Zwei Namen dominieren die Diskussion, wenn es in Österreich um datenschutzkonforme VPN-Dienste geht: Mullvad und ProtonVPN. Beide lehnen Datenspeicherung konsequent ab, beide werden regelmäßig von unabhängigen Sicherheitsforschern überprüft, und beide gelten unter Experten als erste Wahl für Nutzer, die Online-Privatsphäre ernstnehmen. Trotzdem unterscheiden sie sich in entscheidenden Punkten.

Mullvad setzt auf ein radikales Konzept: kein Benutzerkonto mit E-Mail-Adresse, ein einziger Preis von €5 pro Monat für alle, und die Möglichkeit, mit Bargeld per Post zu zahlen. ProtonVPN aus der Schweiz geht einen anderen Weg: kostenloser Einstieg, bis zu 10 gleichzeitige Verbindungen und ein Netzwerk mit über 20.000 Servern in mehr als 140 Ländern. Dieser Vergleich liefert Benchmarks aus drei unabhängigen Quellen, dokumentierte Sicherheitsaudits und fünf konkrete Anwendungsfälle aus Österreich, damit klar wird, welcher Dienst für welchen Nutzer besser passt.

Auf einen Blick: Mullvad vs ProtonVPN

Bevor es in die technischen Details geht, die wichtigsten Unterschiede zusammengefasst. Mullvad wurde 2009 in Göteborg, Schweden, gegründet und verfolgt bis heute ein einziges Ziel: maximale Anonymität mit minimalem Aufwand. ProtonVPN entstand 2017 als Erweiterung des verschlüsselten E-Mail-Dienstes ProtonMail und kommt aus Genf, Schweiz.

Der auffälligste Unterschied liegt bei der Preisgestaltung. Mullvad kennt nur einen einzigen Plan für €5 pro Monat, keinen Jahresrabatt, keine verschiedenen Stufen. ProtonVPN bietet dagegen einen kostenlosen Tarif an, der zwar eingeschränkt ist, aber unbegrenzt gültig bleibt. Für Nutzer mit kleinem Budget ist das ein echter Vorteil. Beim Servernetzwerk liegt ProtonVPN klar vorne: 20.000+ Server in 140+ Ländern gegen rund 700 Server von Mullvad in 50 Ländern. Beim Datenschutz liegt Mullvad vorne, mit anonymer Kontoeröffnung ohne E-Mail und Bargeld-Zahlungsoption.

Technische Spezifikationen im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt alle technischen Eckdaten beider Dienste auf einen Blick. Die Daten stammen aus den offiziellen Anbieterwebseiten sowie aus unabhängigen Überprüfungen von 2025 und 2026.

MerkmalMullvad VPNProtonVPN
Sitz / RechtsgebietSchweden (14 Eyes)Schweiz (neutral, außerhalb 5/9/14 Eyes)
Serveranzahl~700 Server20.000+ Server
Länderabdeckung50 Länder, 90 Städte140+ Länder
Simultane Verbindungen5 Geräte10 Geräte
ProtokolleWireGuard, OpenVPNWireGuard, OpenVPN, IKEv2, Stealth
Multi-Hop / Double VPNJa (MultiHop)Ja (Secure Core)
RAM-only ServerJaJa
Kill SwitchJa (alle Plattformen)Ja (alle Plattformen)
Split TunnelingJa (Windows, Android)Ja (Windows, macOS, Android, iOS)
Werbeblocker / DNS-SchutzJa (DAITA + DNS-Blocker)Ja (NetShield)
Obfuskierung / ZensurumgehungJa (Shadowsocks, Port 443/53)Ja (Stealth-Protokoll)
Kontoeröffnung ohne E-MailJa (zufällige 16-stellige Kontonummer)Nein (E-Mail Pflichtfeld)
Zahlung mit Bargeld möglichJa (per Post an Göteborg)Nein
Kryptowährung akzeptiertJa (Bitcoin, Monero u.a.)Ja (Bitcoin)
Sicherheitsaudit (zuletzt)Assured AB, 2026Unabhängig verifiziert, Juli 2024
Open SourceJa (Clients und Server)Ja (Clients)
Streaming-optimierte ServerNeinJa
Kostenloser TarifNeinJa (mit Einschränkungen)
Preis ab€5,00/MonatKostenlos / €2,99/Monat

Preise und Abonnements im Detail

Die Preismodelle beider Anbieter unterscheiden sich grundlegend. Mullvad verzichtet komplett auf Tarifstufen, Jahresabonnements und Bundle-Angebote. Das vereinfacht die Entscheidung, nimmt aber auch die Möglichkeit zu sparen. ProtonVPN setzt dagegen auf mehrere Stufen, darunter eine dauerhaft kostenlose Version.

TarifMullvad VPNProtonVPN
KostenlosNicht verfügbarGratis (1 Gerät, 10 Länder, eingeschränkte Geschwindigkeit, kein Ablaufdatum)
Monatlich€5,00/Monat€9,99/Monat (Plus)
Jährlich€5,00/Monat (kein Rabatt)€4,99/Monat (Plus, jährlich)
2-Jahres-AboNicht verfügbar€2,99/Monat (Plus, 2 Jahre)
Geld-zurück-Garantie30 Tage30 Tage (nur bezahlte Tarife)
ZahlungsmethodenKarte, PayPal, Krypto (inkl. Monero), Bargeld per Post, Giropay, EPSKarte, PayPal, Bitcoin

Für österreichische Nutzer, die sich für den ProtonVPN-Gratis-Tarif entscheiden, gilt eine wichtige Einschränkung: Der kostenlose Plan erlaubt nur ein Gerät gleichzeitig und verbindet sich mit Servern in nur 10 zufällig zugewiesenen Ländern, ohne Garantie auf österreichische oder nahegelegene Server. Wer Streaming, Torrenting oder schnelle Verbindungen braucht, muss upgraden. EPS-Transfer als Zahlungsmethod bei Mullvad ist besonders für österreichische Nutzer relevant, da EPS das dominierende Online-Bezahlverfahren im österreichischen E-Commerce ist.

Der effektivste Preisvorteil bei ProtonVPN ergibt sich beim 2-Jahres-Abonnement: €2,99 pro Monat sind deutlich günstiger als Mullvads konstanter €5-Preis. Allerdings bedeutet eine 2-Jahres-Bindung, vorab €71,76 zu zahlen, ohne Flexibilität bei Unzufriedenheit außerhalb der 30-Tage-Frist. Mullvads monatliche Abrechnung ohne Mindestlaufzeit ist flexibler, kostet dafür dauerhaft mehr.

