Wer sich 2026 eine neue PCIe-5.0-NVMe-SSD einbaut, will meistens nur eine Frage beantworten: Läuft das Laufwerk wirklich mit der versprochenen Geschwindigkeit, oder bremst irgendetwas im System die Leistung aus? CrystalDiskMark ist dafür seit Jahren das Standardwerkzeug unter Windows, kostenlos, quelloffen dokumentiert und ohne versteckte Zusatzsoftware. Dieser Guide zeigt in 12 konkreten Schritten, wie man das Tool richtig installiert, welche Testprofile für welchen Zweck taugen, wie man Messfehler durch SLC-Cache oder Thermal-Throttling vermeidet und wie man die Ergebnisse mit einem eigenen PowerShell-Skript automatisch dokumentiert. Am Ende steht ein komplettes, sofort einsetzbares Mess-Protokoll für die eigene SSD.

Der Zeitpunkt für einen sauberen Benchmark ist selten zufällig gewählt. Meistens steht ein Neukauf, ein Systemumzug oder der Verdacht auf ein Problem dahinter, etwa wenn Spiele plötzlich länger laden als früher oder eine Videobearbeitung beim Export ins Stocken gerät. In all diesen Fällen liefert ein sauber dokumentierter CrystalDiskMark-Lauf die objektive Zahl, die einen bloßen Bauchgefühl-Eindruck ersetzt. Wer die zwölf Schritte dieses Guides einmal komplett durchgeht, kann danach jederzeit in wenigen Minuten nachmessen, statt jedes Mal von vorne herausfinden zu müssen, welche Einstellung eigentlich die richtige war.

Was ist CrystalDiskMark und warum lohnt sich ein SSD-Benchmark 2026?

CrystalDiskMark misst die sequenzielle und die zufällige Lese- und Schreibgeschwindigkeit von Festplatten und SSDs unter Windows. Entwickelt wird es vom japanischen Entwickler hiyohiyo unter dem Label Crystal Dew World, dieselbe Quelle liefert auch das Schwesterprogramm CrystalDiskInfo zur Überwachung von SMART-Werten und Temperatur. Aktuell ist CrystalDiskMark Version 9.0.3, veröffentlicht am 24. Mai 2026, CrystalDiskInfo liegt bei Version 9.9.2 vom 25. Juli 2026. Beide Tools sind komplett kostenlos und stehen als Installer- und Portable-Variante bereit.

Das Prinzip hinter CrystalDiskMark ist bewusst einfach gehalten. Statt komplexer Simulationen realer Anwendungen schreibt und liest das Tool klar definierte Testmuster in unterschiedlicher Blockgröße, mit unterschiedlicher Warteschlangentiefe und unterschiedlicher Thread-Anzahl. Diese Reduktion auf wenige Variablen macht die Ergebnisse reproduzierbar und über verschiedene Systeme hinweg vergleichbar, was bei realitätsnäheren, aber schwerer zu kontrollierenden Anwendungstests kaum möglich wäre. Genau deshalb hat sich das Tool seit über einem Jahrzehnt als informeller Industriestandard in Testberichten, Foren und Herstellerdokumentationen gehalten.

Ein Benchmark lohnt sich aus mehreren Gründen. Erstens weichen Herstellerangaben wie “bis zu 14.900 MB/s” fast immer von den real gemessenen Werten ab, weil sie unter Laborbedingungen mit bestimmter Kapazität, Firmware und Kühlung entstehen. Zweitens zeigt ein Vergleich vor und nach einem BIOS- oder Firmware-Update, ob sich die Leistung verändert hat, was besonders nach einem BIOS-Update für eine neue CPU relevant wird, wenn sich die PCIe-Konfiguration des Mainboards ändert. Drittens hilft ein Benchmark dabei, einen fehlerhaften Einbau zu erkennen, etwa wenn eine PCIe-5.0-SSD aus Versehen nur mit zwei statt vier Lanes angebunden ist und dadurch nur die halbe Bandbreite liefert.

Wer gerade erst eine neue SSD eingebaut hat, findet die Grundlagen zum Einbau selbst im Artikel PCIe 5.0 NVMe SSD einrichten. Dieser Guide hier setzt genau da an, wo der Einbau endet, und konzentriert sich ausschließlich auf die Messung und Interpretation der Leistung.

Voraussetzungen: Hardware, Software und Versionen

Bevor der erste Benchmark startet, sollte das System ein paar Mindestvoraussetzungen erfüllen. Ein veraltetes Setup verfälscht sonst die Ergebnisse und macht jeden Vergleich mit Herstellerangaben wertlos. Die folgende Liste deckt die Punkte ab, die in der Praxis am häufigsten übersehen werden, von der reinen Softwareversion bis zur oft unterschätzten Frage, ob der verbaute M.2-Slot tatsächlich die volle Lane-Anzahl direkt vom Prozessor oder nur über den langsameren Chipsatz-Umweg bekommt.

