GitHub ihn in der Mitteilung nicht explizit nennt: Agentenbasierte Workflows, bei denen Copilot über mehrere Schritte hinweg eigenständig Aufgaben abarbeitet, brauchen langfristigen Kontext. Ein Coding-Agent, der einen mehrtägigen Refactoring-Auftrag bearbeitet, verliert an Nutzen, wenn sein Gedächtnis alle vier Wochen zurückgesetzt wird. Die Angleichung an das Cloud-Agent-Modell macht die Chat-Oberflächen kompatibel mit genau dieser Art von langlaufenden, agentischen Aufgaben, die GitHub seit 2025 verstärkt ausbaut.
Kritiker sehen darin vor allem einen Nebeneffekt, der GitHub gelegen kommt: mehr gespeicherte Nutzerdaten bedeuten mehr Trainingsmaterial und bessere Analysemöglichkeiten für Produktentscheidungen. Ob und in welchem Umfang die zusätzlich gespeicherten Chatdaten für Modelltraining verwendet werden, geht aus der GitHub-Mitteilung selbst nicht eindeutig hervor. Für Business- und Enterprise-Kunden gelten ohnehin strengere vertragliche Zusagen zur Trainingsnutzung als für Einzelnutzer, doch die reine Speicherdauer ist davon unabhängig zu betrachten.
Code-Review-Standard wechselt gleichzeitig von Lite zu Balanced
Im selben Ankündigungspaket versteckt sich eine zweite, für den Entwickleralltag ebenfalls spürbare Änderung: Der Standard-Detailgrad für Copilot Code Review wechselt am 28. September 2026 organisationsweit von “Lite” auf “Balanced”. Bisher konnten Admins zwischen mehreren Prüftiefen wählen, wobei Lite die ressourcenschonendste und am wenigsten gründliche Variante war. Ab dem Stichtag gilt Balanced als Standardwert für alle Repositories, sofern eine Organisation nichts anderes konfiguriert hat.
Praktisch bedeutet das: Pull Requests werden künftig automatisch gründlicher analysiert, was tendenziell mehr Kommentare, mehr erkannte Probleme, aber auch einen höheren Verbrauch an Copilot-Anfragen pro Review zur Folge hat. Für Teams mit knapp kalkuliertem Nutzungsbudget lohnt sich ein Blick in die Organisationseinstellungen, denn ein unbemerkter Wechsel auf die intensivere Prüfstufe kann sich direkt auf die monatliche Abrechnung auswirken. Admins können den Standardwert weiterhin pro Repository überschreiben, die Kontrolle liegt also nicht komplett außerhalb der eigenen Hand.
Vorkasse ab 1. Oktober: Die Billing-Änderung im selben Paket
GitHub bündelt die Datenschutz- und Review-Änderungen mit einer dritten Umstellung, die vor allem Finanzabteilungen betrifft. Ab dem 1. September 2026 müssen neu zugewiesene Copilot-Business- und -Enterprise-Sitzplätze, die per Kreditkarte oder PayPal bezahlt werden, vor der Nutzung im Voraus bezahlt werden. Bestehende Kunden mit Kartenzahlung wechseln zum 1. Oktober 2026 ebenfalls auf dieses Vorkassemodell. Die Sitzplatzpreise selbst bleiben laut GitHub unverändert: Copilot Business kostet weiterhin 19 US-Dollar pro Nutzer und Monat inklusive 19 Dollar an monatlichen KI-Guthaben, Copilot Enterprise liegt bei 39 US-Dollar pro Nutzer und Monat mit entsprechend höherem Guthaben.
Für österreichische Unternehmen mit Rechnungsstellung über Kreditkarte statt über einen GitHub-Sales-Vertrag bedeutet das eine Umstellung im Beschaffungsprozess: Budgets müssen vor Zuweisung neuer Lizenzen freigegeben sein, nicht erst nach der ersten Monatsrechnung. In Kombination mit der strengeren Code-Review-Standardstufe und dem höheren Anfragenverbrauch kann das die tatsächlichen monatlichen Kosten gegenüber der bisherigen Planung leicht nach oben verschieben.
