Sony zieht einen Schlussstrich unter fast 20 Jahre PlayStation-Geschichte. Am 1. Juli 2026 bestätigte der Konzern über den offiziellen PlayStation Blog, dass der PlayStation Store auf PS3 und PS Vita endgültig abgeschaltet wird. Los geht es im August 2026 in Mexiko, Honduras und Nicaragua, den Rest der Welt trifft es spätestens im Juli 2027 – auch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wer danach noch neue Spiele auf einer PS3 oder Vita kaufen will, hat Pech gehabt.

Für sich genommen wäre das eine Randnotiz aus der Konsolen-Vergangenheit. Brisant wird die Sache, weil Sony genau diesen Schritt schon einmal angekündigt hatte und ihn 2021 nach massivem Nutzerprotest zurückzog. Dass er jetzt doch kommt, wirft grundsätzliche Fragen auf: Was passiert eigentlich mit Spielen, die man “gekauft” hat, wenn der Verkäufer den Laden zusperrt? Und wie groß ist der Schaden für die Games-Archivierung, wenn ein Katalog aus zwei Konsolengenerationen einfach verschwindet?

Sonys Ankündigung: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Die Mitteilung kam nüchtern daher, wie es bei Sony üblich ist. Der offizielle PlayStation Blog vom 1. Juli 2026 erklärt, der Store werde “in einigen Ländern und Regionen ab 2026 schrittweise eingestellt”, bevor 2027 der weltweite Abschluss folgt. Auf der japanischen Version des Blogs begründet Sony den Schritt technisch: Man arbeite kontinuierlich daran, den PS Store an die neuesten Kauf- und Zahlungssysteme anzupassen, doch auf PS3 und PS Vita sei es inzwischen schwierig geworden, die dafür nötigen technischen Anforderungen zu erfüllen.

Konkret heißt das: Neue Käufe von Spielen, DLCs und Videoinhalten über den Store auf PS3 und Vita werden ab dem jeweiligen Stichtag unmöglich. Bereits gekaufte Inhalte sollen laut Sony weiterhin herunterladbar bleiben, “für den Moment”, eine bewusst vage Formulierung ohne festes Enddatum. Eine Support-Mitteilung auf der offiziellen PlayStation-Seite fasst es so zusammen: “Ab Juli 2027 wird der PlayStation Store auf PS3 und PS Vita in Ihrer Region geschlossen. Danach können Sie über den PlayStation Store auf diesen Geräten keine neuen Käufe mehr tätigen.” Die PSP, Sonys Handheld-Konsole aus dem Jahr 2004, war bereits von der Vorgänger-Ankündigung 2021 betroffen und dürfte im selben Zeitfenster folgen.

Die PS3 kam im November 2006 in Japan und Nordamerika sowie im März 2007 in Europa auf den Markt. Damit hat Sony den Store für diese Konsole fast 20 Jahre lang betrieben, bevor jetzt Schluss ist. Die PS Vita folgte 2011 in Japan und 2012 international und wird nach rund 14 bis 15 Jahren aus dem digitalen Vertrieb genommen.

Der Zeitplan: Wann der Store in welcher Region schließt

Sony rollt die Abschaltung nicht auf einen Schlag aus, sondern in drei Wellen. Das gibt betroffenen Spielern zumindest ein Zeitfenster, um offene Wunschlisten noch abzuarbeiten, bevor der Kaufbutton verschwindet. Für den deutschsprachigen Raum ist vor allem die dritte Welle relevant, die im Juli 2027 alle verbleibenden Länder erfasst.

RegionBetroffene Länder (Beispiele)PS3-Store schließtPS-Vita-Store schließt
Welle 1Mexiko, Honduras, NicaraguaAugust 2026August 2026
Welle 2Weitere Länder Lateinamerikas, Naher Osten2. Halbjahr 20262. Halbjahr 2026
Welle 3USA, Großbritannien, EU (inkl. Deutschland, Österreich, Schweiz), JapanJuli 2027Juli 2027

Auffällig ist die Reihenfolge: Sony beginnt bewusst in kleineren, umsatzschwächeren Märkten, testet dort offenbar die technische Umstellung und den Reaktionsraum der Community, bevor die großen Absatzmärkte in Nordamerika, Europa und Japan folgen. Für deutsche PS3- und Vita-Besitzer bleibt damit knapp ein Jahr Zeit zwischen der offiziellen Ankündigung und dem tatsächlichen Aus im eigenen Land.