  • Betriebssystem: Windows 11 24H2 oder neuer, empfohlen wird die aktuelle 25H2-Version für vollständige NVMe-Treiberunterstützung.
  • Testsoftware: CrystalDiskMark 9.0.3 (Stand 24.05.2026), optional CrystalDiskInfo 9.9.2 (Stand 25.07.2026) zur Temperaturüberwachung.
  • Hardware: eine NVMe-SSD mit PCIe-4.0- oder PCIe-5.0-Anbindung, eingebaut in einem nativen M.2-Slot des Mainboards, nicht über einen USB-Adapter.
  • Mainboard-Chipsatz: Für volle PCIe-5.0-Geschwindigkeit wird ein aktueller Chipsatz benötigt, etwa Intel Z890 oder AMD X870E, samt aktuellem BIOS.
  • NVMe-Treiber: der native Microsoft-NVMe-Treiber reicht in der Regel aus, bei manchen Controllern liefert ein herstellereigener Treiber bessere Zufallszugriffswerte.
  • Administratorrechte: für einige Testszenarien und für den Zugriff auf SMART-Daten sollte CrystalDiskMark als Administrator gestartet werden.
  • Freier Speicherplatz: mindestens 32 GiB frei auf dem Testlaufwerk, besser mehr, damit Testgrößen bis 8 GiB oder 16 GiB möglich sind.

Wer noch keine aktuellen Grafik- oder Chipsatztreiber installiert hat, sollte das vorher erledigen, eine Anleitung dazu liefert der Artikel Nvidia-Treiber installieren. Veraltete Treiber verfälschen gelegentlich auch Storage-Benchmarks, weil sie CPU-Ressourcen blockieren, die für die I/O-Verarbeitung gebraucht werden.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Systemlaufwerk und Zweitlaufwerk. Wird das Windows-Systemlaufwerk selbst getestet, laufen im Hintergrund zwangsläufig Systemdienste, Indexierung und gegebenenfalls Update-Prozesse mit, die das Ergebnis leicht verfälschen können. Ein Zweitlaufwerk ohne Betriebssystem liefert deshalb tendenziell sauberere, besser reproduzierbare Werte. Wer nur ein einziges Laufwerk im System hat, sollte vor dem Test zumindest alle nicht benötigten Programme schließen und den Rechner kurz im abgesicherten Modus oder mit minimalem Autostart neu starten, um möglichst nah an Laborbedingungen heranzukommen.

Schritt 1 bis 3: CrystalDiskMark herunterladen, installieren und erststarten

Schritt 1: Download. CrystalDiskMark 9.0.3 lädt man ausschließlich von der offiziellen Seite crystalmark.info oder über den Microsoft Store herunter. Es gibt zwei Varianten, die Standard-Edition mit Werbung und die Shizuku-Edition ohne Werbebanner, beide messen technisch identisch.

Schritt 2: Installation. Wer das Tool öfter nutzt, installiert die Setup-Variante, wer nur einmal messen will, nimmt die Portable-ZIP-Version ohne Installation. Beide Wege entpacken lediglich eine ausführbare Datei plus ein paar Bibliotheken, es werden keine Hintergrunddienste eingerichtet.

Schritt 3: Erster Start mit Administratorrechten. Rechtsklick auf die EXE-Datei, dann “Als Administrator ausführen” wählen. Ohne erhöhte Rechte funktionieren die meisten lokalen NVMe-Tests zwar trotzdem, aber der Zugriff auf Netzlaufwerke und manche SMART-Abfragen schlägt ohne Admin-Modus fehl. Nach dem Start zeigt die Oberfläche oben die Auswahl für Testanzahl, Testgröße und Zieldrive, darunter acht Messfelder für Lese- und Schreibwerte.

Schritt 4: Das richtige Testprofil wählen

CrystalDiskMark bietet fünf Profile: Default, NVMe SSD, Peak Performance, Real World Performance und Demo. In der Standard-Edition gibt es zusätzlich [+Mix]-Varianten, die Lese- und Schreibzugriffe gemischt ausführen und damit realistischere Alltagslast simulieren. Jedes Profil kombiniert vier Testmuster aus Blockgröße, Queue Depth (Q) und Thread-Anzahl (T), siehe folgende Tabelle.

