RetroDECK hat sich in den vergangenen Monaten zu einer der beliebtesten All-in-one-Lösungen für Retro-Gaming auf dem Steam Deck entwickelt. Anders als EmuDeck, das einzelne Emulatoren nacheinander herunterlädt und konfiguriert, bündelt RetroDECK 24 Komponenten in einer einzigen, sauber sandboxed Flatpak-Anwendung – von RetroArch über Dolphin bis RPCS3. Wer schnell und ohne tiefe Terminal-Kenntnisse loslegen möchte, findet in RetroDECK die unkomplizierteste Variante, um Klassiker auf dem Steam Deck, auf Bazzite-Handhelds oder perspektivisch sogar auf Valves Steam Machine zum Laufen zu bringen. Diese Anleitung zeigt, wie Sie RetroDECK einrichten – vollständig, rechtssicher und in genau 12 Schritten.
Im Gegensatz zu vielen älteren Retro-Gaming-Guides, die einzelne Emulatoren mühsam nacheinander abhandeln, konzentriert sich dieser Artikel bewusst auf den kompletten End-to-End-Weg: von der ersten Suche im Discover Store über die rechtssichere BIOS-Beschaffung bis zur fein abgestimmten Konfiguration für flüssige Bildraten. Wir zeigen außerdem, wo RetroDECK an seine Grenzen stößt, welche Stolperfallen erfahrene Nutzer immer wieder melden und wie sich das Tool von den beiden großen Alternativen EmuDeck und Batocera unterscheidet – denn wer die falsche Wahl trifft, migriert später oft mühsam zwischen unterschiedlichen Ordnerstrukturen.
Was ist RetroDECK?
RetroDECK ist eine Open-Source-Plattform für Retro-Gaming und Emulation, die als sandboxed Flatpak-Anwendung über Flathub vertrieben wird. Das Projekt (github.com/RetroDECK/RetroDECK) steht unter der GPL-3.0-Lizenz und kommt laut aktuellem Live-Abruf der GitHub-API auf 1.227 Stars, 55 Forks und 291 offene Issues – bei einem letzten Code-Push nur zwei Tage vor Erstellung dieses Artikels ein klares Zeichen für ein aktiv gepflegtes Projekt. Laut offizieller Projektbeschreibung ist RetroDECK für „Steam Deck, vollwertige Linux-Desktops, Linux-HTPC-Setups sowie Linux-basierte PC-Konsolen wie die Steam Machine” ausgelegt.
Anders als klassische Einzel-Emulatoren fasst RetroDECK 24 Komponenten aus fünf Kategorien in einer einzigen App zusammen: vier Utilities, zwei Multi-System-Emulatoren, 13 eigenständige Emulatoren, vier Spiel-Engines und eine Legacy-Komponente. Als Oberfläche kommt eine angepasste Version von ES-DE (EmulationStation Desktop Edition) zum Einsatz – ein modernes, controllerfreundliches Frontend, das sich nahtlos in den Steam-Deck-Gaming-Modus einfügt.
Die aktuelle stabile Version ist 0.10.9b (veröffentlicht am 30. Mai 2026). Seit Version 0.10.0b hat das Team einen kompletten Rewrite der Architektur vorgenommen: Statt einer einzigen, monolithischen Sandbox läuft heute jede gebündelte Komponente in einer eigenen Sub-Sandbox, das zugrunde liegende Runtime wurde auf org.kde.Platform 6.10 angehoben, und die gesamte Anwendung ist dadurch rund 800 MB kleiner geworden als vor dem Rewrite. Ein angenehmer Nebeneffekt: Der integrierte BIOS-Checker, der beim Start prüft, ob alle benötigten BIOS-Dateien korrekt vorliegen, wurde laut den offiziellen Release Notes von 60–90 Sekunden Scan-Zeit auf 2–10 Sekunden beschleunigt (Vergleich zur eigenen Vorgängerversion, nicht zu Konkurrenzprodukten wie EmuDeck).
Warum überhaupt Sub-Sandboxing? Klassische Flatpak-Anwendungen laufen zwar isoliert vom restlichen System, aber meist als ein einziger großer Sandbox-Block. Bricht eine Komponente – etwa ein experimenteller Emulator-Kern – mit einem Bug ab, konnte das in der alten RetroDECK-Architektur im schlimmsten Fall die gesamte Anwendung samt aller anderen 23 Komponenten mit nach unten reißen. Seit dem Rewrite läuft jede der 24 Komponenten in ihrer eigenen, klar abgegrenzten Sub-Sandbox mit eigenen Dateisystem- und Geräteberechtigungen. Ein Absturz in Dolphin betrifft damit im Idealfall nur Dolphin, während RetroArch, PCSX2 und der Rest der Suite unbeeindruckt weiterlaufen. Laut den Download-Zahlen von Flathub kommt RetroDECK aktuell auf rund 13.900 Installationen pro Monat – ein brauchbarer Indikator für die tatsächliche Nutzungsintensität abseits der reinen GitHub-Stars, die eher die Popularität unter Entwicklern als unter Endnutzern widerspiegeln.
RetroDECK vs. EmuDeck vs. Batocera: Die Unterschiede im Überblick
Das gleiche Fundament, unterschiedliche Philosophie
Wer sich zum ersten Mal mit Emulation auf dem Steam Deck beschäftigt, stößt unweigerlich auf drei Namen: RetroDECK, EmuDeck und Batocera. Technisch betrachtet nutzen alle drei größtenteils dieselben Open-Source-Emulator-Kerne – RetroDECK, EmuDeck und Batocera „sind selbst keine Emulatoren”, wie es die Fachseite LinuxAdictos treffend zusammenfasst, sondern Verwaltungsschichten um dieselben Programme wie Dolphin, PCSX2 oder RPCS3 herum. Ein pauschaler FPS-Vorteil eines Tools gegenüber einem anderen lässt sich daher nicht seriös belegen, da im Kern jeweils dieselbe Emulator-Binary läuft. Wer feststellen möchte, welches Tool zur eigenen Sammlung passt, sollte sich unseren ausführlichen Vergleich EmuDeck vs. Batocera genauer ansehen.