Datenschutz und Anonymität: Wo der Unterschied wirklich liegt

Anonyme Kontoeröffnung: Mullvads größter Vorteil

Mullvad erfordert keine E-Mail-Adresse, keinen Namen und kein Passwort. Nach der Registrierung erhält der Nutzer eine zufällig generierte 16-stellige Kontonummer, die als einziges Identifikationsmerkmal dient. Diese Zahl kann niemand auf eine Person zurückführen, solange die Zahlung anonym erfolgt.

Wer noch einen Schritt weiter gehen will, schickt Bargeld per Post an das Mullvad-Büro in Göteborg oder zahlt mit Monero, der datenschutzorientierten Kryptowährung. Das Ergebnis ist ein VPN-Konto, das vollständig ohne personenbezogene Daten existiert. Selbst bei einem Datenleck auf Serverseite wäre nichts zu finden, das auf einen bestimmten Nutzer hinweist.

ProtonVPN verlangt eine E-Mail-Adresse für die Registrierung. Wer eine temporäre E-Mail-Adresse verwendet, kann die persönliche Verbindung minimieren, aber nicht vollständig eliminieren. Proton speichert bei der Kontoerstellung gewisse Metadaten, auch wenn diese gemäß No-Log-Richtlinie nicht mit VPN-Aktivitäten verknüpft sein sollen.

Rechtsgebiet: Schweden gegen Schweiz

Mullvad sitzt in Schweden, einem Mitglied der 14-Eyes-Geheimdienstallianz. Das bedeutet theoretisch, dass schwedische Behörden unter bestimmten Umständen zur Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten verpflichtet sein könnten. Praktisch ändert das wenig für Nutzer mit einem echten No-Log-Dienst, weil auch bei einer behördlichen Anfrage keine nützlichen Daten vorhanden wären. Trotzdem bleibt das Risiko strukturell höher als beim Schweizer Konkurrenten.

ProtonVPN operiert aus der Schweiz, die nicht in der 5-Eyes-, 9-Eyes- oder 14-Eyes-Allianz ist. Die Schweizer Datenschutzgesetze bieten rechtlich stärkeren Schutz gegen ausländische Anfragen. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern ein struktureller Unterschied, der bei ernsthaften Datenschutzbedenken relevant ist.

Ein wichtiger Realitäts-Check: 2021 musste ProtonMail (das Mailprodukt von Proton AG, nicht ProtonVPN) auf Anordnung eines Schweizer Gerichts die IP-Adresse eines Aktivisten an Behörden weitergeben. Das zeigt, dass auch die Schweizer Neutralität keine absolute Schutzgarantie bietet, sofern tatsächlich Daten vorhanden sind und ein Gerichtsbeschluss vorliegt. Bei ProtonVPN soll gemäß verifizierter No-Log-Politik keine IP-Adresse dauerhaft gespeichert werden, was eine solche Herausgabe technisch unmöglich machen würde. Für maximale Sicherheit empfehlen Datenschutzexperten dennoch, Mullvad zu nutzen, wo die Anonymität schon bei der Kontoeröffnung beginnt.

Geschwindigkeitstest: Benchmarks aus 3 unabhängigen Quellen

Geschwindigkeitstests für VPN-Dienste variieren stark je nach Standort, Tageszeit und Testmethodik. Drei unabhängige Quellen aus 2025 zeigen trotzdem klare Muster, die bei der Entscheidung helfen. Die Ergebnisse kommen von RTINGS.com, PCMag und CNET.

TestquelleMullvad VPNProtonVPNTestkontext
RTINGS.com (2025)218 Mbps mit VPN (Score: 7,5/10)236 Mbps mit VPN (Score: 7,6/10)Unabhängige Labortests
PCMag (2025)0,57% Geschwindigkeitsverlust20,11% GeschwindigkeitsverlustUS-Testumgebung
CNET (2025)24% Geschwindigkeitsverlust16% GeschwindigkeitsverlustGlobaler Server-Mix
Gizmodo UK (2025)298,61 Mbps (UK-Server), 215,32 Mbps (US-Server)193 Mbps (Los Angeles)Europäische Testbasis
Mullvad MultiHop (Gizmodo)108 Mbps (mit aktiviertem Multi-Hop)Secure Core ähnlichBeide signifikant langsamer mit Double VPN

Die Ergebnisse widersprechen sich teilweise, was typisch für VPN-Tests ist. PCMag misst Mullvad als nahezu verlustfrei, während CNET bei Mullvad höhere Verluste sieht als bei ProtonVPN. Der Unterschied liegt in der Testmethodik: PCMag testet überwiegend auf US-amerikanischen Servern, CNET auf einem globalen Mix. Für österreichische Nutzer, die hauptsächlich europäische Server nutzen, sind die RTINGS-Ergebnisse am aussagekräftigsten, da dort beide Dienste nahezu gleichauf liegen.

Praktisch relevant ist diese Faustregel: Bei einer Basisleitung von 100 Mbps oder weniger, typisch für viele österreichische DSL-Anschlüsse, sind Unterschiede zwischen Mullvad und ProtonVPN kaum spürbar. Bei Glasfaseranschlüssen ab 500 Mbps können die PCMag-Ergebnisse darauf hinweisen, dass Mullvad die VPN-Verbindung effizienter verarbeitet. Gizmodos UK-Ergebnisse (298,61 Mbps) legen nahe, dass Mullvad auf europäischen Servern hervorragend performt, was für österreichische Nutzer besonders relevant ist.

Sicherheitsaudits und Transparenz

Beide Dienste lassen ihre Sicherheitsversprechen regelmäßig von Drittanbietern überprüfen. Das ist eine Grundvoraussetzung für jeden ernsthaften Datenschutz-VPN, und beide haben in diesem Bereich eine solide Bilanz.