ProfilSequenziell Q/TRandom 4K Q/TTypischer Einsatzzweck
Default1 MiB Q8T1 / Q1T14 KiB Q32T1 / Q1T1Allgemeiner Schnelltest, guter Startpunkt
NVMe SSD1 MiB Q8T1, 128 KiB Q32T14 KiB Q32T16 / Q1T1Maximale Parallelität moderner NVMe-Controller ausreizen
Peak Performancehohe Queue Depthhohe Queue DepthBestwerte für Marketing-Vergleiche mit Herstellerangaben
Real World Performanceniedrige Queue Depthniedrige Queue DepthAlltagsnahe Werte für Desktop-Nutzung
Demoreduzierter Umfangreduzierter UmfangSchnelle Vorschau ohne vollständigen Durchlauf

Für den Vergleich mit den “bis zu”-Angaben eines Herstellers eignet sich das Profil NVMe SSD am besten, weil es dieselbe Q32T16-Parallelität nutzt, mit der auch die meisten Hersteller ihre Datenblätter erstellen. Für die Einschätzung der Alltagsleistung, etwa beim Spielestart oder Programmwechsel, liefert dagegen der 4-KiB-Q1T1-Wert die aussagekräftigere Zahl, weil er einen einzelnen, unparallelisierten Zugriff misst, wie ihn ein Desktop-System die meiste Zeit tatsächlich erzeugt.

Das Profil Real World Performance wurde speziell für diese Lücke entwickelt. Es verzichtet bewusst auf extreme Queue-Depth-Werte und bildet stattdessen ein Muster ab, das eher dem entspricht, was ein Betriebssystem beim Öffnen von Programmen, beim Laden von Spielständen oder beim gleichzeitigen Arbeiten mit mehreren Anwendungen erzeugt. Wer also primär wissen will, ob sich eine neue SSD im Alltag wirklich schneller anfühlt, sollte nicht nur auf die großen SEQ-Zahlen schauen, sondern gezielt dieses Profil zusätzlich ausführen und beide Ergebnisse nebeneinanderlegen. Die Differenz zwischen Peak Performance und Real World Performance verrät dabei oft mehr über die tatsächliche Reaktionsfreude eines Systems als jeder einzelne Höchstwert für sich genommen.

Schritt 5: Queue Depth, Threads und Testgröße richtig einstellen

Queue Depth (Q) beschreibt, wie viele I/O-Anfragen gleichzeitig in der Warteschlange eines Threads liegen dürfen. Thread-Anzahl (T) beschreibt, wie viele parallele Arbeiter diese Anfragen gleichzeitig abschicken. Beide Werte sind nicht austauschbar: Ein Q32T1-Test und ein Q1T32-Test erzeugen zwar ähnliche Gesamtparallelität, belasten Software-Stack und SSD-Controller aber unterschiedlich. Höhere Queue Depth erlaubt dem Controller, mehr NAND-Kanäle gleichzeitig anzusprechen, wodurch Durchsatz und aggregierte IOPS steigen, ein Q32T16-Test bildet damit eher ein Server-Szenario ab als normale Desktop-Nutzung.

Die Testgröße (1 GiB, 4 GiB, 16 GiB, 32 GiB oder 64 GiB) entscheidet mit, ob ein Test den schnellen SLC-Cache einer SSD trifft oder ihn durchbricht. 1 GiB, die Standardeinstellung, bleibt bei den meisten aktuellen Laufwerken innerhalb der Cache-Kapazität und liefert deshalb künstlich hohe Schreibwerte. Wer die reale Dauerschreibleistung sehen will, sollte mindestens 16 GiB oder 32 GiB wählen, dazu mehr in Schritt 11.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Bei Q1T1 verarbeitet die SSD jede Anfrage einzeln nacheinander, die Latenz jedes einzelnen Zugriffs bestimmt direkt den Durchsatz. Bei Q32T16 dagegen liegen gleichzeitig bis zu 512 Anfragen im System (32 mal 16), wodurch selbst eine SSD mit mittelmäßiger Einzelzugriffslatenz durch pure Parallelität hohe Gesamtwerte erreichen kann. Für die Einstellung der Testgröße gilt als Faustregel, mindestens die doppelte Kapazität des vermuteten SLC-Cache zu wählen, bei den meisten aktuellen 2-TB-Modellen liegt dieser Cache grob zwischen 4 und 12 GiB, ein 32-GiB-Test liefert damit in praktisch allen Fällen ein realistisches Bild der Dauerschreibleistung.

Schritt 6 und 7: Ersten Benchmark starten und Ergebnisse lesen

Schritt 6. Zielaufwerk aus der Dropdown-Liste wählen, Profil NVMe SSD einstellen, Testanzahl auf 5 Durchläufe setzen und auf “All” klicken, um alle vier Testmuster nacheinander auszuführen. Während des Tests sollten möglichst wenige Hintergrundprogramme laufen, insbesondere kein Virenscanner-Vollscan und keine Cloud-Synchronisation auf dem Testlaufwerk.