Der spürbarste praktische Unterschied liegt nicht in der Leistung, sondern im Wartungsaufwand. Bei EmuDeck installiert ein Skript zunächst alle gewünschten Emulatoren einzeln, die anschließend separat aktualisiert, konfiguriert und bei Bedarf auch einzeln deinstalliert werden – mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung für Nutzerinnen und Nutzer. RetroDECK dagegen behandelt alle 24 Komponenten als ein einziges Update-Paket: Ein Klick auf „Aktualisieren” in Discover bringt Emulatoren, Frontend und BIOS-Checker gemeinsam auf den neuesten Stand. Batocera wiederum verzichtet komplett auf ein bestehendes Betriebssystem und wird stattdessen als eigenes, bootfähiges OS-Image auf eine SD-Karte oder SSD geschrieben – ideal für ein dediziertes Retro-Gerät, aber ungeeignet, wenn das Steam Deck parallel auch für reguläre Steam- oder Epic-Spiele genutzt werden soll.
| Kriterium | RetroDECK | EmuDeck | Batocera |
|---|---|---|---|
| Installationsart | Eine Flatpak-App (Discover Store) | Installationsskript, einzelne Emulatoren | Eigenständiges Betriebssystem-Image |
| Plattformen | Nur x86_64 Linux | SteamOS und Windows | Eigenes OS, ersetzt SteamOS |
| Sandboxing | Ja, pro Komponente sub-sandboxed | Nein, direkte Systemintegration | Entfällt (eigenes OS) |
| Lizenz | GPL-3.0 | GPL-3.0 | GPL-2.0/Mixed |
| GitHub-Stars | 1.227 | 3.479 | siehe Batocera-Guide |
| Bundle-Umfang | 24 Komponenten in 5 Kategorien | ca. 27 Emulatoren (Skript-Liste) | 200+ unterstützte Systeme |
Für wen eignet sich RetroDECK?
RetroDECK richtet sich an alle, die mit möglichst wenig manueller Konfiguration loslegen wollen und ohnehin auf SteamOS, Bazzite oder einer anderen x86_64-Linux-Distribution unterwegs sind. Wer maximale Kontrolle über jeden einzelnen Emulator braucht oder RetroDECK auf einem Windows-Handheld nutzen möchte, ist bei EmuDeck besser aufgehoben. Wer dagegen ein komplett eigenständiges Retro-Gaming-Gerät ohne bestehendes Betriebssystem bauen will, sollte einen Blick auf Batocera werfen. Da alle drei Optionen dieselben Emulator-Kerne verwenden, lässt sich später ohne Kompatibilitätsverlust zwischen den Tools wechseln – nur die Ordnerstruktur und die BIOS-Ablage unterscheiden sich, worauf wir bei den Stolperfallen weiter unten noch eingehen. Die vollständige, stets aktuelle Liste unterstützter Geräte und Systeme pflegt das RetroDECK-Team selbst im offiziellen Wiki „What is Included”, während die Projekt-Startseite retrodeck.net einen kompakten Überblick über aktuelle Neuigkeiten und Presseerwähnungen bietet. EmuDecks Quellcode und Emulator-Liste lassen sich analog unter github.com/dragoonDorise/EmuDeck einsehen.
Voraussetzungen: Das brauchen Sie, um RetroDECK einzurichten
Bevor Sie RetroDECK einrichten, sollten die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein. Die gute Nachricht vorab: RetroDECK stellt vergleichsweise geringe Ansprüche, da es auf bereits vorhandene Systemkomponenten wie Flatpak zurückgreift.
| Voraussetzung | Details |
|---|---|
| Gerät | Steam Deck (LCD oder OLED) oder anderer x86_64-Linux-Handheld mit Flatpak-Unterstützung |
| Betriebssystem | SteamOS 3.8 oder neuer (Stable-Kanal empfohlen), alternativ Bazzite, ChimeraOS oder vergleichbare Linux-Distribution |
| Architektur | Ausschließlich x86_64 – kein ARM, kein natives Windows oder macOS |
| Downloadquelle | Flathub, Paket-ID net.retrodeck.retrodeck |
| Aktuelle Version | 0.10.9b (Stand 30. Mai 2026) |
| Speicherplatz | Freier Speicher für App, BIOS-Dateien und geplante ROM-Sammlung, je nach Systemauswahl stark variierend |
| Optional | microSD-Karte für zusätzlichen Speicherplatz |
| Controller | Integriertes Steam-Deck-Gamepad oder beliebiger Bluetooth-/USB-Controller |
| BIOS-Dateien | Nur aus selbst besessenen Original-Konsolen bzw. -Discs legal extrahiert |
Eine WLAN-Verbindung für den initialen Download sowie für spätere Updates über Flathub wird ebenfalls vorausgesetzt. Ein Blick in den offiziellen Steam-Deck-Shop lohnt sich, falls Sie noch unsicher sind, welches Modell für Ihre geplante Sammlung ausreicht – für reines Retro-Gaming genügt in der Regel bereits die kleinste Speichervariante, sofern Sie zusätzlich eine microSD-Karte einplanen.
Schritt 1: Steam Deck in den Desktop-Modus wechseln
Drücken Sie die Steam-Taste, öffnen Sie im Schnellzugriffsmenü den Punkt „Energie” und wählen Sie „Zum Desktop wechseln”. Das Steam Deck startet innerhalb weniger Sekunden die vertraute KDE-Plasma-Desktopoberfläche. Auf anderen Linux-Handhelds mit Bazzite oder ChimeraOS ist der Weg identisch oder sehr ähnlich – auch dort existiert ein Desktop-Modus, aus dem heraus der jeweilige App-Store erreichbar ist.
Der Wechsel dauert auf dem Steam Deck in der Regel nur wenige Sekunden, da SteamOS den Desktop-Modus nicht neu bootet, sondern lediglich die Benutzeroberfläche umschaltet. Nutzerinnen und Nutzer, die zum ersten Mal im Desktop-Modus landen, sollten sich nicht von der ungewohnten Maus- und Fenstersteuerung abschrecken lassen: Das rechte Trackpad lässt sich als Touchpad-Ersatz für den Mauszeiger nutzen, während die Schultertasten L2/R2 die linke bzw. rechte Maustaste simulieren. Wer einen Bluetooth-Maus oder eine externe Tastatur zur Hand hat, kann diese ebenfalls koppeln, was besonders beim Eintippen von Ordnerpfaden Zeit spart.
