GameStop lässt nicht locker: Der US-Videospielhändler hält inzwischen 9,8 Prozent an eBay und ist damit größter Einzelaktionär des Online-Marktplatzes – während sein unaufgefordertes Übernahmeangebot über 55,5 Milliarden US-Dollar weiter auf dem Tisch liegt. CEO Ryan Cohen goss in einem Bloomberg-Interview zusätzlich Öl ins Feuer, als er physische Videospiele als „völlig, total irrelevant” bezeichnete. Für die GameStop eBay Übernahmeschlacht bedeutet das: Der Machtkampf, der im Februar 2026 leise begann, ist zu einer der aufsehenerregendsten Geschichten der US-Handelsbranche geworden – mit direkten Parallelen zu Cohens gescheiterter Bed-Bath-&-Beyond-Wette von 2022.

GameStop eBay: Der Deal im Überblick

Im Kern geht es um ein unaufgefordertes Übernahmeangebot: GameStop bot eBay-Aktionären 125 US-Dollar je Aktie, zu gleichen Teilen in bar und in Aktien – macht in Summe rund 55,5 Milliarden US-Dollar. Das Angebot lag 20 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag vor der Ankündigung und 46 Prozent über dem Kurs vom 4. Februar 2026, an dem GameStop begonnen hatte, eBay-Aktien aufzubauen. Zur Finanzierung wollte GameStop rund 9,4 Milliarden US-Dollar an eigenen liquiden Mitteln (Stand 31. Januar 2026) einsetzen sowie eine „highly confident”-Kreditzusage von TD Securities über bis zu 20 Milliarden US-Dollar nutzen – letztere allerdings nur, falls GameStop von mindestens zwei der drei großen Ratingagenturen ein Investment-Grade-Rating erhält. CEO Ryan Cohen kündigte zudem an, persönlich rund 500 Millionen US-Dollar Kapital einzubringen und im Erfolgsfall als CEO des fusionierten Unternehmens ausschließlich leistungsabhängig bezahlt zu werden.

Die schiere Größenordnung des Vorhabens überraschte viele Beobachter: Zum Zeitpunkt des Gebots lag GameStops eigene Marktkapitalisierung bei nur rund 10,4 Milliarden US-Dollar – gegenüber gut 48 Milliarden US-Dollar bei eBay. Ein kleinerer Konzern versuchte damit, einen fast fünfmal so großen E-Commerce-Riesen zu schlucken, finanziert überwiegend durch Fremdkapital und die eigene, an der Nasdaq gelistete Aktie von eBay selbst als Faustpfand für den Deal-Appetit.

Zeitleiste: Wie der Übernahmekampf eskalierte

Was als stille Positionierung begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer öffentlichen Materialschlacht. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Stationen zusammen:

DatumEreignis
Januar 2026GameStop kündigt ein potenzielles 35-Mrd.-$-Aktienpaket für Cohen an, gekoppelt an 100 Mrd. $ Marktkapitalisierung und 10 Mrd. $ EBITDA
4. Februar 2026GameStop beginnt, eine eBay-Aktienposition aufzubauen
4. Mai 2026Cohen legt 5-%-Anteil offen, bietet unaufgefordert 125 $/Aktie (~55,5 Mrd. $) bei CNBC Squawk Box
12. Mai 2026eBay-Vorstand lehnt das Angebot ab; Moody’s nennt es „credit negative” für eBay
Anfang Juni 2026GameStop meldet Rekord-Quartalsgewinn von 389,6 Mio. $ (Q1 FY2026)
23.–25. Juni 2026Cohen verzichtet auf das 35-Mrd.-$-Aktienpaket, um sich auf eBay zu konzentrieren
16. Juli 2026Cohen nennt physische Spiele bei Bloomberg „irrelevant”; UberEats-Partnerschaft verkündet
18. Juli 2026SEC-Meldung: GameStops eBay-Anteil steigt auf rund 9,8 % (~43,4 Mio. Aktien, ~5 Mrd. $)
20. Juli 2026Forbes berichtet, GameStop „verdoppele” seinen Einsatz weiter

