Wer in Österreich auf eine verschlüsselte E-Mail-Adresse umsteigen will, landet fast automatisch bei Proton Mail. Der Schweizer Anbieter hat sich seit der Gründung 2014 am CERN zur bekanntesten Marke für private E-Mail entwickelt und wirbt mit rund 100 Millionen Nutzern über sein gesamtes Produktportfolio. Weniger bekannt, aber technisch genauso ernst zu nehmen, ist Mailfence aus Belgien. Der Dienst setzt auf klassisches OpenPGP, digitale Signaturen und einen direkten IMAP-Zugang, statt wie Proton auf ein geschlossenes, zugangsgesperrtes Ökosystem zu setzen. Beide Anbieter verschlüsseln E-Mails, beide werben mit Datenschutz, und beide kosten in der günstigsten Bezahlstufe nur wenige Euro im Monat. Der Unterschied liegt im Detail: in der Architektur der Verschlüsselung, in der Rechtslage am Firmensitz und im Funktionsumfang rund ums reine Postfach. Dieser Vergleich zeigt, wo Proton Mail und Mailfence 2026 wirklich stehen, mit Preistabellen, technischen Daten und konkreten Einsatzszenarien für Privatpersonen, Kanzleien und kleine Unternehmen in Österreich.
Proton Mail und Mailfence: zwei Wege zur verschlüsselten E-Mail
Bevor man Preise und Funktionen vergleicht, lohnt ein Blick auf die Grundidee hinter beiden Diensten. Proton Mail wurde von einem Team ehemaliger CERN-Wissenschaftler entwickelt und sollte von Anfang an eine Alternative zu Gmail sein, die niemand mitlesen kann, nicht einmal der Anbieter selbst. Die Firma sitzt in Genf und unterliegt Schweizer Recht, das traditionell strenge Vorgaben zum Schutz von Nutzerdaten macht. Mailfence verfolgt ein anderes Ziel: offene Standards. Der Dienst wurde 2013 in Belgien gestartet und sollte einen E-Mail-Anbieter bauen, der mit jedem klassischen Mail-Client funktioniert, OpenPGP nativ unterstützt und trotzdem die Infrastruktur eines Großanbieters bietet, inklusive Kalender, Kontakte und Dokumentenspeicher. Mailfence sitzt damit direkt im Geltungsbereich der EU-DSGVO, ohne den Umweg über ein Angemessenheitsabkommen wie bei der Schweiz. Für österreichische Nutzer bedeutet das zwei unterschiedliche rechtliche Schutzschilde: Schweizer Datenschutzrecht bei Proton, originäre EU-Rechtsprechung bei Mailfence. Beide Modelle haben in der Praxis Vor- und Nachteile, die weiter unten im Detail erklärt werden.
Wichtig für die Einordnung: Keiner der beiden Anbieter ist ein Nischenprodukt für Spezialisten. Proton Mail positioniert sich klar als Massenprodukt für alle, die ohne technisches Vorwissen privat mailen wollen. Mailfence zielt stärker auf Nutzer, die bereits mit PGP-Schlüsseln arbeiten, eigene Domains betreiben oder aus Compliance-Gründen Wert auf Interoperabilität mit Standard-Mail-Software legen. Diese unterschiedliche Zielgruppe zieht sich durch den gesamten restlichen Vergleich.
Auch die Größenordnung unterscheidet sich deutlich. Proton gehört mittlerweile zu den bekanntesten Namen im europäischen Privatsphäre-Markt und wird regelmäßig in Medienberichten über digitale Selbstverteidigung erwähnt, inklusive der eigenen Angabe von rund 100 Millionen Nutzern über das gesamte Produktportfolio. Mailfence bewegt sich dagegen deutlich unterhalb dieser Größenordnung und ist außerhalb von Fachkreisen weit weniger bekannt. Das ist kein Qualitätsurteil, kleinere Anbieter haben oft weniger Marketingbudget, aber nicht automatisch eine schlechtere technische Basis. Für die praktische Kaufentscheidung zählt eher, ob ein Dienst die eigenen Anforderungen erfüllt, als wie bekannt die Marke ist.
Was ist Proton Mail?
Proton Mail ist der verschlüsselte E-Mail-Dienst der Schweizer Firma Proton AG. Das Kernversprechen ist die sogenannte Zero-Access-Architektur: E-Mails werden auf den Proton-Servern so verschlüsselt gespeichert, dass Proton selbst keinen Zugriff auf den Klartext hat. Zwischen zwei Proton-Mail-Konten greift die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung automatisch, ohne dass Nutzer einen eigenen PGP-Schlüssel verwalten müssen. Schickt man eine Mail an eine nicht verschlüsselte Adresse wie Gmail oder GMX, bleibt der Transportweg zwar per TLS gesichert, der Inhalt liegt beim Empfänger aber offen vor, es sei denn, man nutzt die optionale Passwort-Mail-Funktion.
Proton Mail ist heute nur noch ein Baustein eines größeren Ökosystems. Dazu zählen Proton VPN, Proton Drive für verschlüsselten Cloud-Speicher, Proton Pass als Passwort-Manager und Proton Calendar. Wer das Unlimited-Abo bucht, bekommt alle diese Dienste gebündelt, inklusive 500 GB Speicher über alle Produkte hinweg. Für den direkten Zugriff über klassische Mail-Clients wie Outlook oder Thunderbird braucht es die kostenpflichtige Proton Mail Bridge-Anwendung, die lokal eine Brücke zwischen dem verschlüsselten Proton-Server und dem IMAP-Protokoll des Clients baut. Ohne Bridge funktioniert Proton Mail nur über die eigene Web-App oder die mobilen Apps für Android und iOS.