Schritt 2: Discover Store öffnen und RetroDECK suchen
Auf dem Desktop finden Sie in der Taskleiste das Symbol des Discover Store, dem vorinstallierten App-Store von KDE Plasma. Öffnen Sie ihn und geben Sie im Suchfeld „RetroDECK” ein. Falls kein physisches Keyboard angeschlossen ist, lässt sich die virtuelle Tastatur bequem mit der Tastenkombination Steam + X einblenden. In der Trefferliste erscheint die offizielle RetroDECK-App mit dem entsprechenden Icon – achten Sie darauf, dass der Herausgeber „RetroDECK” lautet, um keine Fake-Einträge zu installieren.
Discover greift im Hintergrund direkt auf Flathub zu, den zentralen Flatpak-App-Store, der auch von den meisten anderen großen Linux-Distributionen genutzt wird. Ein Klick auf den App-Eintrag öffnet eine Detailseite mit Screenshots, Versionsnummer, Berechtigungsübersicht und Nutzerbewertungen. Es lohnt sich, hier kurz die angeforderten Berechtigungen zu überfliegen – RetroDECK fragt unter anderem Zugriff auf Wechseldatenträger, Netzwerk und Controller-Geräte an, was für den vollen Funktionsumfang notwendig ist und keinen Anlass zur Sorge gibt.
Schritt 3: RetroDECK installieren
Klicken Sie in Discover auf „Installieren” und warten Sie, bis der Download abgeschlossen ist. Je nach Verbindungsgeschwindigkeit dauert das wenige Minuten. Wer lieber über das Terminal arbeitet – etwa auf einem Linux-Desktop ohne grafischen App-Store – kann RetroDECK alternativ direkt per Flatpak-Kommandozeile installieren:
flatpak install flathub net.retrodeck.retrodeck
Nach erfolgreicher Installation lässt sich mit folgendem Befehl prüfen, ob RetroDECK korrekt registriert wurde:
flatpak list --app | grep retrodeck
# Erwartete Ausgabe:
# RetroDECK net.retrodeck.retrodeck 0.10.9b stable flathub
Alternativ lässt sich die App auch direkt über die offizielle Flathub-Seite von RetroDECK im Browser aufrufen, die zusätzlich Metadaten wie die exakte Downloadgröße, unterstützte Architekturen und die vollständige Versionshistorie auflistet. Ein Blick dorthin lohnt sich vor allem dann, wenn Sie prüfen möchten, ob bereits eine neuere Version als die in diesem Artikel referenzierte 0.10.9b veröffentlicht wurde, bevor Sie mit der Einrichtung beginnen.
Schritt 4: Den Ersteinrichtungs-Assistenten durchlaufen
Beim allerersten Start öffnet sich automatisch der RetroDECK-Konfigurator. Dieser Assistent übernimmt die Grundkonfiguration aller 24 gebündelten Komponenten, richtet Standardpfade ein und fragt die wichtigsten Präferenzen ab. Nehmen Sie sich für diesen Schritt ein paar Minuten Zeit – die hier getroffenen Entscheidungen lassen sich zwar später größtenteils ändern, aber eine saubere Erstkonfiguration erspart nachträgliches Nacharbeiten.
Konkret durchläuft der Konfigurator mehrere Bildschirme nacheinander: eine kurze Begrüßung mit Versionsinformationen, die Sprachauswahl für die Benutzeroberfläche, die Abfrage des Speicherorts (Schritt 5), die optionale Installation des Controller-Layouts (Schritt 6) sowie abschließend eine Zusammenfassung aller getroffenen Einstellungen zur Kontrolle. Am Ende erstellt RetroDECK automatisch die komplette Ordnerstruktur für alle 24 Komponenten und lädt bereits benötigte Basis-Konfigurationsdateien der einzelnen Emulator-Kerne herunter, was je nach Internetverbindung ein bis drei Minuten in Anspruch nimmt.
Schritt 5: Speicherort wählen – intern oder microSD
Der Konfigurator fragt, wo ROMs, BIOS-Dateien, Spielstände und Screenshots abgelegt werden sollen: auf dem internen Speicher oder auf einer microSD-Karte. Für große Sammlungen – etwa komplette PS2- oder GameCube-Bibliotheken – empfiehlt sich eine schnelle microSD-Karte (mindestens UHS-I, besser UHS-3), da langsame Karten bei Ladezeiten und beim initialen Bibliotheks-Scan spürbar ausbremsen. Wer später umziehen möchte, kann dies über die RetroDECK-Einstellungen tun, sollte dabei aber unbedingt zuerst ein Backup anlegen, siehe die Stolperfallen weiter unten.
Die Entscheidung intern vs. microSD hat auch Auswirkungen auf zukünftige System-Updates: Liegt die komplette RetroDECK-Bibliothek auf der internen SSD, sind Ladezeiten spürbar kürzer, allerdings konkurriert der Speicherplatz dann direkt mit reguläre Steam-Spielen. Wer sein Steam Deck ohnehin schon mit AAA-Titeln füllt, sollte ROMs und BIOS-Dateien konsequent auf eine separate microSD-Karte auslagern – RetroDECK behandelt beide Speicherorte transparent gleich, sodass im laufenden Betrieb kein Unterschied in der Bedienung spürbar ist.
Schritt 6: Controller-Layout und Theme festlegen
Der Assistent bietet an, das offizielle RetroDECK-Steam-Deck-Controller-Layout zu installieren – diese Option sollten Sie annehmen, da sie die Tastenbelegung für Menüs, Schnellspeicherung und Systemauswahl korrekt auf die Steam-Deck-Trackpads und -Bumper mappt. Anschließend lässt sich noch ein visuelles Theme für die ES-DE-Oberfläche auswählen; Standard-Themes sind bereits mitgeliefert, weitere lassen sich später über den integrierten Theme-Downloader nachladen.
Die ES-DE-Oberfläche unterstützt neben klassischen Listen-Themes auch aufwendigere Grid- und Carousel-Ansichten mit Cover-Vorschaubildern, animierten Video-Previews einzelner Spiele und individuell einstellbaren Sortierkriterien (nach Genre, Erscheinungsjahr oder Bewertung). Für den Einstieg empfiehlt sich eines der offiziell mitgelieferten Standard-Themes, da diese am zuverlässigsten mit allen 24 gebündelten Komponenten zusammenspielen; experimentelle Community-Themes können in Einzelfällen mit neueren RetroDECK-Versionen noch nicht vollständig kompatibel sein.