Auch die englischsprachige Wikipedia-Chronik des Deals bestätigt: Zwischen dem 20. Juli und dem Redaktionsschluss dieses Artikels Ende Juli 2026 ist offiziell nichts Neues hinzugekommen – kein förmliches Übernahmeangebot (Tender Offer), kein Proxy-Kampf um Vorstandssitze, keine neue Reaktion des eBay-Vorstands. Cohen hält seine Position, ohne den nächsten formellen Schritt einzuleiten, was Beobachter als bewusste Drucktaktik gegenüber institutionellen eBay-Aktionären werten.

Wer ist Ryan Cohen? Vom Chewy-Gründer zum Übernahme-Jäger

Um die GameStop eBay-Offensive einzuordnen, hilft ein Blick auf Cohens Werdegang. Der heute rund 4,3 Milliarden US-Dollar schwere Unternehmer (Schätzung: Forbes) gründete den Zoobedarf-Versender Chewy, den er 2017 für 3,35 Milliarden US-Dollar an PetSmart verkaufte. 2020/21 stieg er über seine Beteiligungsgesellschaft RC Ventures bei GameStop ein und wurde im Zuge der berühmten „Meme-Stock”-Rally zum Verwaltungsratsvorsitzenden, seit 2023 ist er CEO.

Bed Bath & Beyond: Die Blaupause für Skepsis

Genau hier liegt der Grund, warum viele Analysten die eBay-Offensive mit Vorsicht betrachten. Cohens RC Ventures kaufte im März 2022 einen 9,8-Prozent-Anteil an Bed Bath & Beyond im Wert von rund 150 Millionen US-Dollar – fast dieselbe Prozentzahl, die GameStop heute an eBay hält. Bed Bath & Beyond meldete im April 2023 Insolvenz nach Chapter 11 an. Die Nachfolgegesellschaft des insolventen Einzelhändlers verklagt Cohen und RC Ventures inzwischen auf 47,2 Millionen US-Dollar wegen sogenannter „Short-Swing”-Handelsgewinne; ein Bundesrichter entschied, dass sich Cohen dem Verfahren stellen muss, statt es abweisen zu lassen. Ob sich die eBay-Geschichte ähnlich entwickelt, ist offen – die Parallele in der Beteiligungshöhe macht die historische Vorsicht jedoch nachvollziehbar.

„Physische Spiele sind irrelevant”: Cohen im Wortlaut

Den eigentlichen Nachrichten-Auslöser für die jüngste Aufmerksamkeitswelle lieferte ein Bloomberg-TV-Interview mit Moderator Ed Ludlow am 16. Juli 2026. Auf die Frage nach Sonys angekündigtem Ausstieg aus der physischen Disc-Produktion reagierte Cohen schroff und erklärte, das Ende physischer Spiele-Datenträger sei für GameStops Geschäft „völlig, total irrelevant” – es spiele „überhaupt keine Rolle”. Bemerkenswert: Als Ludlow ihn auf den Hype um GTA 6 ansprach, wich Cohen aus und sagte, er wolle „lieber wieder über eBay sprechen” – ein Ausweichmanöver, das auch die Gaming-Fachpresse registrierte.

„eBay is a platform that I can build into something much more profitable and much larger.”

Ryan Cohen, CEO von GameStop – Yahoo Finance

„We’re coming for eBay one way or another.”

Ryan Cohen, CEO von GameStop – Yahoo Finance

Auch bei der ursprünglichen Ankündigung des Gebots im Mai wurde Cohen deutlich, wie sehr er von der eigenen Finanzierungsstruktur überzeugt ist:

„We are offering half cash, half stock, and we have the ability to issue stock in order to get the deal done.”

