Ein Jahr, nachdem die EU-Kommission gegen Apple eine Strafe von 500 Millionen Euro wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act (DMA) verhängt hat, zeigt sich ein zwiespältiges Bild: Der Epic Games Store ist zwar seit August 2024 offiziell auf dem iPhone in der EU verfügbar, kommt aber auch im Frühjahr 2026 nur auf rund 20 Drittanbieter-Spiele. Ein Arbeitsdokument der EU-Kommission vom 28. April 2026 bestätigt, dass das Verfahren gegen Apples App-Vertrieb weiterhin offen ist. Für Deutschland und die DACH-Region, wo der Games-Markt laut Branchenverband game 2025 auf 9,4 Milliarden Euro gewachsen ist, ist die Frage, wie offen Apples Plattform tatsächlich wird, auch eine wirtschaftliche.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie schwer sich Brüssels wichtigstes Digitalgesetz gegen die Marktmacht der Plattformkonzerne durchsetzt – und warum Epic Games Store, Apple und die EU-Kommission auch 2026 noch über Gebühren, Installationswege und Zulassungsregeln streiten.

Was bisher geschah: Die 500-Millionen-Euro-Strafe im Rückblick

Am 23. April 2025 verhängte die EU-Kommission eine Geldstrafe von 500 Millionen Euro gegen Apple und 200 Millionen Euro gegen Meta – die ersten Bußgelder überhaupt unter dem Digital Markets Act. Im Fall Apple ging es konkret um sogenannte Anti-Steering-Regeln im App Store: Der Konzern hatte Entwicklern lange untersagt, Nutzer innerhalb ihrer Apps auf günstigere Angebote außerhalb des App Store hinzuweisen. Wer Links zu externen Zahlungsmethoden setzen wollte, musste zudem einschüchternde Warnbildschirme einblenden, die Nutzer von der Nutzung alternativer Angebote abhalten sollten. Eine Analyse von Tech Policy Press fasst die beanstandeten Praktiken detailliert zusammen.

Die Kommission ordnete an, dass Apple die technischen und kommerziellen Beschränkungen für Steering aufheben und Entwicklern erlauben muss, kostenlos auf alternative Angebote hinzuweisen. Als Reaktion senkte Apple seine ursprüngliche Gebühr von bis zu 17 Prozent auf externe Verkäufe: Seitdem gilt eine einmalige „Initial Acquisition Fee” von 5 Prozent sowie eine laufende „Store Services Fee” von 10 Prozent auf Käufe, die innerhalb von zwölf Monaten nach der Installation über externe Links getätigt werden.

Der Digital Markets Act: Wie Brüssel den App Store aufbrechen will

Der Digital Markets Act verpflichtet sogenannte Torwächter (Gatekeeper) – Konzerne mit besonders großer Marktmacht bei zentralen Plattformdiensten – dazu, Drittanbietern Zugang zu ihren Ökosystemen zu gewähren. Für Apple bedeutet das unter anderem: alternative App Stores zulassen, Sideloading ermöglichen und Nutzern die freie Wahl von Zahlungsmethoden lassen. Verstöße können nach Artikel 30 der Verordnung (EU) 2022/1925 mit Bußgeldern von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, bei wiederholten Verstößen sogar bis zu 20 Prozent.

Vom Verfahren zur Strafe: Die Zeitlinie

Die Kommission eröffnete das Verfahren gegen Apples App-Store-Regeln bereits am 24. Juni 2024. Am 16. August 2024 startete daraufhin der Epic Games Store gemeinsam mit Fortnite auf dem iPhone in der EU – vorausgesetzt, Nutzer hatten mindestens iOS 17.4 installiert. Für iPads mussten Epic-Kunden bis zur Einführung von iPadOS 18 warten. Es folgten die Bußgeldentscheidung im April 2025, eine für Apple positive Teilentscheidung im Februar 2026 und schließlich das Arbeitsdokument vom April 2026, das den offenen Status des Hauptverfahrens bestätigt.