Was mit bereits gekauften Spielen passiert

Die zentrale Sorge der Community betrifft nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit: Was ist mit Spielen, die längst im eigenen Account liegen? Sony verspricht, dass Nutzer ihre bereits erworbenen Inhalte auch nach der Store-Schließung weiter herunterladen können. Genau dieses Versprechen gab Sony bereits 2021, als der Konzern die erste geplante Abschaltung wieder zurücknahm, damals mit der Zusage, gekaufte Spiele blieben erneut herunterladbar. Ob dieses Versprechen auch nach 2027 dauerhaft trägt, bleibt offen, denn ein Enddatum für die Download-Server nennt Sony nicht.

Wichtig für Sammler: Wer eine Vita oder PS3 mit gekauften Titeln besitzt, sollte die Spiele idealerweise vor der Abschaltung mindestens einmal lokal herunterladen und im Idealfall extern sichern. Physische Backups auf externen Speichermedien schützen zumindest davor, dass ein späteres, endgültiges Serverabschalten den Zugriff komplett kappt. Rechtlich bewegt man sich damit allerdings in einer Grauzone, denn Sony verkauft grundsätzlich keine Eigentumsrechte an digitalen Spielen, sondern Nutzungslizenzen.

Lizenz statt Eigentum: Das Kleingedruckte hinter jedem Store-Kauf

Ein Sony-Sprecher brachte das Prinzip in einem Statement, das Engadget im Zusammenhang mit der PS3/Vita-Store-Schließung zitiert, auf den Punkt: “With all digital content, including games, movies, and music, players are purchasing a personal license for non-commercial use.” Genau dieser Satz erklärt, warum Sony rechtlich weitgehend frei agieren kann, wenn Stores geschlossen werden. Käufer erwerben keinen Gegenstand, sondern ein Nutzungsrecht, das an die Existenz der Plattform gekoppelt bleibt. The Verge brachte die Konsequenz in einem Kommentar zur Schließung auf den Punkt: “Once the stores are gone, so are the games.” Für die deutsche Debatte um digitale Verbraucherrechte, Kaufrecht und Produktbeständigkeit ist das ein Lehrbuchbeispiel, wie weit das Gefälle zwischen gefühltem Besitz und tatsächlicher Rechtslage bei digitalen Gütern klafft.

Die Kehrtwende von 2021: Warum Sony diesmal nicht zurückrudert

Die aktuelle Ankündigung ist nicht Sonys erster Anlauf. Bereits im März 2021 kündigte der Konzern an, die Stores für PS3, PS Vita und PSP zum Sommer desselben Jahres zu schließen. Die Reaktion der Community war heftig: Petitionen, offene Briefe von Entwicklerstudios und eine breite Debatte über digitale Spielearchivierung folgten. Nur drei Wochen später ruderte Sony zurück. Jim Ryan, damals President und CEO von Sony Interactive Entertainment, erklärte im PlayStation Blog: “So today I’m happy to say that we will be keeping the PlayStation Store operational for PS3 and PS Vita devices.” Der Rückzieher von 2021 gilt in der Games-Branche bis heute als seltenes Beispiel dafür, dass öffentlicher Druck eine Plattformentscheidung tatsächlich kippen kann.

Fünf Jahre später ist die Ausgangslage eine andere. PS3 und Vita sind heute weit älter, ihr Anteil an Sonys Neugeschäft ist verschwindend gering, und die PS5 hat sich in Sonys aktuellen Quartalszahlen als klar dominierende Plattform etabliert. Sony wägt offenbar ab, dass der wirtschaftliche und technische Aufwand, veraltete Zahlungs- und Sicherheitssysteme für zwei Konsolengenerationen weiterzupflegen, den Nutzen für eine schrumpfende aktive Nutzerbasis nicht mehr rechtfertigt. Ob der Protest diesmal ähnlich laut wird wie 2021, ist offen, bislang gibt es keine vergleichbare organisierte Kampagne, wie sie etwa die Petition gegen das Ende der physischen PS5-Discs erreicht hat.

Wie groß ist die betroffene Nutzerbasis wirklich?