Die Expansion über das reine Postfach hinaus ist kein Zufall, sondern Teil einer bewussten Unternehmensstrategie. Proton positioniert sich inzwischen als Gegenentwurf zu den großen US-Technologiekonzernen, mit dem Anspruch, für praktisch jeden Alltagsbereich, in dem sonst Google oder Microsoft eingesetzt würden, eine verschlüsselte Alternative anzubieten. Diese Strategie erklärt auch, warum Proton Mail als einzelnes Produkt inzwischen schwerer isoliert zu betrachten ist als noch vor einigen Jahren: Viele Funktionen, etwa die gemeinsame Konto-Sicherheit über Proton Pass oder die Kalenderintegration, ergeben erst im Zusammenspiel mit den anderen Proton-Produkten ihren vollen Nutzen.
Was ist Mailfence?
Mailfence ist ein belgischer E-Mail-Anbieter, der seit 2013 am Markt ist und von Anfang an auf offene Verschlüsselungsstandards gesetzt hat. Statt eines geschlossenen Zero-Access-Systems verwendet Mailfence klassisches OpenPGP: Nutzer erzeugen ein eigenes Schlüsselpaar, das im integrierten Keystore verwaltet wird, und entscheiden selbst, welche Mails sie Ende-zu-Ende verschlüsseln oder digital signieren. Das macht Mailfence flexibler für den Austausch mit Nutzern anderer PGP-fähiger Dienste wie Mailvelope oder GnuPG, erfordert aber auch mehr Verständnis vom Nutzer, weil Verschlüsselung nicht automatisch im Hintergrund läuft wie bei Proton.
Mailfence versteht sich explizit als Alternative zu Google Workspace, nicht nur als sicheres Postfach. Im Lieferumfang stecken Documents als Online-Office mit Textverarbeitung und Tabellen, Groups für Teamkommunikation sowie Kalender und Kontakte, alles unter einem Konto. Anders als Proton bietet Mailfence ab der Entry-Stufe direkten IMAP-, POP- und SMTP-Zugriff ohne zusätzliche Bridge-Software, was die Einrichtung in Outlook, Apple Mail oder Thunderbird deutlich vereinfacht. Mailfence verzichtet bislang auf ein eigenes VPN-Produkt und positioniert sich damit schlanker als das breite Proton-Ökosystem.
Diese Fokussierung auf Interoperabilität statt auf ein geschlossenes Ökosystem ist das zentrale Markenversprechen von Mailfence. Statt Nutzer in eine eigene App-Welt zu locken, soll sich der Dienst möglichst nahtlos in bereits bestehende Arbeitsabläufe einfügen, egal ob jemand seit Jahren Thunderbird nutzt, Kalendereinträge über CalDAV synchronisiert oder Kontakte über CardDAV mit anderen Geräten abgleicht. Für Nutzer, die bereits eine funktionierende Software-Umgebung haben und diese nicht komplett ersetzen wollen, ist das ein wesentlicher Grund, Mailfence überhaupt in Betracht zu ziehen, unabhängig vom Preis oder vom Verschlüsselungsmodell.
Verschlüsselung im Vergleich: Zero-Access gegen OpenPGP
Der technisch wichtigste Unterschied zwischen beiden Diensten liegt in der Art, wie Verschlüsselung umgesetzt wird. Proton Mail verschlüsselt jede Nachricht automatisch mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers, sobald dieser ebenfalls ein Proton-Konto hat. Der Nutzer merkt davon praktisch nichts, es gibt keinen Schlüssel zu exportieren oder zu verwalten, solange man innerhalb des Proton-Universums bleibt. Das senkt die Einstiegshürde massiv, hat aber einen Haken: Sobald die Gegenseite einen anderen Anbieter nutzt, fällt die automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung weg, und man ist auf die Passwort-Mail-Funktion oder manuellen PGP-Import angewiesen.
Mailfence geht den umgekehrten Weg. Das integrierte Keystore-Modul erzeugt ein Standard-OpenPGP-Schlüsselpaar, das kompatibel mit praktisch jeder PGP-Implementierung ist, egal ob GnuPG auf Linux, Mailvelope im Browser oder ein anderer Dienst mit OpenPGP-Unterstützung. Das bedeutet: Ein Mailfence-Nutzer kann verschlüsselt mit jemandem kommunizieren, der einen ganz anderen E-Mail-Anbieter verwendet, solange beide Seiten PGP-Schlüssel austauschen. Der Preis dafür ist Komplexität: Schlüssel müssen generiert, Fingerprints verglichen und im Zweifel manuell verwaltet werden. Mailfence bietet zusätzlich digitale Signaturen, mit denen sich die Authentizität einer Nachricht kryptografisch belegen lässt, ein Feature, das bei Proton Mail in dieser expliziten Form fehlt. Für Kanzleien, Notariate oder Behörden, die Nachweispflichten erfüllen müssen, kann das ein entscheidender Unterschied sein.
Ein weiterer Punkt, der in Diskussionen häufig übersehen wird: Zero-Access-Verschlüsselung schützt vor allem die gespeicherten Daten auf dem Server, während OpenPGP die Nachricht bereits auf dem Gerät des Absenders verschlüsselt, bevor sie überhaupt einen Server erreicht. In der Praxis führt beides zu einem ähnlichen Schutzniveau für die Nachricht selbst, der Unterschied zeigt sich eher bei Metadaten wie Betreffzeile oder Absenderinformationen, die je nach Implementierung unterschiedlich stark mitgeschützt werden. Wer maximale Kontrolle über jeden einzelnen kryptografischen Schritt haben will, bevorzugt in der Regel den expliziten OpenPGP-Ansatz von Mailfence, wer dagegen Bequemlichkeit ohne Konfigurationsaufwand sucht, profitiert stärker vom automatisierten Modell von Proton.
In der Praxis heißt das: Proton Mail liefert die bequemere Verschlüsselung für den Massenmarkt, Mailfence liefert die flexiblere, standardkonforme Verschlüsselung für technisch versierte Nutzer und Organisationen mit bestehender PGP-Infrastruktur.
