Apple hat sein Gebührenmodell für den europäischen App-Markt zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre umgebaut. Ab dem 1. Oktober 2026 ersetzt eine 5-prozentige “Core Technology Commission” (CTC) die bisherige Core Technology Fee, einen Pauschalbetrag von 0,50 Euro pro Erstinstallation oberhalb von einer Million Downloads. Für Entwickler mobiler Spiele in Deutschland und der übrigen EU klingt das zunächst nach Entlastung. Am 9. September 2026 schickten jedoch 18 Organisationen, darunter die Coalition for App Fairness und die European Games Developer Federation (EGDF), einen Protestbrief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihr Vorwurf: Apple habe die Vorgaben des Digital Markets Act (DMA) erneut nur formal erfüllt. Parallel dazu reichte Apple am 14. September 2026 beim US Supreme Court eine Schrift ein, um eine Missachtungsentscheidung im Fall Epic gegen Apple zu kippen. Zwei Fronten, ein Ziel: Wie viel Kontrolle über Zahlungen in Apps darf ein Plattformbetreiber behalten.
Was ist die Core Technology Commission und was ändert sich konkret
Die Core Technology Commission ersetzt ein Gebührenmodell, das Apple seit 2024 unter dem Druck des Digital Markets Act eingeführt hatte und das in der Branche als kompliziert und riskant galt. Die alte Core Technology Fee verlangte 0,50 Euro für jede Erstinstallation oberhalb von einer Million Downloads pro Jahr, unabhängig davon, ob ein Nutzer die App über einen alternativen Marktplatz oder Apples eigenen Web-Vertrieb bezogen hatte. Für kostenlose Spiele mit hohen Downloadzahlen, aber schmalen Umsätzen, konnte das zu einer Belastung führen, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Einnahmen stand. Apple kündigte die Reform am 18. August 2026 an, mit Wirkung zum 1. Oktober 2026, wie auch 9to5Mac berichtete. Die neue Commission berechnet sich nicht mehr nach Installationen, sondern nach tatsächlichen digitalen Transaktionen in Apps, die über alternative Marktplätze oder Apples Web Distribution vertrieben werden. Gleichzeitig strich Apple die separate Erstakquisitionsgebühr und die Store-Services-Gebühr, die bislang zusätzlich anfielen.
Die Gebührenstruktur im Detail
Für Entwickler, die weiterhin im klassischen App Store bleiben, aber alternative Zahlungsanbieter einbinden, verlangt Apple künftig 20 Prozent auf die betroffenen Transaktionen, reduziert auf 10 Prozent für Teilnehmer am Small Business Program. Wer sein Spiel komplett über einen alternativen Marktplatz oder die eigene Website vertreibt, zahlt die neuen 5 Prozent CTC. In Summe beschreibt eine veröffentlichte Übersicht die europäische Gebührentabelle mit vier Sätzen: 26, 20, 15 und 5 Prozent, je nach Vertriebsweg und Zahlungsmethode. Diese Staffelung ist neu gegenüber dem alten System und soll laut Apple die Rechtssicherheit erhöhen. Kritiker aus der Games-Branche sehen darin vor allem eine Umverpackung derselben Grundlogik: Wer den App Store verlässt, zahlt trotzdem an Apple mit.
| Gebühr | Bisheriges Modell | Neues Modell (ab 1.10.2026) |
| Core Technology Fee / Commission | 0,50 € pro Erstinstallation über 1 Mio. Downloads/Jahr | 5 % der digitalen Transaktion (CTC) |
| Erstakquisitionsgebühr | Zusätzlich fällig | Entfällt |
| Store-Services-Gebühr | Zusätzlich fällig | Entfällt |
| App Store mit Alternativzahlung | Uneinheitlich geregelt | 20 %, mit Small Business Program 10 % |
| Gesamte EU-Gebührenspanne | Nicht einheitlich kommuniziert | 26 %, 20 %, 15 % oder 5 %, je nach Modell |
Für die Marktbeobachtung mobiler Plattformen lohnt auch ein Blick auf die bisherige Gebührenlandschaft, die shattered.io bereits in der Analyse zu Apple- und Google-Gebühren eingeordnet hat. Die neue CTC verschiebt diese Rechnung erneut, ohne die grundlegende Kontrolle Apples über Zahlungsflüsse aufzugeben.