DSGVO und NIS2: Was Unternehmen in Österreich jetzt prüfen müssen
Die DSGVO verlangt von Verantwortlichen, personenbezogene Daten nur so lange zu speichern, wie es für den jeweiligen Zweck erforderlich ist, festgehalten im Grundsatz der Speicherbegrenzung nach Artikel 5 Absatz 1 lit. e DSGVO. Eine pauschale Umstellung von 28 Tagen auf unbegrenzte Speicherung durch einen Auftragsverarbeiter wie GitHub zwingt Unternehmen dazu, ihre eigenen Aufbewahrungsrichtlinien und Verarbeitungsverzeichnisse zu überarbeiten. Wer Copilot Business oder Enterprise im Rahmen eines Auftragsverarbeitungsvertrags einsetzt, sollte prüfen, ob die neue Kontolebensdauer-Speicherung mit der eigenen Zweckbindung noch vereinbar ist oder ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung notwendig wird.
Bereits im August 2025 hatte die deutsche Bundesbeauftragte für den Datenschutz (BfDI) eine Prüfung gegen Microsoft wegen des Einsatzes von Copilot am Arbeitsplatz eingeleitet, mit Fokus auf die Verarbeitung von Mitarbeiterdaten und die Frage der Mitbestimmung durch Betriebsräte. Diese Prüfung war zuletzt noch offen und ohne Bußgeldentscheidung, zeigt aber, dass Aufsichtsbehörden Copilot-ähnliche Werkzeuge am Arbeitsplatz bereits im Blick haben. Für Österreich kommt mit dem NISG, der nationalen Umsetzung der NIS2-Richtlinie, eine weitere Ebene hinzu: Betroffene Unternehmen müssen die Sicherheitslage ihrer direkten Lieferanten und Dienstleister bewerten, wozu auch Software- und KI-Werkzeug-Anbieter zählen. Ein KI-Coding-Assistent mit dauerhafter Datenspeicherung rückt damit stärker in den Fokus von Lieferkettenaudits, wie sie das NISG für als “wesentlich” oder “wichtig” eingestufte Einrichtungen vorschreibt.
Wie Cursor, JetBrains AI Assistant und Amazon Q Developer mit Chatdaten umgehen
GitHub steht mit seiner Datenspeicherungspolitik nicht isoliert da, doch der Vergleich zeigt deutliche Unterschiede im Standardverhalten der Konkurrenz. Cursor trennt in seiner Datenschutzdokumentation zwischen aktiviertem und deaktiviertem “Privacy Mode”: Mit aktiviertem Privacy Mode nutzt Cursor Kundendaten nicht zum Training und hält laut eigenen Angaben Zero-Data-Retention-Vereinbarungen mit allen Modell-Anbietern ein. Ist der Modus deaktiviert, können Prompts und Codeausschnitte zur Modellverbesserung gespeichert werden, unabhängige Analysen beziffern die Standardspeicherfrist für diesen Fall mit rund 90 Tagen.
JetBrains geht in seiner Grundeinstellung restriktiver vor. Laut den Datenschutzunterlagen von JetBrains werden Eingaben und Ausgaben des AI Assistant ohne aktivierte “Detailed Data Collection” nicht dauerhaft auf JetBrains-Servern gespeichert, sondern nur für die laufende Sitzung vorgehalten. Aktiviert ein Nutzer die detaillierte Datensammlung freiwillig, gilt eine Aufbewahrungsfrist von bis zu einem Jahr für Prompts, Codeausschnitte und Bearbeitungsverläufe. Amazon Q Developer wiederum unterscheidet zwischen Pro- und Free-Tarif: Im Pro-Tarif werden Inhalte laut AWS-Dokumentation nicht zum Training der Foundation-Modelle verwendet, im kostenlosen Free-Tarif ist eine Nutzung zur Modellverbesserung ohne aktiven Opt-out möglich. Für beide Tarife kursiert in Sicherheitsleitfäden von AWS-Partnern eine Speicherfrist von rund 90 Tagen für Fragen und Antworten.