Ryan Cohen, CEO von GameStop – CNBC

„When you look at how much the businesses together make sense, and then you look at the fact that it’s within my circle of competence, I can’t stop thinking about it.”

Ryan Cohen, CEO von GameStop – Business Insider

Die Wortwahl ist kein Zufall: Cohen positioniert eBay explizit als margenstärkeres Sammler- und Luxus-Resale-Geschäft – exakt die Kategorie, in die GameStop selbst gerade seinen eigenen Umsatzschwerpunkt verschiebt.

GameStops Quartalszahlen: Sammlerstücke überholen Hardware

Warum ist Cohen so zuversichtlich? Ein Blick auf die Bilanz liefert Antworten. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Quartal endete am 2. Mai 2026) meldete GameStop einen Umsatz von 835,3 Millionen US-Dollar – ein Plus von 14,0 Prozent gegenüber 732,4 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn kletterte auf einen Rekordwert von 389,6 Millionen US-Dollar, verglichen mit nur 44,8 Millionen US-Dollar ein Jahr zuvor – eine Verachtfachung. Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,66 US-Dollar, GameStop kündigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden US-Dollar an. Ein nicht realisierter Buchgewinn von 268 Millionen US-Dollar aus der eBay-Beteiligung selbst floss ebenfalls in das Ergebnis ein.

Entscheidend ist der Blick auf die Umsatzstruktur: Sammlerstücke (Collectibles) trugen mit 348,9 Millionen US-Dollar bereits 41,8 Prozent zum Umsatz bei – ein Plus von 64,9 Prozent gegenüber 211,5 Millionen US-Dollar im Vorjahr und damit erstmals mehr als die klassische Hardware-Sparte. Hardware & Zubehör kamen auf 333,7 Millionen US-Dollar (39,9 Prozent, -3,4 Prozent), während physische und digitale Software mit 152,7 Millionen US-Dollar (18,3 Prozent) einen Rückgang von 13,0 Prozent verzeichnete. Die Zahlen stammen aus GameStops eigenem 10-Q-Quartalsbericht und wurden unabhängig unter anderem von Shacknews, Yahoo Finance, TradingView und 24/7 Wall St. bestätigt – einzelne andere Portale hatten die Softwarequote fälschlich mit „unter 12 Prozent” und die Sammlerquote mit „über 50 Prozent” beziffert.

eBays Ablehnung: Warum der Vorstand Nein sagte

Der eBay-Vorstand ließ Cohens Avancen nicht lange unbeantwortet. Bereits am 12. Mai 2026 wies der Vorstandsvorsitzende Paul Pressler das Angebot in einem offiziellen Schreiben zurück und bezeichnete es als „weder glaubwürdig noch attraktiv”. Als Hauptgründe nannte der Vorstand die unsichere Finanzierung sowie das Verschuldungs- und operative Risiko, das ein fremdkapitalfinanzierter Deal dieser Größenordnung mit sich bringen würde. Die Ratingagentur Moody’s stufte das Gebot separat als „credit negative” für eBay ein – ein Warnsignal, das potenzielle Fremdkapitalgeber zusätzlich vorsichtig stimmen dürfte.

Die Ablehnung stoppte Cohen jedoch nicht. Statt ein formelles, feindliches Übernahmeangebot mit Aktionärsabstimmung einzuleiten, wählte er den Weg der schrittweisen Anteilserhöhung und der öffentlichen Druckausübung – eine Strategie, die Beobachter als bewusst gewählte Alternative zu einem teuren, ungewissen Proxy-Kampf deuten.

Die 9,8-Prozent-Eskalation: Cohen wird größter Aktionär

Am 18. Juli 2026 zeigte eine SEC-Meldung, dass GameStops eBay-Anteil auf rund 9,8 Prozent gestiegen war – etwa 43,4 Millionen Aktien im Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar. Damit ist GameStop nun der größte Einzelaktionär von eBay, noch vor institutionellen Schwergewichten. Cohen nutzt diese Position offenbar auch, um direkt mit anderen institutionellen eBay-Aktionären ins Gespräch zu kommen – eine klassische Drucktaktik von Aktivisten-Investoren, die formal noch kein Übernahmeangebot oder keinen Proxy-Kampf einleiten, aber informellen Rückhalt für einen künftigen Schritt aufbauen wollen.

