Wer nach einem Firefox ohne Google-Anbindung und ohne Datensammelei sucht, landet fast immer bei zwei Namen: Mullvad Browser und LibreWolf. Beide basieren auf demselben Quellcode, verfolgen aber gegensätzliche Strategien gegen Tracking. Mullvad Browser kopiert das Tor-Prinzip der Einheitlichkeit, LibreWolf setzt auf eine gehärtete Version des gewohnten Firefox. Dieser Vergleich zeigt, welcher der beiden Firefox-Forks für welchen Anwendungsfall taugt, was aktuelle Testdaten, CVE-Einträge und die Community-Bewertung von Privacy Guides tatsächlich sagen, und wie der Umstieg in der Praxis abläuft.
Zwei Firefox-Forks, zwei völlig verschiedene Philosophien
Auf den ersten Blick wirken Mullvad Browser und LibreWolf wie direkte Konkurrenten. Beide entfernen Firefox-Telemetrie, beide blockieren Tracker standardmäßig, beide kosten nichts. Der Unterschied liegt tiefer, nämlich im Grundprinzip gegen Fingerprinting. Mullvad Browser, gemeinsam von Mullvad VPN AB und dem Tor Project entwickelt, verfolgt das Ziel, dass alle Nutzer identisch aussehen. Jeder Rechner soll dieselbe Canvas-Signatur, dieselben Schriftarten und dieselbe User-Agent-Kennung liefern, damit Webseiten niemanden herausgreifen können. LibreWolf verfolgt den entgegengesetzten Ansatz: Es härtet Firefox so weit wie möglich ab, ohne die Kompatibilität mit Alltagsseiten zu opfern, bleibt dabei aber ein individuell konfigurierbarer Browser mit eigenem Fingerabdruck pro Installation.
Für Leser in Österreich ist das mehr als graue Theorie. Wer online Behördenwege über oesterreich.gv.at erledigt, Onlinebanking nutzt oder als Journalist brisant recherchiert, braucht unterschiedliche Schutzlevel. Ein Zahnarzttermin online buchen verlangt keine Tor-artige Anonymität, eine Recherche zu einem Compliance-Skandal dagegen schon. Genau an diesem Punkt trennen sich die beiden Browser in der Praxis.
Beide Projekte haben zudem unterschiedliche Trägerstrukturen, was sich langfristig auf Vertrauen und Finanzierung auswirkt. Mullvad VPN AB ist ein eingetragenes schwedisches Unternehmen mit einem klaren Geschäftsmodell über VPN-Abonnements, das seit Jahren dieselbe Preispolitik fährt und den Browser als kostenlose Ergänzung zur eigenen Marke pflegt. LibreWolf dagegen wird von einer losen Gruppe freiwilliger Entwickler getragen, ohne Firmenkonstrukt im Hintergrund, was einerseits völlige Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen bedeutet, andererseits aber auch weniger institutionelle Verlässlichkeit bei Fragen wie langfristiger Wartung oder Reaktionszeit auf gemeldete Fehler.
Warum Standardbrowser wie Chrome oder Edge nicht ausreichen
Bevor der direkte Vergleich beginnt, lohnt ein Blick auf das eigentliche Problem. Chrome, Edge und selbst ein unveränderter Firefox sammeln in ihrer Standardkonfiguration weit mehr Daten, als den meisten Nutzern bewusst ist. Werbe-IDs, Synchronisationsdienste, Telemetrie-Pings an den Hersteller und eine im Hintergrund laufende Fülle an Tracking-Skripten Dritter sind bei diesen Browsern aktiv, sobald man sie installiert. Für alltägliche Zwecke mag das tolerierbar erscheinen, für Berufsgruppen mit erhöhtem Schutzbedarf, etwa Anwältinnen, Journalisten oder Menschen in beruflich sensiblen Positionen, wird daraus schnell ein echtes Risiko.
Auch aus rechtlicher Sicht spielt das Thema in Österreich eine wachsende Rolle. Unternehmen, die unter die DSGVO fallen, müssen nachweisen können, welche Daten über Website-Besucher erhoben werden, und viele IT-Abteilungen prüfen inzwischen aktiv, welche Browser sich für Mitarbeitende mit Zugriff auf sensible Systeme eignen. Ein gehärteter Firefox-Fork wie LibreWolf reduziert dabei die Angriffsfläche, ohne dass Mitarbeitende auf gewohnte Erweiterungen verzichten müssen. Mullvad Browser wiederum eignet sich eher für einzelne, klar abgegrenzte Aufgaben, etwa Recherchen zu einem laufenden Verfahren, bei denen Rückverfolgbarkeit unbedingt vermieden werden soll. Beide Browser lösen damit unterschiedliche Teile desselben Grundproblems: dass der Standardbrowser selbst zur Datenquelle wird, ganz ohne dass eine Website aktiv danach fragt.
Mullvad Browser: Tor-Technologie ohne Tor-Netzwerk
Mullvad Browser übernimmt den Code des Tor Browser, verzichtet aber auf das Tor-Netzwerk selbst. Der Datenverkehr läuft über die normale Internetverbindung oder optional über ein VPN, während die Anti-Fingerprinting-Technik erhalten bleibt. Aktuell liegt die stabile Version bei 15.0.20, veröffentlicht am 18. August 2026 laut Mullvads offizieller Download-Seite für Windows. Zwischen dem 28. April und dem 18. August 2026 zählte Mullvad mindestens sieben Versionssprünge (15.0.11 bis 15.0.20), was auf einen Update-Rhythmus von grob zwei bis drei Wochen hindeutet.
Der Browser startet standardmäßig im permanenten privaten Modus. Es gibt keine dauerhafte Chronik, keine gespeicherten Formulardaten über Sitzungen hinweg. Eine Alpha-Reihe (16.0a1, 16.0a9) testet bereits einen Wechsel von Firefox ESR auf den schnelleren Rapid-Release-Kanal von Firefox und bringt laut Mullvads Blog erstmals Unterstützung für Linux ARM. Privacy Guides, eine der strengsten unabhängigen Empfehlungsseiten für Datenschutz-Tools, führt Mullvad Browser auf seiner Liste empfohlener Desktop-Browser. Das ist keine Kleinigkeit: Die Community-Betreiber von Privacy Guides betonen in ihrem eigenen Forum ausdrücklich, dass nicht jedes Datenschutz-Tool automatisch gelistet wird, sondern nur, was das Team als das derzeit beste verfügbare Werkzeug einstuft.