| Tool | Standard-Speicherfrist Chat | Trainingsnutzung im Standard | Opt-out möglich |
|---|---|---|---|
| GitHub Copilot (ab 28.9.2026) | Lebensdauer des Kontos | Nicht eindeutig dokumentiert | Nur durch komplette Deaktivierung von Chat auf github.com/Mobile |
| Cursor (Privacy Mode aus) | rund 90 Tage (Drittanalyse) | Ja, zur Modellverbesserung | Ja, über Privacy Mode |
| Cursor (Privacy Mode an) | Zero Data Retention laut Anbieter | Nein | Standard bei aktiviertem Modus |
| JetBrains AI Assistant (Standard) | Nur laufende Sitzung | Nein, ohne Opt-in | Standardverhalten, Opt-in nötig für mehr |
| JetBrains AI Assistant (Detailed Collection) | Bis zu 1 Jahr | Ja, für JetBrains-eigene Modelle | Ja, Opt-in ist freiwillig |
| Amazon Q Developer (Pro) | rund 90 Tage (Partnerangabe) | Nein laut AWS | Nicht separat nötig |
| Amazon Q Developer (Free) | rund 90 Tage (Partnerangabe) | Ja, ohne Opt-out | Ja, manueller Opt-out verfügbar |
Der Vergleich macht sichtbar, dass GitHub mit der Kontolebensdauer-Speicherung den am wenigsten granularen Ansatz aller großen Anbieter wählt. Während Cursor, JetBrains und Amazon Q jeweils einen Standardmodus mit begrenzter oder gar keiner Speicherung anbieten und eine bewusste Entscheidung für mehr Datensammlung verlangen, dreht GitHub dieses Prinzip um: Die weitreichendste Speicherung ist der Standard, das Abschalten kostet Funktionalität.
GitHub Copilot 2026 in Zahlen: Wie groß ist die betroffene Nutzerbasis
Wie viele Konten von der neuen Speicherlogik betroffen sein werden, lässt sich aus aktuellen Kennzahlen zur Verbreitung von GitHub Copilot ableiten. Laut Auswertungen der Microsoft-Quartalszahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Stand Januar 2026) zählte GitHub Copilot rund 4,7 Millionen zahlende Abonnenten, ein Plus von etwa 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa 77.000 Unternehmenskunden setzen Copilot demnach im Business- oder Enterprise-Modell ein, darunter rund 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen.
Bei der Marktverteilung unter KI-Coding-Werkzeugen zeigt sich ein differenziertes Bild je nach Erhebungsmethode. Laut einer Auswertung des JetBrains-Ökosystem-Reports von Anfang 2026 nutzen rund 29 Prozent der professionellen Entwickler Copilot bei der Arbeit, während Cursor und Claude Code mit jeweils rund 18 Prozent folgen. Bezogen auf zahlende Nutzer von KI-Coding-Werkzeugen insgesamt kommt Copilot laut denselben Auswertungen auf einen Anteil von rund 42 Prozent. Eine weitere, auf der Stack-Overflow-Entwicklerumfrage basierende Auswertung beziffert den Copilot-Anteil unter allen genutzten KI-Coding-Tools mit rund 51 Prozent für 2026, nach 67 Prozent im Vorjahr, was auf wachsenden Wettbewerbsdruck durch Cursor, Claude Code und andere Anbieter hindeutet.
| Kennzahl | Wert | Zeitraum / Quelle |
|---|---|---|
| Zahlende Copilot-Abonnenten weltweit | ca. 4,7 Millionen | Q2 Geschäftsjahr 2026 (Jän. 2026), Microsoft-Zahlen |
| Wachstum der Abonnentenzahl (YoY) | ca. 75 % | Q2 Geschäftsjahr 2026 |
| Unternehmenskunden (Business/Enterprise) | ca. 77.000 | Auswertung Q2 Geschäftsjahr 2026 |
| Copilot-Einsatz unter Fortune-100-Firmen | ca. 90 % | Auswertung Q2 Geschäftsjahr 2026 |
| Nutzung bei der Arbeit (professionelle Entwickler) | ca. 29 % | JetBrains-Ökosystem-Report, Anfang 2026 |
| Anteil unter zahlenden KI-Coding-Tool-Nutzern | ca. 42 % | Marktauswertung 2026 |
| Anteil unter genutzten KI-Coding-Tools (Vorjahresvergleich) | 51 % (2026) vs. 67 % (2025) | Stack-Overflow-Entwicklerumfrage-Auswertung |
| Preis Copilot Business | 19 US-Dollar / Nutzer / Monat | GitHub-Preisliste 2026 |
| Preis Copilot Enterprise | 39 US-Dollar / Nutzer / Monat | GitHub-Preisliste 2026 |
Selbst bei konservativer Rechnung bedeutet das: Mehrere Millionen aktive Konten wechseln am 28. September von einer 28-Tage-Löschung zu einer unbegrenzten Speicherung, ohne dass die einzelnen Nutzer aktiv zustimmen müssen. Das Volumen an Chatverläufen, das GitHub künftig dauerhaft vorhält, dürfte damit binnen weniger Monate um ein Vielfaches wachsen.