Zur Einordnung der Größenordnung ein einfacher, illustrativer Rechenweg, wie Analysten die aktuelle Gebotsprämie gegenüber dem eBay-Kurs abschätzen (keine offizielle Kennzahl, sondern eine Faustformel zur Orientierung):

// Illustrative Berechnung, keine offizielle Kennzahl
const gebotProAktie = 125;       // GameStops Gebot in US-Dollar je eBay-Aktie
const aktuellerKurs = 109;       // ca. eBay-Kurs Ende Juli 2026, gerundet
const praemie = ((gebotProAktie - aktuellerKurs) / aktuellerKurs) * 100;

console.log(`Aktuelle Prämie ggü. Kurs: ${praemie.toFixed(1)} %`);
// Ausgabe (ca.): Aktuelle Praemie ggue. Kurs: 14.7 %

Da eBays Aktie seit dem Gebot selbst deutlich gestiegen ist, hat sich der rechnerische Aufschlag von Cohens Angebot spürbar verringert – ein Grund, warum manche Analysten inzwischen von einer „Nachbesserung nach oben” sprechen, sollte Cohen den Deal ernsthaft weiterverfolgen wollen.

Marktreaktion: Wie Analysten die Übernahme bewerten

Die Börse bewertet beide Seiten der Gleichung höchst unterschiedlich. GameStops eigene Aktie (NYSE: GME) notierte Ende Juli 2026 bei rund 22 US-Dollar – der Analysten-Konsens lautet „Strong Sell”, mit einem durchschnittlichen Kursziel von etwa 13,50 US-Dollar, deutlich unter dem aktuellen Kurs. eBay (Nasdaq: EBAY) hingegen legte seit Jahresbeginn rund 21,7 Prozent zu und notierte Ende Juli bei etwa 109 US-Dollar; die Bank of America hob ihr Kursziel zuletzt auf 120 US-Dollar an. Ein Teil dieses eBay-Anstiegs dürfte auf dessen eigenen Umbau in Richtung Sammler- und Luxus-Wiederverkauf zurückgehen – ironischerweise dieselbe Kategorie, in der auch GameStop selbst gerade wächst.

KennzahlGameStop (GME)eBay (EBAY)
BörseNYSENasdaq
Marktkapitalisierung (Mai 2026, bei Gebot)~10,4 Mrd. $~48 Mrd. $
Aktienkurs (Ende Juli 2026, ca.)~22 $~109 $
Kursentwicklung / Analysten-Einschätzung„Strong Sell”, Kursziel ~13,50 $+21,7 % YTD, Kursziel BofA 120 $
Umsatz Q1 FY2026835,3 Mio. $ (+14,0 % YoY)
Nettogewinn Q1 FY2026389,6 Mio. $ (Rekord)
FührungRyan Cohen (CEO)Paul Pressler (Vorstandsvorsitzender)

Die Diskrepanz zwischen einer „Strong Sell”-Einstufung für GameStop und einem steigenden eBay-Kurs bei gleichzeitig eskalierender Übernahmeschlacht ist ungewöhnlich: Normalerweise würde man erwarten, dass ein aggressiver Übernehmer zumindest kurzfristig Kursfantasie erhält. Dass dies bei GameStop nicht der Fall ist, deutet darauf hin, dass ein Großteil der Wall-Street-Analysten die Finanzierbarkeit des Deals grundsätzlich anzweifelt – unabhängig von Cohens öffentlichem Auftreten.