Drei Wochen im Zeitraffer: Die Chronologie der Reform
Zwischen Mitte August und Ende September 2026 überschlugen sich die Ereignisse rund um Apples EU-Geschäft. Am 18. August kündigte Apple die neue Gebührenstruktur an. Nur drei Wochen später, am 9. September, formierte sich branchenweiter Widerstand in Form eines gemeinsamen Briefs an die EU-Kommission. Am 14. September reichte Apple beim US Supreme Court seine inhaltliche Stellungnahme im Fall Epic gegen Apple ein. Am 23. September bestätigte die Entwicklerdokumentation von Apple die technischen Details zur alternativen App-Verteilung in der EU, darunter die Installation notariell geprüfter iOS- und iPadOS-Apps über Drittanbieter-Marktplätze oder direkt von autorisierten Entwicklerseiten. Am 1. Oktober tritt die neue Gebühr schließlich in Kraft. Diese Kadenz zeigt, wie eng Apples Compliance-Arbeit inzwischen mit juristischem Druck aus zwei Kontinenten verzahnt ist.
Für deutsche Entwickler bedeutet dieser Zeitplan konkret: Wer sein Spiel zum Stichtag 1. Oktober über einen alternativen Marktplatz vertreiben will, muss die neuen Vertragsbedingungen bereits vorher akzeptiert und seine Abrechnungssysteme angepasst haben. Kurzfristige Umstellungen dieser Art treffen kleinere Studios naturgemäß härter als Konzerne mit eigenen Rechtsabteilungen.
Der Protestbrief vom 9. September: Wer gegen Apples Kurs mobilisiert
Der offene Brief vom 9. September richtete sich nicht nur an Kommissionspräsidentin von der Leyen, sondern auch an die Exekutiv-Vizepräsidentinnen Teresa Ribera und Henna Virkkunen. Koordiniert wurde er von der Coalition for App Fairness, jenem Bündnis, das Spotify, Epic Games und zahlreiche kleinere Entwickler seit Jahren gegen Apples Store-Politik vereint. Insgesamt unterzeichneten 17 weitere Organisationen, darunter mit der European Games Developer Federation der wichtigste europäische Branchenverband für Videospielentwickler. Die EGDF vertritt nach eigenen Angaben 24 nationale Verbände und rund 2.500 Spieleentwickler in Europa, darunter auch deutsche Studios über den game-Verband.
Die Forderungen im Detail
Kern der Beschwerde ist Artikel 5 Absatz 4 des Digital Markets Act. Er verpflichtet sogenannte Torwächter-Plattformen, Entwicklern zu erlauben, kostenlos auf externe Angebote hinzuweisen und mit Nutzern Verträge außerhalb der eigenen Plattform abzuschließen. Die Unterzeichner argumentieren, dass Apples weiterhin erhobene 15-prozentige Vermittlungsgebühr für sogenanntes Steering, also das Verlinken auf externe Zahlungsseiten, genau dieser Vorschrift widerspricht. Auch die neue 5-Prozent-CTC sei aus ihrer Sicht problematisch, weil sie Transaktionen belastet, die komplett außerhalb des App Store stattfinden. Die Organisationen fordern von der Kommission eine förmliche, begründete Prüfung der neuen Bedingungen, statt sie stillschweigend als konform zu akzeptieren. Zusätzlich verlangen sie eine Konsultation betroffener Unternehmen und Nutzer, bevor die Kommission eine Bewertung abgibt.
Wie groß die Unzufriedenheit in der mobilen Spielebranche mit dem bisherigen Kurs der Plattformbetreiber ist, zeigt auch der Blick auf frühere Reformversuche: shattered.io hatte bereits dokumentiert, wie Google mit Aptoide einen alternativen Store zuließ und wie der Epic Games Store trotz DMA-Zwang nur 20 Spiele auf iPhones brachte. Beide Fälle liefern den Hintergrund für die aktuelle Kritik: Technische Öffnung allein erzeugt noch keinen funktionierenden Wettbewerb, solange die Gebührenstruktur die Alternative unattraktiv macht.