Belastbare, aktuelle Zahlen dazu, wie viele Menschen 2026 noch aktiv auf PS3 oder Vita spielen oder einkaufen, veröffentlicht Sony nicht. Was sich aber beziffern lässt, ist die historische Reichweite der Plattform. Laut Marktdaten, die von ElectroIQ zusammengetragen wurden, hat Sony über die Lebenszeit der PS3 weltweit rund 87,4 Millionen Einheiten verkauft, verteilt auf etwa 29,6 Millionen in Nordamerika, 30,9 Millionen in Europa, 10,5 Millionen in Japan und 16,5 Millionen im Rest der Welt. Das ist die potenzielle Basis an Haushalten, die theoretisch noch Zugriff auf eine PS3 haben könnten, auch wenn längst nicht mehr alle Geräte aktiv genutzt werden.

Zum Vergleich: Sony Interactive Entertainment weist für das gesamte PlayStation-Ökosystem, also PS4, PS5 und mobile Angebote zusammengenommen, laut eigenen Geschäftszahlen für den Stichtag 30. Juni 2026 rund 125 Millionen monatlich aktive Nutzer aus. Eine separate Aufschlüsselung nach PS3 oder Vita liefert Sony darin nicht, was die Vermutung nahelegt, dass beide Plattformen inzwischen statistisch kaum noch ins Gewicht fallen. Genau das dürfte der eigentliche Kern der Entscheidung sein: Der Aufwand, veraltete Systeme für eine Nutzergruppe im niedrigen einstelligen Prozentbereich am Laufen zu halten, steht in keinem Verhältnis mehr zum wirtschaftlichen Ertrag.

Historischer Vergleich: So gingen andere Plattformen mit alten Stores um

Sony ist beim Abschalten alter Storefronts nicht Vorreiter, sondern folgt einem Muster, das sowohl Nintendo als auch Microsoft bereits vorexerziert haben. Der Vergleich zeigt aber auch, dass die Vorgehensweisen und ihre Folgen für Spieler deutlich unterschiedlich ausfallen.

PlattformAnkündigungTatsächliche SchließungBesonderheit
Nintendo 3DS / Wii U eShop202227. März 2023 (Kaufstopp)Rund 1.000 rein digitale Titel dauerhaft nicht mehr käuflich, viele nie neu veröffentlicht
Xbox 360 Marketplace17. August 202329. Juli 2024Abwärtskompatible Titel bleiben über den Microsoft Store auf Xbox One/Series kaufbar
PS3 / PS Vita Store (Ankündigung 2021)März 2021Zurückgezogen im April 2021Community-Protest führte zur vollständigen Kehrtwende
PS3 / PS Vita Store (aktuell)1. Juli 2026August 2026 (Welle 1) bis Juli 2027 (weltweit)Downloads gekaufter Inhalte sollen “vorerst” weiter möglich bleiben

Der Nintendo-Fall zeigt das Extremrisiko am deutlichsten: Weil viele 3DS- und Wii-U-Titel nie eine physische Version oder eine Portierung auf neuere Plattformen erhielten, verschwand mit dem Kaufstopp im März 2023 ein ganzes Segment der Spielegeschichte praktisch unwiederbringlich aus dem legalen Vertrieb. Microsoft ging beim Xbox 360 Marketplace einen etwas nutzerfreundlicheren Weg: Wer ein abwärtskompatibles 360-Spiel wollte, konnte es nach der Schließung im Juli 2024 weiterhin über den Store auf aktuellen Xbox-Konsolen kaufen, weil Microsoft diese Titel in sein modernes Ökosystem migriert hatte. Der komplette Übergang lief laut Berichterstattung von AS.com um kurz vor 20 Uhr Ostküstenzeit am 29. Juli 2024, nach fast 20 Jahren Xbox-Live-Marketplace-Betrieb. Sony bietet für PS3- und Vita-Exklusivtitel bislang keine vergleichbare Migrationsstrategie in den PS5-Store an, was die Kritik an der aktuellen Entscheidung zusätzlich befeuert.

Games-Archivierung: Was mit exklusiven PS3- und Vita-Titeln passiert

Für Sammler und Archivare ist die eigentliche Gefahr nicht der einzelne Kauf, sondern der schleichende Verlust digitaler Exklusivtitel, die nie ein physisches Release, kein Remaster und keine Portierung erhielten. Die PS Vita war über weite Strecken ihres Lebenszyklus stark auf digitale Indie- und Nischenspiele angewiesen, viele davon von kleinen Studios, die inzwischen nicht mehr existieren. Ohne aktiven Store-Zugang und ohne Neuveröffentlichung dieser Titel auf PS4, PS5 oder PC drohen sie faktisch aus dem legalen Vertrieb zu verschwinden, selbst wenn technisch versierte Nutzer Wege finden, ihre bereits erworbenen Kopien zu sichern.