Schritt 7. Nach Abschluss zeigt CrystalDiskMark acht Zahlen: vier für Lesen, vier für Schreiben. Über den Copy-Button lässt sich das Ergebnis als reiner Text kopieren, praktisch für die eigene Dokumentation oder für Forenposts. So sieht eine solche Textausgabe im Format von CrystalDiskMark beispielhaft aus:

-----------------------------------------------------------------------------
CrystalDiskMark 9.0.3 x64 (C) 2007-2026 hiyohiyo
                            Crystal Dew World: https://crystalmark.info/
-----------------------------------------------------------------------------
* MB/s = 1.000.000 Byte/s [SATA/600 = 600.000.000 Byte/s]
* KB = 1000 Byte, KiB = 1024 Byte

[Read]
SEQ    1MiB (Q= 8, T= 1):  14210.5 MB/s
SEQ    1MiB (Q= 1, T= 1):   6480.2 MB/s
RND    4KiB (Q=32, T=16):   1790.3 MB/s [  437083 IOPS]
RND    4KiB (Q= 1, T= 1):     68.4 MB/s [   16699 IOPS]

[Write]
SEQ    1MiB (Q= 8, T= 1):  12980.7 MB/s
SEQ    1MiB (Q= 1, T= 1):   6120.9 MB/s
RND    4KiB (Q=32, T=16):   1910.6 MB/s [  466455 IOPS]
RND    4KiB (Q= 1, T= 1):    198.2 MB/s [   48388 IOPS]

Profile: NVMe SSD
Test: 1 GiB (x5) [Interval: 5 sec] 
Date: 2026/09/27 14:22:07
OS: Windows 11 [10.0 Build 26200] (x64)

Diese Beispielwerte zeigen das Ausgabeformat, nicht ein bestimmtes Testgerät. Wichtig beim Lesen der echten Ergebnisse ist der Vergleichsmaßstab: Die SEQ-Q8T1-Zeile lässt sich direkt mit “bis zu”-Herstellerangaben vergleichen, die RND-4KiB-Q1T1-Zeile beschreibt dagegen die für Desktop-Reaktionsfreude relevantere Alltagslast.

Beim ersten Blick auf die eigenen Zahlen hilft eine einfache Reihenfolge: Zuerst die SEQ-1MiB-Q8T1-Werte mit der Herstellerangabe vergleichen, eine Abweichung von bis zu 5 bis 8 Prozent nach unten ist normal und kein Grund zur Sorge. Danach die RND-4KiB-Q1T1-Werte betrachten, hier zählen nicht die absoluten MB/s, sondern die IOPS-Zahl in eckigen Klammern, sie beschreibt, wie viele einzelne kleine Zugriffe die SSD pro Sekunde verarbeitet. Erst wenn beide Kategorien deutlich, also um mehr als 15 bis 20 Prozent, unter den Erwartungen liegen, lohnt sich die Fehlersuche über die PCIe-Link-Prüfung aus Schritt 9 oder die Troubleshooting-Liste weiter unten.

Schritt 8: SSD-Temperatur mit CrystalDiskInfo im Blick behalten

PCIe-5.0-SSDs erzeugen unter Volllast deutlich mehr Wärme als PCIe-4.0-Modelle, weil der Controller bei doppelter Bandbreite auch deutlich mehr Strom verbraucht. CrystalDiskInfo 9.9.2 liest die Temperatur direkt aus den SMART-Daten des Laufwerks und zeigt sie farbcodiert an, blau für normal, gelb ab etwa 55 Grad, rot ab dem herstellerspezifischen Warnschwellenwert. Vor jedem Benchmark-Durchlauf lohnt ein Blick auf den Ausgangswert, danach direkt im Anschluss ein zweiter Blick auf den Spitzenwert.

Ein Temperaturanstieg von 20 Grad oder mehr innerhalb eines einzigen Testlaufs deutet auf ein unzureichendes Heatsink oder schlechten Gehäuseluftstrom hin. In diesem Fall sinken die Werte in späteren Durchläufen erkennbar ab, weil der Controller die Taktrate reduziert, um die Chiptemperatur zu halten. Zwischen mehreren Testreihen sollte man dem Laufwerk deshalb ein bis zwei Minuten Abkühlzeit geben, bevor man den nächsten Durchlauf startet.

CrystalDiskInfo listet neben der Temperatur auch den “Gesundheitsstatus” des Laufwerks sowie kumulierte SMART-Attribute wie die Gesamtzahl geschriebener Bytes (Host Writes) und die verbleibende Lebensdauer in Prozent. Diese Werte sind für die Interpretation eines Benchmarks nicht direkt relevant, liefern aber wichtigen Kontext: Ein Laufwerk mit bereits stark gesunkener Restlebensdauer zeigt häufig auch bei Schreibtests niedrigere Werte, weil interne Fehlerkorrektur und Wear-Leveling-Mechanismen unter zunehmender Zellenabnutzung mehr Aufwand betreiben. Wer eine gebrauchte SSD kauft oder ein älteres System weiterverwendet, sollte deshalb vor dem eigentlichen Geschwindigkeitstest immer zuerst einen Blick auf diese Gesundheitswerte werfen.