LibreWolf: Der gehärtete Firefox für den Alltag
LibreWolf verfolgt eine pragmatischere Linie. Statt Nutzer in einer möglichst großen anonymen Masse verschwinden zu lassen, entfernt das Projekt Telemetrie, Werbe-IDs und Firefox-Konten-Zwang und schärft die eingebauten Tracking-Schutzfunktionen von Firefox nach. Die aktuelle stabile Version ist 154.0.1-2, veröffentlicht am 26. August 2026 laut LibreWolfs Wikipedia-Eintrag und dem Software-Katalog UpdateStar. Anders als Mullvad Browser folgt LibreWolf dem schnellen Rapid-Release-Takt von Firefox: Allein zwischen dem 30. Juli und dem 18. August 2026 erschienen auf Windows mindestens vier Versionen (153.0.1-1 bis 154.0-2), gefolgt von 154.0.1-2 acht Tage später.
Standardmäßig löscht LibreWolf Cookies und Browserdaten beim Schließen, lässt sich aber pro Website oder dauerhaft anders konfigurieren. Das Projekt wird von einer Open-Source-Community getragen, nicht von einem Unternehmen mit Geschäftsmodell im Hintergrund. Genau diese fehlende institutionelle Anbindung ist vermutlich auch der Grund, warum Privacy Guides den Browser bislang nicht offiziell gelistet hat, obwohl im projekteigenen Diskussionsforum wiederholt danach gefragt wird. Das bedeutet nicht, dass LibreWolf unsicher ist, es zeigt nur, wie hoch die Latte bei einer Empfehlungsseite liegt, die pro Kategorie meist nur eine Handvoll Tools führt.
Technische Basis: Firefox ESR gegen Rapid Release
Der Unterbau erklärt viele Unterschiede im Verhalten beider Browser. Mullvad Browser basiert in der stabilen 15.x-Reihe auf Firefox ESR, der Extended Support Release, die auf Stabilität statt auf neue Funktionen setzt. Sicherheitsupdates kommen seltener, dafür bricht selten etwas an bestehenden Funktionen. Die Alpha-Reihe 16.0 wechselt testweise auf den Rapid-Release-Kanal, den auch reguläre Firefox-Versionen nutzen, was künftig häufigere, aber auch invasivere Updates bedeuten dürfte.
Dieser Unterschied ist kein Detail für Fachpublikum, er bestimmt direkt, wie sich beide Browser über Monate hinweg anfühlen. ESR-basierte Software eignet sich für Umgebungen, in denen Vorhersehbarkeit zählt, etwa auf einem Firmenrechner, der zentral verwaltet wird und nicht wöchentlich neue Bedienoberflächen zeigen soll. Rapid-Release-Software bringt neue Firefox-Sicherheitsfunktionen dagegen fast zeitgleich mit dem offiziellen Firefox selbst, verlangt im Gegenzug aber eine gewisse Toleranz gegenüber gelegentlichen kleinen Änderungen an Menüs oder Verhalten einzelner Websites.
Warum LibreWolf öfter aktualisiert wird
LibreWolf setzt bereits heute konsequent auf den Rapid-Release-Kanal von Firefox. Die Versionsnummer folgt direkt der jeweiligen Firefox-Hauptversion, aktuell 154.0.1, wie ein Vergleich auf MajorGeeks zeigt, wo LibreWolf 154.0.1-2 direkt neben “Mozilla Firefox 154.0.1 Final” aufgeführt wird. Das bringt neue Sicherheitspatches schneller zu den Nutzern, erhöht aber auch das Risiko, dass ein Update kurzfristig eine Erweiterung oder Website-Funktion bricht. Wer Stabilität über Aktualität stellt, empfindet den ESR-Ansatz von Mullvad Browser oft als angenehmer.
Fingerprinting-Schutz: Der entscheidende Unterschied
Browser-Fingerprinting ist die Methode, mit der Werbenetzwerke Nutzer auch ohne Cookies wiedererkennen, indem sie Bildschirmauflösung, installierte Schriften, Canvas-Rendering und Dutzende weitere Merkmale zu einer eindeutigen Signatur kombinieren. Genau hier trennen sich die Wege der beiden Browser am deutlichsten.
Mullvad Browser reduziert diese Angriffsfläche, indem er versucht, dass jede Installation exakt gleich aussieht, also die Tor-Browser-Logik: Uniformität statt Individualität. Ein im offiziellen Tor-Project-Forum veröffentlichter Praxistest bestätigt dieses Verhalten. Der Nutzer testete Mullvad Browser sowohl mit dem EFF-Werkzeug Cover Your Tracks als auch mit BrowserLeaks und stellte fest, dass der Canvas-Fingerabdruck dort als “100 % einzigartig” markiert wurde, exakt wie er es von Tor Browser gewohnt war. Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber technisch korrekt: Testtools wie BrowserLeaks bewerten die Einzigartigkeit gegenüber einer breiten Nutzerbasis, nicht gegenüber der viel kleineren Gruppe an Mullvad- oder Tor-Browser-Nutzern, innerhalb derer die Werte tatsächlich identisch ausfallen.
LibreWolf verfolgt keine Uniformitäts-Strategie. Stattdessen blockiert es bekannte Tracking-Skripte über schärfere Firefox-Einstellungen und reduziert dadurch die Menge an sammelbaren Daten spürbar, ohne aber den individuellen Fingerabdruck vollständig zu verschleiern. Für den öffentlich einsehbaren Forschungsstand gilt: Zu LibreWolf existiert derzeit kein veröffentlichter, numerischer Fingerprinting-Testwert von Cover Your Tracks oder BrowserLeaks, der sich zitieren ließe. Das ist selbst eine Aussage: Mullvad Browser wird in diesem spezifischen Testfeld aktiv referenziert, LibreWolf bislang nicht.