Technische Daten im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Eckdaten beider Dienste zusammen, basierend auf den aktuellen 2026er-Angaben der Anbieter und unabhängiger Testseiten wie Cloudwards und ToolRadar.
| Merkmal | Proton Mail | Mailfence |
|---|---|---|
| Firmensitz | Genf, Schweiz | Namur, Belgien |
| Gegründet | 2014 | 2013 |
| Rechtsrahmen | Schweizer Datenschutzrecht | EU-DSGVO |
| Verschlüsselungsmodell | Zero-Access, automatisches E2EE zwischen Proton-Konten | OpenPGP, nutzerseitig verwaltet |
| Digitale Signaturen | Nicht als eigenständiges Feature | Ja, über OpenPGP |
| Kostenloser Speicher | bis zu 1 GB | 1 GB, aufgeteilt in 500 MB Mail und 500 MB Dokumente |
| Nativer IMAP/SMTP-Zugriff | Nur über zusätzliche Bridge-App | Ab Entry-Tarif direkt verfügbar |
| Zwei-Faktor-Authentifizierung | Ja | Ja |
| Eigene Domain | Ab Mail Plus, eine Domain | Ab Entry-Tarif |
| Zusatzprodukte | VPN, Drive, Pass, Calendar | Documents, Groups, Calendar, Keystore |
| Mobile Apps | Android und iOS, offiziell | Über Browser-App, kein dedizierter nativer Client |
| Open-Source-Clients | Teilweise offen gelegt | Teilweise offen gelegt |
Auffällig ist vor allem die Speicherplatz-Situation im kostenlosen Tarif: Beide Anbieter liegen bei rund 1 GB, doch Mailfence teilt diesen Speicher zwischen E-Mail und Dokumenten auf, während Proton den vollen Speicher dem Postfach zuordnet, sofern keine zusätzlichen Produkte wie Drive aktiv genutzt werden. Wer viel mit Anhängen arbeitet, merkt diesen Unterschied schon in den ersten Wochen.
Preise 2026: Kosten im Überblick
Preislich positionieren sich beide Dienste im unteren bis mittleren Segment verschlüsselter E-Mail-Anbieter, deutlich günstiger als etwa Tresorit oder teure Business-Suiten, aber über dem Niveau von werbefinanzierten Gratis-Postfächern. Proton listet seine Pläne aktuell unter proton.me/business/mail/pricing, Mailfence veröffentlicht seine Preise und Features im eigenen Blog unter blog.mailfence.com.
| Tarif | Anbieter | Preis pro Monat | Speicher | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Free | Proton Mail | 0 € | bis 1 GB | Eine Adresse, eingeschränktes Senden |
| Free | Mailfence | 0 € | 1 GB (500 MB Mail + 500 MB Docs) | Kein Custom-Domain-Zugang |
| Mail Plus | Proton Mail | ab 3,99 € (Jahresabrechnung) | 15 GB | 10 Adressen, 1 Domain, Kalender |
| Base | Mailfence | ab 2,50 € (Jahresabrechnung) | Erhöhter Speicher je Produkt | Einstieg ohne eigene Domain |
| Entry | Mailfence | ab 3,50 € (Jahresabrechnung) | Erhöht gegenüber Base | Eigene Domain, nativer IMAP/SMTP |
| Unlimited | Proton Mail | ab 9,99 € (Jahresabrechnung) | 500 GB | VPN, Drive, Pass, Calendar inklusive |
| Pro | Mailfence | ab 9,50 € | Erweiterter Speicher | Mehr Domains, Team-Funktionen |
Der direkte Preisvergleich zeigt: Mailfence ist im Einstiegssegment günstiger, wenn man nur ein verschlüsseltes Postfach mit eigener Domain braucht. Proton Mail rechnet sich dagegen, sobald man das gesamte Ökosystem nutzen will, denn im Unlimited-Tarif sind VPN, Cloud-Speicher und Passwort-Manager bereits eingepreist, Produkte, die man bei Mailfence gar nicht oder nur als separate Lösung bräuchte. Wer nur eine sichere Mailadresse sucht und keinen Bedarf an VPN oder Passwort-Manager hat, zahlt bei Mailfence tendenziell weniger für vergleichbare Grundfunktionen. Laut dem unabhängigen Preisvergleich von ToolRadar liegt der reale monatliche Preis für Proton je nach Abrechnungszeitraum spürbar über dem beworbenen Einstiegspreis, ein Effekt, der bei vielen Abo-Diensten mit Jahresrabatt auftritt und den man beim Budgetvergleich einkalkulieren sollte.
Jurisdiktion und DSGVO-Konformität
Für Nutzer in Österreich ist die Frage, wo ein Anbieter rechtlich sitzt, keine akademische Übung. Proton AG unterliegt Schweizer Recht. Die Schweiz gilt gegenüber der EU als Land mit einem Angemessenheitsbeschluss, das heißt, Datenübermittlungen aus der EU in die Schweiz gelten grundsätzlich als zulässig, ohne dass es zusätzlicher Schutzmaßnahmen bedarf. Gleichzeitig unterliegt Proton auch dem Schweizer Datenschutzgesetz, das in weiten Teilen an die DSGVO angelehnt, aber nicht identisch ist. Proton wirbt damit, dass Schweizer Recht keine Vorratsdatenspeicherung für E-Mail-Inhalte vorschreibt und dass Behördenanfragen über ein transparentes gerichtliches Verfahren laufen müssen.
Mailfence sitzt dagegen direkt in Belgien und unterliegt damit unmittelbar der EU-DSGVO, ohne den Umweg über ein Drittstaaten-Abkommen. Für Unternehmen, Behörden oder Kanzleien in Österreich, die aus Compliance-Gründen explizit einen Anbieter mit Sitz innerhalb der EU verlangen, etwa weil interne Richtlinien Datenübermittlungen in Drittstaaten grundsätzlich ausschließen, ist das ein handfestes Argument für Mailfence. Wer dagegen vor allem Wert auf ein besonders strenges, historisch gewachsenes Datenschutzumfeld legt, wie es die Schweiz bietet, empfindet den Standort Genf als zusätzliches Vertrauensmerkmal. Beide Positionen sind in der Fachdiskussion legitim, es gibt keine pauschal sicherere Rechtsordnung, sondern unterschiedliche Schutzmodelle mit unterschiedlichen Kompromissen.