Fünf Jahre Rechtsstreit: Epic gegen Apple im Überblick
Um Apples aktuellen Schritt vor dem US Supreme Court einzuordnen, hilft ein Blick zurück. Der Streit begann, als Epic Games im August 2020 in Fortnite eine eigene Zahlungsoption einbaute, die Apples 30-Prozent-Provision umging. Apple entfernte das Spiel daraufhin aus dem App Store, Epic klagte. Was folgte, war einer der längsten Rechtsstreite der App-Store-Geschichte.
| Datum | Ereignis |
| 13. August 2020 | Epic reicht Klage beim US-Bezirksgericht in Nordkalifornien ein |
| 10. September 2021 | Richterin Yvonne Gonzalez Rogers erlässt eine dauerhafte Verfügung gegen Apples Anti-Steering-Regeln |
| 24. April 2023 | Das Ninth Circuit Court of Appeals bestätigt die Verfügung vollständig |
| 16. Januar 2024 | Der US Supreme Court lehnt es ab, den Fall anzunehmen |
| 30. April 2025 | Gericht stellt Apple wegen Missachtung der Verfügung fest |
| 14. September 2026 | Apple reicht Schriftsatz beim Supreme Court gegen die Missachtungsentscheidung ein |
Am 30. April 2025 kam der bislang schärfste Rückschlag für Apple: Richterin Gonzalez Rogers stellte fest, dass der Konzern die Verfügung von 2021 vorsätzlich verletzt hatte, unter anderem indem Apple weiterhin Provisionen auf Zahlungen erhob, die über externe Links abgewickelt wurden. Apple hatte vorgeschlagen, für solche Transaktionen 27 statt der üblichen 30 Prozent zu verlangen. Das Gericht befand diesen Ansatz als unvereinbar mit dem Sinn der Verfügung und verpflichtete Apple, die beanstandete Praxis zu beenden. In den Verfahrensakten wurde ein Betrag von rund 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz genannt, der über das umstrittene Link-System an Apple floss.
Apple vor dem Supreme Court: Der nächste Akt im Streit um die Stör-Gebühr
Statt die Missachtungsentscheidung zu akzeptieren, wählte Apple den letztmöglichen juristischen Weg. Am 14. September 2026 reichte der Konzern seine Schrift beim Supreme Court ein und verlangt, die Entscheidung des Ninth Circuit aufzuheben oder zurückzuverweisen. Apples zentrales Argument: Ein Unternehmen dürfe nicht wegen Verletzung des “Geistes” einer gerichtlichen Verfügung belangt werden, wenn der Wortlaut der Verfügung das konkrete Verhalten nicht ausdrücklich untersagt hatte. Damit verschiebt Apple die juristische Debatte weg von der Frage, ob Steering erlaubt sein muss, hin zu der Frage, wie präzise eine gerichtliche Anordnung formuliert sein muss, um durchsetzbar zu sein.
Für die Games-Branche steht dabei viel auf dem Spiel. Sollte der Supreme Court Apples Position stützen, könnte das Unternehmen argumentieren, künftige Verfügungen enger auslegen zu dürfen, was Durchsetzungsverfahren gegen Plattformbetreiber grundsätzlich erschweren würde. Lehnt das Gericht die Berufung ab oder bestätigt es die Vorinstanz, bliebe die Missachtungsentscheidung von 2025 bestehen, mit direkten Folgen für die Provisionspraxis bei External-Payment-Links in den USA.