Konkret setzt sich ein Fingerabdruck aus vielen Einzelteilen zusammen, die für sich genommen harmlos wirken, in Kombination aber fast jeden Rechner eindeutig machen: die Liste installierter Schriftarten, das exakte Rendering-Verhalten der Grafikkarte beim Zeichnen eines unsichtbaren Canvas-Elements, die Reaktionszeiten des Audio-Systems, die Bildschirmauflösung samt Skalierungsfaktor und die Reihenfolge, in der HTTP-Header gesendet werden. Mullvad Browser normiert möglichst viele dieser Werte auf einen gemeinsamen Nenner, etwa eine feste, kleine Auswahl an Schriftarten statt der individuell installierten. LibreWolf blockiert stattdessen viele der Skripte, die diese Werte überhaupt erst systematisch auslesen, greift also eine Ebene früher in der Angriffskette an. Beide Strategien senken das Risiko, keine davon eliminiert es vollständig.
Telemetrie, Tracking-Schutz und Standardeinstellungen
Beide Projekte eint das Grundversprechen, keine Nutzungsdaten an Mozilla oder an den jeweiligen Herausgeber zu senden. Mullvad Browser übernimmt dafür direkt die gehärteten Tor-Browser-Voreinstellungen: keine Werbe-ID, keine “gesponserten” Kacheln auf der Startseite, kein automatisches Nachladen von Firefox-Diensten wie Pocket. LibreWolf entfernt dieselben Mozilla-Dienste manuell aus dem Quellcode und dokumentiert jede Änderung öffentlich auf GitHub, was Sicherheitsforschern eine Nachvollziehbarkeit erlaubt, die bei geschlosseneren Projekten fehlt.
Ein about:config-Blick verrät den Unterschied in der Praxis. LibreWolf setzt etwa privacy.resistFingerprinting zusammen mit dutzenden weiteren Flags, erlaubt Nutzern aber, jede einzelne Einstellung individuell zu übersteuern. Mullvad Browser sperrt einen Großteil dieser Werte bewusst fester, damit einzelne Nutzer nicht versehentlich aus der einheitlichen Masse herausfallen und dadurch wieder identifizierbar werden. Wer selbst nachsehen will, findet die relevanten Schalter direkt im Browser:
about:config
privacy.resistFingerprinting = true
privacy.trackingprotection.enabled = true
network.cookie.cookieBehavior = 5
webgl.disabled = true
In Mullvad Browser sind diese Werte fix vorgegeben und lassen sich über die Oberfläche kaum verändern. In LibreWolf sind sie Standard, aber jederzeit anpassbar, was Kompatibilitätsprobleme mit einzelnen Webseiten löst, gleichzeitig aber die eigene Konfiguration wieder ein Stück eindeutiger macht.
Geschwindigkeit, Kompatibilität und Erweiterungen
Zu offiziellen Benchmark-Zahlen wie Speedometer- oder JetStream-Werten hat keiner der beiden Hersteller aktuelle, öffentlich zitierfähige Ergebnisse veröffentlicht. Was sich aus der Architektur ableiten lässt: Beide Browser laufen auf derselben Firefox-Rendering-Engine wie das Original, die grundsätzliche Ladegeschwindigkeit unterscheidet sich also kaum. Unterschiede entstehen im Alltag eher durch das jeweilige Blockierverhalten. Weil LibreWolf viele Tracking- und Werbeserver gar nicht erst kontaktiert, laden Seiten mit aggressiver Drittanbieter-Werbung teils spürbar schneller. Mullvad Browsers strengere Voreinstellungen wie deaktiviertes WebGL kosten dagegen bei einzelnen, stark interaktiven Webanwendungen sichtbar Funktionalität.
Bei Erweiterungen zeigt sich der grundsätzliche Philosophie-Unterschied erneut. LibreWolf unterstützt reguläre Firefox-WebExtensions ohne Einschränkung, inklusive Passwort-Managern, Werbeblockern und Produktivitäts-Tools, und eignet sich dadurch als vollwertiger Alltagsbrowser. Mullvad Browser rät von zusätzlichen Erweiterungen ausdrücklich ab, weil jede installierte Erweiterung die sorgfältig austarierte Einheitlichkeit des Fingerabdrucks wieder aufbricht. Wer in Mullvad Browser einen Passwort-Manager als Add-on installiert, macht die eigene Installation potenziell wieder eindeutig unterscheidbar von allen anderen Mullvad-Browser-Nutzern.
In der Praxis merkt man den Unterschied besonders bei interaktiven Web-Anwendungen. Kartendienste, Design-Tools im Browser oder Video-Konferenzsysteme greifen häufig auf WebGL oder ähnliche Grafik-Schnittstellen zurück, die in Mullvad Browser standardmäßig blockiert sind. Wer regelmäßig mit solchen Diensten arbeitet, stößt in Mullvad Browser schneller an Grenzen als in LibreWolf, das diese Schnittstellen offen lässt und stattdessen selektiver bei Tracking-Anfragen filtert. Für kurze, abgeschlossene Recherche-Sitzungen ist dieser Kompromiss meist unproblematisch, für einen dauerhaften Arbeitsalltag mit vielen Web-Apps wird er schnell lästig.
Sicherheitslücken und Update-Tempo im Vergleich
Ein Blick in die CVE-Datenbank OpenCVE zeigt einen relevanten Unterschied in der jüngeren Sicherheitshistorie. Für LibreWolf ist CVE-2025-11940 verzeichnet, eine Schwachstelle mit hohem Schweregrad (CVSS 7) im Windows-Installer (assets/setup.nsi), konkret ein sogenanntes Uncontrolled-Search-Path-Problem. Betroffen waren Versionen bis 143.0.4-1, behoben wurde die Lücke mit Version 144.0-1. Der Angriff erfordert lokalen Zugriff und gilt als technisch aufwendig, ist aber real dokumentiert und öffentlich nachvollziehbar.