Historischer Vergleich: Cohens drei große Wetten

Wer Cohens eBay-Vorstoß einordnen will, kommt an einem direkten Vergleich seiner bisherigen Investoren-Kampagnen nicht vorbei. Auffällig: Sowohl bei Bed Bath & Beyond als auch – aktuell – bei eBay landete Cohens Anteil bei nahezu identischen 9,8 Prozent, allerdings mit völlig unterschiedlichem finanziellem Gewicht.

JahrZielCohens PositionErgebnis (Stand: heute)
2020–2021GameStopAktivistischer Investor → VerwaltungsratsvorsitzenderCEO seit 2023; Aktie weit unter dem Meme-Stock-Hoch von 2021
März 2022Bed Bath & Beyond9,8 % Anteil (~150 Mio. $)Insolvenz (Chapter 11) im April 2023; Cohen wird von Nachfolgegesellschaft auf 47,2 Mio. $ verklagt
2026eBay9,8 % Anteil (~5 Mrd. $), unaufgefordertes ÜbernahmeangebotOffen – Vorstand lehnte Gebot ab, Cohen erhöht weiter Druck

Der entscheidende Unterschied zu 2022: GameStop selbst schreibt aktuell Rekordgewinne, während Bed Bath & Beyond beim Cohen-Einstieg bereits ein finanziell angeschlagener Einzelhändler war. Das entkräftet die BBB-Parallele nicht vollständig, relativiert sie aber – Cohen tritt diesmal aus einer deutlich stärkeren finanziellen Position heraus an.

Bezug zu Sonys Disc-Ausstieg: Der eigentliche Auslöser

Cohens „irrelevant”-Aussage fiel nicht im luftleeren Raum: Sie war eine direkte Reaktion auf Sonys Ankündigung, die Produktion neuer physischer PlayStation-Disc-Datenträger langfristig einzustellen. Für einen Händler, dessen Geschäftsmodell historisch auf physischen Spielen und Gebrauchtware aufbaute, wäre das eine existenzielle Bedrohung – Cohens Botschaft war daher auch eine an die eigenen Investoren: GameStop habe sich längst von diesem Modell wegbewegt. Wie stark der physische Gebrauchtmarkt tatsächlich unter Druck steht, zeigt unsere Analyse zum 7,2-Milliarden-Dollar-Gebrauchtmarkt; die Hintergründe zu Sonys eigenem Ausstiegsplan haben wir hier im Detail aufgearbeitet.

Einordnung in die deutsche und europäische Gaming-Branche

Für den deutschen Markt ist die GameStop eBay-Geschichte zunächst eine reine US-Aktiengeschichte – beide Unternehmen sind an US-Börsen notiert, GameStop betreibt aber auch hierzulande Filialen unter der Marke GameStop Deutschland. Sollte die Übernahme scheitern oder GameStop stattdessen selbst unter Konsolidierungsdruck geraten, wäre eine Signalwirkung auf das stationäre Händlernetz in Deutschland nicht auszuschließen. Deutsche Finanzportale wie t3n.de und taz.de berichteten bereits über die Kernstationen des Deals, allerdings bislang nur in Form kurzer Nachrichtenmeldungen ohne tiefere Einordnung von Finanzierung, Historie und Marktreaktion. Für DACH-Leser bleibt vor allem die grundsätzliche Frage relevant, wie lange ein auf physische Sammlerstücke setzendes Filialgeschäft in einem zunehmend digitalen Markt noch tragfähig ist – ein Thema, das GameStop mit seiner eigenen Umsatzverschiebung hin zu Collectibles selbst aktiv mitgestaltet.