Reaktionen aus der Entwickler-Community
In Admin- und Compliance-orientierten Fachblogs, die die Änderung seit Ende August analysieren, überwiegt eine nüchterne, aber unmissverständliche Warnung: Die Speicherfrist-Änderung sei im offiziellen “Was sich ändert”-Abschnitt der GitHub-Mitteilung eher beiläufig platziert und werde deshalb leicht übersehen, obwohl sie zu den folgenreichsten Punkten des gesamten Ankündigungspakets zählt. Mehrere Leitfäden für IT-Administratoren raten Unternehmen ausdrücklich dazu, die eigene Copilot-Richtlinie jetzt zu prüfen, statt erst nach dem 28. September zu reagieren.
Auffällig ist, dass die Umstellung als “standardmäßig aktiviert” beschrieben wird und ein Opt-out faktisch den Verzicht auf Copilot Chat auf github.com und in der Mobile-App bedeutet. Diese Alles-oder-nichts-Logik wird in der Fachdiskussion als Compliance-Review-Fall eingestuft, nicht als einfache Voreinstellung, die sich mit einem Klick anpassen lässt. Für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen bedeutet das zusätzlichen Aufwand: Statt einer Konfigurationsänderung braucht es eine grundsätzliche Entscheidung, ob bestimmte Nutzergruppen die betroffenen Copilot-Chat-Oberflächen überhaupt weiter nutzen dürfen.
Historischer Kontext: Wie sich Copilots Datenpolitik seit dem Start entwickelt hat
GitHub Copilot startete 2021 zunächst als reines Code-Vervollständigungswerkzeug, bei dem Datenschutzfragen vor allem das Training der zugrunde liegenden Modelle mit öffentlichem Quellcode betrafen, ein Thema, das damals mehrere rechtliche Auseinandersetzungen auslöste. Mit der Einführung von Copilot Chat kam eine neue Kategorie an Daten hinzu: individuelle Konversationen, in denen Entwickler oft ungefiltert Codeausschnitte, Fehlermeldungen und mitunter sensible interne Informationen einfügen. Die 28-Tage-Frist für Chatdaten auf github.com und in der Mobile-App war über mehrere Jahre der De-facto-Standard und wurde von vielen Unternehmen stillschweigend als ausreichend kurz für interne Datenschutzrichtlinien akzeptiert.
Der Copilot-Cloud-Agent, der ab 2025 verstärkt für mehrstufige, autonome Coding-Aufgaben ausgebaut wurde, brach mit diesem Muster bereits früher und speicherte Sitzungsdaten von Anfang an über die Kontolebensdauer hinweg, begründet mit der Notwendigkeit, über längere Zeiträume hinweg Kontext zu behalten. Die jetzige Vereinheitlichung ist damit weniger ein plötzlicher Bruch als die konsequente Fortsetzung eines Trends, der mit den agentenbasierten Funktionen begann: Je autonomer und langlebiger die Aufgaben werden, die Copilot übernimmt, desto mehr verschiebt sich die gesamte Plattform von kurzfristiger zu dauerhafter Datenspeicherung.
Admin-Kontrollen: Was Unternehmen jetzt konkret tun können
Organisationen, die Copilot Business oder Enterprise einsetzen, sollten vor dem 28. September 2026 drei Dinge prüfen: erstens, ob Copilot Chat auf github.com und in der Mobile-App für alle oder nur für ausgewählte Nutzergruppen aktiv bleiben soll, zweitens, ob die Standard-Review-Stufe für Code Review weiterhin auf Balanced stehen soll oder auf Lite zurückgesetzt wird, und drittens, ob interne Datenschutz-Dokumente die neue Kontolebensdauer-Speicherung bereits abbilden. Die organisationsweiten Richtlinien lassen sich über die Copilot-Verwaltungseinstellungen im GitHub-Organisationskonto steuern, wie in der offiziellen GitHub-Dokumentation zu Copilot-Richtlinien beschrieben.