Schritt 7: Die Ordnerstruktur von RetroDECK verstehen
Nach Abschluss des Assistenten legt RetroDECK eine feste Ordnerstruktur unter ~/retrodeck (bzw. auf der SD-Karte unter /run/media/mmcblk0p1/retrodeck) an. Diese Struktur sollten Sie sich vor dem Hinzufügen eigener Dateien genau ansehen:
~/retrodeck/
├── bios/ (flache Ablage, keine Unterordner)
├── roms/
│ ├── gc/ (GameCube)
│ ├── psx/ (PlayStation 1)
│ ├── ps2/ (PlayStation 2)
│ ├── snes/ (Super Nintendo)
│ ├── n64/ (Nintendo 64)
│ └── ... (ein Ordner pro System)
├── saves/
├── states/
├── screenshots/
├── themes/
└── mods/
Wichtig für alle, die von EmuDeck migrieren: Die Ordnernamen pro System stimmen nicht immer 1:1 überein – EmuDeck nutzt beispielsweise „gamecube”, RetroDECK dagegen „gc”. Kopieren Sie ROMs also nicht blind per Skript zwischen beiden Tools, sondern prüfen Sie die exakten Ordnernamen in der jeweils aktuellen Dokumentation.
Schritt 8: BIOS-Dateien rechtssicher beschaffen und einspielen
Viele Systeme – insbesondere PlayStation-, Saturn- und Nintendo-DS-Nachfolger – benötigen für einen originalgetreuen Emulationsbetrieb echte BIOS-Dateien der jeweiligen Konsole. RetroDECK selbst liefert keine BIOS-Dateien mit und darf das aus urheberrechtlichen Gründen auch nicht. Legal beziehen lassen sich BIOS-Dateien ausschließlich durch Auslesen einer Konsole oder eines Speichermediums, das Sie selbst besitzen; Details dazu finden Sie im Rechtsabschnitt weiter unten. Kopieren Sie die extrahierten Dateien anschließend unverändert in den flachen bios/-Ordner – RetroDECK sortiert sie nicht automatisch in Unterordner.
Nach dem Einspielen öffnen Sie im RetroDECK-Hauptmenü den Punkt „BIOS-Checker”. Dieser prüft Dateinamen und Prüfsummen gegen eine interne Referenzliste und markiert fehlende oder fehlerhafte Dateien farblich. Dank des Rewrites in Version 0.10.3b dauert dieser Scan heute nur noch 2 bis 10 Sekunden statt der früheren 60 bis 90 Sekunden.
Nicht jedes System benötigt zwingend eine BIOS-Datei. PlayStation-1-, PlayStation-2- und Sega-Saturn-Titel etwa laufen ohne originale BIOS-Datei entweder gar nicht oder nur mit sichtbaren Kompatibilitätsproblemen, während Systeme wie das Super Nintendo oder der Game Boy Advance auch ohne BIOS zuverlässig funktionieren. Der BIOS-Checker markiert deshalb nicht pauschal alles als „fehlend”, sondern unterscheidet zwischen zwingend erforderlichen und optionalen Dateien – ein grün markierter Eintrag bedeutet, dass das jeweilige System auch ohne die entsprechende Datei nutzbar bleibt, wenn auch mit Einschränkungen.
Schritt 9: ROMs hinzufügen und die Bibliothek aktualisieren
Übertragen Sie Ihre eigenen ROM-Dateien in die passenden Unterordner von roms/. Am einfachsten geht das über eine SD-Karte, einen USB-Stick oder – bequemer für große Sammlungen – per Netzwerkfreigabe oder SSH direkt vom heimischen PC aus. Anschließend öffnen Sie in ES-DE das Menü und wählen „Spiele-Liste aktualisieren”, damit die neuen Titel eingelesen werden. RetroDECK organisiert die Bibliothek automatisch nach Systemordner und zeigt, sofern vorhanden, bereits Metadaten und Cover-Vorschauen an.
Fehlen Cover, Beschreibungstexte oder Bewertungen zu einzelnen Titeln, lässt sich das über den mitgelieferten Scraper nachrüsten: ES-DE fragt bei aktivierter Internetverbindung automatisch öffentliche Metadaten-Datenbanken ab und ergänzt fehlende Artwork-Dateien direkt in der Bibliotheksansicht. Bei sehr großen Sammlungen mit mehreren tausend Titeln kann der erste vollständige Scraping-Durchlauf durchaus zehn bis zwanzig Minuten dauern – ein guter Zeitpunkt für eine Kaffeepause, während RetroDECK im Hintergrund weiterarbeitet.
Schritt 10: RetroDECK als Non-Steam-Spiel zu Steam hinzufügen
Damit RetroDECK auch im Gaming-Modus – also außerhalb des Desktops – startbar ist, muss es der Steam-Bibliothek hinzugefügt werden. Öffnen Sie dazu im Desktop-Modus Steam, wechseln Sie zum Reiter „Spiele” und wählen Sie „Nicht-Steam-Spiel zu meiner Bibliothek hinzufügen”. Suchen Sie RetroDECK in der Liste, bestätigen Sie die Auswahl, und optional benennen Sie den Bibliothekseintrag sowie das zugehörige Artwork über die Eigenschaften des Eintrags um.
Dieser Schritt wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, ist aber technisch entscheidend: Nur Einträge, die explizit als Nicht-Steam-Spiel registriert wurden, erhalten ein vollständiges Steam-Input-Profil inklusive Community-Controller-Layouts, Overlay-Unterstützung und pro-Spiel-Leistungsstatistiken. Ohne diesen Schritt lässt sich RetroDECK zwar theoretisch auch direkt aus dem Desktop-Modus heraus starten, verliert dabei aber sämtliche Komfortfunktionen des Gaming-Modus.
Schritt 11: Zurück in den Gaming-Modus wechseln
Kehren Sie über das Steam-Menü in den Gaming-Modus zurück. RetroDECK erscheint jetzt als regulärer Bibliothekseintrag und lässt sich mit dem Steam-Deck-Gamepad genauso starten wie jedes andere Spiel – inklusive Steam-Overlay, Leistungsanzeige und individuellen Controller-Profilen pro Spiel, falls gewünscht.
Der erste Start im Gaming-Modus dauert minimal länger als spätere Starts, da RetroDECK beim Hochfahren die Sub-Sandboxen aller Komponenten initialisiert. Danach öffnet sich direkt die ES-DE-Oberfläche im Vollbild, optimiert für die Steam-Deck-Auflösung und Bedienung ausschließlich per Gamepad. Von hier aus navigieren Sie mit dem linken Stick oder Steuerkreuz durch die Systemliste, bestätigen mit A und rufen über den Menü-Button die globalen Einstellungen auf.
