Sony beendet seine sechs Jahre alte Öffnungspolitik gegenüber dem PC. Wie Bloomberg-Journalist Jason Schreier berichtet, teilte der Chef von PlayStation Studios, Hermen Hulst, den Mitarbeitern in einem internen Meeting am 18. Mai 2026 mit, dass erzählerische Einzelspieler-Titel künftig exklusiv für PlayStation-Konsolen bleiben. Die Kehrtwende betrifft prominente Titel wie Marvel’s Wolverine und beendet eine 2020 begonnene Strategie, die PlayStation-Exklusivspiele nach und nach auch auf Steam brachte.
Für Millionen PC-Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das: Wer künftig neue PlayStation-Blockbuster spielen will, kommt an einer PS5 oder der kommenden PS6 nicht mehr vorbei. shattered.io ordnet ein, was genau beschlossen wurde, welche Zahlen dahinterstecken und warum Sony ausgerechnet jetzt bei den PlayStation PC-Ports auf die Bremse tritt.
Was ist passiert? Sonys Kurswechsel im Überblick
Sechs Jahre lang galt bei Sony Interactive Entertainment eine einfache Regel: Große PlayStation-Exklusivtitel erscheinen nach einer gewissen Wartezeit auch für Windows-PCs. Games wie Horizon Zero Dawn, God of War oder zuletzt Ghost of Tsushima fanden so ihren Weg auf Steam und in den Epic Games Store. Diese Regel gilt nun nicht mehr uneingeschränkt. Laut übereinstimmenden Berichten hat Sony intern festgelegt, dass narrative Einzelspieler-Titel aus den eigenen Studios nicht mehr für den PC portiert werden.
Die Änderung betrifft explizit nur eine Kategorie von Spielen: storygetriebene Singleplayer-Produktionen der PlayStation-Studios. Live-Service-Spiele und Mehrspieler-Titel sind von der neuen Politik ausdrücklich ausgenommen und sollen wie bisher gleichzeitig oder zeitnah auf PS5 und PC erscheinen. Damit vollzieht Sony eine gezielte, nicht eine vollständige Abkehr vom PC – aber genau die Spiele, die PC-Spieler bislang am meisten interessierten, fallen künftig weg.
SONY PC-PORTS: DIE KEHRTWENDE IN ZAHLEN
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Erster Bericht: 4. März 2026 (Bloomberg)
Interne Bestätigung: 18. Mai 2026 (Hermen Hulst)
Öffentliche Stellungnahme: 18. Juni 2026 (Famitsu-Interview)
PC-Offensive seit: 2020 (rund 6 Jahre)
Betroffen: Einzelspieler-Exklusivtitel
Ausgenommen: Live-Service & Multiplayer
Erster betroffener Titel: Marvel's Wolverine (15.09.2026)
EU-Preis (PS Store): 79,99 Euro
Der Auslöser: Bloombergs Bericht und das interne Meeting
Den Stein ins Rollen brachte Bloomberg-Reporter Jason Schreier, der als einer der bestvernetzten Journalisten der Spielebranche gilt. Bereits am 4. März 2026 berichtete er, dass Sony seine PC-Strategie überdenkt:
„Sony Group Corp. plant nicht mehr, seine großen PlayStation-5-Spiele für den PC zu veröffentlichen – ein bedeutender Strategiewechsel, mit dem der Spielehersteller nach sechs Jahren des Flirts mit Multiplattform-Veröffentlichungen zur Konsolen-Exklusivität zurückkehrt.“
Bloomberg News, berichtet über GamingOnLinux
Zwei Monate später folgte die interne Bestätigung. Am 18. Mai 2026 informierte Hermen Hulst, der als Chef von PlayStation Studios für die Entwicklung der First-Party-Titel verantwortlich ist, die Belegschaft in einem Town-Hall-Meeting. Schreier fasste die Kernaussage auf Bluesky so zusammen:
„Hermen Hulst teilte den Mitarbeitern mit, dass ihre erzählerischen Singleplayer-Spiele künftig PlayStation-exklusiv bleiben.“
Jason Schreier, Bloomberg-Journalist, zitiert bei Notebookcheck
Bemerkenswert: Sony selbst hat bis heute keine offizielle Pressemitteilung zu dieser PlayStation PC-Ports-Kehrtwende veröffentlicht. Alles, was die Öffentlichkeit weiß, stammt aus Journalisten-Berichten, einem später folgenden CEO-Interview und indirekten Beweisen – dazu gleich mehr.