Die 500-Millionen-Euro-Strafe: Präzedenzfall aus Brüssel
Der europäische Streit hat bereits einen eigenen Präzedenzfall geschaffen. Am 23. April 2025 verhängte die EU-Kommission gegen Apple eine Geldbuße von 500 Millionen Euro wegen Verstoßes gegen die Anti-Steering-Pflichten des Digital Markets Act. Am selben Tag wurde auch Meta wegen eines anderen DMA-Verstoßes sanktioniert. Die Kommission begründete die Apple-Strafe damit, dass der Konzern Entwicklern weiterhin verbot, Nutzer klar und kostenlos über günstigere Angebote außerhalb des App Store zu informieren. Genau dieser Streitpunkt taucht im Protestbrief vom September 2026 erneut auf: Die Unterzeichner werten die neue 15-Prozent-Gebühr auf Steering-Verweise als Fortsetzung derselben Praxis, für die Apple bereits einmal bestraft wurde. Ob die Kommission ein zweites Bußgeld verhängt oder die überarbeiteten Bedingungen als ausreichend akzeptiert, ist die zentrale offene Frage für die kommenden Monate.
Was die Reform für deutsche Spiele-Entwickler bedeutet
Deutschland ist für diese Debatte kein Nebenschauplatz. Laut dem Jahresreport der deutschen Games-Branche des Verbands game, veröffentlicht am 12. August 2026 und im September erneut zusammengefasst, setzten mobile Spiele in Deutschland 2025 insgesamt 2,671 Milliarden Euro um, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 23,7 Millionen Menschen in Deutschland spielten 2025 auf dem Smartphone, von insgesamt 41,2 Millionen Menschen, die überhaupt Video- oder Computerspiele nutzten. Bemerkenswert ist der Anteil der In-App-Käufe: 97 Prozent der mobilen Spieleumsätze in Deutschland stammten aus In-App-Transaktionen, nicht aus Vorabkäufen. Genau diese Zahlungsart steht im Zentrum der aktuellen Gebührendebatte, denn jede Änderung an Provisionssätzen für In-App-Zahlungen wirkt sich unmittelbar auf die Marge der Studios aus, die diese 2,671 Milliarden Euro erwirtschaften.
| Kennzahl | Wert |
| Umsatz mobile Spiele Deutschland 2025 | 2,671 Mrd. € |
| Veränderung zum Vorjahr | +3 % |
| Mobile Spieler in Deutschland | 23,7 Mio. |
| Gesamtzahl Video-/Computerspieler in Deutschland | 41,2 Mio. |
| Anteil In-App-Käufe am mobilen Umsatz | 97 % |
Diese Zahlen erklären, warum ein Verband wie die EGDF sich direkt an die EU-Kommission wendet, statt die Reform stillschweigend hinzunehmen. Studios, die bereits im deutschen Mobile-Games-Markt aktiv sind und die shattered.io regelmäßig in der Rubrik Gaming begleitet, kalkulieren ihre Margen auf Basis der geltenden Provisionssätze. Eine Verschiebung von wenigen Prozentpunkten kann bei einem Markt dieser Größenordnung schnell zweistellige Millionenbeträge bewegen, ohne dass sich am eigentlichen Produkt etwas ändert.
Apple gegen Google: Wettbewerbsvergleich der Plattform-Gebühren
Im Vergleich zu Google positioniert sich Apple mit der neuen CTC bewusst als das strengere System, argumentiert aber auch mit mehr Rechtssicherheit. Googles Play Store verlangt für Abonnements traditionell 15 Prozent und für einmalige Käufe 30 Prozent, mit Ausnahmen für die ersten Umsatzmillionen pro Jahr über das Play Media Experience Program. Anders als Apple hat Google in der EU bislang keine vergleichbare, eigenständige Technologiegebühr für alternative Vertriebswege eingeführt. Dieser strukturelle Unterschied erklärt teilweise, warum Entwicklerverbände Apples Modell schärfer kritisieren als das von Google: Apple verlangt weiterhin Geld, selbst wenn Entwickler seinen Store komplett verlassen, während Google diesen Schritt in der EU bislang nicht in gleicher Form vollzogen hat.