Für österreichische Einzelpersonen ändert die reine Verschlüsselung der Mailinhalte nichts an der grundsätzlichen DSGVO-Pflicht von Unternehmen, mit denen man per Mail kommuniziert. Ein verschlüsselter Posteingang schützt den eigenen Kommunikationskanal, ersetzt aber keine datenschutzkonforme Verarbeitung auf der Gegenseite. Relevant wird der Anbieterstandort vor allem dann, wenn es um behördliche Herausgabeanfragen geht: Schweizer Behörden können bei Proton unter bestimmten Voraussetzungen Daten anfordern, ebenso belgische und europäische Behörden bei Mailfence. Der Unterschied liegt weniger darin, ob eine Anfrage grundsätzlich möglich ist, sondern in den jeweiligen rechtsstaatlichen Verfahren, die eine solche Anfrage durchlaufen muss, bevor ein Anbieter überhaupt reagieren darf.
Funktionsumfang und Zusatzdienste
Proton hat sich in den letzten Jahren konsequent von einem reinen Mail-Anbieter zu einer kompletten Privatsphäre-Suite entwickelt. Wer das Unlimited-Abo bucht, bekommt neben dem Postfach ein VPN mit Servern in zahlreichen Ländern, Proton Drive als verschlüsselten Cloud-Speicher, Proton Pass als Passwort-Manager mit Passkey-Unterstützung und Proton Calendar für Termine. Alle Dienste teilen sich ein gemeinsames Konto und eine gemeinsame Speicherquote von bis zu 500 GB. Für Nutzer, die ohnehin ein VPN und einen Passwort-Manager suchen, ist das ein attraktives Bundle, weil man nicht drei separate Abos bei drei unterschiedlichen Anbietern bezahlen muss.
Mailfence verfolgt eine andere Logik: Statt in die Breite zu gehen, konzentriert sich der Dienst auf eine Google-Workspace-Alternative für Mail und Zusammenarbeit. Documents bietet eine Textverarbeitung und Tabellenkalkulation direkt im Browser, Groups ermöglicht Team- und Vereinskommunikation über gemeinsame Mailinglisten, und der Keystore verwaltet OpenPGP-Schlüssel zentral für alle verbundenen Geräte. Ein eigenes VPN-Produkt bietet Mailfence nicht an, wer das möchte, muss separat zu anderen Diensten greifen. Für kleine Teams, Vereine oder NGOs, die eine kollaborative Office-Alternative mit eingebauter Verschlüsselung suchen, aber kein VPN benötigen, kann der schlankere Zuschnitt von Mailfence sogar ein Vorteil sein, weil man nicht für ungenutzte Zusatzfunktionen mitzahlt.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Verwaltung mehrerer Benutzer unter einer gemeinsamen Domain. Proton bietet dafür eigene Business-Tarife mit zentraler Administration, in denen sich Postfächer, Speicherkontingente und Sicherheitsrichtlinien für ein ganzes Team verwalten lassen, eingebettet in dieselbe Oberfläche wie die privaten Proton-Produkte. Mailfence verfolgt bei Groups einen pragmatischeren Ansatz: Statt einer vollständigen Unternehmensverwaltung mit granularen Rollen stehen gemeinsame Mailinglisten und geteilte Kalender im Vordergrund, was für kleine Teams ausreicht, bei wachsender Mitarbeiterzahl aber schneller an Grenzen stößt als die Business-Variante von Proton.
E-Mail-Clients, IMAP und SMTP-Zugriff
Ein praktischer Punkt, der im Alltag schnell zum Ärgernis werden kann: Wie bekommt man die verschlüsselte Mailadresse in Outlook, Apple Mail oder Thunderbird? Bei Proton Mail funktioniert das nicht direkt über Standardprotokolle, weil die Zero-Access-Verschlüsselung eine Entschlüsselung außerhalb der eigenen Web- und Mobil-Apps erschwert. Die Lösung heißt Proton Mail Bridge: eine lokal installierte Software, die zwischen dem verschlüsselten Server und dem klassischen Mail-Client vermittelt und dabei lokal temporär IMAP- und SMTP-Schnittstellen bereitstellt. Die Bridge ist nur in bestimmten Bezahltarifen enthalten und muss auf jedem Gerät installiert werden, auf dem man einen klassischen Client nutzen will.
Mailfence verzichtet komplett auf diesen Zwischenschritt. Ab dem Entry-Tarif gibt es nativen IMAP-, POP-, SMTP- und sogar ActiveSync-Zugriff, sodass sich das Konto genauso einfach wie ein klassisches Postfach in jeden gängigen Client einrichten lässt, ganz ohne zusätzliche Software. Für Nutzer, die aus Gewohnheit an Outlook oder Apple Mail festhalten wollen oder mehrere Konten in einem einzigen Client verwalten, ist das ein klarer praktischer Vorteil von Mailfence. Wer ausschließlich über den Browser oder die mobilen Apps mailt, merkt diesen Unterschied dagegen kaum, weil beide Dienste dort unabhängig vom Bridge-Thema vollwertig funktionieren.