Epic Games Store auf dem iPhone: Der Stand im Frühjahr 2026

Der Epic Games Store bleibt bislang ein EU-exklusives Angebot auf dem iPhone – außerhalb der Europäischen Union können iOS-Nutzer weiterhin nur über den offiziellen App Store auf Fortnite und andere Epic-Titel zugreifen. Innerhalb der EU listet der Store nach Angaben von MacRumors derzeit knapp 20 Spiele Dritter, ergänzt um Epics eigene Titel. Das ist ein überschaubarer Katalog für ein Vorhaben, das ursprünglich als Öffnung des gesamten iOS-Ökosystems für konkurrierende Vertriebsplattformen angetreten war.

Ein Grund dafür liegt in den Zulassungsvoraussetzungen, die Apple für alternative App-Marktplätze verlangt: Entwickler benötigen entweder eine Bankbürgschaft („Standby Letter of Credit”) über 1.000.000 Euro oder alternativ zwei Jahre Mitgliedschaft im Apple-Entwicklerprogramm mit mindestens einer Million Installationen in der EU. Um diese Hürde für kleinere Studios abzufedern, kündigte Epic Games an, die sogenannte Core Technology Fee für Entwickler, die ihre Apps in den Epic Games Store bringen, im ersten Jahr selbst zu übernehmen.

Apples Gebührenmodell: Core Technology Fee und Store Services Fee

Kern der Kritik an Apples DMA-Umsetzung ist ein mehrstufiges Gebührenmodell, das Entwicklern trotz alternativer Vertriebswege weiterhin Kosten auferlegt. Die Core Technology Fee von 0,50 Euro pro Erstinstallation greift, sobald eine App in einem Zeitraum von zwölf Monaten mehr als eine Million Installationen in der EU erreicht – betroffen sind nur Entwickler mit einem weltweiten Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Euro. Für Nischentitel bleibt sie ohne Wirkung, für Spiele mit großer Reichweite wie Fortnite kann sie sich jedoch schnell summieren.

GebührHöheWann sie greift
Core Technology Fee0,50 € pro InstallationAb der 1.-millionsten Erstinstallation pro Jahr, bei >10 Mio. € weltweitem Umsatz
Initial Acquisition Fee5 %Einmalig auf Käufe über externe Links, erste 12 Monate nach Installation
Store Services Fee10 % (vormals bis zu 17 %)Laufend auf Käufe über externe Links im ersten Jahr
Standby Letter of Credit1.000.000 €Alternative Zulassungsvoraussetzung für neue App-Marktplätze
Alternative Zulassung2 Jahre Mitgliedschaft + 1 Mio. InstallationenZweiter zulässiger Weg statt Kreditbrief
DMA-Bußgeldrahmenbis 10 % (20 % bei Wiederholung) des weltweiten JahresumsatzesMaximalstrafe laut Art. 30, Verordnung (EU) 2022/1925

Entwickler und Wettbewerbsjuristen kritisieren seit der Einführung, dass sich aus mehreren kleinen Gebühren de facto eine Belastung ergibt, die der ursprünglichen App-Store-Provision von 30 Prozent nahekommen kann, sobald ein Titel erfolgreich wird. Genau diese Kombination aus Fees ist auch Gegenstand des laufenden Kommissionsverfahrens.

Was Epic Games zur Entwicklung sagt

Epic Games hat die Auswirkungen der DMA-Durchsetzung mehrfach öffentlich kommentiert – zunächst euphorisch, später mit konkreten Zahlen zur Verbesserung des Installationsprozesses. Kurz nachdem die Kommission 2024 klarstellte, dass auch iPads unter den DMA fallen, schrieb der offizielle Account des Unternehmens:

„Die Europäische Kommission hat heute erklärt, dass auch iPads dem Digital Markets Act unterliegen müssen. Wir arbeiten mit Volldampf daran, Fortnite und den Epic Games Store bald auf iPhones in der EU zu bringen – und noch in diesem Jahr auch auf iPads!” – Epic Games Newsroom, offizieller Unternehmensaccount (Quelle)