Ein häufiger, aber leicht zu übersehender Fehler ist eine SSD, die zwar physisch im richtigen Slot steckt, aber wegen geteilter Lanes oder einer BIOS-Fehlkonfiguration nur mit halber Bandbreite läuft, etwa x2 statt x4. Windows zeigt das nicht direkt im Explorer an, lässt sich aber über die Gerätemanager-Eigenschaften oder per PowerShell auslesen. Folgendes Skript liest die aktuelle und die maximale Link-Geschwindigkeit sowie Link-Breite aller erkannten NVMe-Controller aus:

Get-PnpDevice -PresentOnly |
    Where-Object {
        $_.InstanceId -like 'PCI\*' -and
        $_.FriendlyName -match 'NVMe|NVM Express'
    } |
    ForEach-Object {
        $id = $_.InstanceId
        $currentSpeed = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $id `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_CurrentLinkSpeed' `
            -ErrorAction SilentlyContinue).Data
        $currentWidth = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $id `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_CurrentLinkWidth' `
            -ErrorAction SilentlyContinue).Data
        $maxSpeed = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $id `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_MaxLinkSpeed' `
            -ErrorAction SilentlyContinue).Data
        $maxWidth = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $id `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_MaxLinkWidth' `
            -ErrorAction SilentlyContinue).Data

        [PSCustomObject]@{
            Geraet        = $_.FriendlyName
            AktuellSpeed  = $currentSpeed
            AktuellBreite = $currentWidth
            MaxSpeed      = $maxSpeed
            MaxBreite     = $maxWidth
        }
    } | Format-Table -AutoSize

Weichen “AktuellSpeed” und “AktuellBreite” von den Maximalwerten ab, lohnt ein Blick ins BIOS: Manche Mainboards teilen die vom Chipsatz bereitgestellten Lanes zwischen mehreren M.2-Slots und SATA-Ports auf, sodass ein zusätzlich verbautes Laufwerk die Bandbreite eines anderen Slots reduziert. Wer gerade erst ein BIOS-Update wegen einer neuen CPU eingespielt hat, findet die nötigen Schritte dazu im Artikel BIOS-Update für neue CPU, inklusive Hinweisen zur PCIe-Lane-Konfiguration im UEFI-Menü.

Schritt 10: Ergebnisse mit aktuellen PCIe-5.0-SSDs vergleichen

Um einzuschätzen, ob die eigenen Messwerte im normalen Bereich liegen, hilft der Vergleich mit aktuellen Spitzenmodellen. Die folgende Tabelle zeigt Herstellerangaben und Testwerte führender PCIe-5.0-Consumer-SSDs, Stand September 2026. Reale CrystalDiskMark-Ergebnisse liegen je nach System meist knapp unter diesen Werten.

ModellSeq. LesenSeq. SchreibenRandom Read IOPSRandom Write IOPS
Crucial T710 (2/4 TB)bis 14.900 MB/sbis 13.800 MB/sca. 2,2 Mio.ca. 2,3 Mio.
Samsung 9100 Proca. 14.700–14.800 MB/sca. 13.400 MB/sca. 1,85 Mio.ca. 2,6 Mio.
WD Black SN8100ca. 14.900 MB/sca. 14.000 MB/sca. 2,3 Mio.ca. 2,4 Mio.

Diese Zahlen stammen aus aktuellen Hersteller- und Testdaten, gemessen meist mit hoher Queue Depth und optimalen Kühlbedingungen, reale Alltagswerte weichen je nach System, Kühlung und Testtool ab. Auffällig ist, dass sich die drei Modelle bei der sequenziellen Leserate kaum unterscheiden, alle drei kratzen an der praktischen Obergrenze von PCIe 5.0 x4. Der eigentliche Unterschied zeigt sich bei den Random-IOPS-Werten und bei der Größe des SLC-Cache, beides Faktoren, die ein einzelner CrystalDiskMark-Schnelltest mit 1 GiB Testgröße nicht zuverlässig aufdeckt. Zum Einordnen der Interface-Grenzen selbst hilft ein Blick auf die theoretischen PCI-Express-Obergrenzen je Generation, wie sie auch die Spezifikationsorganisation NVM Express für ihre Standards zugrunde legt:

PCIe-Generationen im Überblick

Jede neue PCI-Express-Generation verdoppelt die Transferrate pro Lane gegenüber der vorherigen Generation, bei gleicher Anzahl an Lanes. Das erklärt, warum ein Wechsel von PCIe 4.0 auf PCIe 5.0 bei sequenziellen Werten einen so großen Sprung bringt, während sich bei zufälligen Kleinstzugriffen kaum etwas ändert, dort limitieren eher Latenz und Controller-Architektur als die reine Schnittstellenbandbreite.