Für Mullvad Browser selbst listet OpenCVE aktuell keinen eigenen CVE-Eintrag. Zu beachten ist ein wichtiger Unterschied: Zwei 2026 gemeldete Schwachstellen, CVE-2026-32323 (CVSS 7.3, hoch) und CVE-2026-19380 (CVSS 2.3, niedrig, betrifft Wireguard.sys), betreffen die separate Mullvad-VPN-App und deren Windows-Treiber, nicht den Browser. Wer beide Produkte im Namen “Mullvad” vermischt, zieht daraus leicht falsche Schlüsse, die beiden Lücken haben mit der Browser-Sicherheit nichts zu tun.
Beim Update-Tempo liegt LibreWolf klar vorn: Allein im Zeitraum Ende Juli bis Ende August 2026 erschienen mindestens fünf Versionen. Mullvad Browser kam im selben Zeitraum auf zwei bis drei Updates. Häufigere Updates bedeuten schnellere Sicherheitspatches, erhöhen aber auch die Zahl möglicher Regressionen. Beide Ansätze sind legitim, sie bedienen aber unterschiedliche Prioritäten zwischen Stabilität und Aktualität.
Bemerkenswert ist auch, wie beide Projekte mit gefundenen Lücken umgehen. Der LibreWolf-Installer-Fehler wurde öffentlich in der CVE-Datenbank dokumentiert, mit exaktem Patch-Commit und klarer Versionsangabe, was Sicherheitsteams eine unkomplizierte Nachvollziehbarkeit erlaubt. Für Mullvad Browser lässt sich dieser Prozess mangels eigener CVE-Historie bislang nicht in gleicher Tiefe bewerten, was sowohl bedeuten kann, dass bislang schlicht keine meldepflichtige Lücke gefunden wurde, als auch, dass das Projekt insgesamt eine kleinere Angriffsfläche und weniger komplexe Zusatzkomponenten wie einen Windows-Installer mit Drittanbieter-Abhängigkeiten aufweist.
Spezifikationen im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die technischen Eckdaten beider Browser mit Stand August 2026 zusammen.
| Merkmal | Mullvad Browser | LibreWolf |
|---|---|---|
| Aktuelle stabile Version | 15.0.20 (18.08.2026) | 154.0.1-2 (26.08.2026) |
| Basis-Engine | Firefox ESR (Alpha 16.0: Rapid Release) | Firefox Rapid Release |
| Entwickler | Mullvad VPN AB und Tor Project | Open-Source-Community |
| Preis | Kostenlos | Kostenlos |
| Plattformen | Windows, macOS, Linux (Alpha zusätzlich Linux ARM) | Windows, macOS (Intel und Apple Silicon), Linux |
| Fingerprinting-Ansatz | Uniformer Fingerabdruck (Tor-Browser-Stil) | Individuell gehärteter Fingerabdruck |
| Tor-Netzwerk-Routing | Nein, aber Tor-Browser-Technik | Nein, manuell koppelbar |
| Datenspeicherung standardmäßig | Permanenter privater Modus, keine Chronik | Löscht Daten beim Beenden, konfigurierbar |
| Update-Kadenz 2026 | Ca. alle 2-3 Wochen | Mehrmals pro Monat, teils wöchentlich |
| Privacy-Guides-Empfehlung | Ja, gelistet | Nein, nicht gelistet |
| Bekannte browserspezifische CVEs 2025/26 | Keine gelistet | CVE-2025-11940 (behoben in 144.0-1) |
| Erweiterungen | Nicht empfohlen (Fingerprint-Risiko) | Voll unterstützt, Standard-WebExtensions |
| Ideal für | Anonymes Surfen, sensible Recherche | Alltägliche Nutzung mit Logins |
Einordnung: Wie schlagen sich beide gegen Tor Browser und Brave?
Mullvad Browser und LibreWolf existieren nicht im luftleeren Raum. Wer bereits shattered.io-Vergleiche zu Tor Browser gegen Brave oder Brave gegen Firefox gelesen hat, kennt die beiden naheliegendsten Alternativen. Tor Browser bleibt technisch die stärkste Option, sobald echte Netzwerk-Anonymität gefragt ist, weil er den Datenverkehr tatsächlich über das mehrstufige Tor-Netzwerk leitet und dabei zusätzlich Geschwindigkeit einbüßt. Mullvad Browser übernimmt genau dieselbe Anti-Fingerprinting-Basis, verzichtet aber bewusst auf dieses Routing, wodurch er im Alltag spürbar schneller bleibt, ohne die netzwerkseitige Anonymität von Tor Browser zu erreichen.
Brave wiederum verfolgt einen dritten Weg: Es blockiert Werbung und Tracker aggressiv auf Chromium-Basis, bindet aber eigene Dienste wie eine Kryptowährungs-Wallet und ein Werbenetzwerk ein, was aus Datenschutzsicht ambivalent bewertet wird. Gegenüber LibreWolf hat Brave den Vorteil der breiteren Chrome-Erweiterungskompatibilität, gegenüber Mullvad Browser fehlt ihm die konsequente Fingerprint-Uniformität. Wer sich zwischen den vier Browsern entscheiden muss, kann grob so einordnen: Tor Browser für maximale Netzwerk-Anonymität, Mullvad Browser für Fingerprint-Schutz ohne Tor-Overhead, LibreWolf für einen schnellen, kompatiblen Alltagsbrowser, Brave für Nutzer, die von Chrome kommen und dessen Erweiterungs-Ökosystem behalten wollen.