Mullvad hat in dieser Disziplin eine der längsten Überprüfungsgeschichten der Branche. Das unabhängige Sicherheitsunternehmen Cure53 auditierte Mullvad-Clients und -Server in den Jahren 2018, 2020 und 2022 sowie erneut im Juni 2024. Zusätzlich führte Assured AB in den Jahren 2025 und 2026 weitere unabhängige Überprüfungen durch. Alle Berichte sind öffentlich zugänglich und dokumentieren sowohl gefundene als auch behobene Schwachstellen. Besonders bedeutsam ist, dass Mullvad die vollständigen Berichte inklusive der ursprünglich gefundenen Probleme veröffentlicht, was auf echte Transparenz hinweist, nicht nur auf Marketing-Statements.

ProtonVPN wurde zuletzt im Juli 2024 unabhängig auf die Einhaltung der No-Log-Richtlinie überprüft. Proton hat außerdem sein Netzwerk auf vollständig RAM-basierte Server umgestellt, sodass bei einem physischen Serverzugriff durch Behörden keine dauerhaften Daten vorhanden wären. Die Audit-Berichte sind ebenfalls öffentlich einsehbar, auch wenn die Frequenz und die Detailtiefe der veröffentlichten Berichte bei Mullvad historisch umfangreicher ist.

Für österreichische Nutzer, die aufgrund der DSGVO oder beruflicher Anforderungen aus Journalismus, Recht oder Medizin auf dokumentierte Sicherheitsüberprüfungen angewiesen sind, hat Mullvad durch seine lückenlose Audit-Geschichte einen messbaren Vorteil. Wer einen österreichischen Datenschutzbehörden-konformen Nachweis über die Datensicherheit eines eingesetzten Dienstes braucht, findet bei Mullvad mehr und aktuellere Dokumente.

Verschlüsselung und Protokolle im Detail

Beide Dienste verwenden AES-256-GCM (mit OpenVPN) bzw. ChaCha20-Poly1305 (mit WireGuard) als Verschlüsselungsstandard. In der Praxis sind beide Methoden als quantenresistent robust eingestuft für die nächsten Jahre, und kein bekannter Angriff kann diese Verschlüsselung bei korrekter Implementierung brechen.

Mullvad unterstützt WireGuard und OpenVPN. WireGuard ist der empfohlene Standard: moderner Code-Stack (rund 4.000 Zeilen gegenüber 70.000 bei OpenVPN), schnellere Verbindungsaufbauzeiten und geringerer Ressourcenverbrauch besonders auf mobilen Geräten. Für Nutzer in Ländern mit Zensur, was auch auf Dienstreisen außerhalb Österreichs relevant sein kann, bietet Mullvad Port-Weiterleitung auf Port 443 und 53 sowie Shadowsocks als Obfuskierungsschicht, die VPN-Traffic wie normalen HTTPS-Traffic erscheinen lässt.

ProtonVPN bietet zusätzlich IKEv2, das besonders stabil auf mobilen Geräten beim Wechsel zwischen WLAN und Mobilfunknetz ist, und das proprietäre Stealth-Protokoll. Stealth ist speziell für Zensurumgehung entwickelt und maskiert VPN-Traffic effektiv. Das ist relevant für österreichische Nutzer, die auf Geschäftsreisen in Länder mit Internetrestriktionen (China, Iran, Russland) fahren. Mullvads Shadowsocks-Implementierung ist technisch ähnlich effektiv, aber weniger nahtlos in die Benutzeroberfläche integriert.

Ein wichtiger Unterschied bei der Implementierung: Mullvad bietet die neue DAITA-Funktion (Defense Against AI-guided Traffic Analysis). DAITA fügt dem verschlüsselten Traffic zufällige Datenpakete hinzu, um Muster-Analyse durch maschinelles Lernen zu erschweren. Das ist besonders zukunftsrelevant, da staatliche Akteure zunehmend KI einsetzen, um verschlüsselten Traffic zu klassifizieren, ohne ihn entschlüsseln zu müssen. ProtonVPN hat keine vergleichbare Funktion.

Multi-Hop, Kill Switch und erweiterte Sicherheitsfunktionen

Beide Dienste bieten eine Multi-Hop-Funktion, die den Traffic durch zwei verschiedene Server in zwei verschiedenen Ländern leitet. Das macht Traffic-Analyse durch einen einzelnen Angreifer oder einen kompromittierten Server praktisch unmöglich, kostet aber signifikant Geschwindigkeit.

Mullvads Multi-Hop-Implementierung, intern “MultiHop” genannt, reduziert die Geschwindigkeit laut Gizmodo-Tests von über 300 Mbps auf rund 108 Mbps. Die Konfiguration ist flexibel: Nutzer wählen Ein- und Ausgangspunkt manuell aus und können so verschiedene Länder kombinieren. ProtonVPN nennt seine Multi-Hop-Server “Secure Core” und leitet Traffic grundsätzlich zuerst durch Server in datenschutzfreundlichen Ländern (Island, Schweiz, Schweden), bevor die Verbindung zum Zieland aufgebaut wird. Secure Core ist konzeptuell etwas rigider als Mullvads freie Kombination, bietet aber durch die vordefinierten hochsicheren Einstiegspunkte einen klaren Rahmen.

Der Kill Switch unterbricht die Internetverbindung sofort, wenn die VPN-Verbindung abbricht. Beide Dienste implementieren das systemweit auf allen unterstützten Plattformen. Mullvad bietet zusätzlich eine LAN-Bypass-Option, die lokales Netzwerk (Drucker, NAS, Heimserver) trotz aktiviertem Kill Switch erreichbar lässt.

Split Tunneling, also die Möglichkeit, bestimmte Apps durch das VPN zu leiten und andere direkt zu verbinden, unterstützt ProtonVPN auf allen Plattformen (Windows, macOS, Android, iOS). Mullvad bietet Split Tunneling nur auf Windows und Android. macOS-Nutzer, die Split Tunneling brauchen, müssen bei Mullvad auf alternative Netzwerkkonfigurationen ausweichen.

Streaming, Torrenting und alltägliche Nutzung

Wer einen VPN hauptsächlich für Streaming-Dienste nutzt, hat andere Prioritäten als jemand, der maximale Anonymität anstrebt. ProtonVPN ist in diesem Bereich klar besser aufgestellt.

ProtonVPN betreibt dedizierte Streaming-optimierte Server und ermöglicht den Zugang zu Netflix in mehreren Regionen, Disney+, BBC iPlayer, Amazon Prime Video und anderen Diensten. Das größere Servernetzwerk (20.000+ Server in 140+ Ländern) erlaubt außerdem Zugang zu geografisch eingeschränkten Inhalten aus vielen Regionen. Für österreichische Nutzer im Ausland, die auf ORF ON oder Servus TV zugreifen möchten, ist ProtonVPN die zuverlässigere Wahl. CyberInsider stellte in Tests 2025 fest, dass ProtonVPN Mullvad beim Streaming-Zugang deutlich übertrifft.