PCIe-GenerationTransferrate pro LaneTheoretisches Maximum x4
PCIe 3.0ca. 0,985 GB/sca. 3,94 GB/s
PCIe 4.0ca. 1,969 GB/sca. 7,88 GB/s
PCIe 5.0ca. 3,938 GB/sca. 15,75 GB/s

Die Tabelle erklärt, warum aktuelle PCIe-5.0-Spitzenmodelle bei rund 14,5 bis 15 GB/s einbremsen: Das ist praktisch die Grenze, die die x4-Anbindung überhaupt zulässt, nicht mehr eine Beschränkung durch den NAND-Speicher selbst. Bei Zufallszugriffen mit niedriger Queue Depth spielt die Interface-Grenze dagegen kaum eine Rolle, dort entscheiden Firmware, Controller-Architektur und Treiber über das Ergebnis.

Schritt 11: SLC-Cache-Verhalten mit einem Sustained-Write-Test aufdecken

Die meisten TLC-basierten Consumer-SSDs reservieren einen Teil ihres NAND-Speichers als schnellen Pseudo-SLC-Cache. Ein kurzer 1-GiB-Test bleibt fast immer innerhalb dieses Caches und zeigt deshalb geschönte Schreibwerte. Um die reale Dauerschreibleistung zu sehen, die etwa beim Kopieren großer Videodateien relevant wird, sollte man die Testgröße im Einstellungsmenü auf 16 GiB oder 32 GiB erhöhen und die Testanzahl auf mindestens 3 setzen.

Bricht der Schreibwert nach einigen Sekunden spürbar ein, etwa von 13.000 MB/s auf 2.000 bis 4.000 MB/s, ist der Cache erschöpft und das Laufwerk schreibt jetzt direkt in den langsameren TLC-Bereich. Dieses Verhalten ist normal und kein Defekt, es zeigt aber, dass die Herstellerangabe “bis zu” nur für kurze Schreibvorgänge gilt. Wer regelmäßig große Datenmengen verschiebt, etwa in einer Multi-GPU-Workstation für KI-Training, sollte diesen Wert stärker gewichten als die reine Spitzengeschwindigkeit aus dem Datenblatt.

Für die Praxis lohnt sich ein einfacher Trick: Den Sustained-Write-Test einmal direkt nach dem Formatieren durchführen und das Ergebnis speichern, dann nach einigen Monaten intensiver Nutzung wiederholen. Sinkt die Direct-to-TLC-Rate deutlich, etwa um mehr als 20 Prozent, deutet das auf zunehmende Fragmentierung des freien Speicherplatzes oder eine spürbar gealterte Firmware-Verwaltung hin. In diesem Fall hilft häufig schon eine vollständige TRIM-Optimierung über die Windows-Laufwerksoptimierung, in hartnäckigen Fällen auch ein komplettes Secure-Erase über das Herstellertool, gefolgt von einer frischen Windows-Installation.

Schritt 12: Ein automatisiertes Benchmark-Protokoll bauen (komplettes Projekt)

CrystalDiskMark selbst bietet keine offiziell dokumentierte Kommandozeilen-Automatisierung, die grafische Oberfläche muss also manuell bedient werden. Trotzdem lässt sich der Rest des Messprozesses vollständig automatisieren: Laufwerksinfo, PCIe-Link-Status und Temperatur lassen sich per PowerShell auslesen und zusammen mit den manuell abgelesenen CrystalDiskMark-Werten in einer sauberen CSV-Datei protokollieren. Das folgende Skript baut genau dieses Protokoll auf und lässt sich beliebig oft wiederverwenden, etwa vor und nach jedem Treiber- oder BIOS-Update.

# SSD-Benchmark-Report.ps1
# Erfasst Laufwerksinfo, PCIe-Link-Status und manuell abgelesene
# CrystalDiskMark-Werte in einer CSV-Datei.

$ReportPath = "$env:USERPROFILE\Desktop\ssd-benchmark-log.csv"

# 1. Laufwerksinfo automatisch erfassen
$disk = Get-PhysicalDisk | Where-Object { $_.MediaType -eq 'SSD' } |
    Select-Object -First 1 FriendlyName, SerialNumber, FirmwareVersion, Size

# 2. PCIe-Link-Status automatisch erfassen
$pcie = Get-PnpDevice -PresentOnly | Where-Object {
    $_.InstanceId -like 'PCI\*' -and $_.FriendlyName -match 'NVMe|NVM Express'
} | Select-Object -First 1 | ForEach-Object {
    [PSCustomObject]@{
        AktuellSpeed = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $_.InstanceId `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_CurrentLinkSpeed' -ErrorAction SilentlyContinue).Data
        AktuellBreite = (Get-PnpDeviceProperty -InstanceId $_.InstanceId `
            -KeyName 'DEVPKEY_PciDevice_CurrentLinkWidth' -ErrorAction SilentlyContinue).Data
    }
}