Für Admin-Teams, die die aktuelle Copilot-Richtlinienkonfiguration ihrer Organisation per GitHub-CLI abfragen wollen, hilft folgender Befehl als Ausgangspunkt, um die aktuellen Einstellungen zu dokumentieren, bevor die Umstellung am 28. September greift:
gh api /orgs/IHRE-ORG/copilot/billing/seats \
--jq '.seats[] | {assignee: .assignee.login, last_activity: .last_activity_at}'
gh api /orgs/IHRE-ORG/copilot/billing \
--jq '{seat_breakdown, public_code_suggestions, seat_management_setting}'
Diese Abfragen liefern eine Momentaufnahme der aktuell zugewiesenen Sitzplätze und Nutzungsaktivität, die sich als Referenzpunkt eignet, um nach der Umstellung am 28. September Veränderungen im Nutzungsverhalten oder in der Anfragenlast durch die strengere Review-Stufe nachzuvollziehen.
Marktauswirkungen: Wachsender Konkurrenzdruck auf GitHub
Die Datenspeicherungs-Änderung trifft GitHub in einer Phase, in der der eigene Marktanteil unter Druck steht. Der Rückgang von 67 auf rund 51 Prozent Nutzungsanteil laut Stack-Overflow-Auswertung binnen eines Jahres zeigt, dass Cursor, Claude Code und andere Werkzeuge spürbar Boden gutmachen. In diesem Umfeld kann eine Datenschutzentscheidung, die von Wettbewerbern wie JetBrains und Cursor bewusst als Verkaufsargument für restriktivere Standardeinstellungen genutzt wird, GitHub zusätzlich unter Rechtfertigungsdruck setzen. Sicherheits- und Compliance-Teams, die bei der Werkzeugauswahl mitreden, dürften die neue Speicherlogik in ihre Bewertung künftiger Copilot-Verträge einfließen lassen.
Gleichzeitig ist die technische Logik hinter der Umstellung, nämlich bessere Unterstützung für langlaufende Agenten-Workflows, ein Bereich, in dem GitHub gegenüber Cursor und Claude Code aufholen will. Die Fusion der Chat-Oberflächen ist damit auch ein Wettbewerbszug: Wer Copilot als durchgängigen Assistenten über Browser, Handy und automatisierte Agenten hinweg positionieren will, braucht ein einheitliches Gedächtnis. GitHub nimmt dafür bewusst das Risiko höherer Compliance-Fragen in Kauf.
Prognosen: Wie sich die Copilot-Datenpolitik weiterentwickeln dürfte
- Erwartbar ist, dass GitHub innerhalb der kommenden Monate auf Druck von Enterprise-Kunden zusätzliche, granularere Aufbewahrungseinstellungen für Business- und Enterprise-Konten nachliefert, ähnlich den bereits existierenden Trainingsnutzungs-Opts bei anderen Anbietern.
- Die laufende BfDI-Prüfung gegen Microsoft zu Copilot am Arbeitsplatz dürfte durch die neue Speicherlogik zusätzliches Gewicht bekommen und könnte 2027 zu einer ersten formellen Bewertung oder Auflage führen.
- Konkurrenten wie JetBrains und Cursor werden ihre bereits restriktiveren Standardeinstellungen voraussichtlich stärker als Differenzierungsmerkmal in Marketing und Vertrieb gegenüber Copilot einsetzen.
- Unternehmen mit hohem Compliance-Anspruch, insbesondere im Finanz- und Gesundheitssektor, dürften vermehrt dazu übergehen, Copilot Chat auf github.com und Mobile organisationsweit zu deaktivieren und stattdessen ausschließlich IDE-Integrationen mit klareren Speicherregeln zuzulassen.
- Mit der fortschreitenden NIS2-Umsetzung in Österreich und Deutschland ist davon auszugehen, dass Lieferkettenaudits künftig standardmäßig Fragen zur Datenspeicherungsdauer von KI-Coding-Werkzeugen enthalten, was den Dokumentationsaufwand für alle Anbieter in diesem Markt erhöht.