Spielearchive und Preservation-Initiativen weisen seit Jahren darauf hin, dass digital-only-Titel eine der größten Lücken in der Bewahrung von Games als Kulturgut darstellen, weil sie anders als physische Medien nicht einfach in einem Regal überdauern. Der Fall PS3/Vita dürfte diese Debatte weiter anheizen, gerade weil er zeitlich mit ähnlichen Diskussionen um das Ende der physischen PS5-Disc-Produktion zusammenfällt.

Marktauswirkungen: Gebrauchtmarkt, Emulation und Sonys Reputation

Wirtschaftlich betrifft die Store-Schließung Sonys Kerngeschäft kaum. PS3- und Vita-Verkäufe machen im aktuellen Umsatzmix praktisch keine Rolle mehr, die Konsolen wurden längst durch PS4 und PS5 abgelöst. Indirekt dürften jedoch zwei Bereiche einen Schub bekommen: der Gebrauchtmarkt für physische PS3- und Vita-Spiele sowie die Emulationsszene. Wer Zugriff auf Titel haben will, die nie eine Disc-Version bekamen, hat nach der Store-Schließung faktisch nur noch die Wahl zwischen dem Zufallsprinzip des Gebrauchtmarkts für Systeme mit physischen Speicherkarten oder inoffiziellen Emulationslösungen wie RPCS3 für PS3 beziehungsweise Vita3K für die Handheld-Konsole.

Für Sonys Reputation ist die Sache heikler. Der Konzern kämpft aktuell an mehreren Fronten gleichzeitig um das Vertrauen seiner Kundschaft: eine Sammelklage über umgerechnet rund 2 Milliarden britische Pfund wegen angeblich überhöhter PlayStation-Store-Provisionen läuft bereits vor britischen Gerichten, dazu kommt die parallele Debatte um das schrittweise Ende physischer PS5-Discs, gegen die eine Petition mit rund 330.000 Unterschriften protestiert. Die PS3/Vita-Store-Schließung reiht sich in diese Erzählung eines Konzerns ein, der zunehmend Kontrolle über den Zugang zu bereits verkauften digitalen Inhalten zentralisiert, während physische Alternativen gleichzeitig zurückgefahren werden.

Rechtslage in Deutschland und der EU: Was Verbraucher wissen sollten

Für deutsche und europäische Verbraucher ist die zentrale rechtliche Frage, ob und wie lange Anbieter wie Sony verpflichtet sind, digital gekaufte Inhalte zugänglich zu halten. Nach deutschem und EU-Recht gilt beim Kauf digitaler Inhalte grundsätzlich, dass Anbieter über einen angemessenen Zeitraum funktionierende Updates und Zugänglichkeit gewährleisten müssen, solange der Vertrag über digitale Produkte fortbesteht. Eine Store-Schließung an sich ist rechtlich nicht automatisch unzulässig, solange bereits erworbene Inhalte, wie von Sony zugesagt, weiter nutzbar bleiben. Kritisch wird es rechtlich vor allem dann, wenn Anbieter Zugriffsrechte komplett und ohne Ankündigung entziehen, was im aktuellen Fall laut Sonys eigener Kommunikation nicht geplant ist.

Bislang gibt es weder von deutschen Verbraucherzentralen noch von der Europäischen Kommission eine öffentliche Stellungnahme speziell zur PS3/Vita-Store-Schließung. Die grundsätzliche Debatte um digitale Eigentumsrechte ist in Brüssel und Berlin jedoch längst angekommen: Die Bürgerinitiative “Stop Killing Games” hat europaweit mehr als eine Million Unterschriften gesammelt, um gesetzliche Mindeststandards für die Spielbarkeit gekaufter Spiele nach Serverabschaltungen durchzusetzen. Eine verbindliche EU-Gesetzgebung existiert dazu bislang nicht, die Initiative bleibt aber ein politischer Hintergrund, vor dem jede weitere Store-Schließung eines großen Publishers genauer beobachtet wird.