# 3. Manuell abgelesene CrystalDiskMark-Werte abfragen
$seqRead  = Read-Host "SEQ 1MiB Q8T1 Lesen (MB/s)"
$seqWrite = Read-Host "SEQ 1MiB Q8T1 Schreiben (MB/s)"
$rndRead  = Read-Host "RND 4KiB Q1T1 Lesen (MB/s)"
$rndWrite = Read-Host "RND 4KiB Q1T1 Schreiben (MB/s)"
$tempC    = Read-Host "Temperatur laut CrystalDiskInfo (Grad C)"

# 4. Alles zusammenfuehren und anhaengen
$entry = [PSCustomObject]@{
    Datum         = Get-Date -Format "yyyy-MM-dd HH:mm"
    Laufwerk      = $disk.FriendlyName
    Firmware      = $disk.FirmwareVersion
    PCIeSpeed     = $pcie.AktuellSpeed
    PCIeBreite    = $pcie.AktuellBreite
    SeqReadMBs    = $seqRead
    SeqWriteMBs   = $seqWrite
    RndReadMBs    = $rndRead
    RndWriteMBs   = $rndWrite
    TemperaturC   = $tempC
}

$entry | Export-Csv -Path $ReportPath -Append -NoTypeInformation -Encoding UTF8
Write-Host "Eintrag gespeichert in $ReportPath"

Das Skript speichern, in PowerShell mit ./SSD-Benchmark-Report.ps1 ausführen und danach nach jedem CrystalDiskMark-Durchlauf die vier Werte plus Temperatur eintippen. Nach ein paar Wochen entsteht so eine vollständige CSV-Historie, die sich in Excel oder Grafana als Diagramm auswerten lässt, um schleichende Leistungsverluste durch Firmware-Alterung oder Cache-Fragmentierung frühzeitig zu erkennen.

Falls PowerShell das Skript mit einer Meldung zur Ausführungsrichtlinie blockiert, muss zuerst einmalig die Skriptausführung für die aktuelle Sitzung erlaubt werden, etwa mit Set-ExecutionPolicy -Scope Process -ExecutionPolicy Bypass. Diese Einstellung gilt nur für das aktuell offene PowerShell-Fenster und ändert keine dauerhafte Systemkonfiguration, ein sinnvoller Kompromiss zwischen Komfort und Sicherheit für ein selbst geschriebenes Mess-Skript. Wer den Report regelmäßig für mehrere Laufwerke im selben System pflegen will, kann die CSV-Datei einfach um eine zusätzliche Spalte mit dem Laufwerksbuchstaben erweitern und im Skript entsprechend anpassen, dann lassen sich Systemlaufwerk und Datenlaufwerk sauber getrennt auswerten.

Bevor das Laufwerk getestet wird: Page-File, TRIM und Auslastung prüfen

Liegt die Windows-Auslagerungsdatei auf dem zu testenden Laufwerk, erzeugt das Betriebssystem während des Benchmarks zusätzliche, unkontrollierte I/O-Last im Hintergrund. Das folgende Kommando zeigt, wo sich die Auslagerungsdatei aktuell befindet:

Get-CimInstance -ClassName Win32_PageFileUsage |
    Select-Object Name, AllocatedBaseSize, CurrentUsage

Liegt sie auf dem Testlaufwerk, lässt sich die Größe für den Testzeitraum in den Systemeigenschaften unter “Erweitert” auf ein anderes Laufwerk verschieben. Nach dem Test kann die ursprüngliche Konfiguration wiederhergestellt werden. Wichtig ist vor allem, diese Einstellung während einer Testreihe nicht zu ändern, sondern für alle Durchläufe konstant zu halten, sonst sind die Ergebnisse verschiedener Tage nicht mehr vergleichbar.

Ein zweiter, oft übersehener Faktor ist die TRIM-Unterstützung. Ist TRIM auf einem Laufwerk deaktiviert, häufen sich mit der Zeit ungültige Datenblöcke an, die der Controller vor jedem neuen Schreibvorgang erst räumen muss, was die gemessene Schreibleistung schleichend senkt. Ob TRIM aktiv ist, zeigt folgender Befehl in der Eingabeaufforderung oder PowerShell, eine Rückgabe von “0” bedeutet, TRIM ist aktiviert:

fsutil behavior query DisableDeleteNotify

Steht der Wert auf “1”, ist TRIM deaktiviert, was bei modernen NVMe-Systemlaufwerken unter Windows 11 unüblich ist und meist auf eine RAID-Konfiguration oder einen älteren Fremdtreiber zurückgeht. Vor einem aussagekräftigen Benchmark lohnt sich zusätzlich ein manueller Optimierungslauf über die Windows-Laufwerksoptimierung, das stellt sicher, dass TRIM-Befehle nicht nur aktiviert, sondern auch tatsächlich ausgeführt wurden, bevor die Messung beginnt.

Häufige Fehler beim SSD-Benchmarking

Die folgenden Fehler tauchen in Foren und Kommentarspalten ständig auf und führen fast immer zu falsch interpretierten Ergebnissen. Wer diese Liste vor dem eigenen Test einmal durchgeht, spart sich im Zweifel eine unnötige Reklamation oder eine falsche Ferndiagnose im Forum.