Was Entwickler und Unternehmen in Österreich jetzt konkret tun sollten
Wer Copilot privat oder im Team nutzt, sollte sich bis zum 28. September 2026 mit drei Fragen befassen. Erstens: Welche Art von Informationen landet aktuell in Copilot-Chats, und wäre eine dauerhafte Speicherung dieser Inhalte problematisch, etwa bei Kundendaten, internen Zugangsdaten oder unveröffentlichtem Code? Zweitens: Verfügt die eigene Organisation über eine aktuelle Aufzeichnung der Verarbeitungstätigkeiten, die Copilot als Auftragsverarbeiter mit der neuen Speicherdauer korrekt abbildet? Drittens: Ist die neue Balanced-Standardstufe für Code Review budgetär eingeplant, oder sollte sie für bestimmte Repositories bewusst auf Lite zurückgesetzt werden?
Für Teams, die keine der drei Fragen bereits beantwortet haben, bleiben nur noch wenige Wochen bis zur Umstellung. Da die neue Speicherlogik laut GitHub standardmäßig aktiv wird, führt Nichtstun automatisch zur unbegrenzten Speicherung aller künftigen Chatdaten, unabhängig davon, ob die eigene Organisation darauf vorbereitet ist oder nicht.
Häufig gestellte Fragen zur neuen Copilot-Datenspeicherung
Ab wann gilt die neue Speicherfrist für GitHub Copilot Chat?
Die Umstellung erfolgt laut GitHub-Changelog nicht vor dem 28. September 2026. Ein exaktes Datum innerhalb dieses Zeitraums hat GitHub bislang nicht kommuniziert.
Betrifft die Änderung auch Copilot Free und Copilot Individual?
Die GitHub-Mitteilung spricht allgemein von Copilot Chat auf github.com, in der Mobile-App und im Cloud-Agent, ohne Copilot Free oder Individual explizit auszunehmen. Nutzer aller Tarifstufen sollten daher von der neuen Kontolebensdauer-Speicherung ausgehen.
Kann ich alte Copilot-Chats manuell löschen?
GitHub beschreibt in der aktuellen Mitteilung keine expliziten Selbstbedienungs-Werkzeuge zur manuellen Löschung einzelner Chatverläufe nach der Umstellung. Für Fragen zur gezielten Löschung einzelner Konversationen empfiehlt sich der direkte Kontakt zum GitHub-Support oder Account-Team.
Werden die gespeicherten Chatdaten zum Training neuer Copilot-Modelle verwendet?
Das geht aus der aktuellen GitHub-Mitteilung nicht eindeutig hervor. Für Business- und Enterprise-Kunden gelten in der Regel separate vertragliche Zusagen zur Trainingsnutzung, die unabhängig von der reinen Speicherdauer zu prüfen sind.
Wie unterscheidet sich das von Cursor oder JetBrains AI Assistant?
Cursor bietet mit dem Privacy Mode eine Einstellung, die laut Anbieter Zero-Data-Retention ermöglicht, während JetBrains AI Assistant ohne aktivierte Detailed Data Collection Chatdaten nur für die laufende Sitzung vorhält. Beide Ansätze stehen im Standardverhalten damit deutlich restriktiver als die neue Copilot-Logik.
Was bedeutet die Umstellung für die DSGVO-Konformität in Österreich?
Unternehmen, die Copilot als Auftragsverarbeiter einsetzen, sollten prüfen, ob die neue Kontolebensdauer-Speicherung mit ihrer eigenen Zweckbindung und Speicherbegrenzung nach Artikel 5 DSGVO vereinbar ist, und gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen.
Ändert sich auch der Preis von Copilot Business oder Enterprise?
Nein, die Sitzplatzpreise bleiben bei 19 US-Dollar für Business und 39 US-Dollar für Enterprise pro Nutzer und Monat unverändert. Geändert hat sich lediglich der Zahlungszeitpunkt: Ab 1. Oktober 2026 gilt für kartenbasierte Zahlungen Vorkasse statt nachträglicher Abrechnung.
Kann ich Copilot Chat auf github.com einfach deaktivieren, um die neue Speicherung zu vermeiden?
Ja, das ist laut aktuellem Kenntnisstand die einzige dokumentierte Möglichkeit, die neue Kontolebensdauer-Speicherung für diese Oberflächen zu umgehen. Der Preis dafür ist der vollständige Verzicht auf Copilot Chat auf github.com und in der Mobile-App, ein selektives Herunterregeln der Speicherdauer ist nicht vorgesehen.