Später, nachdem Apple unter dem Druck der laufenden Durchsetzung Änderungen am Installationsprozess vorgenommen hatte, zog Epic eine differenziertere Bilanz. Das Unternehmen erklärte gegenüber Thurrott.com:

„Als Reaktion auf die anhaltende Durchsetzung des Digital Markets Act hat Apple den Installationsprozess für alternative App Stores aus dem Web in der Europäischen Union unter iOS deutlich verbessert.” – Epic Games (Quelle)

„Sie haben den Installationsprozess von 15 auf 6 Schritte reduziert, den früheren Warnbildschirm mit seiner irreführenden Botschaft entfernt und eine Sackgasse beseitigt, in der Nutzer zuvor in den iOS-Einstellungen hängen blieben.” – Epic Games (Quelle)

Konkrete Zahlen zur Wirkung dieser Vereinfachung lieferte Epic gleich mit: „Infolgedessen verzeichnen wir einen beeindruckenden Rückgang der Spieler-Abbruchquote um 60 Prozent bei Installationsversuchen des Epic Games Store.” – Epic Games (Quelle)

Bereits im Februar 2024, direkt nach der Ankündigung der iOS-Öffnung, hatte Epic den regulatorischen Hebel klar benannt. Wie TechCrunch damals berichtete: „Das Unternehmen teilte heute mit, dass es sein Apple Developer Account erhalten hat und dank des neuen Digital Markets Act bald mit der Entwicklung des Epic Games Store für iOS beginnen wird.” (Quelle)

Apples Gegenposition: Sicherheit versus Wettbewerb

Apple verteidigt sein Vorgehen mit Sicherheitsargumenten. In einer Stellungnahme im Apple Newsroom vom September 2025 argumentiert der Konzern, der DMA zwinge ihn dazu, „Sideloading, andere App-Marktplätze und alternative Zahlungssysteme zuzulassen – selbst wenn diese nicht denselben hohen Datenschutz- und Sicherheitsstandards wie der App Store entsprechen”. Als Beleg führt Apple an, dass über alternative Marktplätze inzwischen auch Pornografie-Apps verfügbar seien, die im offiziellen App Store nie zugelassen worden wären – konkret nennt der Konzern die App „Hot Tub”, die über den alternativen Store AltStore vertrieben wird. Die vollständige Stellungnahme ist im Apple Newsroom einsehbar.

Bemerkenswert an Apples Argumentation ist, dass sie überwiegend qualitativ bleibt: Der Konzern nennt keine belastbaren Zahlen zu Sicherheitsvorfällen oder einer quantifizierten Zunahme von Risiken, sondern verweist auf Einzelbeispiele. Kritiker werten das als Indiz dafür, dass die Sicherheitsdebatte auch strategisch genutzt wird, um die wirtschaftlichen Folgen der Marktöffnung – sinkende Provisionseinnahmen – zu relativieren.

Historischer Kontext: Vom Fortnite-Rauswurf zum DMA-Verfahren

Der Streit zwischen Epic und Apple reicht deutlich weiter zurück als der Digital Markets Act selbst. Er begann 2020, als Apple Fortnite aus dem App Store entfernte, nachdem Epic ein eigenes, provisionsfreies Zahlungssystem in die App integriert hatte – ein direkter Verstoß gegen die damaligen App-Store-Richtlinien. Der folgende Rechtsstreit „Epic Games gegen Apple” vor US-Gerichten brachte zwar in einzelnen Punkten Erfolge für Epic, etwa beim Recht auf externe Zahlungslinks, führte aber nicht zur grundsätzlichen Marktöffnung, die Epic anstrebte.