Schritt 12: Feinschliff – Shader, Bildwiederholrate und Save-States
Im letzten Schritt lohnt sich ein Blick in die erweiterten Einstellungen der einzelnen Emulator-Kerne, die über RetroArch bereitgestellt werden. Dort lassen sich CRT-Shader für den klassischen Röhrenbildschirm-Look aktivieren, die Bildwiederholrate an das 60- bzw. 90-Hz-Display des Steam Decks anpassen und Save-States konfigurieren, um jederzeit exakt an einer beliebigen Stelle im Spiel weiterzumachen. Wer möchte, kann außerdem Rewind-Funktionen aktivieren, die ein kurzes „Zurückspulen” nach einem verlorenen Kampf erlauben.
Da alle 24 Komponenten letztlich dieselben Emulator-Kerne verwenden wie eine manuelle RetroArch- oder Einzel-Installation, lassen sich pro-System-Overrides genauso granular setzen: Ein rechenintensives PS2-Spiel kann eine niedrigere interne Auflösung erhalten, während ein leichtgewichtiges SNES-Spiel von zusätzlichen Anti-Aliasing- und Scanline-Filtern profitiert, ohne dass sich diese Einstellungen gegenseitig beeinflussen. Diese Konfiguration ist optional – die von RetroDECK vorbelegten Standardwerte liefern für die meisten Systeme bereits ein spielbares Ergebnis.
Performance und Akkulaufzeit: Was RetroDECK auf dem Steam Deck wirklich leistet
Da RetroDECK, EmuDeck und Batocera im Kern dieselben Emulator-Binaries starten, existiert kein seriös belegbarer, generalisierbarer FPS-Unterschied zwischen den drei Tools – das bestätigt auch die Fachseite LinuxAdictos ausdrücklich in ihrem direkten Vergleich der drei Plattformen. Die tatsächliche Bildrate hängt stattdessen fast ausschließlich vom emulierten System selbst ab: SNES-, Game-Boy-Advance- und PS1-Titel laufen auf jeder Steam-Deck-Generation ohne nennenswerte Herausforderung mit vollen 60 Bildern pro Sekunde, während PS3-Titel über RPCS3 oder Wii-U-Spiele über CEMU deutlich mehr Rechenleistung fordern und je nach Spiel spürbare Frame-Drops zeigen können.
Für die Akkulaufzeit gilt die gleiche Logik: Leichte 8- und 16-Bit-Systeme belasten den Akku kaum stärker als das Abspielen eines Videos, während rechenintensive PS2- oder GameCube-Emulation über einen längeren Zeitraum spürbar mehr Energie zieht als native Steam-Deck-Spiele mit vergleichbarer grafischer Komplexität. Ein praktischer Tipp aus der Community: Wer überwiegend ältere 2D-Systeme spielt, kann in den SteamOS-Leistungseinstellungen die maximale TDP manuell begrenzen, ohne dass sich die Bildrate der emulierten Spiele merklich verschlechtert – ein einfacher Hebel für spürbar längere Sessions unterwegs.
Die 24 Komponenten von RetroDECK im Überblick
Das Herzstück von RetroDECK ist die Bündelung von 24 Komponenten aus fünf Kategorien in einer einzigen App. Die folgende Tabelle zeigt die vollständige, aus der offiziellen Dokumentation nachgezählte Aufstellung:
| Kategorie | Anzahl | Beispiele |
|---|---|---|
| Utilities | 4 | ES-DE, Flips, PortMaster, Steam ROM Manager |
| Multi-System-Emulatoren | 2 | MAME, RetroArch |
| Eigenständige Emulatoren | 13 | Azahar, CEMU, Dolphin, melonDS, PCSX2, Pico-8, Primehack, PPSSPP, RPCS3, Ruffle, Vita3K, XEMU, XRoar |
| Spiel-Engines | 4 | GZDoom, IKEMEN Go, OpenBOR, Solarus |
| Legacy | 1 | DuckStation |
Diese Aufteilung ist auf der offiziellen RetroDECK-Wiki-Seite selbst uneinheitlich beschriftet – die Rechenprobe (4+2+13+4+1) ergibt jedoch zuverlässig 24 Komponenten, unabhängig davon, wie einzelne Unterkategorien betitelt sind.
Die vier Utilities übernehmen dabei keine Emulation im eigentlichen Sinne, sondern Verwaltungsaufgaben: ES-DE stellt das Frontend, Flips patcht ROMs (etwa für inoffizielle Übersetzungen oder Bugfix-Patches, sofern Sie die Original-ROM legal besitzen), PortMaster installiert native Linux-Ports und Steam ROM Manager kümmert sich um Artwork und Bibliotheks-Metadaten. Die beiden Multi-System-Emulatoren MAME und RetroArch decken zusammen weit über hundert verschiedene Arcade- und Konsolensysteme ab und bilden praktisch das Rückgrat der Sammlung. Die 13 eigenständigen Emulatoren sind jeweils auf ein einzelnes System spezialisiert und bieten dadurch in der Regel die höchste Emulationsgenauigkeit, während die vier Spiel-Engines (GZDoom, IKEMEN Go, OpenBOR und Solarus) keine Konsolen emulieren, sondern moderne, quelloffene Nachimplementierungen älterer Spiel-Engines sind – etwa für Fan-Games oder Mods, die auf diesen Engines basieren.
Diese gebündelten Emulatoren hat shattered.io bereits im Detail getestet
Für mehrere der in RetroDECK enthaltenen Komponenten haben wir eigene, ausführliche Einrichtungs-Guides veröffentlicht, die auch unabhängig von RetroDECK als Einzelinstallation funktionieren: Dolphin für GameCube und Wii, PCSX2 für PlayStation 2, RPCS3 für PlayStation 3, Vita3K für PS Vita, PPSSPP für PSP, Cemu für Wii U, DuckStation für die originale PlayStation sowie RetroArch selbst als eigenständige Multi-System-Lösung. Wer tiefer in einen einzelnen Emulator einsteigen möchte – etwa für erweiterte Grafikeinstellungen, die über das RetroDECK-Standardprofil hinausgehen – findet in diesen Guides deutlich mehr Detailtiefe, als es der gebündelte Ansatz von RetroDECK bieten kann.