Kosten: Gratis-Software, unterschiedliche Ökosysteme
Beide Browser selbst kosten keinen Cent, das unterscheidet sie von den meisten VPN-Vergleichen auf shattered.io. Der Kostenunterschied entsteht erst im Ökosystem drumherum. Mullvad Browser wird von Mullvad VPN AB finanziert, einem schwedischen VPN-Anbieter, der sich über Abonnements refinanziert. Der Browser selbst bleibt für alle gratis, ganz ohne Kaufzwang der zugehörigen VPN-App. Wer aber zusätzlich Mullvad VPN abonniert, um Traffic auch auf Netzwerkebene zu verschleiern, zahlt seit Jahren einen einzigen, unveränderten Flatpreis: 5,00 Euro im Monat, egal ob man einen Monat, ein Jahr oder zehn Jahre im Voraus zahlt.
| Leistung | Preis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Mullvad Browser (Basisnutzung) | 0,00 € | Kein Login, keine Registrierung nötig |
| Mullvad VPN, 1 Monat | 5,00 € | Flatrate-Preis seit Jahren unverändert |
| Mullvad VPN, 1 Jahr | 60,00 € | Entspricht 5,00 €/Monat, kein Rabatt |
| Mullvad VPN, 10 Jahre | 600,00 € | Ebenfalls exakt 5,00 €/Monat |
| Mullvad VPN, Krypto-Zahlung | ca. 4,50 €/Monat | Rund 10 % Rabatt bei BTC, XMR oder Lightning |
| LibreWolf (Basisnutzung) | 0,00 € | Vollständig kostenlos und quelloffen |
| LibreWolf, optionale Spende | Individuell | Freiwillig, keine Zahlung erforderlich |
Für Österreich heißt das konkret: Ein Umstieg auf einen der beiden Browser kostet nichts. Wer zusätzlich Netzwerk-Anonymität will, zahlt bei Mullvad rund 60 Euro im Jahr, mit LibreWolf bleiben die Kosten bei null, sofern man auf ein separates VPN verzichtet oder ohnehin schon eines nutzt.
Im Vergleich zu anderen Datenschutz-Tools auf shattered.io, etwa Passwort-Managern mit Jahresgebühren oder VPN-Abos jenseits der 5-Euro-Marke, fallen beide Browser preislich also gar nicht ins Gewicht. Der eigentliche Preis liegt woanders: im Zeitaufwand für die Umstellung, im Verzicht auf gewohnte Synchronisation und, bei Mullvad Browser, im Verzicht auf liebgewonnene Erweiterungen. Wer diesen Aufwand scheut, sollte sich vorab genau überlegen, welchen Browser er tatsächlich täglich nutzen wird, statt beide parallel zu installieren und am Ende doch beim alten Chrome zu landen.
Unabhängige Tests und Benchmarks
Drei unabhängige Quellen liefern die belastbarsten Datenpunkte für diesen Vergleich. Erstens die Empfehlungsliste von Privacy Guides, die Mullvad Browser als einen von wenigen Desktop-Browsern führt, LibreWolf jedoch nicht, obwohl das Projekt im hauseigenen Forum wiederholt zur Aufnahme vorgeschlagen wurde. Zweitens der praktische Fingerprinting-Test im Tor-Project-Forum, der mit den Tools Cover Your Tracks von der Electronic Frontier Foundation und BrowserLeaks durchgeführt wurde und Mullvad Browsers Uniformitäts-Strategie technisch bestätigt. Drittens die CVE-Datenbank OpenCVE, die für LibreWolf eine dokumentierte, mittlerweile geschlossene Sicherheitslücke listet, für Mullvad Browser dagegen aktuell keinen eigenen Eintrag.
Was in allen drei Quellen fehlt, sind direkte Geschwindigkeits-Benchmarks wie Speedometer- oder JetStream-Ergebnisse für die aktuellen Versionen. Wer belastbare Performance-Werte möchte, muss sie derzeit selbst mit den offiziellen Firefox-Benchmark-Suiten messen, seriöse Dritt-Quellen mit aktuellen 2026er-Zahlen für beide Browser existieren bislang nicht.
Interessant ist auch, was Community-Diskussionen zwischen den Zeilen verraten. Im offiziellen Privacy-Guides-Forum wird die Frage, warum LibreWolf gegenüber Mullvad Browser nicht empfohlen wird, regelmäßig neu gestellt, ein Indiz dafür, dass viele Nutzer beide Browser aktiv nebeneinander einsetzen und die fehlende Empfehlung als Lücke wahrnehmen, nicht als Warnsignal. Gleichzeitig zeigt der Vergleich auf der Diskussionsseite, dass die Community LibreWolf explizit für den Alltag mit persönlichen Daten empfiehlt und Mullvad Browser für kurze Sessions ohne Login reserviert, eine Einteilung, die sich mit der technischen Analyse in diesem Artikel deckt.
Was Sicherheitsexperten über Browser-Fingerprinting sagen
Die Grundlage, gegen die beide Browser antreten, beschreiben offizielle Stellen und Standardisierungsgremien recht ähnlich. Mozilla selbst, Hersteller der Firefox-Basis, unter der beide Forks laufen, erklärt das Problem so:
„Browser-Fingerprinting ist eine unsichtbare Methode, mit der Websites und Drittanbieter Ihren Browser anhand einer Kombination aus Geräteinformationen, Einstellungen und Systemmerkmalen identifizieren können.” (übersetzt)
Mozilla, offizielle Firefox-Produktseite, firefox.com
Im eigenen Blog konkretisiert Mozilla, warum das Unternehmen mittlerweile selbst nachrüstet, ein Kontext, der auch erklärt, warum gehärtete Forks wie LibreWolf und Mullvad Browser überhaupt entstanden sind:
„Mit Firefox 145 führen wir große Datenschutz-Verbesserungen gegen Browser-Fingerprinting ein, eine weitverbreitete und versteckte Tracking-Technik, mit der Websites Sie identifizieren können, selbst wenn Cookies blockiert sind oder Sie im privaten Modus surfen.” (übersetzt)
Mozilla, offizieller Firefox-Blog, blog.mozilla.org
Das World Wide Web Consortium, das globale Standardisierungsgremium für Webtechnologien, definiert das zugrunde liegende Problem technisch nüchtern:
„Kurz gesagt ist Browser-Fingerprinting die Fähigkeit einer Website, einen besuchenden Nutzer, User-Agent oder ein Gerät anhand von Konfigurationseinstellungen oder anderen beobachtbaren Merkmalen zu identifizieren oder wiederzuerkennen.” (übersetzt)
W3C, Leitfaden zu Fingerprinting-Risiken, w3c.github.io
Und auch Datenschutzbehörden warnen seit Jahren vor genau diesem cookie-losen Identifizierungsrisiko, das beide hier verglichenen Browser adressieren:
„Wenn eine besuchte Website Browser-Fingerprinting einsetzt, kann sie genug Informationen über Ihren Browser lernen, um Sie eindeutig von allen anderen Besuchern dieser Website zu unterscheiden.” (übersetzt)
Office of the Privacy Commissioner of Canada, Datenschutzbehörde, priv.gc.ca
Diese vier Einschätzungen zeigen, warum es beide Strategien überhaupt braucht. Mullvad Browsers Uniformität bekämpft genau das im letzten Zitat beschriebene Wiedererkennungsproblem an der Wurzel, LibreWolfs Blockieransatz reduziert die im ersten Zitat beschriebene Datensammlung, ohne die Kompatibilität zu opfern. Bemerkenswert ist, dass selbst Mozilla als Herausgeber der zugrunde liegenden Firefox-Engine das Problem inzwischen ernst genug nimmt, um eigene Gegenmaßnahmen in reguläre Firefox-Versionen einzubauen, was langfristig auch beiden hier verglichenen Forks zugutekommt, da sie auf demselben Unterbau aufsetzen.