Benchmarks und unabhängige Testergebnisse
Direkte Geschwindigkeits-Benchmarks zwischen zwei E-Mail-Anbietern sind naturgemäß schwerer zu messen als etwa Browser-Benchmarks, weil Ladezeiten stark von Server-Standort, Internetverbindung und Caching abhängen. Unabhängige Testseiten bewerten die beiden Dienste deshalb meist entlang mehrerer Dimensionen: Verschlüsselungsstärke, Funktionsumfang, Preis-Leistung und Benutzerfreundlichkeit. Cloudwards attestiert Proton Mail in seiner aktuellen Bewertung unter cloudwards.net eine starke Position bei automatischer Verschlüsselung und Ökosystem-Integration, verweist aber auch auf die begrenzte Speicherkapazität im kostenlosen Tarif als Schwachpunkt.
Die Review-Plattform iTechGuides kommt in ihrer Bewertung von Mailfence, nachzulesen unter itechguides.com, zu dem Schluss, dass der Dienst vor allem bei Interoperabilität und Preis-Leistung im Einstiegssegment punktet, während die Benutzeroberfläche insgesamt weniger poliert wirkt als bei den großen Konkurrenten. Der direkte Anbieter-Vergleich von ForwardEmail, einem weiteren E-Mail-Dienst mit eigenem Fokus auf E-Mail-Weiterleitung, der unter forwardemail.net veröffentlicht wurde, hebt hervor, dass Proton Mail bei der reinen Verschlüsselungsautomatik vorne liegt, Mailfence dagegen bei der Offenheit der eingesetzten Standards. Übereinstimmend loben alle drei Quellen die Zwei-Faktor-Authentifizierung beider Dienste als solide Basis-Absicherung, ohne dass eine Quelle eine vollständige, unabhängige Penetrationstest-Zertifizierung für beide Anbieter gleichzeitig bestätigt. Wer belastbare, aktuelle Prüfberichte sucht, sollte deshalb direkt auf den Transparenzseiten der Anbieter nachsehen, da sich Zertifizierungsstände innerhalb eines Jahres ändern können.
Wichtig für die Einordnung dieser Testergebnisse: Die meisten verfügbaren Reviews bewerten E-Mail-Anbieter aus einer Verbraucherperspektive, mit Kriterien wie Preis, Bedienkomfort und Funktionsumfang, nicht aus einer rein kryptografischen Sicherheitsperspektive mit formalen Penetrationstests nach anerkannten Standards. Ein zusätzlicher Blick auf den Ruf unabhängiger Preisvergleichsseiten wie PrivacyOn, die mehrere privatsphäre-fokussierte E-Mail-Anbieter nebeneinander einordnet, zeigt ein ähnliches Bild: Beide Dienste zählen zu den etablierten Optionen im Markt für verschlüsselte E-Mail, mit unterschiedlichen Stärken je nach Nutzerprofil. Wer eine Einzelentscheidung auf Basis eines einzigen Testergebnisses treffen will, sollte deshalb immer mehrere Quellen querlesen, statt sich auf eine einzelne Rangliste zu verlassen.
Sicherheit, Audits und Transparenz
Bei einem Produkt, dessen gesamtes Versprechen auf Vertrauen beruht, zählt nicht nur die technische Architektur, sondern auch, wie offen ein Anbieter mit eigenen Schwachstellen und Behördenanfragen umgeht. Proton veröffentlicht regelmäßig Transparenzberichte, in denen die Firma dokumentiert, wie viele Behördenanfragen eingegangen sind und wie damit umgegangen wurde. Die Client-Anwendungen von Proton Mail sind größtenteils als Open Source veröffentlicht, sodass unabhängige Entwicklerinnen und Entwickler den Quellcode der Web-App, der mobilen Apps und der Bridge-Software einsehen können. Das schafft eine zusätzliche Kontrollebene, die bei rein proprietärer Software fehlt, auch wenn ein offener Quellcode allein keine Garantie gegen Implementierungsfehler ist.
Mailfence positioniert sich ähnlich, mit einem klaren Fokus auf offene kryptografische Standards statt auf eine komplett eigene Verschlüsselungsarchitektur. Weil Mailfence auf OpenPGP setzt, einem seit Jahrzehnten öffentlich geprüften Standard, profitiert der Dienst von der kollektiven Sicherheitsforschung rund um das Protokoll selbst, statt eine firmeneigene Kryptografie-Implementierung verteidigen zu müssen, die vollständig neu auditiert werden müsste. Für Nutzer bedeutet das einen pragmatischen Vorteil: Wer OpenPGP bereits versteht oder in anderen Tools wie GnuPG nutzt, kann das eigene Sicherheitsverständnis direkt auf Mailfence übertragen, ohne sich in ein komplett neues, proprietäres Verschlüsselungsmodell einarbeiten zu müssen.
Beide Anbieter setzen auf Zwei-Faktor-Authentifizierung als Basisschutz für den Kontozugang, unabhängig von der Verschlüsselung der Inhalte selbst. Das ist ein wichtiger Unterschied, der in Diskussionen oft vermischt wird: Eine starke Inhaltsverschlüsselung schützt die Mailtexte, verhindert aber nicht automatisch, dass sich jemand mit gestohlenem Passwort ins Konto einloggt. Nutzer, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten bei beiden Diensten die Zwei-Faktor-Authentifizierung unabhängig von der gewählten Verschlüsselungsmethode aktivieren und idealerweise einen Hardware-Sicherheitsschlüssel statt einer reinen App-basierten Authentifizierung verwenden, sofern der jeweilige Tarif das unterstützt.
Mobile Nutzung und Zugriff unterwegs
Für viele Nutzer entscheidet sich die Alltagstauglichkeit eines E-Mail-Dienstes nicht am Schreibtisch, sondern auf dem Smartphone. Proton Mail bietet hier den klareren Vorteil: Es gibt offizielle, aktiv gepflegte native Apps für Android und iOS, die direkt im jeweiligen App Store verfügbar sind und die automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Proton-Konten vollständig unterstützen. Push-Benachrichtigungen, biometrische Entsperrung und die Synchronisation mit Proton Calendar und Proton Drive funktionieren dort nahtlos, ohne zusätzliche Konfiguration.