Mullvad bietet keine dedizierten Streaming-Server und verzichtet bewusst auf Marketing-Versprechen wie “Netflix entsperren”. In der Praxis funktioniert Mullvad mit manchen Streaming-Diensten, aber deutlich weniger zuverlässig als ProtonVPN. Wer regelmäßig auf geoblockierte Inhalte zugreifen möchte, kommt mit Mullvad öfter an Grenzen.

Beim Torrenting sind beide Dienste gut geeignet. Mullvad erlaubt P2P-Traffic auf allen Servern ohne Einschränkungen. ProtonVPN bietet dedizierte P2P-Server, auf denen Torrenting optimiert ist. Für die Privatsphäre beim Torrenting gilt: Mullvad hat durch die anonyme Kontoeröffnung und Bargeld-Zahlung einen strukturellen Vorteil, weil die Verbindung zur realen Person schwerer herstellbar ist.

Apps und Benutzerfreundlichkeit im Vergleich

Beide Dienste bieten Apps für Windows, macOS, Linux, Android und iOS. Mullvad unterstützt außerdem einen eigens entwickelten Browser für Fingerprinting-Schutz und eine Browser-Extension.

Mullvads Oberfläche ist bewusst schlicht gehalten. Die Desktop-App zeigt einen Verbindungsschalter, einen Server-Selektor und die wichtigsten Einstellungen. Anfänger können innerhalb von zwei Minuten verbunden sein. Erfahrene Nutzer finden alle erweiterten Einstellungen (Multi-Hop, DAITA, Obfuskierung, benutzerdefinierte DNS-Server) ohne Umwege. Die einzige Besonderheit beim Start: Statt eines Passworts gibt man die 16-stellige Kontonummer ein, was am Anfang ungewohnt ist, aber die Anonymität gewährleistet.

ProtonVPNs App ist umfangreicher und entsprechend komplexer. Der Quick-Connect-Button verbindet sofort mit dem empfohlenen Server. Eine interaktive Karte zeigt alle verfügbaren Server weltweit, was bei 20.000+ Servern unübersichtlich werden kann. ProtonVPN hat zusätzlich ein integriertes VPN-Beschleuniger-Feature und bietet innerhalb der App direkten Zugang zu Proton Mail, Proton Drive und Proton Calendar, sofern diese Dienste genutzt werden. Das ist eine Stärke für Nutzer des gesamten Proton-Ökosystems, aber Mehraufwand für alle anderen.

Beim Linux-Support hat Mullvad einen klaren Vorteil: Die App wird für Ubuntu LTS, Debian, Fedora, Arch Linux und andere Distributionen regelmäßig aktualisiert und gilt unter Linux-Enthusiasten in Österreich und Deutschland als zuverlässiger und besser gepflegt als die ProtonVPN-Linux-App.

5 Praxisbeispiele aus Österreich

Theorie hilft nur begrenzt weiter. Die folgenden fünf Szenarien zeigen, wie österreichische Nutzer in der Praxis von Mullvad oder ProtonVPN profitieren.

Szenario 1: Journalistin in Wien, Quellenschutz bei öffentlichem WLAN. Eine Investigativjournalistin des Standard arbeitet regelmäßig aus Cafés im ersten Bezirk. Sie braucht einen VPN, der ihre Kommunikation mit Quellen schützt und nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden kann. Empfehlung: Mullvad. Das Konto existiert ohne E-Mail, anonyme Zahlung ist möglich, und der Traffic durch DAITA ist schwerer analysierbar. Wenn Behörden die VPN-Nutzung feststellen und Daten anfordern, gibt es technisch nichts zu finden.

Szenario 2: Wirtschaftsstudent in Erasmus in Shanghai. Ein Student aus Graz verbringt sein Auslandssemester in China und stellt fest, dass WhatsApp, Google und YouTube blockiert sind. Empfehlung: ProtonVPN. Das Stealth-Protokoll wurde speziell für restriktive Netzwerkumgebungen entwickelt und schneidet in China-Tests besser ab als Mullvads Shadowsocks-Implementierung. Die Verbindung läuft stabil auch in Hochschulnetzwerken, die VPNs aktiv blockieren.

Szenario 3: Familie in Klagenfurt, Streaming und mehrere Geräte. Ein Elternpaar nutzt VPN, um auf britische BBC-iPlayer-Inhalte zuzugreifen und ihren Kindern bei der Netflix-Auswahl mehr Flexibilität zu geben. Fünf Geräte sind regelmäßig in Verwendung. Empfehlung: ProtonVPN Plus. 10 gleichzeitige Verbindungen, dedizierte Streaming-Server und ein Jahrestarif für €4,99 pro Monat sind für Familien die wirtschaftlichste Kombination.

Szenario 4: IT-Sicherheitsberater in Graz, berufliche Dokumentationspflicht. Ein freiberuflicher Penetrationstester muss gegenüber seinen Kunden nachweisen, dass er für Client-Research datenschutzkonforme Tools einsetzt. Empfehlung: Mullvad. Die öffentlich zugänglichen Cure53- und Assured-AB-Berichte dienen als Dokumentationsnachweis, und das anonyme Konto verhindert, dass berufliche Aktivitäten einer Einzelperson zugeordnet werden können.

Szenario 5: Kleinunternehmer in Salzburg mit 4 Remote-Mitarbeitern. Ein Marketingagentur-Inhaber will sicherstellen, dass seine vier Mitarbeiter im Homeoffice sichere Verbindungen nutzen, ohne ein teures Business-VPN zu kaufen. Empfehlung: ProtonVPN Plus. Die 10 gleichzeitigen Verbindungen erlauben bei einem gemeinsam genutzten Account die Absicherung aller Mitarbeiter-Geräte gleichzeitig. ProtonVPN Business wäre bei mehr als 10 Geräten die nächste Stufe.

Für wen eignet sich welcher Dienst?