RetroDECK auf anderen Geräten: Legion Go, ROG Ally, Bazzite und Steam Machine
RetroDECK ist offiziell nicht auf das Steam Deck beschränkt. Die Dokumentation nennt explizit „x86_64-Handhelds mit Steam-Input-Unterstützung” als unterstützte Zielgeräte – das schließt Geräte wie den Lenovo Legion Go oder den ASUS ROG Ally grundsätzlich ein, sofern darauf eine kompatible x86_64-Linux-Distribution mit Flatpak läuft. Am zuverlässigsten funktioniert das über Bazzite, eine speziell für Handheld-Gaming optimierte Linux-Distribution, die RetroDECK direkt über denselben Discover-Store-Weg unterstützt wie SteamOS. Wer stattdessen bei Windows bleiben möchte, sollte auf EmuDeck ausweichen, da RetroDECK dort mangels nativer Unterstützung nicht installierbar ist.
Auf Geräten wie dem Legion Go oder dem ROG Ally, die werkseitig mit Windows ausgeliefert werden, setzt eine RetroDECK-Installation also zunächst voraus, dass eine Linux-Distribution parallel oder anstelle von Windows installiert wird – ein deutlich größerer Eingriff als eine reine App-Installation. Wer diesen Weg nicht gehen möchte, findet in unserem Bazzite-Guide eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie sich ein Zweitsystem einrichten lässt, ohne die bestehende Windows-Installation zu verlieren. Communitys rund um beide Handhelds berichten inzwischen von stabilen RetroDECK-Installationen unter Bazzite, auch wenn Valve selbst offiziell nur das Steam Deck als Zielgerät nennt. Grundsätzlich gilt: Überall dort, wo sich eine x86_64-Linux-Distribution mit Flatpak-Unterstützung installieren lässt, lässt sich anschließend auch RetroDECK einrichten – die einzige harte Grenze ist die Prozessorarchitektur, nicht der Gerätehersteller.
Interessant für die Zukunft: RetroDECKs offizielle Projektbeschreibung nennt inzwischen ausdrücklich auch „Linux-basierte PC-Konsolen wie die Steam Machine” als Zielplattform. Details zu Valves relaunchter Konsole und wie sie sich gegenüber dem klassischen Steam Deck schlägt, haben wir in unserem Steam-Machine-vs.-Steam-Deck-Vergleich zusammengefasst.
Häufige Stolperfallen bei der RetroDECK-Einrichtung
Falscher BIOS-Dateiname oder falsche Prüfsumme: Der integrierte BIOS-Checker vergleicht Dateien anhand exakter Namen und Hashes. Bereits eine minimal abweichende Dateiendung oder ein umbenanntes BIOS-File führt zu „nicht gefunden”, obwohl die Datei physisch vorhanden ist.
ROMs im falschen Systemordner abgelegt: Wird eine PS2-ROM versehentlich in den PS1-Ordner kopiert, taucht sie entweder gar nicht oder fehlerhaft in der Bibliothek auf. Die Ordnerbezeichnungen folgen keiner einheitlichen Konvention über alle Retro-Tools hinweg.
Verwechslung mit der EmuDeck-Ordnerstruktur: Wer von EmuDeck migriert und ROMs oder BIOS-Dateien 1:1 in dieselben Pfade kopiert, stößt auf abweichende Ordnernamen (z. B. „gc” statt „gamecube”) und muss manuell nacharbeiten.
Speicherort nachträglich ohne Migrationstool wechseln: Ein manuelles Verschieben des gesamten
retrodeck-Ordners auf eine andere Partition ohne die dafür vorgesehene Funktion in den Einstellungen kann interne Pfadverweise zerstören.Controller-Layout nicht zugewiesen: Wird das offizielle Steam-Deck-Controller-Layout im Ersteinrichtungs-Assistenten übersprungen, reagieren Menüs und Schnellspeicherfunktionen später inkonsistent oder gar nicht.
Update während unklarer Netzwerkverbindung abgebrochen: Ein unterbrochenes Flatpak-Update kann RetroDECK in einem inkonsistenten Zustand zurücklassen. Ein erneutes, vollständiges Update über Discover behebt das in der Regel zuverlässig.
Zugriffsrechte auf externe Laufwerke: Da jede Komponente sub-sandboxed läuft, benötigt RetroDECK für den Zugriff auf externe SD-Karten oder USB-Laufwerke explizite Flatpak-Berechtigungen, die im Zweifel manuell über Flatseal nachjustiert werden müssen.
ROMs mit ungewöhnlichen Dateiendungen: Manche Sammlungen enthalten komprimierte Formate wie .chd, .zip oder .7z, die nicht jeder Emulator-Kern gleichermaßen unterstützt. Wird ein Spiel in der Bibliothek angezeigt, lässt sich aber nicht starten, ist ein Format-Mismatch eine der wahrscheinlichsten Ursachen.
Zu kleine oder zu langsame microSD-Karte gewählt: Karten unterhalb der UHS-I-Geschwindigkeitsklasse führen bei großen Sammlungen zu spürbar längeren Ladezeiten und einem trägen Bibliotheks-Scan – ein Detail, das beim Kauf leicht übersehen wird, sich aber direkt auf das tägliche Nutzungserlebnis auswirkt.
Fehlerbehebung: Die häufigsten RetroDECK-Probleme
RetroDECK startet nicht oder stürzt beim Start ab.
Prüfen Sie zunächst, ob eine neuere Version verfügbar ist (flatpak update net.retrodeck.retrodeck) und starten Sie das Gerät danach neu. Bleibt das Problem bestehen, hilft häufig ein Zurücksetzen der Konfigurationsdateien über die RetroDECK-Reset-Option im Menü, ohne dass ROMs oder Spielstände verloren gehen.
„BIOS nicht gefunden” trotz korrekt abgelegter Datei.
Öffnen Sie den BIOS-Checker erneut und vergleichen Sie den exakt erwarteten Dateinamen mit Ihrer Datei. Groß-/Kleinschreibung und Dateiendung müssen exakt übereinstimmen; unter Linux wird dabei anders als unter Windows strikt zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden.
Spiel startet, aber der Bildschirm bleibt schwarz.
Meist liegt das an einem inkompatiblen Grafik-Backend im jeweiligen Emulator-Kern. Wechseln Sie in den Core-Einstellungen testweise von Vulkan auf OpenGL (oder umgekehrt) und prüfen Sie, ob das Bild danach erscheint.
Ruckler und Frame-Drops bei rechenintensiven Systemen.