Diese Spiele sind betroffen – und diese nicht
Konkret nennt der Bloomberg-Bericht mehrere Titel, die nun exklusiv auf PlayStation-Konsolen bleiben. Dazu zählen das Samurai-Actionspiel Ghost of Yotei von Sucker Punch, das Roguelike-Actionspiel Saros von Housemarque sowie Marvel’s Wolverine von Insomniac Games, das am 15. September 2026 erscheint und laut PlayStation Store in Europa 79,99 Euro kosten wird. Auch Intergalactic: The Heretic Prophet von Naughty Dog fällt nach aktuellem Stand unter die neue Regel.
Marvel’s Wolverine erscheint physisch und digital ausschließlich für PS5, ohne PS4- und ohne PC-Version – das bestätigte Sony selbst in den Gameplay-Details zum State of Play auf dem offiziellen PlayStation Blog. PS5-Pro-Besitzer erhalten dort zusätzlich Unterstützung für die hauseigene Upscaling-Technik PSSR (PlayStation Spectral Super Resolution) – ein weiteres Argument, das Sony nutzt, um die eigene Hardware gegenüber dem PC aufzuwerten. Laut Wikipedia-Eintrag zum Spiel stammt die Regie erneut vom Insomniac-Team hinter den beiden Spider-Man-Teilen, wählt für Wolverine aber eine linearere, cineastischere Erzählstruktur statt einer offenen Spielwelt.
Ausnahmen: Diese Titel bleiben plattformübergreifend
Nicht betroffen sind Live-Service- und Mehrspieler-Produktionen. Titel wie Helldivers 2 von Arrowhead Game Studios oder das kommende Marathon von Bungie sollen weiterhin gleichzeitig auf PS5 und PC erscheinen. Auch Spiele, die zwar von PlayStation veröffentlicht, aber von unabhängigen Studios entwickelt werden – etwa Kojima Productions oder Ember Lab – fallen nach bisherigem Stand nicht automatisch unter das neue Verbot, da die Regel sich primär gegen First-Party-Singleplayer-Produktionen richtet.
| Titel | Studio | Typ | PC-Status 2026 |
|---|---|---|---|
| Marvel’s Wolverine | Insomniac Games | Einzelspieler | Kein PC (PS5-exklusiv, 15.09.) |
| Ghost of Yotei | Sucker Punch | Einzelspieler | Kein PC geplant |
| Saros | Housemarque | Einzelspieler/Action | Kein PC geplant |
| Intergalactic: The Heretic Prophet | Naughty Dog | Einzelspieler | Nach jetzigem Stand exklusiv |
| Helldivers 2 | Arrowhead Game Studios | Live-Service/Multiplayer | Weiterhin PS5 + PC |
| Marathon | Bungie | Live-Service/Multiplayer | Weiterhin PS5 + PC |
| Ghost of Tsushima | Sucker Punch | Einzelspieler (Vorgänger) | Bereits Mai 2024 auf PC erschienen |
Sonys offizielle Version: CEO Nishino im Famitsu-Interview
Während die internen Aussagen laut Schreiers Bericht recht eindeutig klangen, gab sich Sony Interactive Entertainment in der Öffentlichkeit zunächst deutlich vorsichtiger. Erst am 18. Juni 2026 äußerte sich CEO Hideaki Nishino im japanischen Magazin Famitsu erstmals konkret zur PC-Strategie – in typisch diplomatischer Konzernsprache:
„Bei Singleplayer-Spielen, die von unseren Erststudios entwickelt werden, wollen wir den Wert der Spielerlebnisse, die auf PlayStation geboten werden können, weiter schärfen.“
Hideaki Nishino, CEO, Sony Interactive Entertainment, im Famitsu-Interview
Zu Live-Service-Titeln äußerte sich Nishino im selben Interview deutlich offener:
„Bei Live-Service-Spielen halten wir es dagegen für wichtig, dass möglichst viele Menschen sie im Online-Mehrspielermodus erleben können – deshalb bleibt die gleichzeitige Veröffentlichung auf PS5 und PC hier unser Grundprinzip.“
Hideaki Nishino, CEO, Sony Interactive Entertainment, im Famitsu-Interview
Auffällig ist die Lücke zwischen interner und öffentlicher Kommunikation: Intern soll laut Schreier eine klare Ansage gefallen sein, dass Singleplayer-Titel „PlayStation only“ bleiben. Öffentlich spricht Nishino lieber von „Schärfung des Werts“ und schließt PC-Versionen nicht kategorisch aus, sofern sie „das Spielerlebnis maximieren“ würden. Diese Zurückhaltung ist typisch für Konzernkommunikation, die sich alle Optionen offenhalten will, ohne die eigentliche Marschrichtung infrage zu stellen.