Mobile Nutzung und plattformübergreifender Einsatz
Für Desktop-Systeme sind beide Browser ausgereift, mobil sieht die Lage anders aus. Mullvad Browser bietet offiziell keine eigenständige Android- oder iOS-App an, die Empfehlung des Projekts lautet stattdessen, auf mobilen Geräten Tor Browser zu nutzen, sofern echte Anonymität gefragt ist, oder Mullvad VPN in Kombination mit einem gehärteten mobilen Browser. LibreWolf existiert ebenfalls nur für Desktop-Betriebssysteme, offizielle mobile Versionen für Android oder iOS gibt es von den Projektbetreibern nicht. Wer auf dem Smartphone denselben Schutzgedanken verfolgen will, landet meist bei Alternativen wie einem gehärteten Firefox mit zusätzlichen Erweiterungen oder bei Tor Browser für Android.
Das schränkt den plattformübergreifenden Einsatz beider hier verglichenen Browser spürbar ein. Wer auf Desktop und Smartphone ein konsistentes Schutzniveau erwartet, muss diese Lücke selbst schließen, etwa durch separate mobile Tools und manuell synchronisierte Lesezeichen. Für reine Desktop-Nutzer, etwa im Büro oder am Heim-PC, spielt diese Einschränkung dagegen keine Rolle.
Der Quellcode beider Projekte liegt öffentlich einsehbar auf GitHub, was sich bei der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit auszahlt. Über das Mullvad-Browser-Repository lässt sich jede Änderung gegenüber dem originalen Tor-Browser-Code nachvollziehen, ebenso wie bei LibreWolf jede Abweichung vom Standard-Firefox dokumentiert ist. Für technisch versierte Leser, IT-Abteilungen oder Sicherheitsbeauftragte in österreichischen Unternehmen ist das ein handfestes Argument gegenüber Browsern, deren Datenschutz-Versprechen sich nicht am offenen Quellcode überprüfen lässt.
Fünf Praxisbeispiele: Wer sollte welchen Browser nutzen?
Abstrakte Feature-Listen helfen wenig, solange sie nicht auf konkrete Situationen übertragen werden. Die folgenden fünf Beispiele orientieren sich an typischen Anwendungsfällen österreichischer Leser.
- Investigativjournalist recherchiert zu einem Wirtschaftsskandal: Mullvad Browser eignet sich hier besser, weil die Uniformitäts-Strategie verhindert, dass die Redaktion durch einen individuellen Fingerabdruck über mehrere Recherche-Sessions hinweg verknüpft wird. Der permanente private Modus sorgt zudem dafür, dass am Ende jeder Sitzung keine verräterischen Spuren im Verlauf zurückbleiben, selbst wenn das Arbeitsgerät später von jemand anderem genutzt wird.
- Angestellte erledigt Onlinebanking und FinanzOnline-Meldungen: LibreWolf ist die praktischere Wahl, weil Banken-Websites oft WebGL, individuelle Cookies und Erweiterungen wie Passwort-Manager voraussetzen, die Mullvad Browser bewusst einschränkt. Die gehärteten, aber flexiblen Voreinstellungen von LibreWolf lassen sich zudem pro Domain lockern, ohne den generellen Schutz für alle anderen Websites aufzugeben.
- Aktivistin nutzt zusätzlich das Tor-Netzwerk für maximale Anonymität: Mullvad Browser ist die logische Ergänzung, weil er dieselbe Codebasis wie Tor Browser teilt und sich mit einem separaten Tor-Client kombinieren lässt, auch wenn er selbst nicht automatisch über Tor routet. Wichtig ist dabei, sich bewusst zu machen, dass allein die Installation von Mullvad Browser noch keine Netzwerk-Anonymität herstellt.
- Entwickler mit vielen produktiv genutzten Erweiterungen: LibreWolf gewinnt klar, da volle WebExtension-Unterstützung mit Tools wie Bitwarden oder uBlock Origin ohne Fingerprint-Nachteile funktioniert. Auch Entwickler-Werkzeuge und lokale Testumgebungen laufen unter LibreWolf ohne die Einschränkungen, die Mullvad Browsers deaktivierte Grafik-Schnittstellen mit sich bringen.
- Bestandskunde von Mullvad VPN: Wer das VPN für 5 Euro im Monat ohnehin nutzt, bekommt mit Mullvad Browser eine passende, kostenlose Ergänzung aus demselben Haus, technisch und organisatorisch aufeinander abgestimmt. Support-Anfragen zu beiden Produkten laufen über denselben Anbieter, was die Fehlersuche im Zweifel vereinfacht.
Ein sechster, in der Praxis häufiger Fall lohnt eine Ergänzung: Viele erfahrene Nutzer im Privacy-Guides-Forum kombinieren beide Browser parallel, LibreWolf für alles mit Login und persönlichen Daten, Mullvad Browser für kurze, anonyme Rechercheausflüge. Diese Kombination erfordert keine zusätzliche Software und kostet ebenfalls nichts.
Migration: So wechseln Sie zu Mullvad Browser oder LibreWolf
Der Umstieg von Chrome, Edge oder einem regulären Firefox dauert bei beiden Browsern unter 30 Minuten. Wichtig vorab: Weder Mullvad Browser noch LibreWolf unterstützen eine automatische Kontosynchronisation wie Firefox Sync, Lesezeichen und Passwörter müssen daher manuell exportiert werden.