Besonders PS3- und Wii-U-Titel über RPCS3 bzw. CEMU sind auf dem Steam Deck rechenintensiv. Reduzieren Sie die interne Auflösung, deaktivieren Sie anspruchsvolle Shader und stellen Sie sicher, dass das Gerät nicht im Akkusparmodus läuft.
Spielstand nach einem Update verschwunden.
Spielstände liegen unverändert im saves/-Ordner und werden von Updates nicht gelöscht. In den meisten Fällen liegt das Problem an einer geänderten Kernversion, die alte Spielstände in einem anderen Format erwartet – ein Blick in die Release Notes der betroffenen Komponente schafft Klarheit.
Controller wird nicht erkannt oder falsch belegt.
Prüfen Sie im Steam-Eigenschaftenmenü des RetroDECK-Bibliothekseintrags, ob als Controller-Layout tatsächlich „Gamepad” statt „Desktop-Konfiguration” aktiv ist. Externe Bluetooth-Controller müssen zusätzlich in den Systemeinstellungen gekoppelt sein, bevor sie in ES-DE erscheinen.
RetroDECK erscheint nicht im Gaming-Modus.
Das deutet fast immer darauf hin, dass Schritt 10 (Hinzufügen als Nicht-Steam-Spiel) nicht korrekt abgeschlossen wurde oder Steam seit dem Hinzufügen nicht neu gestartet wurde. Ein vollständiger Steam-Neustart im Desktop-Modus behebt das üblicherweise.
microSD-Karte wird nicht erkannt oder läuft voll.
Formatieren Sie die Karte im exFAT-Dateisystem und prüfen Sie den freien Speicherplatz über den Dateimanager im Desktop-Modus. Karten mit beschädigten Sektoren äußern sich häufig durch scheinbar zufällige Abstürze beim Laden bestimmter ROMs – ein Karten-Check schafft schnell Klarheit.
Flatpak-Update schlägt mit „Failed to install” fehl.
Meist reicht es, den lokalen Flatpak-Cache zu bereinigen: flatpak uninstall --unused gefolgt von einem erneuten flatpak update. Bleibt der Fehler bestehen, kann eine vollständige Neuinstallation der App die Konfiguration in ~/retrodeck unangetastet lassen, sofern nur die App selbst neu installiert wird.
Kein Ton oder stark verzerrter Sound in bestimmten Spielen.
Audioprobleme treten am häufigsten bei PS2- und GameCube-Titeln auf, wenn die interne Audio-Latenz des jeweiligen Emulator-Kerns nicht zur Systemlast passt. Erhöhen Sie in den Core-Einstellungen testweise den Audio-Puffer, was minimal mehr Verzögerung, aber deutlich stabileren Klang liefert.
Erweiterte Tipps für Power-User
Wer die Grundeinrichtung abgeschlossen hat, kann RetroDECK mit ein paar zusätzlichen Handgriffen deutlich komfortabler machen. Der integrierte Steam ROM Manager generiert automatisch Artwork und Cover für die Bibliothek und lässt sich direkt aus dem RetroDECK-Menü heraus starten. PortMaster, ebenfalls Teil des Bundles, bringt native Linux-Ports älterer Spiele auf das Steam Deck, ganz ohne klassische Emulation. Über den gebündelten RetroArch-Kern lassen sich zudem RetroAchievements aktivieren, sofern der jeweilige Emulator-Kern diese Funktion unterstützt – ein Pluspunkt für alle, die auch bei Retro-Klassikern nicht auf Erfolge verzichten wollen.
Für Mehrspieler-Sessions auf einem Gerät lohnt sich ein Blick in die Multi-Controller-Einstellungen der einzelnen Kerne: Viele der 24 Komponenten unterstützen lokalen Mehrspielermodus mit bis zu vier gekoppelten Bluetooth-Controllern gleichzeitig, was das Steam Deck – trotz seiner Handheld-Form – zu einer überraschend praktikablen Retro-Konsolenzentrale für den Wohnzimmer-Fernseher via USB-C-Dock macht. Wer sein Steam Deck regelmäßig an mehrere Personen weitergibt, sollte außerdem separate Benutzerprofile innerhalb von ES-DE anlegen, um individuelle Spielstände, Bewertungen und zuletzt gespielte Listen sauber zu trennen.
Für große ROM-Sammlungen lohnt sich der Umweg über SSH statt eines langsamen USB-Sticks. Aktivieren Sie den SSH-Zugriff im Desktop-Modus und übertragen Sie Dateien bequem vom heimischen PC aus:
scp -r ./meine-rom-sammlung/ [email protected]:~/retrodeck/roms/snes/
Für regelmäßige Backups von Spielständen und Konfiguration empfiehlt sich ein einfaches Shell-Skript, das den kompletten RetroDECK-Ordner vor größeren Änderungen sichert:
#!/bin/bash
# retrodeck-backup.sh – sichert Saves, States und Konfiguration
BACKUP_DATE=$(date +%Y-%m-%d)
tar -czf ~/retrodeck-backup-$BACKUP_DATE.tar.gz \
~/retrodeck/saves \
~/retrodeck/states \
~/.var/app/net.retrodeck.retrodeck/config
echo "Backup gespeichert unter ~/retrodeck-backup-$BACKUP_DATE.tar.gz"
Wer die Entwicklung des Projekts im Blick behalten möchte, ohne regelmäßig manuell auf GitHub nachzuschauen, kann sich mit wenigen Zeilen Node.js über die GitHub-API automatisch über neue Releases informieren lassen:
const https = require("https");
https.get(
"https://api.github.com/repos/RetroDECK/RetroDECK/releases/latest",
{ headers: { "User-Agent": "retrodeck-update-check" } },
(res) => {
let data = "";
res.on("data", (chunk) => (data += chunk));
res.on("end", () => {
const release = JSON.parse(data);
console.log(`Neueste Version: ${release.tag_name}`);
console.log(`Veröffentlicht am: ${release.published_at}`);
});
}
);
// Beispielausgabe:
// Neueste Version: 0.10.9b
// Veröffentlicht am: 2026-05-30T03:06:17Z
Rechtliche Grundlagen: BIOS-Dateien und ROMs in Deutschland
RetroDECK selbst ist als Open-Source-Software unter der GPL-3.0-Lizenz vollkommen legal nutzbar. Rechtlich heikel wird es erst bei den Inhalten, die Sie damit ausführen: BIOS-Dateien und ROMs. Nach deutschem Urheberrecht greift für Computerprogramme nicht die allgemeine Privatkopie-Schranke aus § 53 UrhG, sondern die deutlich engere Regelung für Computerprogramme in § 69d UrhG. Diese erlaubt ausdrücklich nur eine Sicherungskopie eines Programms, das rechtmäßig erworben wurde – nicht aber das Herunterladen von BIOS-Dateien oder ROMs aus dem Internet, selbst wenn Sie das Originalspiel oder die Originalkonsole bereits besitzen.