Warum die Unterscheidung für Entwickler zählt
Für ein deutsches Studio, das ein mobiles Spiel gleichzeitig auf iOS und Android veröffentlicht, bedeutet das in der Praxis zwei völlig unterschiedliche Kalkulationen. Auf Android lässt sich unter bestimmten Bedingungen fast vollständig an Google vorbei verkaufen, ohne laufende Zusatzgebühr. Auf iOS bleibt selbst der Ausstieg aus dem App Store mit der neuen 5-Prozent-CTC verbunden. Diese Asymmetrie dürfte mittelfristig dazu führen, dass mehr Studios ihre Android-Version aggressiver über alternative Kanäle vermarkten als ihre iOS-Version, einfach weil die Rechnung dort eindeutiger aufgeht.
Reaktionen aus der Branche: Zwischen erstem Schritt und Etikettenschwindel
Die Reaktionen auf Apples Reform fallen gespalten aus. Entwickler, die zuvor unter der pauschalen Installationsgebühr litten, etwa Anbieter kostenloser Free-to-Play-Titel mit hohen Downloadzahlen, dürften von der Umstellung auf eine transaktionsbasierte Gebühr tendenziell profitieren, weil sich die Kosten nun an tatsächlichen Einnahmen statt an bloßen Downloads orientieren. Genau das war einer der Hauptkritikpunkte am alten System: Ein virales, aber kaum monetarisiertes Spiel konnte allein durch hohe Downloadzahlen in eine teure Gebührenfalle laufen. Die Unterzeichner des Septemberbriefs sehen im neuen Modell trotzdem keinen echten Kurswechsel, sondern eine Neuverpackung derselben Grundhaltung: Apple behält sich vor, an praktisch jeder digitalen Transaktion mitzuverdienen, die in irgendeiner Form mit seinem Betriebssystem zu tun hat. Diese Spannung zwischen technischer Verbesserung und struktureller Kontinuität dürfte die Debatte auch nach dem 1. Oktober 2026 prägen.
Historischer Kontext: Wie sich App-Store-Gebühren seit 2008 entwickelt haben
Als Apple 2008 den App Store startete, war die 30-Prozent-Provision auf praktisch jeden Kauf ein branchenweiter Standard, den später auch Google für den Play Store übernahm. Über anderthalb Jahrzehnte blieb dieses Modell weitgehend unangetastet, bis regulatorischer Druck aus mehreren Richtungen gleichzeitig einsetzte: Epics Klage in den USA, das südkoreanische Gesetz gegen Zwangszahlungssysteme von 2021, und schließlich der Digital Markets Act, der seit März 2024 in der EU gilt. Jede dieser Interventionen zwang Apple zu punktuellen Zugeständnissen, ohne das Grundprinzip der Provision jemals grundsätzlich infrage zu stellen. Die Core Technology Commission ist damit die vorläufig letzte Stufe einer Entwicklung, die von starren 30 Prozent über gestaffelte Modelle bis zu einer heute vierstufigen Gebührentabelle führte. Bemerkenswert ist, wie kurz die Abstände zwischen den einzelnen Anpassungen inzwischen geworden sind: Wo frühere Regeländerungen oft Jahre auseinanderlagen, vergingen zwischen der letzten großen EU-Reform und der aktuellen Anpassung nur wenige Monate.
Marktausblick: Fünf Prognosen für die kommenden Monate
Erstens dürfte die EU-Kommission auf den Protestbrief reagieren, entweder mit einer vertiefenden Prüfung der neuen Bedingungen oder mit einer öffentlichen Stellungnahme zur Konformität. Ein komplettes Schweigen erscheint nach der 500-Millionen-Euro-Strafe von 2025 unwahrscheinlich, da die Kommission ihre eigene Durchsetzungslinie glaubwürdig halten muss. Zweitens wird eine Entscheidung des US Supreme Court in der Sache Epic gegen Apple realistisch nicht vor Mitte 2027 erwartet, da nach der im September eingereichten Schrift noch mündliche Verhandlungen und weitere Fristen anstehen. Drittens ist denkbar, dass Google seine eigenen EU-Bedingungen anpasst, um einer ähnlichen Beschwerdewelle zuvorzukommen, auch wenn dafür aktuell noch keine bestätigten Pläne vorliegen. Viertens dürften kleinere deutsche und europäische Studios, die für das Small Business Program qualifizieren, die neue 10-Prozent-Stufe aktiv nutzen, um ihre Marge auf alternativen Vertriebswegen zu verbessern. Fünftens ist mit weiteren Beschwerden einzelner Unternehmen zu rechnen, ähnlich der Klage, die bereits zur 500-Millionen-Euro-Strafe geführt hat, sollte die Kommission die neuen Bedingungen als ausreichend einstufen, ohne die im Brief geforderte förmliche Prüfung durchzuführen.