2024: Brüssel übernimmt, wo US-Gerichte an Grenzen stießen

Erst der Digital Markets Act, der seit März 2024 für sogenannte Torwächter-Dienste gilt, verschaffte Epic in der EU einen regulatorisch erzwungenen Zugang zum iPhone – etwas, das der Konzern in den USA trotz jahrelanger Prozesse nicht in vergleichbarem Umfang erreicht hatte. Die Parallele zeigt, wie unterschiedlich Kartellrecht und plattformspezifische Regulierung wirken: Während das US-Verfahren auf Einzelfragen wie Zahlungslinks fokussiert blieb, verpflichtet der DMA Apple strukturell zur Öffnung – wenn auch, wie die aktuellen Zahlen zeigen, mit spürbarer Reibung in der Umsetzung.

Wettbewerbsvergleich: Epic Games Store, App Store, Google Play und Steam

Im Vergleich der großen Vertriebsplattformen zeigt sich, warum die Provisionsfrage für Spieleentwickler so zentral ist. Apples App Store und Google Play arbeiten traditionell mit einer Standardprovision von 30 Prozent, reduziert auf 15 Prozent für Entwickler mit weniger als einer Million US-Dollar Jahresumsatz im jeweiligen „Small Business Program”. Der Epic Games Store unterbietet dieses Modell seit seinem Start auf dem PC deutlich, wie unser Vergleich von Steam und Epic Games Store zeigt: 12 Prozent Standardprovision, 0 Prozent für Titel, die mit Epics eigener Unreal Engine entwickelt wurden.

PlattformProvisionVerfügbarkeit auf iPhone (EU)Anmerkung
Apple App Store30 % Standard, 15 % im Small Business ProgramVorinstalliert auf jedem iPhoneWeiterhin dominanter Vertriebsweg trotz DMA
Epic Games Store12 % Standard, 0 % bei Unreal-Engine-TitelnNur in der EU, ca. 20 Drittanbieter-SpieleSeit 16. August 2024 auf iPhone verfügbar
Google Play Store30 % Standard, 15 % im ersten 1 Mio. $ UmsatzAlle Android-Geräte, weltweitEbenfalls als Torwächter unter dem DMA eingestuft
Steam30 % StandardNicht verfügbar (PC-fokussiert)Zum Vergleich: dominante PC-Plattform

Auffällig ist, dass Google im Rahmen des DMA ebenfalls als Torwächter eingestuft wurde, die öffentliche Aufmerksamkeit sich aber stark auf Apple konzentriert. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Android technisch schon lange vor dem DMA Sideloading und alternative App-Stores wie Huawei AppGallery erlaubte, während Apples iOS-Ökosystem historisch vollständig geschlossen war. Belastbare, aktuelle Nutzungszahlen für den Epic Games Store auf Android in der EU liegen öffentlich bislang nicht in vergleichbarer Detailtiefe vor wie für die iOS-Variante.

Deutschland und die DACH-Region: Wachsender Markt, wachsender Regulierungsdruck

Für den deutschen Games-Markt ist die Frage der Plattformöffnung mehr als eine juristische Fußnote. Laut dem Branchenverband game – Verband der deutschen Games-Branche wuchs der deutsche Games-Markt 2025 um 4 Prozent auf rund 9,4 Milliarden Euro, inklusive Spielen, Hardware und Online-Diensten. Der vollständige Jahresreport ist auf game.de abrufbar. Eine abweichende Schätzung von Statista Market Insights beziffert den deutschen Gesamtmarkt für 2025 auf rund 12,0 Milliarden Euro, davon etwa 4,2 Milliarden Euro auf mobile Spiele entfallend – ein Mobile-Anteil von rund 35 Prozent. Die Differenz erklärt sich vor allem durch unterschiedliche Marktabgrenzungen der beiden Quellen.

Gerade der mobile Anteil macht deutlich, warum Fragen der App-Store-Provision für deutsche Entwicklerstudios wirtschaftlich relevant sind: Ein spürbarer Teil der Einnahmen aus mobilen Spielen fließt direkt an Apple oder Google, bevor Studios oder Publisher überhaupt kalkulieren. Gleichzeitig ist Deutschland auch regulatorisch aktiv geworden: Die Bundesnetzagentur ermittelt parallel unter dem Digital Services Act gegen die Plattform Steam, wie unsere Berichterstattung zu den Bundesnetzagentur-Ermittlungen zeigt. Das unterstreicht, dass der Regulierungsdruck auf Spieleplattformen in der EU längst nicht auf Apple und den DMA beschränkt ist, sondern auch auf nationaler Ebene und über andere Digitalgesetze wie den DSA läuft.