Basierend auf Benchmarks, Audits und dem Funktionsvergleich ergeben sich klare Empfehlungen nach Nutzertyp:

  • Privatsphäre als oberstes Ziel: Mullvad. Anonymes Konto, Bargeld-Zahlung, DAITA, lückenlose Audit-Geschichte, kein E-Mail-Link.
  • Streaming und Unterhaltung: ProtonVPN. Dedizierte Streaming-Server, 140+ Länder, 10 gleichzeitige Verbindungen.
  • Budget-Nutzer ohne Premium-Bedarf: ProtonVPN Free. Eingeschränkt, aber gratis und ohne Zeitlimit für einfache Schutzanforderungen.
  • Mehrere Geräte gleichzeitig: ProtonVPN (10 Verbindungen statt 5 bei Mullvad).
  • Zensurumgehung auf Reisen: ProtonVPN Stealth-Protokoll, insbesondere für China, Iran oder Russland.
  • Anonyme Zahlung, kein digitaler Footprint: Mullvad (Cash per Post, Monero).
  • Linux-Nutzer mit technischen Anforderungen: Mullvad, wegen besserer Linux-App-Unterstützung und DAITA-Funktion.
  • Proton-Ökosystem-Nutzer: ProtonVPN, nahtlos integriert mit ProtonMail, Proton Drive und Proton Calendar.
  • Rechtsgebiet außerhalb 14 Eyes bevorzugt: ProtonVPN (Schweizer Sitz).
  • Split Tunneling auf macOS/iOS: ProtonVPN, da Mullvad kein Split Tunneling auf Apple-Desktops bietet.

Migration: Wechsel zu Mullvad oder ProtonVPN

Wer von einem anderen VPN-Dienst (NordVPN, Surfshark, ExpressVPN) zu Mullvad oder ProtonVPN wechseln möchte, kann das ohne Datenverlust und ohne Unterbrechung in wenigen Minuten tun.

Wechsel zu Mullvad VPN: Schritt für Schritt

  1. Mullvad-Konto erstellen: mullvad.net aufrufen, auf “Konto erstellen” klicken. Keine E-Mail eingeben. Die zufällig generierte 16-stellige Kontonummer auf Papier notieren (nicht digital speichern für maximale Sicherheit).
  2. Guthaben aufladen: Per Kreditkarte, EPS-Transfer (für österreichische Nutzer besonders bequem), Krypto, oder Bargeld in einem Umschlag an die Mullvad-Adresse in Göteborg schicken (€5-Schein pro Monat Laufzeit).
  3. App installieren: Mullvad-Client für Windows, macOS, Linux, Android oder iOS herunterladen und installieren.
  4. Einloggen: Die 16-stellige Kontonummer eingeben. Kein Passwort nötig.
  5. Protokoll wählen: WireGuard für maximale Geschwindigkeit. OpenVPN für ältere Router oder spezielle Konfigurationen mit Firmennetzwerken.
  6. Verbindung testen: Auf mullvad.net/check prüfen, ob DNS-Leaks oder IP-Lecks erkannt werden. Der Test sollte anzeigen: “You are connected to Mullvad.”
  7. Altes VPN deinstallieren: Erst nach erfolgreichem Mullvad-Test das vorherige VPN sauber deinstallieren, um Konflikte zwischen VPN-Clients zu vermeiden.
  8. Kill Switch aktivieren: In den Einstellungen unter “Verbindung” den Kill Switch dauerhaft einschalten.

Wechsel zu ProtonVPN: Schritt für Schritt

  1. Proton-Konto erstellen: proton.me/vpn aufrufen und registrieren. E-Mail-Adresse erforderlich. Wer mehr Anonymität möchte, nutzt eine temporäre E-Mail-Adresse.
  2. Tarif wählen: Den Gratis-Tarif zum kostenlosen Testen wählen, dann bei Bedarf upgraden. Die 30-Tage-Geld-zurück-Garantie gilt nur für bezahlte Tarife.
  3. App installieren: ProtonVPN-Client für die gewünschte Plattform herunterladen und installieren.
  4. Quick Connect testen: Auf “Quick Connect” klicken und mit dem automatisch gewählten nächsten Server verbinden.
  5. NetShield aktivieren: In den Einstellungen NetShield (DNS-basierter Werbeblocker) einschalten. Das spart Datenvolumen, blockiert Tracker und verhindert Werbung auf DNS-Ebene.
  6. Streaming-Server testen: Unter “Server” die “Streaming”-gefilterten Server wählen, die für Netflix, BBC iPlayer oder andere Dienste optimiert sind.
  7. DNS-Leak-Test: Verbindung über dnsleaktest.com überprüfen. Alle angezeigten DNS-Server sollten zu Proton gehören.
  8. Altes VPN entfernen: Nach erfolgreichem Test das vorherige VPN-Tool vollständig deinstallieren.

Vor- und Nachteile im Überblick

Mullvad VPN: Stärken und Schwächen

Vorteile

  • Komplett anonymes Konto ohne E-Mail-Adresse
  • Bargeld-Zahlung per Post möglich
  • Einziger transparenter Fixpreis: €5/Monat ohne Trickserei
  • Cure53- und Assured-AB-Audits (lückenlose Geschichte ab 2018)
  • DAITA-Schutz gegen KI-gestützte Traffic-Analyse
  • Hervorragende Linux-App für alle gängigen Distributionen
  • Vollständig Open Source (Clients und Server)
  • RAM-only Server ohne persistente Datenspeicherung
  • P2P-Torrenting auf allen Servern erlaubt
  • Einfache, übersichtliche Benutzeroberfläche

Nachteile

  • Kein kostenloser Tarif verfügbar
  • Nur 5 gleichzeitige Verbindungen
  • Kleines Servernetzwerk (~700 Server, 50 Länder)
  • Kein Split Tunneling auf macOS und iOS
  • Keine dedizierten Streaming-Server
  • Sitz in Schweden (Mitglied der 14-Eyes-Allianz)
  • Kein Live-Chat-Support, nur Ticket-System

ProtonVPN: Stärken und Schwächen

Vorteile

  • Kostenloser Tarif ohne Ablaufdatum
  • 10 gleichzeitige Verbindungen (doppelt so viele wie Mullvad)
  • 20.000+ Server in 140+ Ländern
  • Stealth-Protokoll für effektive Zensurumgehung
  • Split Tunneling auf allen Plattformen inklusive macOS und iOS
  • Dedizierte Streaming-Server (Netflix, BBC iPlayer, Disney+ u.a.)
  • Schweizer Rechtssitz (außerhalb 5/9/14 Eyes)
  • Nahtlose Integration mit ProtonMail, Proton Drive, Proton Calendar
  • NetShield DNS-Werbeblocker mit Tracker-Schutz
  • Secure Core Multi-Hop mit Hochsicherheits-Einstiegspunkten