Der stille Beweis: Sony schreibt seine Webseiten um
Neben den Aussagen von Hulst und Nishino liefert Sony einen weiteren, weniger offensichtlichen Beleg für den Strategiewechsel: eine stille Überarbeitung eigener Studio-Webseiten. Wie das deutschsprachige Fachportal Notebookcheck dokumentiert, änderte das PlayStation-interne Label XDev seine Selbstbeschreibung von einer „Zusammenarbeit mit ambitionierten externen Studios auf der ganzen Welt“ hin zu einer „Partnerschaft mit talentierten unabhängigen Studios, um spannende, exklusive Titel für PlayStation-Spieler weltweit zu veröffentlichen“.
Noch deutlicher fällt die Änderung bei Valkyrie Entertainment aus, einem 2021 von Sony übernommenen Support-Studio. Dessen Webseite warb früher explizit mit „hochwertiger Arbeit für eine Reihe von Plattformen von Konsolen bis zum PC“ – dieser Satz wurde komplett entfernt. Solche Änderungen an offiziellen Unternehmensseiten geschehen selten zufällig und gelten in der Branche oft als verlässlicheres Signal als offizielle Statements, weil sie ohne Presseanfragen und ohne PR-Filter erfolgen.
Sechs Jahre PC-Offensive: Wie alles begann
Um die Tragweite der Entscheidung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Sonys PC-Offensive begann 2020 mit Horizon Zero Dawn, das ursprünglich 2017 exklusiv für PS4 erschienen war. Der Erfolg dieses ersten Experiments ermutigte Sony, die Strategie auszubauen: 2021 übernahm der Konzern gleich zwei auf Portierungen spezialisierte Studios – das niederländische Nixxes Software, bekannt für technisch anspruchsvolle PC-Umsetzungen, sowie Valkyrie Entertainment, das unter anderem an Multiplattform-Support arbeitete.
In den folgenden Jahren wuchs der Katalog stetig: Days Gone, God of War, Marvel’s Spider-Man, Uncharted, Returnal, Detroit: Become Human und zuletzt Ghost of Tsushima fanden alle ihren Weg auf den PC. Aus einem vorsichtigen Test wurde eine feste Produktlinie mit eigener Infrastruktur, eigenen Studios und eigenem Marketing. Genau diese Infrastruktur wird nun zurückgefahren – nicht abgeschafft, aber gezielt auf Live-Service-Projekte konzentriert.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2020 | Horizon Zero Dawn erscheint als erster großer PlayStation-Port für PC |
| 2021 | Sony übernimmt die Portierungs-Studios Nixxes Software und Valkyrie Entertainment |
| 16. Mai 2024 | Ghost of Tsushima erscheint auf Steam, rund vier Jahre nach dem PS4-Original |
| 4. März 2026 | Jason Schreier (Bloomberg) berichtet erstmals über Sonys Kurswechsel |
| 18. Mai 2026 | Hermen Hulst bestätigt intern die neue Exklusiv-Strategie |
| 18. Juni 2026 | CEO Hideaki Nishino äußert sich im Famitsu-Interview öffentlich dazu |
| 15. Sept. 2026 | Marvel’s Wolverine erscheint als erster Titel unter der neuen Politik |
Ghost of Tsushima gegen Ghost of Yotei: Ein Franchise, zwei Welten
Kein Beispiel verdeutlicht den Kurswechsel so plastisch wie die Ghost-of-Reihe selbst. Ghost of Tsushima erschien 2020 für PS4, wurde 2021 als Director’s Cut auf PS5 aufgewertet und kam schließlich im Mai 2024 auch auf Steam – inklusive Iki-Island-Erweiterung und dem Mehrspielermodus Legends. Der direkte Nachfolger Ghost of Yotei, 2025 als reiner PlayStation-Titel gestartet, wird diesen Weg nach aktuellem Stand nicht wiederholen. Zwei Spiele derselben Reihe, derselben Entwickler – und zwei komplett gegensätzliche PC-Schicksale.