Mailfence verzichtet bislang auf eine vergleichbare native App für Android und iOS. Der mobile Zugriff läuft stattdessen über die Browser-basierte Web-App, die zwar responsive gestaltet ist und auf Smartphones grundsätzlich funktioniert, aber nicht die gleiche Integration in das jeweilige Betriebssystem bietet wie eine native Anwendung. Für Nutzer, die unterwegs viel mailen, Benachrichtigungen in Echtzeit erwarten oder Fingerabdruck-Entsperrung nutzen wollen, ist das ein praktischer Nachteil gegenüber Proton. Wer dagegen überwiegend am Desktop arbeitet und das Smartphone nur gelegentlich für kurze Antworten nutzt, wird diesen Unterschied kaum spüren.
Praxisbeispiele aus dem Alltag
Abstrakte Feature-Listen helfen wenig, wenn man vor der konkreten Entscheidung steht. Fünf typische Situationen zeigen, wie sich die Unterschiede zwischen Proton Mail und Mailfence in der Praxis auswirken.
- Freelancer-Journalistin in Wien: Sie kommuniziert mit Quellen, die selbst keine Proton-Konten haben. Ohne automatisches Ende-zu-Ende-Verschlüsseln muss sie bei Proton auf die Passwort-Mail-Funktion zurückgreifen, bei Mailfence kann sie stattdessen klassisches PGP mit der Quelle austauschen, sofern diese ebenfalls einen PGP-Schlüssel nutzt.
- Kleine Anwaltskanzlei in Linz: Die Kanzlei braucht digitale Signaturen für rechtsverbindliche Korrespondenz und eine eigene Domain. Mailfence liefert beides ab dem Entry-Tarif günstiger als vergleichbare Proton-Pläne mit Domain-Unterstützung.
- Technikaffiner Privatnutzer in Graz: Er will ein VPN, einen Passwort-Manager und ein verschlüsseltes Postfach aus einer Hand, ohne drei Abos zu verwalten. Proton Unlimited bündelt genau das in einem Tarif und einer gemeinsamen Speicherquote.
- Verein oder NGO in Salzburg: Mehrere Freiwillige sollen über eine gemeinsame Mailingliste kommunizieren, zusätzlich braucht es ein einfaches Online-Dokument für Protokolle. Mailfence Groups und Documents decken das ohne zusätzliche Tools ab.
- Kleinunternehmer mit bestehendem Outlook-Setup: Er will nicht auf eine neue Web-App wechseln, sondern die verschlüsselte Adresse in sein bestehendes Outlook einbinden. Mailfence funktioniert hier ohne zusätzliche Bridge-Software, Proton erfordert die kostenpflichtige Bridge-Anwendung.
- IT-Administrator eines mittelständischen Betriebs in Innsbruck: Er verwaltet mehrere Mitarbeiter-Postfächer unter einer gemeinsamen Domain und will nicht für jedes Konto ein separates VPN mitbezahlen. Mailfence erlaubt den direkten IMAP-Zugriff für alle Konten ab dem Entry-Tarif, ohne dass pro Nutzer eine zusätzliche Bridge-Lizenz anfällt.
- Vielreisender Berater, der hauptsächlich mobil arbeitet: Er beantwortet die meisten Mails unterwegs vom Smartphone aus und erwartet Push-Benachrichtigungen in Echtzeit. Die offiziellen, nativen Proton-Apps für Android und iOS liefern hier ein spürbar flüssigeres Erlebnis als der browserbasierte mobile Zugriff von Mailfence.
Diese sieben Szenarien zeigen: Es gibt kein universell besseres Produkt, sondern unterschiedliche Prioritäten, die zu unterschiedlichen Empfehlungen führen.
Welcher Dienst passt zu wem?
Basierend auf den oben beschriebenen Praxisfällen lassen sich klare Empfehlungen ableiten, je nachdem, welche Anforderung im Vordergrund steht.
- Einsteiger ohne technisches Vorwissen: Proton Mail, weil die Verschlüsselung automatisch läuft und keine Schlüsselverwaltung nötig ist.
- Nutzer mit bestehender PGP-Infrastruktur: Mailfence, weil der Dienst auf Standard-OpenPGP setzt und mit jedem anderen PGP-fähigen Client kompatibel ist.
- Wer VPN, Cloud-Speicher und Passwort-Manager aus einer Hand will: Proton Mail über das Unlimited-Abo, weil alle Dienste im Preis enthalten sind.
- Vereine, Teams und kleine NGOs mit Kollaborationsbedarf: Mailfence, wegen Groups, Documents und gemeinsamer Mailinglisten in einem günstigen Tarif.
- Nutzer mit festem Outlook- oder Thunderbird-Setup: Mailfence, weil der native IMAP/SMTP-Zugriff ohne Zusatzsoftware funktioniert.
- Kanzleien und Behörden mit Nachweispflicht: Mailfence, wegen der expliziten Unterstützung digitaler Signaturen über OpenPGP.
- Nutzer, die besonderen Wert auf die Schweizer Rechtslage legen: Proton Mail, aufgrund des Firmensitzes in Genf.
Spam-Filter und Schutz vor Phishing
Verschlüsselung schützt vor dem Mitlesen durch Dritte, aber nicht automatisch vor Spam oder Phishing-Versuchen, die über den normalen Posteingang eintreffen. Proton Mail setzt serverseitige Spam-Filterung ein, die verdächtige Nachrichten vor der Zustellung in einen separaten Ordner verschiebt, kombiniert mit Absender-Reputationsprüfungen, die typische Massenversand-Muster erkennen. Weil Proton die Inhalte verschlüsselter Nachrichten selbst nicht einsehen kann, bezieht sich diese Filterung in erster Linie auf Metadaten, Absenderadressen und bekannte Phishing-Muster, nicht auf eine inhaltliche Analyse des eigentlichen Nachrichtentexts bei Ende-zu-Ende-verschlüsselten Mails.