Schritt für Schritt zu Mullvad Browser
- Lesezeichen im aktuellen Browser über die Bibliotheksfunktion als HTML-Datei exportieren.
- Installationsdatei ausschließlich von mullvad.net/en/browser herunterladen, keine Drittanbieter-Portale nutzen.
- Die mitgelieferte PGP-Signatur prüfen, bevor die Datei ausgeführt wird.
- Browser starten, den permanenten privaten Modus zur Kenntnis nehmen, keine Erweiterungen installieren.
- Lesezeichen-HTML-Datei über den Import-Assistenten einlesen.
- Optional: Mullvad-VPN-App separat installieren und mit dem Konto verbinden.
# Signatur einer heruntergeladenen Mullvad-Browser-Datei prüfen (Linux/macOS)
gpg --verify mullvad-browser-15.0.20.tar.xz.asc mullvad-browser-15.0.20.tar.xz
Schritt für Schritt zu LibreWolf
- Lesezeichen und gespeicherte Logins aus dem alten Browser exportieren.
- LibreWolf über die offizielle GitHub-Releaseseite oder den jeweiligen Paketmanager der Distribution installieren.
- Beim ersten Start die voreingestellten Datenschutz-Optionen durchgehen, insbesondere das Verhalten beim Schließen des Browsers.
- Lesezeichen-Datei importieren, Passwörter idealerweise über einen dedizierten Passwort-Manager statt über den Browser selbst verwalten.
- Gewünschte Erweiterungen einzeln über addons.mozilla.org nachinstallieren.
- Automatische Updates in den Einstellungen aktiviert lassen, angesichts des schnellen Update-Rhythmus.
In beiden Fällen gilt: Alte Profile nicht einfach kopieren. Ein importiertes Firefox-Profil kann Tracking-Reste und individuelle Einstellungen mitschleppen, die genau die Schutzwirkung untergraben, wegen der man überhaupt wechselt.
Nach dem Umstieg tauchen bei beiden Browsern typischerweise dieselben zwei Probleme auf. Erstens brechen einzelne Websites, die stark auf individuelles Fingerprinting oder auf WebGL setzen, insbesondere in Mullvad Browser sichtbar. Hier hilft meist nur, für diese eine Seite kurzzeitig auf einen anderen Browser auszuweichen, statt die Schutzmechanismen dauerhaft zu lockern. Zweitens fragen sich viele Umsteiger, warum Logins nach dem Neustart verschwunden sind: Das ist bei Mullvad Browser gewolltes Verhalten des permanenten privaten Modus, bei LibreWolf lässt es sich über eine Ausnahmeliste für einzelne, vertrauenswürdige Domains gezielt umgehen, ohne den Schutz für alle anderen Seiten aufzugeben.
Vor- und Nachteile im Überblick
Mullvad Browser, Vorteile:
- Von Privacy Guides offiziell empfohlen, einer der strengsten unabhängigen Prüfstellen im Datenschutzbereich.
- Übernimmt die Tor-Browser-Anti-Fingerprinting-Technik, ohne den Geschwindigkeitsnachteil des Tor-Netzwerks in Kauf nehmen zu müssen.
- Aktuell keine eigene, browserspezifische CVE in der OpenCVE-Datenbank gelistet.
- Permanenter privater Modus als Standard, keine manuelle Konfiguration nötig, um nach jeder Sitzung sauber dazustehen.
- Kostenlos nutzbar, unabhängig von einem Mullvad-VPN-Abonnement.
Mullvad Browser, Nachteile:
- Eingeschränkte Erweiterungsunterstützung, zusätzliche Add-ons werden aktiv abgeraten.
- WebGL und einige moderne Web-APIs standardmäßig deaktiviert, was interaktive Web-Apps einschränkt.
- Seltenerer Update-Rhythmus durch die ESR-Basis in der stabilen 15.x-Reihe.
- Kein automatisches Tor-Routing trotz der Namensähnlichkeit zu Tor Browser, was für Verwirrung sorgen kann.
LibreWolf, Vorteile:
- Volle Erweiterungsunterstützung für alle gängigen Firefox-WebExtensions.
- Hohe Update-Frequenz dank konsequenter Rapid-Release-Basis, Sicherheitspatches erreichen Nutzer schneller.
- Breite Plattformabdeckung inklusive nativer Apple-Silicon-Unterstützung auf dem Mac.
- Transparente, öffentlich auf GitHub einsehbare Konfigurationsänderungen gegenüber Standard-Firefox.
- Vollständig kostenlos und quelloffen, ohne kommerzielles Unternehmen im Hintergrund.
LibreWolf, Nachteile:
- Nicht auf der offiziellen Privacy-Guides-Empfehlungsliste für Desktop-Browser gelistet.
- Dokumentierte Installer-Schwachstelle CVE-2025-11940 aus dem Jahr 2025, mittlerweile behoben.
- Kein uniformer Fingerabdruck wie bei Mullvad Browser, jede Installation bleibt individuell unterscheidbar.
- Häufigere Updates bergen statistisch ein höheres Regressionsrisiko für einzelne Funktionen.
Das Urteil: Welcher Browser gewinnt?
Es gibt keinen pauschalen Sieger, die Datenlage liefert aber eine klare Entscheidungsgrundlage. Für punktuelle, hochsensible Recherchen ohne Login-Zwang ist Mullvad Browser die technisch fundiertere Wahl: Er ist der einzige der beiden Browser mit einer offiziellen Privacy-Guides-Empfehlung, hat aktuell keine eigene gelistete CVE und liefert nachweislich uniforme Fingerprinting-Werte, wie der Test im Tor-Project-Forum zeigt. Der Preis dafür sind eingeschränkte Erweiterungen und Kompatibilitätsprobleme mit interaktiven Webseiten.