Reaktionen deutscher Verbraucherschützer und Verbände

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begleitet die DMA-Umsetzung seit Jahren kritisch. Der Verband fordert, dass Nutzer vorinstallierte Apps löschen und alternative, günstigere App-Stores ohne Hindernisse installieren können sollen – ein Ziel, das aus Sicht des vzbv „mehr Wahlfreiheit” für Verbraucher schaffen soll. Die entsprechende vzbv-Position ist online dokumentiert. Eine Analyse des Beratungsunternehmens conpolicy zur vzbv-Überwachung kommt zu dem Schluss, dass die geforderten Änderungen für Android- und iPhone-Nutzer zum Stichtag nicht vollständig umgesetzt worden seien – ein Befund, der sich mit dem im April 2026 bestätigten offenen Verfahrensstatus der Kommission deckt.

Auch der Digitalverband Bitkom hat sich in die Debatte eingeschaltet und im Oktober 2025 ein Positionspapier zur laufenden Überprüfung des DMA durch die EU-Kommission eingereicht. Eine wörtliche Stellungnahme Bitkoms speziell zur App-Store-Provisionsfrage liegt öffentlich nicht in zitierfähiger Form vor, die grundsätzliche Stoßrichtung des Verbands – mehr Rechtssicherheit und praktikable Umsetzung für Unternehmen – ist jedoch dokumentiert.

Marktauswirkungen: Was die Öffnung für Entwickler und Spieler bedeutet

Für Spieleentwickler in Deutschland und der gesamten DACH-Region verändert der DMA die Kalkulation grundlegend, auch wenn die praktischen Effekte bislang begrenzt bleiben. Kleinere Studios, die bislang vollständig von Apples 30-Prozent-Provision abhängig waren, erhalten mit dem Epic Games Store theoretisch einen günstigeren Vertriebsweg mit 12 statt 30 Prozent Provision. In der Praxis lohnt sich der Wechsel aber erst ab einer gewissen Reichweite, da die Core Technology Fee bei sehr erfolgreichen Titeln zusätzliche Kosten erzeugt und die Zulassungshürden – Kreditbrief oder Installationshistorie – für kleine Teams eine reale Einstiegsbarriere darstellen.

Für Spieler bedeutet die Marktöffnung mehr Auswahl, allerdings noch in überschaubarem Umfang: Rund 20 zusätzliche Titel über den Epic Games Store stehen einem App Store mit weit über einer Million Apps gegenüber. Der eigentliche Wert der DMA-Durchsetzung liegt daher weniger im aktuellen Angebot als im Präzedenzfall: Sollte sich das Modell etablieren, könnten weitere Anbieter – etwa spezialisierte Stores für Indie-Spiele oder regionale Anbieter – dem Beispiel von Epic folgen.