Mailfence verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit eigener Spam- und Phishing-Erkennung, die unabhängig von der gewählten OpenPGP-Verschlüsselung arbeitet. Da ein großer Teil der eingehenden Mails bei Mailfence-Nutzern naturgemäß nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, sondern aus dem offenen Internet kommt, kann die Filterung hier zusätzlich auf den eigentlichen Nachrichteninhalt zugreifen. In der Praxis unterscheidet sich die gefühlte Spam-Belastung bei beiden Diensten kaum von anderen etablierten Mail-Anbietern, wichtiger als die reine Filterqualität ist für die meisten Nutzer ohnehin die Frage, wie transparent ein Anbieter mit falsch eingeordneten Nachrichten umgeht und wie einfach sich Filterregeln manuell anpassen lassen.
Datensicherung, Export und Backup
Ein oft unterschätzter Aspekt beim Anbieterwechsel oder bei der langfristigen Datenhaltung ist die Frage, wie leicht sich eigene Mails exportieren lassen, falls man den Dienst wechseln oder einfach ein lokales Backup anlegen möchte. Proton Mail erlaubt den Export über die Export-Funktion der Bridge-Anwendung oder über spezialisierte Exportwerkzeuge, die Nachrichten im Standard-EML- oder MBOX-Format sichern. Weil die Mailbox serverseitig verschlüsselt gespeichert ist, muss der Export zwingend über ein autorisiertes Proton-Werkzeug laufen, ein direkter Datenbank-Dump ist aus Sicherheitsgründen nicht vorgesehen.
Mailfence bietet einen vergleichbaren Export über die Kontoeinstellungen an, ebenfalls im EML- oder MBOX-Format, zusätzlich lassen sich Kalendereinträge und Kontakte über offene Standardformate wie iCal und vCard exportieren. Weil Mailfence von Anfang an auf Standardprotokolle setzt, lässt sich ein vollständiges lokales Backup bei Bedarf auch einfach über einen klassischen IMAP-Client wie Thunderbird ziehen, ohne dass dafür ein zusätzliches, anbieterspezifisches Werkzeug installiert werden muss. Für Nutzer, die regelmäßige, automatisierte Backups außerhalb der Anbieter-Infrastruktur wollen, ist das ein praktischer Pluspunkt von Mailfence.
Umstieg: Von Proton Mail zu Mailfence wechseln
Ein Anbieterwechsel bei E-Mail ist nie trivial, weil die eigene Adresse oft seit Jahren auf Visitenkarten, in Verträgen und bei Online-Diensten hinterlegt ist. Wer trotzdem von Proton Mail zu Mailfence wechseln will, etwa wegen des nativen IMAP-Zugriffs oder der EU-Jurisdiktion, sollte strukturiert vorgehen.
- Schritt 1: Mailfence-Konto im gewünschten Tarif anlegen und eigene Domain, falls vorhanden, verifizieren.
- Schritt 2: Alle bestehenden Proton-Mail-Nachrichten über den Export im EML- oder MBOX-Format sichern.
- Schritt 3: Den Export per IMAP-Migration oder manuellem Re-Upload in das neue Mailfence-Postfach übertragen.
- Schritt 4: OpenPGP-Schlüsselpaar im Mailfence-Keystore erzeugen und den öffentlichen Schlüssel an wichtige Kontakte verteilen.
- Schritt 5: Bei bestehenden Kontakten prüfen, ob eine manuelle PGP-Vereinbarung nötig ist, um die verschlüsselte Kommunikation nach dem Wegfall der automatischen Proton-Verschlüsselung fortzusetzen.
- Schritt 6: Die alte Proton-Adresse für eine Übergangszeit von mehreren Monaten als Weiterleitung auf die neue Mailfence-Adresse einrichten.
- Schritt 7: Alle Online-Dienste, Newsletter und Behördenkontakte sukzessive auf die neue Adresse umstellen.
- Schritt 8: Erst nach Ablauf der Übergangszeit das alte Proton-Konto kündigen oder auf den kostenlosen Tarif zurückstufen.
Der umgekehrte Weg, von Mailfence zu Proton Mail, läuft im Prinzip identisch, nur dass hier am Ende statt eines OpenPGP-Schlüsselpaars die automatische Zero-Access-Verschlüsselung zwischen Proton-Konten tritt und für Mail-Client-Zugriff zusätzlich die Bridge-Software installiert werden muss.
Vor- und Nachteile im Überblick
Zur schnellen Orientierung lassen sich die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente beider Dienste gegenüberstellen.
- Proton Mail Vorteile: automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne Schlüsselverwaltung, großes Ökosystem mit VPN, Drive und Pass, starke Markenbekanntheit, offizielle native Mobile-Apps.
- Proton Mail Nachteile: kein nativer IMAP/SMTP-Zugriff ohne kostenpflichtige Bridge, geringer kostenloser Speicher, höhere Kosten, wenn man nur ein Postfach ohne Zusatzdienste braucht.
- Mailfence Vorteile: standardkonformes OpenPGP, digitale Signaturen, nativer IMAP/POP/SMTP-Zugriff ab Entry-Tarif, günstigerer Einstieg mit eigener Domain, EU-Jurisdiktion in Belgien.
- Mailfence Nachteile: Verschlüsselung läuft nicht automatisch, kein eigenes VPN-Produkt, weniger poliertes Interface, kleinere Nutzerbasis und geringere Markenbekanntheit.