| Titel | PlayStation-Release | PC-Release | Wartezeit |
|---|---|---|---|
| Horizon Zero Dawn | 2017 | 2020 | ca. 3 Jahre |
| God of War (2018) | 2018 | 2022 | ca. 4 Jahre |
| Ghost of Tsushima | 2020 | Mai 2024 | ca. 4 Jahre |
| God of War Ragnarök | 2022 | 2024 | ca. 2 Jahre |
| Ghost of Yotei | 2025 | Kein Port geplant | — |
| Marvel’s Wolverine | 15.09.2026 | Kein Port geplant | — |
Berichten zufolge soll sich das bisherige Wartefenster von rund 12 bis 18 Monaten ohnehin schon in Richtung drei bis fünf Jahre verschoben haben, bevor die neue Politik überhaupt öffentlich bekannt wurde. Für Fans, die geduldig auf ihren PC-Port gewartet haben, ist das eine bittere Pointe: Ausgerechnet als die Wartezeiten am längsten wurden, strich Sony die Aussicht auf einen Port für neue Titel komplett.
Die Finanz-Logik hinter der Kehrtwende
Warum vollzieht Sony diesen Schritt gerade jetzt? Die naheliegendste Antwort ist finanzieller Natur. Berichten zufolge spielten PlayStation-PC-Ports in den vergangenen sechs Jahren zusammengenommen schätzungsweise rund 1,2 Milliarden US-Dollar ein – auf den ersten Blick eine beachtliche Summe, im Vergleich zum PlayStation-Gesamtgeschäft aber ein eher kleiner Baustein. Entscheidender als die absolute Summe scheint intern der Trend gewesen zu sein: Mit jedem weiteren Sequel-Port sanken laut mehreren Berichten die PC-Verkaufszahlen spürbar, während der Aufwand für Portierung, Qualitätssicherung und Support gleich blieb.
Wie viel Geld PC-Ports bisher brachten
Intern sollen die PC-Versionen als „inkonsistent“ eingestuft worden sein – mal ein Überraschungserfolg, mal ein Flop, ohne dass sich ein verlässliches Muster für zukünftige Budgetplanung ableiten ließ. Hinzu kommt ein strategisches Argument, das über reine Verkaufszahlen hinausgeht: Jeder Titel, der auch auf dem PC läuft, schwächt tendenziell das Kernargument, warum sich eine PS5 – oder später eine PS6 – überhaupt lohnt. Genau dieses Argument dürfte in den kommenden Jahren wichtiger werden, wenn Sony den Nachfolger der PS5 in den Markt einführen muss.
Interessant ist der Kontrast zum deutschen Markt, der sich zuletzt robuster zeigte als der US-Markt: Während die US-Verbraucherausgaben für Spiele im Juni 2026 laut Marktdaten um 21 Prozent einbrachen, wuchs der deutsche Markt im selben Zeitraum leicht. Das ändert an der globalen Konzernlogik zwar wenig, zeigt aber, dass Sonys Entscheidung nicht regional differenziert, sondern weltweit einheitlich durchgesetzt wird – unabhängig davon, wie sich einzelne Ländermärkte tatsächlich entwickeln.