Ausblick: Prognosen für die zweite Jahreshälfte 2026

  • Weitere Kommissionsentscheidung wahrscheinlich: Nachdem das Arbeitsdokument vom 28. April 2026 den offenen Status des Hauptverfahrens bestätigt hat, ist im weiteren Jahresverlauf 2026 mit einer inhaltlichen Entscheidung zu Apples Gebührenmodell und Installationsprozess zu rechnen.
  • Wachsender Druck auf Google: Da Google parallel als Torwächter eingestuft ist, dürfte die öffentliche und regulatorische Aufmerksamkeit für Android-Vertriebswege 2026 zunehmen, auch wenn Apple bislang im Zentrum der Debatte steht.
  • Vorsichtiges Wachstum des Epic-Katalogs: Der Katalog des Epic Games Store auf iOS dürfte sich langsam über die aktuellen rund 20 Titel hinaus erweitern, sofern Epic die Übernahme der Core Technology Fee für Partner-Entwickler fortsetzt.
  • Anhaltender Druck deutscher Verbände: vzbv und weitere Verbraucherschützer dürften weiter auf eine vollständige DMA-Umsetzung drängen und könnten bei ausbleibenden Fortschritten neue Beschwerden bei der Kommission einreichen.
  • Bußgeldrisiko bleibt bestehen: Sollte die Kommission erneute Verstöße feststellen, drohen Apple wiederholte Sanktionen – laut DMA-Rahmen bis zu 20 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes bei wiederholten Verstößen, eine Summe, die die bisherige 500-Millionen-Euro-Strafe deutlich übersteigen würde.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Digital Markets Act (DMA) der EU?

Der Digital Markets Act ist eine EU-Verordnung, die seit März 2024 für sogenannte Torwächter gilt – Konzerne mit besonders großer Marktmacht bei zentralen Plattformdiensten. Er verpflichtet diese Unternehmen unter anderem dazu, alternative App-Stores, Sideloading und freie Zahlungsmethoden zuzulassen.

Warum musste Apple 500 Millionen Euro Strafe zahlen?

Die EU-Kommission verhängte die Strafe am 23. April 2025, weil Apple Entwicklern verboten hatte, Nutzer in Apps auf günstigere Angebote außerhalb des App Store hinzuweisen, und zudem einschüchternde Warnbildschirme für alternative Zahlungswege einsetzte.

Wie viele Spiele bietet der Epic Games Store auf dem iPhone in der EU?

Nach verfügbaren Angaben umfasst der Katalog im Frühjahr 2026 rund 20 Drittanbieter-Spiele zusätzlich zu Epics eigenen Titeln wie Fortnite. Das Angebot ist damit deutlich kleiner als der App Store, wächst aber kontinuierlich.

Welche Gebühren verlangt Apple trotz des DMA weiterhin von Entwicklern?

Apple erhebt weiterhin eine Core Technology Fee von 0,50 Euro pro Installation ab der millionsten Erstinstallation, eine einmalige Acquisition Fee von 5 Prozent sowie eine laufende Store Services Fee von 10 Prozent auf externe Käufe im ersten Jahr nach Installation.

Ist der Epic Games Store auch außerhalb der EU auf dem iPhone verfügbar?

Nein. Der Epic Games Store ist auf dem iPhone bislang ausschließlich in der Europäischen Union verfügbar, da nur dort die DMA-Verpflichtungen für Apple gelten. Außerhalb der EU bleibt der App Store der einzige offizielle Vertriebsweg für iOS-Apps.

Wie hat sich der Installationsprozess für den Epic Games Store verbessert?

Laut Epic Games wurde der Installationsprozess von 15 auf 6 Schritte verkürzt, ein früherer Warnbildschirm entfernt und eine technische Sackgasse in den iOS-Einstellungen beseitigt. Epic beziffert den daraus resultierenden Rückgang von Installationsabbrüchen auf 60 Prozent.

Wie begründet Apple seine fortbestehenden Beschränkungen?

Apple verweist auf Sicherheitsrisiken durch Sideloading und alternative Stores, etwa die Verfügbarkeit von Inhalten, die im offiziellen App Store nie zugelassen worden wären. Konkrete, quantifizierte Sicherheitsdaten liefert Apple in seiner öffentlichen Stellungnahme allerdings nicht.

Was bedeutet der DMA für deutsche Gamer und Entwickler?

Für deutsche Spieler bedeutet er mehr Auswahl bei Vertriebsplattformen, für Entwickler potenziell niedrigere Provisionen über den Epic Games Store. Angesichts des 9,4 Milliarden Euro schweren deutschen Games-Marktes und paralleler Ermittlungen wie jener der Bundesnetzagentur gegen Steam bleibt die Plattformregulierung ein zentrales Thema für die Branche in Deutschland.

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