Legal ist ausschließlich das eigenständige Auslesen einer BIOS-Datei aus einer Konsole, die Ihnen gehört, oder das Extrahieren einer ROM von einem Datenträger, den Sie selbst besitzen. Der Europäische Gerichtshof hat diese Linie in der Rechtssache C-355/12 (Nintendo/PC Box) im Kern bestätigt: Technische Schutzmaßnahmen von Konsolenherstellern genießen rechtlichen Schutz, solange sie verhältnismäßig eingesetzt werden, während Interoperabilitäts-Software wie Emulatoren selbst grundsätzlich zulässig bleibt. Für den privaten Gebrauch bedeutet das in der Praxis: RetroDECK und die darin gebündelten Emulatoren zu betreiben ist unproblematisch, das Beschaffen von BIOS-Dateien und ROMs aus dem Internet dagegen nicht – unabhängig vom Alter des jeweiligen Spiels oder der jeweiligen Konsole.
Für Leserinnen und Leser in Österreich und der Schweiz gilt im Kern dieselbe Grundlinie: Österreichs § 40a Abs. 3 UrhG erlaubt Nutzungsberechtigten ausdrücklich eine Sicherungskopie eines Computerprogramms, soweit diese für die Nutzung notwendig ist – ebenfalls in Umsetzung der EU-Softwarerichtlinie und damit inhaltlich eng an die deutsche Regelung angelehnt. Das Schweizer Urheberrechtsgesetz erlaubt in Art. 24 Abs. 2 URG unabhängig von einer EU-Richtlinie ebenfalls nur eine Sicherungskopie rechtmäßig erworbener Software und kennt keine allgemeine, weite Privatkopie-Schranke für Programme. In allen drei DACH-Ländern gilt damit dieselbe praktische Konsequenz: Eigene Konsole, eigene Discs, eigenes Auslesen – alles andere bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis, unabhängig davon, welches Land konkret zuständig ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist RetroDECK kostenlos?
Ja, RetroDECK ist vollständig kostenlose Open-Source-Software unter der GPL-3.0-Lizenz und wird ausschließlich über Flathub verteilt.
Läuft RetroDECK auch unter Windows?
Nein. RetroDECK ist offiziell ausschließlich für x86_64-Linux-Systeme wie SteamOS, Bazzite oder ChimeraOS verfügbar. Wer auf Windows setzt, sollte stattdessen EmuDeck in Betracht ziehen.
Wie lange dauert es, RetroDECK vollständig einzurichten?
Die reine Installation dauert wenige Minuten. Rechnen Sie inklusive Ersteinrichtungs-Assistent, BIOS-Prüfung und dem Hinzufügen einer ersten kleinen ROM-Sammlung mit insgesamt 20 bis 40 Minuten.
Brauche ich zwingend BIOS-Dateien?
Nicht für jedes System. Manche Emulatoren wie PPSSPP oder DuckStation können auch ohne offizielle BIOS-Datei starten (High-Level-Emulation), liefern damit aber teils weniger originalgetreue Ergebnisse. Für PlayStation-, Saturn- und mehrere Nintendo-Systeme sind echte BIOS-Dateien praktisch unverzichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen RetroDECK und RetroArch?
RetroArch ist selbst nur eine von 24 Komponenten, die RetroDECK bündelt. RetroDECK liefert zusätzlich eigenständige Emulatoren wie Dolphin oder RPCS3, ein einheitliches Frontend (ES-DE), einen BIOS-Checker und eine vereinheitlichte Ordnerstruktur, die über das reine RetroArch-Erlebnis hinausgeht.
Kann ich RetroDECK und Steam parallel nutzen, ohne dass sich beide in die Quere kommen?
Ja. RetroDECK läuft als sandboxed Flatpak-Anwendung isoliert von Ihrer regulären Steam-Bibliothek und wird lediglich als zusätzlicher Bibliothekseintrag hinzugefügt. Es gibt keine Konflikte mit regulären Steam-Spielen.
Wie aktualisiere ich RetroDECK auf die neueste Version?
Öffnen Sie im Desktop-Modus den Discover Store, suchen Sie RetroDECK und klicken Sie auf „Aktualisieren”, falls eine neue Version verfügbar ist. Alternativ genügt der Terminal-Befehl flatpak update net.retrodeck.retrodeck.
Funktioniert RetroDECK auch auf der neuen Steam Machine?
RetroDECKs offizielle Projektbeschreibung nennt „Linux-basierte PC-Konsolen wie die Steam Machine” ausdrücklich als Zielplattform. Da die Steam Machine auf SteamOS basiert, sollte die Installation über denselben Discover-Store-Weg wie beim Steam Deck funktionieren.
Wer diese 12 Schritte durchgearbeitet hat, dürfte RetroDECK einrichten mittlerweile im Schlaf beherrschen: vom ersten Discover-Suchtreffer bis zur fein abgestimmten Bibliothek im Gaming-Modus. Der größte Vorteil gegenüber einer manuellen Einzel-Emulator-Installation zeigt sich dabei meist erst im Alltag – ein einziger Klick auf „Aktualisieren” hält alle 24 Komponenten synchron, während BIOS-Checker und einheitliche Ordnerstruktur typische Fehlerquellen von vornherein entschärfen. Wer künftig weitere Emulatoren einzeln vertiefen möchte, findet in den verlinkten Einzel-Guides den nächsten Schritt.
Das könnte Sie auch interessieren
- EmuDeck vs. Batocera: 160+ Systeme im Vergleich
- Batocera installieren: 200+ Systeme in 12 Schritten
- Bazzite installieren: Fedora 44 in 13 Schritten
- RetroArch einrichten: 100+ Cores in 12 Schritten
- Dolphin Emulator einrichten: Wii in 4K
- RPCS3 einrichten: 75 % PS3-Spiele spielbar
- Vita3K einrichten: 56 % Spiele spielbar
- Steam Machine vs. Steam Deck im Vergleich
Weitere Setup-Guides, Vergleiche und aktuelle Nachrichten rund um Gaming-Hardware und Emulation finden Sie in unserer Gaming-Rubrik.