Warum ausgerechnet eBay? Wettbewerbsvergleich im Sammlermarkt

Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus Videospiel-Einzelhändler und generischem Online-Marktplatz beliebig. Bei genauerem Hinsehen ergibt sie jedoch strategischen Sinn: Beide Unternehmen bewegen sich zunehmend in Richtung Sammlerstücke, Kollektiblen und Wiederverkauf hochpreisiger Nischenware – ein margenstärkeres Geschäft als klassischer Konsolen- und Softwarehandel. eBay bringt dafür eine globale Marktplatz-Infrastruktur, ein etabliertes Käufer-Verkäufer-Vertrauenssystem (Käuferschutz, Zahlungsabwicklung, Authentifizierungsdienste) und Millionen aktiver Nutzer mit, die GameStop allein niemals in vergleichbarem Tempo aufbauen könnte. Cohens erklärtes Ziel, aus der Kombination ein „Billionen-Dollar-Geschäft” zu formen, ist ambitioniert, aber die zugrunde liegende Logik – Handelsplattform plus physischer/digitaler Sammlermarkt – lässt sich nachvollziehen, selbst wenn die Finanzierung des Wegs dorthin höchst umstritten bleibt.

Beide Unternehmen konkurrieren inzwischen faktisch im selben margenstarken Segment, kommen aber aus entgegengesetzten Richtungen: GameStop transformiert sich vom stationären Konsolenhändler zum Sammler- und Kollektiblen-Anbieter (41,8 Prozent Umsatzanteil, siehe oben), während eBay sein bestehendes Marktplatzgeschäft gezielt in Richtung geprüfter Luxusartikel, Sammlerkarten und Authentifizierungsdienste schärft. Ein Zusammenschluss würde GameStops physisches Filialnetz und seine Kundenbindung im Gaming-Segment mit eBays globaler Marktplatz-Reichweite und Zahlungsinfrastruktur verbinden – zumindest in der Theorie. Kritiker wenden ein, dass beide Unternehmen in ihren jeweiligen Kernmärkten bereits etablierte, aber strukturell schrumpfende beziehungsweise margenschwache Ursprungsgeschäfte (Konsolenhandel bei GameStop, Massenware-Auktionen bei eBay) mit sich schleppen, die eine Integration eher erschweren als erleichtern könnten.

Kritik und Risiken: Was gegen den Deal spricht

Neben der BBB-Parallele nennen Kritiker mehrere konkrete Risikofaktoren: Erstens bleibt die Fremdfinanzierung über die TD-Securities-Kreditlinie an ein Investment-Grade-Rating geknüpft, das GameStop derzeit nicht sicher hat. Zweitens hat der eBay-Vorstand das Angebot bereits einmal klar zurückgewiesen, ein zweiter, unveränderter Anlauf dürfte kaum andere Erfolgsaussichten haben. Drittens bewertet der Aktienmarkt GameStop selbst mit „Strong Sell” und einem Kursziel weit unter dem aktuellen Niveau – ein Vertrauensvotum sieht anders aus. Viertens hätte ein zu 50 Prozent aktienfinanzierter Deal eine massive Verwässerung für bestehende GameStop-Aktionäre zur Folge, falls der kombinierte Konzern die versprochenen Synergien nicht liefert. Befürworter halten dagegen, dass Cohens Track Record bei GameStop selbst – vom Sanierungsfall zum profitablen Sammlerhändler – zumindest beweist, dass er operative Turnarounds glaubwürdig umsetzen kann.

Prognosen: Wie geht der Übernahmekampf weiter?