Nachteile

  • E-Mail-Adresse für Konto Pflichtfeld (keine anonyme Registrierung)
  • Kein Bargeld als Zahlungsmittel akzeptiert
  • Ohne Jahresabo deutlich teurer: €9,99 monatlich
  • Komplexere App-Oberfläche mit mehr Einstellungsoptionen
  • Keine DAITA-ähnliche KI-Traffic-Verschleierung
  • Gratis-Plan stark eingeschränkt (1 Gerät, 10 Länder, reduzierte Bandbreite)

Experteneinschätzungen aus unabhängigen Tests

Unabhängige Tech-Reviewer und Testlabore kommen 2025 zu übereinstimmenden, aber nuancierten Urteilen, die das Bild aus den Benchmarks ergänzen.

PCMag hält nach ausführlichen Vergleichstests fest: “Mullvad beats Proton in all three key categories” und erklärt Mullvad zum Sieger beim direkten Vergleich. Besonders der minimal messbare Geschwindigkeitsverlust von 0,57 Prozent in PCMags Testumgebung überzeugt die Reviewer.

CNET differenziert nach Anwendungsfall und schreibt: “For those who prioritize privacy without additional features, Mullvad is highly recommended.” Gleichzeitig stellt CNET fest, dass ProtonVPN mit 16 Prozent Geschwindigkeitsverlust in ihren Tests besser für Nutzer geeignet ist, die gleichzeitig Streaming und Privatsphäre wollen. “Both services use open-source applications, undergo routine audits, and operate from privacy-friendly jurisdictions”, so das CNET-Fazit.

RTINGS.com vergibt 7,5 von 10 Punkten für Mullvad und 7,6 von 10 für ProtonVPN und fasst zusammen: “Mullvad and Proton VPN are both good VPN services, but Mullvad is better.” Den Ausschlag geben die klareren Datenschutzrichtlinien: “Mullvad also has clearer privacy policies that don’t specify any sort of logging.”

Gizmodo UK misst in seiner 2025-Überprüfung Mullvad auf britischen Servern bei 298,61 Mbps Download, was in der oberen Liga der getesteten VPN-Dienste liegt. Der Reviewer beschreibt Mullvad als den “minimalistischsten und konsequentesten Datenschutz-VPN am Markt.” Beim Multi-Hop-Test fiel die Geschwindigkeit auf 108 Mbps, was als akzeptabel für einen doppelten Sicherheitshop bewertet wird.

01net (Frankreich) positioniert die beiden Dienste klar: “Mullvad VPN is all about anonymity and privacy”, während ProtonVPN als die umfassendere Lösung für Nutzer beschrieben wird, die über reinen Datenschutz hinaus Funktionen wie Streaming, Family-Pläne und das gesamte Proton-Ökosystem brauchen.

Unser Urteil: Wer gewinnt?

Kein einzelner Sieger passt für alle Nutzer. Zwei klare Empfehlungen lassen sich aus allen gesammelten Daten ableiten:

Mullvad gewinnt für Datenschutz-Puristen. Kein anderer kommerzieller VPN auf dem Markt bietet ein vollständig anonymes Konto ohne E-Mail, Bargeld-Zahlung per Post, DAITA gegen KI-Traffic-Analyse und eine so lückenlose Audit-Geschichte wie Mullvad. Für österreichische Nutzer, die wirklich nicht wollen, dass ein Dritter ihre VPN-Nutzung mit ihrer Person in Verbindung bringen kann, ist Mullvad für €5 pro Monat die beste verfügbare Option. PCMag, RTINGS und Gizmodo UK bestätigen das in unabhängigen Tests.

ProtonVPN gewinnt für alle anderen. Ein kostenloser Einstieg ohne Zeitlimit, 10 gleichzeitige Verbindungen, ein Netzwerk mit 28-mal so vielen Servern wie Mullvad, dedizierte Streaming-Server, Stealth-Protokoll für Zensurumgehung und ein günstigerer 2-Jahres-Tarif für €2,99 pro Monat machen ProtonVPN zur vielseitigeren Wahl für Einzelpersonen, Familien und kleine Teams. Wer zusätzlich ProtonMail, Proton Drive oder Proton Calendar nutzt, profitiert von der nahtlosen Integration.

Wer sich noch nicht sicher ist: ProtonVPN bietet einen dauerhaft kostenlosen Plan zum unverbindlichen Testen. Mullvad gibt 30 Tage Geld-zurück-Garantie auf den €5-Plan. Beide Dienste lassen sich so ohne finanzielles Risiko parallel ausprobieren.

Für österreichische Nutzer gilt als Grundregel: Wer heute keinen VPN nutzt und einen unkomplizierten Einstieg sucht, sollte mit ProtonVPN Free beginnen. Wer bereits einen VPN nutzt und auf maximale Datenschutzgarantien wert legt, wechselt zu Mullvad. Beide Entscheidungen sind richtig, solange sie aktiv getroffen werden. Der schlechteste Schutz ist keiner. In einer Zeit, in der österreichische Behörden 2024 über 62.000 Cyberkriminalitätsfälle registrierten, ist ein gut gewählter VPN-Dienst keine Paranoia, sondern eine Basismaßnahme der digitalen Hygiene.

DSGVO, DSB und VPN-Nutzung in Österreich

Österreichische Nutzer und Unternehmen stehen bei der VPN-Wahl vor einer zusätzlichen rechtlichen Dimension: der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und den Anforderungen der österreichischen Datenschutzbehörde (DSB). Beide VPN-Dienste sind in dieser Hinsicht relevant, unterscheiden sich aber in ihrer DSGVO-Compliance-Dokumentation.

Für Unternehmen, die einen VPN-Dienst als Auftragsverarbeiter einsetzen, gilt nach Art. 28 DSGVO die Pflicht, einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abzuschließen. ProtonVPN stellt für Geschäftskunden einen dokumentierten AVV bereit, was die Compliance-Anforderungen für österreichische Unternehmen vereinfacht. Mullvad bietet ebenfalls Informationen zur Datenverarbeitung an, aber da bei Mullvad konzeptionell keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden (anonymes Konto), stellt sich die Frage eines AVV anders dar.