Wer beide Kriterien gegeneinander abwägt, sollte sich vor allem eine Frage stellen: Wie oft wechselt der eigene Alltag zwischen anonymen Kurz-Sessions und dauerhaft eingeloggten Diensten? Bei den meisten Lesern überwiegt der zweite Fall deutlich, was strukturell für LibreWolf als Hauptbrowser spricht. Nur wer regelmäßig gezielt anonym recherchiert oder sensible Informationen einholt, für die eine Verknüpfung mit der eigenen Identität ein echtes Risiko darstellt, sollte Mullvad Browser zur ersten Wahl machen und LibreWolf allenfalls als Zweitbrowser für alles andere vorhalten.
Für den täglichen Gebrauch mit Logins, Onlinebanking und Erweiterungen bleibt LibreWolf die praktikablere Lösung. Die dokumentierte Sicherheitslücke CVE-2025-11940 wurde innerhalb einer Version geschlossen, was für eine funktionierende Update-Pipeline spricht, auch wenn sie zeigt, dass kein Fork automatisch immun gegen Fehler ist. Die realistischste Empfehlung für die meisten Leser: LibreWolf als Hauptbrowser für den Alltag, Mullvad Browser zusätzlich installiert für die seltenen Momente, in denen echte Anonymität zählt. Beide zusammen kosten weiterhin null Euro.
Als schnelle Orientierung fasst die folgende Tabelle die Empfehlung nach Bedürfnis zusammen.
| Bedürfnis | Empfehlung |
|---|---|
| Maximaler Fingerprinting-Schutz bei kurzen Sessions | Mullvad Browser |
| Alltägliches Surfen mit Logins und Erweiterungen | LibreWolf |
| Kombination mit dem Tor-Netzwerk | Mullvad Browser als Basis, plus separater Tor-Client |
| Unternehmens-Setup mit Passwort-Manager-Pflicht | LibreWolf |
| Bereits zahlender Mullvad-VPN-Kunde | Mullvad Browser |
| Keine Kompromisse bei Web-App-Kompatibilität | LibreWolf |
Häufig gestellte Fragen
Ist Mullvad Browser dasselbe wie der Tor Browser?
Nein, auch wenn die Verwechslung naheliegt. Mullvad Browser übernimmt den Quellcode und die Anti-Fingerprinting-Technik von Tor Browser eins zu eins, leitet den Datenverkehr aber nicht automatisch über das mehrstufige Tor-Netzwerk. Für echte Netzwerk-Anonymität, bei der selbst der Internetanbieter das Ziel der Verbindung nicht erkennen kann, braucht es weiterhin Tor Browser oder eine manuelle Kombination aus Mullvad Browser und einem separaten Tor-Client.
Muss ich Mullvad VPN abonnieren, um Mullvad Browser zu nutzen?
Nein. Der Browser steht laut Mullvads eigener Download-Seite kostenlos und ohne Kontozwang für alle zur Verfügung, unabhängig von einem VPN-Abo. Das Unternehmen finanziert die Entwicklung über die separaten VPN-Abonnements, verlangt aber keine Gegenleistung für die Browser-Nutzung selbst.
Ist LibreWolf unsicher, weil Privacy Guides es nicht empfiehlt?
Nicht zwangsläufig. Privacy Guides listet pro Kategorie nur wenige Tools und begründet die fehlende Aufnahme im eigenen Forum ausdrücklich mit einer sehr hohen internen Auswahlschwelle, nicht mit einem konkreten Sicherheitsmangel. Die dokumentierte CVE-2025-11940 betraf zudem nur den Windows-Installer und wurde zeitnah geschlossen, was eher für als gegen die Update-Disziplin des Projekts spricht.
Kann ich beide Browser gleichzeitig installieren?
Ja, problemlos. Beide laufen unabhängig voneinander, verwenden getrennte Profile und beeinflussen sich technisch nicht gegenseitig. Viele erfahrene Nutzer in einschlägigen Foren setzen genau diese Kombination bewusst ein, LibreWolf für den Alltag mit Logins, Mullvad Browser ausschließlich für sensible, kurze Sessions.
Unterstützt LibreWolf Firefox-Sync?
Standardmäßig nein, die Firefox-Konto-Anbindung wird aus Datenschutzgründen komplett aus dem Quellcode entfernt. Lesezeichen und Passwörter müssen manuell exportiert oder über einen separaten, quelloffenen Passwort-Manager wie KeePassXC verwaltet werden, was zwar etwas Komfort kostet, aber verhindert, dass Zugangsdaten über einen Mozilla-Server synchronisiert werden.
Welcher Browser ist im Alltag schneller?
Beide teilen dieselbe Firefox-Rendering-Engine, aktuelle, unabhängige Benchmark-Zahlen wie Speedometer- oder JetStream-Ergebnisse für 2026 liegen für keinen der beiden öffentlich vor. LibreWolf blockiert tendenziell mehr Werbeserver von Haus aus, was auf werbelastigen Nachrichtenseiten die gefühlte Ladezeit senken kann, während Mullvad Browsers deaktivierte Grafik-APIs bei interaktiven Anwendungen eher bremsen.
Funktionieren Erweiterungen wie Bitwarden oder uBlock Origin in beiden Browsern?
In LibreWolf uneingeschränkt, beide Add-ons lassen sich wie in regulärem Firefox über addons.mozilla.org installieren. In Mullvad Browser technisch ebenfalls möglich, aber ausdrücklich nicht empfohlen, weil jede zusätzliche Erweiterung den sorgfältig einheitlichen Fingerabdruck wieder individualisiert und damit den Hauptzweck des Browsers unterläuft.
Was passiert mit meinen Daten beim Schließen des Browsers?
Mullvad Browser läuft dauerhaft im privaten Modus, es gibt also keine Chronik, die sich nachträglich löschen ließe, alles verschwindet automatisch mit dem letzten geöffneten Fenster. LibreWolf löscht in der Standardkonfiguration Cookies und Sitzungsdaten beim Beenden, erlaubt aber pro Website dauerhafte Ausnahmen, etwa für häufig genutzte Login-Seiten, ohne den Schutz für alle übrigen Domains aufzugeben.
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Weitere Vergleiche und Hintergründe zum Thema Online-Privatsphäre finden sich in der Privatsphäre-Rubrik von shattered.io.