Warum Live-Service-Spiele die Ausnahme bleiben
Der Kontrast zu Live-Service-Titeln macht die Logik greifbar. Helldivers 2 von Arrowhead Game Studios gilt intern als Paradebeispiel für eine gelungene Multiplattform-Veröffentlichung: Das Koop-Actionspiel hat nach eigenen Angaben mehr als 700 Millionen US-Dollar Umsatz erwirtschaftet und wurde über 20 Millionen Mal verkauft – ein Großteil davon dauerhaft aktiv, weil neue Inhalte laufend beide Plattformen gleichzeitig versorgen. Bei einem Live-Service-Spiel zählt vor allem eine lebendige, große Spielerbasis, die kontinuierlich Zusatzinhalte kauft. Diese Logik funktioniert nur, wenn möglichst viele Menschen mitspielen können – unabhängig von der Plattform.
Bei einem klassischen Einzelspieler-Titel dagegen ist der Umsatz nach wenigen Monaten weitgehend abgeschlossen. Ob das Spiel dann auch noch auf dem PC erscheint, ändert an der PS5-Kaufentscheidung nichts mehr – im Gegenteil, es könnte laut interner Logik sogar künftige Konsolenkäufe verzögern, wenn Interessierte lieber auf die PC-Version warten.
Der Steam-Machine-Faktor: Sonys Angst vor Valve
Die zeitliche Nähe zu einem weiteren Ereignis dürfte kein Zufall sein: Valve bringt 2026 mit der Steam Machine erstmals seit Jahren wieder eigene Wohnzimmer-Hardware auf den Markt. Sollte sich SteamOS als ernstzunehmende Konsolen-Alternative etablieren, würde jeder PlayStation-Port, der auch auf der Steam Machine läuft, potenziellen PS5- oder PS6-Käufern eine Ausweichmöglichkeit bieten. Mehrere Berichte bringen Sonys Kehrtwende explizit mit dieser Sorge in Verbindung: Je mehr AAA-Exklusivtitel auch außerhalb der PlayStation-Welt spielbar sind, desto schwächer wird das zentrale Verkaufsargument der eigenen Hardware.
Für Sony ist das eine ungewohnte Konkurrenzsituation. Jahrelang war der PC kein direkter Konsolen-Konkurrent, sondern lediglich eine zusätzliche Einnahmequelle für bereits abbezahlte Entwicklungskosten. Mit einer Steam-basierten Wohnzimmerkonsole verändert sich diese Rechnung: Der PC wird vom Nebenschauplatz zur echten Alternative im Wohnzimmer.
Nicht nur Sony: Auch Microsoft kehrt zur Exklusivität zurück
Bemerkenswert ist, dass Sonys Rückzug vom PC in eine Phase fällt, in der auch der Rivale Microsoft seine eigene All-Plattform-Strategie überdenkt. Wie shattered.io bereits berichtete, kehrt Xbox nach Jahren der Politik „jedes Spiel auf jeder Plattform“ ebenfalls zu ausgewählten Exklusivtiteln zurück, nachdem die Umsätze mit eigener Hardware um 33 Prozent eingebrochen waren. Beide Konzerne kommen damit aus entgegengesetzten Richtungen zum selben Schluss: Reine Software-Umsätze reichen nicht aus, wenn niemand mehr die dazugehörige Hardware kauft.
Der Unterschied liegt im Detail: Microsoft öffnete sich zunächst radikal für alle Plattformen und dosiert Exklusivität nun wieder vorsichtig zurück. Sony ging den entgegengesetzten Weg – von strikter Exklusivität zu vorsichtiger Öffnung und nun zurück zu mehr Exklusivität, allerdings nur für eine bestimmte Spielkategorie. Nintendo wiederum hat diese Debatte nie geführt: Der japanische Hersteller hat noch nie einen eigenen Exklusivtitel für den PC portiert und bleibt damit das Extrembeispiel eines geschlossenen Ökosystems, dem sich Sony nun zumindest teilweise wieder annähert.