Verdict: Das Ergebnis in Zahlen
Zieht man eine nüchterne Bilanz, zeigt sich kein eindeutiger Gesamtsieger, sondern zwei Produkte mit unterschiedlichem Zuschnitt. Proton Mail kostet im Unlimited-Tarif ab 9,99 Euro monatlich bei Jahresabrechnung und liefert dafür 500 GB geteilten Speicher plus VPN, Drive, Pass und Calendar, ein Gesamtpaket, das bei separatem Einkauf dieser Einzeldienste deutlich teurer wäre. Mailfence kommt im Entry-Tarif schon ab 3,50 Euro monatlich mit eigener Domain und nativem IMAP-Zugriff aus, ohne dass man für ein VPN mitzahlt, das man vielleicht gar nicht braucht. Bei der Verschlüsselung gewinnt Proton Mail den Vergleich für Einsteiger, weil Zero-Access-Verschlüsselung ohne jede Konfiguration funktioniert. Bei Standardkonformität und Interoperabilität gewinnt Mailfence, weil OpenPGP mit praktisch jedem anderen verschlüsselungsfähigen Dienst zusammenarbeitet. Bei der Rechtslage hängt die Entscheidung von persönlicher Präferenz ab: Schweizer Recht bei Proton gegen direkte EU-DSGVO-Zuständigkeit bei Mailfence.
Für die meisten Privatnutzer in Österreich, die einfach eine sichere, bequeme Mailadresse ohne Zusatzaufwand wollen, bleibt Proton Mail die praktischere Standardwahl. Für technisch versierte Nutzer, kleine Teams, Kanzleien mit Signaturbedarf und alle, die aus Compliance-Gründen explizit einen EU-Anbieter benötigen, ist Mailfence die begründetere Alternative. Wer beide Welten testen will, kann in beiden Fällen kostenlos mit dem Free-Tarif starten und erst danach auf einen Bezahltarif upgraden.
Am Ende lohnt es sich, die eigene Entscheidung nicht allein am Preis festzumachen, sondern an der Frage, wie man tatsächlich mailt. Wer täglich mit mehreren Geräten, bestehenden Outlook-Regeln und gewachsenen Kontaktlisten arbeitet, wird den nativen IMAP-Zugriff von Mailfence schnell schätzen lernen. Wer dagegen bei null anfängt und ohnehin ein VPN und einen Passwort-Manager sucht, holt aus dem Proton-Bundle den größeren Gegenwert pro ausgegebenem Euro. Beide Wege führen zu einem spürbar privateren Posteingang als ein werbefinanzierter Gratis-Dienst, nur die Route dorthin unterscheidet sich deutlich.
Häufig gestellte Fragen
Ist Proton Mail sicherer als Mailfence?
Beide Dienste bieten starke Verschlüsselung, aber nach unterschiedlichen Prinzipien. Proton Mail verschlüsselt automatisch zwischen Proton-Konten, Mailfence setzt auf nutzerseitig verwaltetes OpenPGP mit zusätzlichen digitalen Signaturen. Keiner der beiden Ansätze ist pauschal sicherer, sie unterscheiden sich in Bedienkomfort und Standardkonformität.
Welcher Dienst ist für Einsteiger ohne technisches Vorwissen besser geeignet?
Proton Mail, weil die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Proton-Konten automatisch funktioniert und keine eigene Schlüsselverwaltung notwendig ist.
Kann ich Mailfence oder Proton Mail direkt in Outlook einrichten?
Bei Mailfence funktioniert das ab dem Entry-Tarif über nativen IMAP-, POP- und SMTP-Zugriff ohne Zusatzsoftware. Bei Proton Mail braucht es dafür die kostenpflichtige Proton Mail Bridge-Anwendung.
Welcher Anbieter ist für österreichische Nutzer aus Datenschutzsicht relevant?
Proton unterliegt Schweizer Recht mit einem Angemessenheitsbeschluss gegenüber der EU, Mailfence unterliegt direkt der EU-DSGVO durch den Firmensitz in Belgien. Beide Rechtsordnungen bieten starken Datenschutz, nach unterschiedlichen rechtlichen Mechanismen.
Was kostet der günstigste Bezahltarif bei beiden Anbietern?
Mailfence startet bei rund 2,50 Euro monatlich im Base-Tarif bei Jahresabrechnung, Proton Mail Plus liegt bei rund 3,99 Euro monatlich im gleichen Abrechnungsmodell. Die konkreten Leistungen unterscheiden sich, daher lohnt ein Blick auf die Funktionstabelle oben.
Bietet Mailfence ein eigenes VPN wie Proton an?
Nein, Mailfence konzentriert sich auf E-Mail, Dokumente, Kalender und Gruppenkommunikation, bietet aber kein eigenes VPN-Produkt an. Proton bündelt sein VPN im Unlimited-Tarif mit dem Postfach.
Unterstützen beide Dienste digitale Signaturen?
Mailfence bietet digitale Signaturen explizit über OpenPGP an, was besonders für Kanzleien und Behörden mit Nachweispflicht relevant ist. Proton Mail bietet diese Funktion nicht in vergleichbar expliziter Form an.
Kann ich problemlos von einem Anbieter zum anderen wechseln?
Ja, beide Dienste erlauben den Export bestehender Mails im EML- oder MBOX-Format. Der eigentliche Aufwand liegt meist darin, Kontakte, Newsletter-Anmeldungen und Behördenkorrespondenz schrittweise auf die neue Adresse umzustellen, wie im Umstiegs-Abschnitt oben beschrieben.
Welcher Dienst hat die größere Nutzerbasis?
Proton wirbt mit rund 100 Millionen Nutzern über sein gesamtes Produktportfolio hinweg, wobei diese Zahl nicht ausschließlich Proton-Mail-Konten umfasst. Für Mailfence liegt keine vergleichbare, aktuelle Gesamtnutzerzahl vor, der Dienst gilt insgesamt als deutlich kleiner und weniger bekannt als Proton.
Eignet sich einer der beiden Dienste besonders für Vereine oder NGOs?
Mailfence ist durch die Kombination aus Groups, gemeinsamen Mailinglisten, Dokumenten und einem günstigen Einstiegstarif mit eigener Domain oft die praktischere Wahl für kleine Vereine und NGOs, die Zusammenarbeit und Verschlüsselung in einem Konto suchen, ohne für ein ungenutztes VPN mitzubezahlen.