Wettbewerbsvergleich: Wie gehen Microsoft und Nintendo aktuell mit Altplattformen um

Im direkten Vergleich der drei großen Konsolenanbieter zeigt sich, dass keiner ein Patentrezept für den Umgang mit sterbenden Plattformen gefunden hat, die Strategien aber unterschiedlich kundenfreundlich ausfallen. Microsoft hat mit der Migration abwärtskompatibler Xbox-360-Titel in den aktuellen Store zumindest einen Teil des Katalogs gerettet, während rein exklusive 360-Titel ohne Nachfolge-Release weiterhin verloren sind. Nintendo hat beim eShop-Aus 2023 keine vergleichbare Rettungsaktion für digital-only-Spiele unternommen und musste dafür entsprechend scharfe Kritik einstecken.

Sony positioniert sich mit der aktuellen PS3/Vita-Entscheidung irgendwo dazwischen: Es gibt keine angekündigte Portierungsoffensive für PS3- oder Vita-Exklusivtitel in den PS5-Store, gleichzeitig verspricht der Konzern anders als bei einer kompletten Serverabschaltung immerhin den fortgesetzten Zugriff auf bereits gekaufte Downloads. Für Spieler, die auf ein bestimmtes Exklusivspiel warten, bleibt dieses Versprechen jedoch das schwächste Glied der ganzen Ankündigung, weil es weder befristet noch vertraglich klar zugesichert ist.

Reaktionen aus der Games-Branche und von Spielern

Anders als 2021 ist der öffentliche Aufschrei bislang verhalten. Ein Grund dürfte sein, dass die PS3 und die Vita heute schlicht viel älter sind und ein deutlich kleinerer Teil der aktiven Spielerschaft überhaupt noch eines der beiden Geräte besitzt oder nutzt. In Foren und auf Reddit dominiert eher resignierte Zustimmung als organisierter Protest: Viele Nutzer verweisen darauf, dass eine Schließung nach fast 20 Jahren erwartbar war, kritisieren aber gleichzeitig, dass Sony keine klare Exit-Strategie für digital-only-Exklusivtitel anbietet. Spielearchivare und Preservation-Aktivisten nutzen den Fall dagegen gezielt, um erneut auf die strukturelle Schwäche rein digitaler Vertriebsmodelle hinzuweisen, ein Thema, das durch die parallele Debatte um das Ende physischer PS5-Discs zusätzlich an Aufmerksamkeit gewinnt.

Was Spieler jetzt konkret tun sollten

Wer noch eine PS3 oder Vita mit Store-Zugang besitzt, sollte die verbleibende Zeit bis zur jeweiligen regionalen Abschaltung nutzen, um offene Punkte zu klären. Sinnvoll ist es, die eigene Kaufhistorie im PlayStation-Konto zu prüfen und zu dokumentieren, welche Titel bereits erworben wurden. Spiele, die man besitzen möchte, aber noch nicht heruntergeladen hat, sollten vor der jeweiligen Stichtagsgrenze einmal vollständig installiert werden, auch wenn Sony verspricht, Downloads weiterhin zu ermöglichen. Wer eine PS Vita mit physischen Speicherkarten nutzt, sollte zusätzlich prüfen, ob wichtige Speicherstände lokal gesichert sind, da Cloud-Speicherfunktionen für ältere Konsolen ebenfalls schrittweise eingeschränkt werden könnten. Gerade für Sammler mit größeren digitalen Bibliotheken empfiehlt sich außerdem, Käufe nicht länger primär über PS3 oder Vita, sondern über den aktuellen Store auf PS4 oder PS5 zu verwalten, sofern eine Portierung der jeweiligen Titel existiert.

Prognosen: Wie es mit Sonys Store-Politik weitergeht

Fünf Entwicklungen erscheinen aus heutiger Sicht wahrscheinlich, auch wenn Sony selbst über die aktuelle Ankündigung hinaus keine weiteren Details bestätigt hat.

  • Die Downloadserver für bereits gekaufte PS3- und Vita-Inhalte dürften über 2027 hinaus zunächst weiterlaufen, jedoch ohne verbindliche Zusage für ein festes Enddatum, ähnlich wie es Nintendo beim 3DS/Wii-U-eShop handhabt.
  • Eine gezielte Portierungswelle einzelner besonders erfolgreicher PS3- und Vita-Exklusivtitel auf PS5 und PC ist wahrscheinlich, allerdings nur für kommerziell relevante Marken, nicht für das gesamte Nischenangebot der Plattformen.
  • Die Debatte um digitale Eigentumsrechte dürfte durch den Fall zusätzlichen politischen Rückenwind in der EU bekommen, ohne dass kurzfristig eine verbindliche Gesetzgebung zu erwarten ist.
  • Sony wird die PSP-Store-Funktionen im selben Zeitfenster wie PS3 und Vita einstellen, auch wenn der Konzern das bislang nicht separat kommuniziert hat.
  • Die Emulationsszene rund um RPCS3 und Vita3K dürfte durch die Store-Schließung zusätzlichen Zulauf erhalten, da sie für viele digital-only-Titel die einzige verbleibende legale Grauzone-Option zur Spielerhaltung darstellt.