Ein praxisrelevanter Aspekt: Die österreichische DSB hat 2022 entschieden, dass die Verwendung von Google Analytics mit US-Servern einen DSGVO-Verstoß darstellt. Dieses Urteil verdeutlicht, wie kritisch die Datenspeicherung außerhalb der EU bewertet wird. Beide VPN-Dienste verarbeiten Verbindungsdaten in Europa (Mullvad in Schweden/EU, ProtonVPN in der Schweiz mit EU-adäquaten Datenschutzstandards). Das macht sie für DSGVO-bewusste österreichische Nutzer deutlich attraktiver als US-amerikanische VPN-Anbieter.

Für Selbstständige und Freiberufler in Österreich (Notare, Rechtsanwälte, Ärzte, Steuerberater), die nach Berufsrecht zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, bietet ein VPN einen zusätzlichen Schutzlayer bei der Arbeit mit sensiblen Mandantendaten. Mullvad ist hier die konservativere Wahl, weil die Kombination aus anonymem Konto und Schweigen über Nutzerdaten die stärkste rechtliche Firewall bildet. ProtonVPN ist ebenfalls geeignet, sofern die E-Mail-Registrierung über eine berufliche (nicht private) Adresse erfolgt.

Im September 2025 trat die NIS-2-Richtlinie in Österreich vollständig in Kraft. Für betroffene Unternehmen in kritischen Infrastrukturen schreibt NIS-2 Maßnahmen zur Netzwerksicherheit vor, zu denen VPNs als Teil einer Zero-Trust-Strategie beitragen können. Beiden Diensten fehlen jedoch die für größere NIS-2-verpflichtete Unternehmen nötigen Business-Funktionen wie zentrales Management, Nutzerrollen und Audit-Logs für Mitarbeiter-Verbindungen. Für KMU ohne NIS-2-Pflicht sind ProtonVPN und Mullvad vollkommen ausreichend.

Latenz und internationale Verbindungen: Detailanalyse

Neben reiner Download-Geschwindigkeit ist Latenz (Ping) für viele Anwendungen entscheidend, besonders für Video-Calls, Online-Gaming und Echtzeit-Kommunikation. Mullvad misst auf einem UK-Server 18,69 ms Latenz und auf einem US-Server 18,39 ms (Gizmodo UK, 2025). Das sind exzellente Werte für einen VPN-Dienst, der normalerweise 20 bis 60 ms Zusatz-Latenz verursacht.

Für österreichische Nutzer sind primär Wiener Server relevant. Beide Anbieter haben Server in Wien. Mullvad betreibt ausschließlich eigene Hardware (keine gemieteten Virtual Private Server), was theoretisch geringere Latenz und bessere Kontrolle über die Serverinfrastruktur bedeutet. ProtonVPN nutzt ein Mix aus eigenen und angemieteten Servern, hat aber durch die schiere Anzahl mehr lokale Optionen in Österreich und den Nachbarländern Deutschland, Schweiz und Tschechien.

Beim Einsatz von Multi-Hop steigt die Latenz erheblich. Wenn ein österreichischer Nutzer Mullvads MultiHop von Wien über einen schwedischen Ausgangsknoten nutzt, sind 80 bis 120 ms Ping realistisch. Für Video-Calls ist das grenzwertig, für normales Surfen und Datenschutz-kritische Aufgaben aber noch akzeptabel. ProtonVPN’s Secure Core mit Schweizer Eingangsknoten liefert für österreichische Nutzer ähnliche Latenzen, da die Schweiz geografisch nah liegt.

Ein oft übersehener Faktor: WireGuard baut Verbindungen deutlich schneller auf als OpenVPN. Bei Mullvad verbindet WireGuard in unter einer Sekunde, OpenVPN benötigt 3 bis 8 Sekunden. Das macht einen spürbaren Unterschied beim häufigen Wechsel zwischen Netzwerken, zum Beispiel wenn ein Laptop zwischen Home-WLAN und mobilen Hotspot wechselt. Beide Dienste haben WireGuard als Standardprotokoll.

Serverinfrastruktur und Netzwerkphilosophie

Die philosophische Differenz zwischen Mullvad und ProtonVPN spiegelt sich auch in ihrer Serverinfrastruktur wider. Mullvad betreibt mit rund 700 Servern in 50 Ländern ein deutlich kleineres Netzwerk, legt aber Wert auf eigene Hardware. Alle Mullvad-Server laufen auf physischer Hardware, die das Unternehmen selbst besitzt oder in dedizierten Colocation-Rechenzentren betreibt. Das bedeutet: kein geteilter Hypervisor, keine virtualisierten Umgebungen, die von Drittanbietern kontrolliert werden könnten. Die offizielle Mullvad-Serverseite listet alle 571 bis 700 Server (je nach Zeitpunkt der Abfrage) mit IP-Adressen, Standorten und sogar den Hostern, bei denen die Hardware steht.

ProtonVPN setzt dagegen auf maximale Abdeckung. 20.000+ Server in 140+ Ländern sind ohne den Einsatz von Virtual Private Server-Technologie bei Drittanbietern kaum möglich. Proton betreibt zwar eigene Secure-Core-Server in Island, Schweden und der Schweiz auf dedizierten Hochsicherheitsstandorten, der Großteil des regulären Netzwerks nutzt jedoch angemietete Server-Kapazitäten. Das ist für typische Nutzer unkritisch, für Datenschutzkritiker ein theoretischer Angriffspunkt.

Mullvads RAM-only-Umstellung, bei der alle Server nur Arbeitsspeicher ohne persistente Festplatten nutzen, wurde schrittweise durch externe Audits verifiziert. ProtonVPN hat die gleiche Umstellung vorgenommen und ebenfalls auditiert. Der Unterschied: Mullvad veröffentlicht die Audit-Berichte inklusive des technischen Verifikationsprozesses, während ProtonVPN kompaktere Zusammenfassungen publiziert.

Für österreichische Nutzer, die sich über IP-Geolocation-Sperren Sorgen machen, ist ProtonVPNs größeres Netzwerk ein klarer Vorteil. Wenn eine IP-Adresse auf einer schwarzen Liste landet (zum Beispiel weil Netflix oder ein anderer Dienst VPN-IPs blockiert), hat ProtonVPN mehr Ausweich-IPs zur Verfügung. Mullvad mit seinem kleineren Pool ist häufiger betroffen, wenn Dienste aktiv VPN-Adressen sperren.