  • Kein schneller Durchbruch: Ein formelles, verbindliches Übernahmeangebot mit Aktionärsabstimmung ist kurzfristig unwahrscheinlich, solange GameStop kein gesichertes Investment-Grade-Rating vorweisen kann.
  • Weiterer Anteilsaufbau wahrscheinlich: Cohen dürfte seinen eBay-Anteil schrittweise weiter erhöhen, um als größter Aktionär informellen Druck auf den Vorstand aufzubauen, ohne die regulatorischen Hürden einer formellen Übernahme auszulösen.
  • Nachgebessertes Gebot möglich: Sollte eBays Aktienkurs weiter steigen, müsste ein ernsthaft gemeintes zweites Angebot voraussichtlich über den ursprünglichen 125 US-Dollar je Aktie liegen, um überhaupt verhandlungsfähig zu sein.
  • Erhöhtes BBB-Klagerisiko bleibt Nebenschauplatz: Die laufende 47,2-Millionen-Dollar-Klage der Bed-Bath-&-Beyond-Nachfolgegesellschaft gegen Cohen dürfte parallel weiterlaufen und immer wieder als Kontrastfolie in der Berichterstattung auftauchen.
  • Fokus verschiebt sich weiter zu Collectibles: Unabhängig vom Ausgang der eBay-Frage dürfte GameStop sein Collectibles-Geschäft weiter ausbauen – dieser Trend ist bereits heute profitabel und nicht an den Erfolg der Übernahme geknüpft.

Zusammengefasst bleibt die GameStop eBay-Geschichte damit vorerst ein Schwebezustand: kein Rückzug, aber auch kein Durchbruch – eine klassische Zermürbungstaktik eines aktivistischen Großaktionärs gegenüber einem widerwilligen Zielunternehmen.

Häufig gestellte Fragen zu GameStop und eBay

Wie viel bietet GameStop für eBay?
GameStop bot eBay-Aktionären 125 US-Dollar je Aktie, zu gleichen Teilen in bar und in Aktien – in Summe rund 55,5 Milliarden US-Dollar.

Warum hat eBay das Angebot abgelehnt?
Der eBay-Vorstand unter Vorsitzendem Paul Pressler bezeichnete das Gebot als „weder glaubwürdig noch attraktiv” und verwies auf unsichere Finanzierung sowie Verschuldungs- und operative Risiken. Moody’s stufte den Vorschlag zusätzlich als „credit negative” für eBay ein.

Wie hoch ist GameStops Anteil an eBay aktuell?
Laut SEC-Meldung vom 18. Juli 2026 hält GameStop rund 9,8 Prozent an eBay (etwa 43,4 Millionen Aktien, rund 5 Milliarden US-Dollar) und ist damit größter Einzelaktionär.

Wer ist Ryan Cohen?
Cohen gründete den Zoobedarf-Versender Chewy, stieg 2020/21 bei GameStop ein, wurde Verwaltungsratsvorsitzender und ist seit 2023 CEO. Sein geschätztes Vermögen liegt laut Forbes bei rund 4,3 Milliarden US-Dollar.

Was hat es mit Cohens Aussage zu „irrelevanten” physischen Spielen auf sich?
In einem Bloomberg-Interview am 16. Juli 2026 bezeichnete Cohen physische Videospiele als Reaktion auf Sonys Disc-Ausstieg als für GameStops Geschäft „irrelevant” – ein Hinweis darauf, dass GameStop sein Geschäftsmodell längst in Richtung Sammlerstücke verschoben hat.

Gibt es eine Parallele zu Cohens Bed-Bath-&-Beyond-Investment?
Ja. Cohens RC Ventures hielt 2022 ebenfalls rund 9,8 Prozent an Bed Bath & Beyond; der Einzelhändler meldete 2023 Insolvenz an, und Cohen wird von der Nachfolgegesellschaft auf 47,2 Millionen US-Dollar verklagt.

Ist die Übernahme von eBay durch GameStop wahrscheinlich?
Kurzfristig eher nicht: eBay hat das Angebot abgelehnt, GameStops Finanzierung hängt an einem noch fehlenden Investment-Grade-Rating, und Analysten bewerten die GameStop-Aktie selbst mit „Strong Sell”. Cohen hält aber weiter Druck über den wachsenden Aktienanteil aufrecht.

Wie hat sich die GameStop-Aktie seit dem Gebot entwickelt?
GameStop (NYSE: GME) notierte Ende Juli 2026 bei rund 22 US-Dollar, mit einem Analysten-Kursziel von durchschnittlich etwa 13,50 US-Dollar – deutlich unter dem aktuellen Kurs.