Einordnung: Ein Muster, das sich in der ganzen Branche wiederholt

Die PS3/Vita-Store-Schließung steht nicht isoliert da, sondern reiht sich in eine Reihe ähnlicher Entscheidungen der großen Plattformanbieter ein. Nintendo hat mit dem 3DS/Wii-U-eShop-Aus 2023 bereits einen Präzedenzfall geschaffen, und Microsoft musste 2024 beim Xbox-360-Marketplace ähnliche Fragen zur Katalogpflege beantworten. Gemeinsam ist all diesen Fällen, dass die Hersteller den technischen und wirtschaftlichen Aufwand für die Wartung alter Systeme irgendwann nicht mehr rechtfertigen können, während gleichzeitig ein wachsender Teil der Spielekultur ausschließlich digital existiert. Für die Branche insgesamt bedeutet das: Je länger digitale Distribution die physische verdrängt, desto größer wird auch das Risiko, dass ganze Kapitel der Spielegeschichte mit der nächsten Store-Abschaltung endgültig verschwinden.

Häufig gestellte Fragen zur PS3- und PS-Vita-Store-Schließung

Wann genau schließt der PlayStation Store für PS3 und PS Vita in Deutschland?

Deutschland fällt in die dritte und letzte Schließungswelle. Laut Sonys Ankündigung vom 1. Juli 2026 wird der Store in allen bis dahin noch nicht erfassten Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, spätestens im Juli 2027 abgeschaltet.

Kann ich nach der Schließung noch auf bereits gekaufte Spiele zugreifen?

Laut Sony ja. Bereits erworbene Inhalte sollen weiterhin herunterladbar bleiben, um die Auswirkungen für Nutzer möglichst gering zu halten. Ein festes Enddatum für diesen Zugriff nennt Sony allerdings nicht.

Betrifft die Schließung auch die PSP?

Die aktuelle Ankündigung vom Juli 2026 konzentriert sich offiziell auf PS3 und PS Vita. Die PSP war Teil der ursprünglichen, 2021 zurückgezogenen Ankündigung und dürfte technisch im selben System-Kontext betroffen sein, eine gesonderte Bestätigung für die PSP hat Sony bislang aber nicht veröffentlicht.

Warum hat Sony die Schließung 2021 zurückgenommen, jetzt aber nicht?

2021 sorgte massiver öffentlicher Protest binnen weniger Wochen für eine Kehrtwende. Fünf Jahre später ist die aktive Nutzerbasis von PS3 und Vita deutlich kleiner, und PS4 sowie PS5 dominieren das Geschäft, was den wirtschaftlichen Druck zum Erhalt der alten Stores reduziert hat.

Was passiert mit PS3- und Vita-Spielen, die nie physisch erschienen sind?

Für diese digital-only-Titel besteht das größte Risiko. Ohne aktiven Store-Zugang und ohne Portierung auf neuere Plattformen drohen sie faktisch aus dem legalen Vertrieb zu verschwinden, vergleichbar mit den rund 1.000 digital-only-Titeln, die beim Aus des Nintendo 3DS/Wii-U-eShops 2023 betroffen waren.

Gibt es rechtliche Schritte gegen die Store-Schließung?

Bislang nicht speziell gegen diese Entscheidung. Sony steht aktuell aus anderen Gründen unter juristischem Druck, etwa durch die Sammelklage über rund 2 Milliarden Pfund wegen PlayStation-Store-Provisionen vor britischen Gerichten, diese betrifft aber nicht direkt die PS3/Vita-Abschaltung.

Wie kann ich meine PS3- oder Vita-Käufe vor der Schließung sichern?

Am sinnvollsten ist es, alle bereits gekauften Titel vor dem regionalen Stichtag einmal vollständig herunterzuladen und, wo möglich, lokal zu sichern. Speicherstände sollten zusätzlich auf einer Speicherkarte oder über die Cloud-Speicherfunktion gesichert werden, solange diese noch verfügbar ist.