Was das für PC-Spieler in Deutschland bedeutet
Für den deutschen und europäischen Markt hat die Entscheidung direkte Konsequenzen. Deutsche PlayStation-Fachmedien wie GamersGlobal und PlayStationInfo.de griffen die Berichte über die PlayStation PC-Ports-Kehrtwende innerhalb weniger Tage auf – ein Indiz dafür, wie stark die hiesige PC-Spieler-Community an dem Thema hängt. Wer in Deutschland bislang keine PS5 besitzt, sondern gezielt auf die PC-Version gewartet hat, muss sich nun auf deutlich längere oder endgültig ausbleibende Wartezeiten einstellen.
Preislich zeigt sich die neue Realität bereits an Marvel’s Wolverine: Die PS5-Version kostet im PlayStation Store für Europa 79,99 Euro, wie unter anderem gagadget berichtet – ein Preis, den es künftig für Sonys große Story-Spiele nur noch für Konsolen-Käufer gibt, ohne die Möglichkeit, stattdessen zu warten und günstiger über eine Steam-Sale-Aktion einzusteigen, wie es bei früheren Ports üblich war. Für den ohnehin von Speicherpreisen und Hardware-Verknappung gebeutelten deutschen Gaming-Markt ist das ein weiterer Faktor, der die Kaufentscheidung in Richtung Konsole lenkt. Hinzu kommt die Wechselkurs- und Regionalpreis-Realität: Während US-Kunden 69,99 US-Dollar zahlen, liegt der EU-Preis mit 79,99 Euro spürbar höher als eine reine Währungsumrechnung nahelegen würde – ein Aufschlag, den deutsche Käufer schon von früheren PS5-Exklusivtiteln kennen.
Kritik und Reaktionen: So reagiert die Community
In einschlägigen Foren und auf Reddit fällt die Reaktion überwiegend kritisch aus. Viele PC-Spieler werten die Entscheidung als Vertrauensbruch gegenüber einer Community, die sich in den vergangenen Jahren aktiv am Erfolg der PlayStation-Ports beteiligt hatte. Andere Stimmen verweisen darauf, dass Sony ohnehin nie eine verlässliche Zusage für gleichzeitige Releases gemacht habe und PC-Versionen stets als Kür, nicht als Pflicht kommuniziert wurden.
Die Diskussion reiht sich ein in eine wachsende Liste von Sony-Entscheidungen, die zuletzt für Unmut sorgten – von der geplanten Einstellung physischer Disc-Produktion, gegen die die Petition „Don’t Kill the Disc“ protestiert, bis zu einer Sammelklage rund um den PlayStation Store. Ob sich daraus tatsächlich spürbarer wirtschaftlicher Druck auf Sony aufbaut, bleibt abzuwarten – bislang blieben ähnliche Kontroversen ohne erkennbare Kursänderung des Konzerns.
Unklar ist zudem, welche Rolle die 2021 übernommenen Portierungs-Studios künftig spielen. Nixxes Software hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als eines der technisch versiertesten PC-Porting-Teams der Branche erarbeitet. Fällt die Zahl der Singleplayer-Ports weg, dürfte sich die Arbeit des Studios stärker auf Live-Service-Projekte, Patches für bestehende Ports und möglicherweise Auftragsarbeiten für Dritte verlagern – ein Umbau, der intern für Unsicherheit sorgen dürfte, auch wenn Sony bislang keine Stellenstreichungen angekündigt hat.
Ausblick: Was die Kehrtwende für die PS6 bedeutet
Am Ende drehen sich fast alle Spekulationen um ein Datum, das noch in einiger Ferne liegt: den Start der PlayStation 6. Ein Gerücht, das Notebookcheck aufgegriffen hat, geht davon aus, dass Sony seine stärksten Exklusivtitel gezielt für den Konsolenwechsel zurückhalten will, um der neuen Hardware einen möglichst überzeugenden Software-Start zu verschaffen – eine Logik, die dem klassischen Konsolenkrieg-Denken der 2000er- und frühen 2010er-Jahre erstaunlich ähnlich ist, nur mit dem PC statt Xbox oder Nintendo als Gegner.