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Externe Quellen: Mullvad VPN (offizielle Webseite), ProtonVPN (offizielle Webseite), RTINGS.com VPN-Testbericht.

Häufige Fragen (FAQ)

Ja. Die Nutzung eines VPN-Dienstes ist in Österreich und der gesamten Europäischen Union legal. VPNs werden von Unternehmen, Journalisten, Sicherheitsforschern und Privatpersonen täglich genutzt. Einzig die Nutzung eines VPN zur Begehung illegaler Handlungen bleibt strafbar, unabhängig vom verwendeten Dienst.

Kann Mullvad wirklich keine Nutzerdaten herausgeben?

Das ist das Kernversprechen der No-Log-Politik, die durch mehrere Cure53-Audits und Assured-AB-Überprüfungen bestätigt wurde. Da Mullvad keine E-Mail-Adresse speichert, keine Verbindungsdaten protokolliert und RAM-only-Server betreibt, gibt es technisch keine Daten, die herausgegeben werden könnten. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern ein dokumentiertes technisches Faktum.

Lässt sich mit ProtonVPN Netflix Österreich entsperren?

Ja. ProtonVPN bietet dedizierte Streaming-Server, die mit Netflix in verschiedenen Regionen funktionieren. Für österreichische Streamingdienste wie ORF ON im Ausland benötigt man einen österreichischen ProtonVPN-Server, der im Netzwerk verfügbar ist. Die Verfügbarkeit kann sich ändern, da Streaming-Dienste aktiv VPN-IPs blockieren.

Welcher Dienst ist schneller: Mullvad oder ProtonVPN?

Das hängt vom Teststandort und der Methodik ab. RTINGS misst ProtonVPN minimal schneller (236 Mbps vs. 218 Mbps). PCMag misst Mullvad nahezu verlustfrei (0,57% Verlust vs. 20,11% bei ProtonVPN). CNET misst ProtonVPN besser in einem globalen Test (16% vs. 24% Verlust). In der Praxis sind Unterschiede bei österreichischen Anschlüssen unter 100 Mbps kaum wahrnehmbar.

Kann ich Mullvad und ProtonVPN gleichzeitig testen?

Auf einem einzelnen Gerät ist sinnvoll nur ein aktiver VPN-Tunnel möglich. Wer beide testen will, kann ProtonVPN kostenlos auf einem Gerät und Mullvad mit der 30-Tage-Geld-zurück-Garantie auf einem anderen Gerät testen. So lässt sich ein direkter Vergleich ohne finanzielles Risiko durchführen.

Welcher VPN ist besser für Home Office in Österreich?

Für ein einzelnes Gerät im Home Office reicht Mullvad vollkommen aus, mit einfacher Einrichtung und stabilem WireGuard-Protokoll. Wenn mehrere Geräte gleichzeitig abgesichert werden sollen, ist ProtonVPN Plus mit 10 Verbindungen wirtschaftlicher. Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern sollten ProtonVPN Business oder eine dedizierte Unternehmens-VPN-Lösung in Betracht ziehen.

Bietet Mullvad auch einen kostenlosen Plan an?

Nein. Mullvad hat keinen kostenlosen Plan und hat eine solche Einführung bisher bewusst abgelehnt. Der einzige Tarif kostet €5 pro Monat, mit einer 30-Tage-Geld-zurück-Garantie als einzigem Testzeitraum. Wer kostenlos einen datenschutzorientierten VPN ausprobieren möchte, muss ProtonVPN Free wählen, das dauerhaft kostenlos ist, aber auf ein Gerät und eingeschränkte Server begrenzt bleibt.

Ist die Schweizer Gerichtsbarkeit von ProtonVPN wirklich ein Vorteil?

Ja, mit Einschränkungen. Die Schweiz ist nicht Mitglied der 5-Eyes-, 9-Eyes- oder 14-Eyes-Allianz und hat teils strengere Datenschutzgesetze als die EU. Für den Alltag ist der Unterschied zu Schweden (Mullvads Rechtssitz) minimal, da beide Länder starke Datenschutzgesetze haben. Relevant wird der Unterschied bei staatlichem Interesse an einer bestimmten Person: Schweden ist innerhalb der EU-Geheimdienstkooperation stärker eingebunden als die neutrale Schweiz.

Welche VPN-Protokolle sind für langsame österreichische DSL-Anschlüsse am besten geeignet?

Auf langsamen Leitungen (unter 50 Mbps, wie bei älteren ADSL-Anschlüssen in ländlichen Teilen Österreichs) ist WireGuard das beste Protokoll für beide Dienste. WireGuard hat einen deutlich geringeren CPU-Overhead als OpenVPN und verliert weniger Geschwindigkeit bei der Verschlüsselung. Das bedeutet, dass selbst ein älterer Laptop oder ein Smartphone mit schwächerem Prozessor eine stabile VPN-Verbindung aufrechterhalten kann. Sowohl Mullvad als auch ProtonVPN setzen WireGuard als Standard. Für Nutzer hinter älteren Routern, die WireGuard nicht unterstützen, bleibt OpenVPN die Alternative, was bei ProtonVPN auch IKEv2 als Option hinzufügt.

Unterstützen beide VPN-Dienste Router-Integration?

Ja. Beide Dienste bieten Konfigurationsdateien für WireGuard und OpenVPN an, die auf kompatiblen Heimroutern (Asus, Netgear, DD-WRT, OpenWRT, pfSense) eingerichtet werden können. Das ermöglicht, den gesamten Heimnetzwerkverkehr automatisch durch den VPN zu leiten, ohne auf jedem Gerät einzeln eine App installieren zu müssen. Mullvad bietet detaillierte Router-Einrichtungsanleitungen auf seiner Webseite. ProtonVPN stellt ebenfalls Konfigurationsfiles bereit. Wer einen Raspberry Pi als WireGuard-Gateway einrichten will, findet für beide Dienste Community-Tutorials. Für österreichische Nutzer mit mehreren Smart-Home-Geräten, IoT-Sensoren oder Games-Konsolen ohne native VPN-App-Unterstützung ist die Router-Integration der praktischste Ansatz.