Für die Einordnung der langfristigen Entwicklung lohnt zudem ein Blick auf verwandte Regulierungsfälle: shattered.io hat mit der Einstufung von Roblox als sehr große Online-Plattform bereits gezeigt, wie unterschiedlich die EU-Regulierung verschiedene Gaming-Plattformen behandelt, je nachdem ob der Digital Services Act oder der Digital Markets Act greift. Die aktuelle Apple-Debatte fällt eindeutig in die zweite Kategorie, betrifft aber dieselben Unternehmen und oft dieselben Anwälte auf Entwicklerseite.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann gilt die neue Core Technology Commission?
Apple kündigte die Reform am 18. August 2026 an. Die neue 5-Prozent-Gebühr sowie die übrigen Änderungen treten zum 1. Oktober 2026 in Kraft.
Was war die Core Technology Fee und warum wurde sie abgeschafft?
Die Core Technology Fee verlangte 0,50 Euro für jede Erstinstallation oberhalb von einer Million Downloads pro Jahr. Kritiker bemängelten, dass sie Downloadzahlen statt tatsächlicher Umsätze belastete. Apple ersetzt sie durch eine transaktionsbasierte Gebühr.
Wer hat den Protestbrief vom 9. September 2026 unterzeichnet?
Federführend waren die Coalition for App Fairness und die European Games Developer Federation, gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen, darunter Digital Content Next, Euroconsumers und France Digitale. Adressiert war der Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie die Vizepräsidentinnen Teresa Ribera und Henna Virkkunen.
Wie hängt die Reform mit dem Fall Epic gegen Apple zusammen?
Beide Verfahren drehen sich um dieselbe Grundfrage: Wie viel Kontrolle darf Apple über Zahlungen behalten, die außerhalb seines eigenen Systems abgewickelt werden. In den USA reichte Apple am 14. September 2026 eine Schrift gegen eine Missachtungsentscheidung vom April 2025 ein. In der EU steht die neue CTC unter ähnlicher Beobachtung durch die Kommission.
Welche Gebühr zahlen deutsche Spieleentwickler künftig konkret?
Das hängt vom Vertriebsweg ab. Wer komplett über einen alternativen Marktplatz oder die eigene Website verkauft, zahlt 5 Prozent CTC. Wer im App Store bleibt, aber einen alternativen Zahlungsanbieter nutzt, zahlt 20 Prozent, beziehungsweise 10 Prozent im Small Business Program.
Wurde Apple schon einmal wegen ähnlicher Praktiken bestraft?
Ja. Am 23. April 2025 verhängte die EU-Kommission eine Geldbuße von 500 Millionen Euro gegen Apple wegen Verstoßes gegen die Anti-Steering-Pflichten des Digital Markets Act.
Wie groß ist der deutsche Mobile-Games-Markt, den die Reform betrifft?
Laut dem Jahresreport des Verbands game setzten mobile Spiele in Deutschland 2025 rund 2,671 Milliarden Euro um, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei 23,7 Millionen mobilen Spielerinnen und Spielern.
Reagiert Google auf Apples Schritt?
Für Googles Play Store liegen aktuell keine bestätigten, mit Apples CTC vergleichbaren neuen EU-Gebühren vor. Google verlangt weiterhin die bekannten Sätze von 15 Prozent für Abonnements und bis zu 30 Prozent für Einmalkäufe, mit Ausnahmen für kleinere Entwickler.