Drei Entwicklungen, die jetzt wahrscheinlicher werden
- Mehr Live-Service-Wetten: Sony dürfte gezielt mehr Live-Service- und Multiplayer-Projekte grünlichten, weil das aktuell der einzige verlässliche Weg bleibt, um PC-Umsätze zu erzielen.
- Späte oder ausbleibende PS6-Ports: Die ersten PS6-Exklusivtitel werden mit hoher Wahrscheinlichkeit noch konsequenter von PC-Versionen abgeschottet als aktuelle PS5-Titel.
- Externe Studios als Umweg: Kooperationen mit unabhängigen Studios wie Kojima Productions oder Ember Lab könnten zum bevorzugten Weg werden, um PlayStation-Marken dennoch auf den PC zu bringen, ohne die interne Exklusiv-Regel zu brechen.
- Wachsender Community-Unmut: Ähnlich wie bei der Disc-Debatte dürfte der Unmut in PC-Foren anhalten, ohne kurzfristig zu einer Kursänderung zu führen.
- Konkurrenzdruck durch die Steam Machine: Je erfolgreicher Valves Hardware startet, desto eher könnte Sony gezwungen sein, seine Position erneut zu überdenken.
Sicher ist nur: Die aktuelle PlayStation PC-Ports-Pause ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine bewusste Geschäftsentscheidung – und solche Entscheidungen lassen sich bei Bedarf genauso schnell wieder rückgängig machen, wie sie getroffen wurden.
Häufige Fragen zu Sonys PC-Ports-Aus
Was genau hat Sony bei seiner PC-Strategie geändert?
Sony bringt narrative Einzelspieler-Titel seiner First-Party-Studios künftig nicht mehr auf den PC. Die Entscheidung wurde laut Bloomberg-Journalist Jason Schreier am 18. Mai 2026 intern gegenüber PlayStation-Studios-Mitarbeitern kommuniziert.
Welche Spiele sind von der Kehrtwende betroffen?
Namentlich genannt werden Marvel’s Wolverine, Ghost of Yotei, Saros und Intergalactic: The Heretic Prophet. Alle vier bleiben nach aktuellem Stand exklusiv für PlayStation-Konsolen.
Kommen Live-Service-Spiele weiterhin auf den PC?
Ja. Multiplayer- und Live-Service-Titel wie Helldivers 2 oder das kommende Marathon sind von der neuen Regel ausdrücklich ausgenommen und erscheinen weiterhin gleichzeitig auf PS5 und PC.
Wann hat Sony die Entscheidung bestätigt?
Ein erster Bericht erschien am 4. März 2026 bei Bloomberg. Intern bestätigt wurde die Strategie am 18. Mai 2026, öffentlich äußerte sich CEO Hideaki Nishino erstmals am 18. Juni 2026 im Magazin Famitsu.
Warum ändert Sony seine Strategie ausgerechnet jetzt?
Berichten zufolge spielen sinkende PC-Verkäufe pro Sequel, der Wunsch nach einem stärkeren Kaufargument für PS5 und PS6 sowie die Sorge vor Valves neuer Steam Machine als Wohnzimmer-Konkurrenz eine zentrale Rolle.
Bekommt Ghost of Yotei doch noch einen PC-Port?
Nach aktuellem Stand nicht. Anders als der Vorgänger Ghost of Tsushima, der 2024 auf Steam erschien, ist für Ghost of Yotei derzeit keine PC-Version geplant.
Was bedeutet das für die PS6?
Beobachter erwarten, dass Sony seine stärksten Exklusivtitel gezielt für den Start der PlayStation 6 zurückhält, um der neuen Konsole einen überzeugenden Software-Start zu verschaffen.
Ist Marvel’s Wolverine wirklich komplett PS5-exklusiv?
Ja. Insomniac Games’ Actionspiel erscheint am 15. September 2026 für 79,99 Euro ausschließlich für PS5 – ohne PS4- und ohne PC-Version, mit physischer Disc-Option zum Launch.
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