  • SLC-Cache-Effekt ignorieren: Nur mit der Standard-Testgröße von 1 GiB zu messen und das Ergebnis als Dauerschreibleistung zu verkaufen, siehe Schritt 11. Wer eine Kaufentscheidung auf diesen Wert stützt, wird bei größeren Kopiervorgängen später enttäuscht.
  • Thermal-Throttling übersehen: Mehrere Durchläufe direkt hintereinander ohne Abkühlpause, wodurch spätere Werte künstlich niedrig ausfallen und fälschlich als Defekt interpretiert werden. Ein Blick auf die Temperaturkurve in CrystalDiskInfo klärt das meist in Sekunden.
  • Auslagerungsdatei auf dem Testlaufwerk: Windows erzeugt während des Tests zusätzliche I/O-Last, die das Ergebnis leicht nach unten verzerrt, besonders bei knappem Arbeitsspeicher unter 16 GB RAM.
  • Falsches Testprofil für den Vergleichszweck: Peak-Performance-Werte mit Real-World-Erwartungen zu vergleichen, oder umgekehrt Real-World-Werte mit Herstellerangaben zu vergleichen, die auf Peak-Bedingungen beruhen. Beide Zahlen sind korrekt, beschreiben aber unterschiedliche Szenarien.
  • Benchmark über USB-Gehäuse statt nativem Slot: Eine an sich schnelle NVMe-SSD wird über eine externe USB-Brücke oder eine langsame USB-Schnittstelle betrieben und liefert dadurch komplett falsche Werte, oft nur ein Bruchteil der nativen Leistung.
  • Fast volles Laufwerk testen: Bei stark gefüllten SSDs (über 85 bis 90 Prozent) sinkt die Schreibleistung durch weniger verfügbaren Platz für Wear-Leveling und Garbage Collection spürbar, unabhängig vom Cache-Verhalten. Für einen fairen Test sollte immer eine ähnliche Restkapazität vorliegen.
  • Antivirus-Echtzeitschutz während des Tests aktiv lassen: Manche Sicherheitslösungen scannen jede geschriebene Testdatei sofort mit, was vor allem die Zufallszugriffswerte verfälscht, da jeder kleine 4-KiB-Block einzeln geprüft wird.
  • Deaktiviertes TRIM übersehen: Ein Laufwerk mit deaktiviertem TRIM liefert nach einigen Wochen Nutzung spürbar schlechtere Werte als frisch aus der Verpackung, ohne dass ein Defekt vorliegt, siehe die Prüfung mit fsutil weiter oben.

Erweiterte Tipps für Profis

Wer regelmäßig Systeme aufbaut oder wartet, profitiert von ein paar zusätzlichen Kniffen. Erstens lohnt sich ein Vergleich der Ergebnisse vor und nach jedem größeren Windows-Update, weil neue Storage-Treiber gelegentlich messbare Unterschiede bei den Zufallszugriffswerten bringen. Zweitens hilft die Kombination aus Real-World-Profil und NVMe-SSD-Profil: Das eine zeigt die Alltagsleistung, das andere die technische Obergrenze, gemeinsam ergeben sie ein vollständigeres Bild als ein einzelner Testdurchlauf.

Drittens sollte man bei RAID-0-Konfigurationen aus mehreren NVMe-SSDs vorsichtig mit Testgrößen umgehen, da sich das Cache-Verhalten mehrerer Laufwerke gegenseitig überlagert und Ergebnisse schwerer interpretierbar macht. Viertens lässt sich das PowerShell-Skript aus Schritt 12 leicht über den Windows-Aufgabenplaner an einen festen Zeitplan koppeln, etwa einmal pro Woche, um über Monate hinweg eine Verschleißkurve sichtbar zu machen. Fünftens gilt: Wer die Ergebnisse öffentlich vergleicht, etwa in einem Forum, sollte immer Laufwerksmodell, Firmware-Version, Testprofil, Testgröße, Windows-Version und CrystalDiskMark-Version mit angeben, sonst ist der Vergleich für andere Leser wertlos.

Sechstens lohnt sich bei neuen Systemen ein Doppeltest: einmal direkt nach der Windows-Installation mit Werkseinstellungen, einmal nach der vollständigen Einrichtung inklusive aller Treiber, Sicherheitssoftware und Autostart-Programme. Der Unterschied zwischen beiden Messungen zeigt konkret, wie viel Leistung die eigene Softwarekonfiguration tatsächlich kostet, ein Wert, der bei reinen Herstellervergleichen komplett verloren geht. Siebtens gilt für Nutzer mit mehreren baugleichen Systemen, etwa in einem kleinen Firmennetzwerk: Ein einheitliches Testprotokoll über alle Maschinen hinweg deckt fehlerhafte Einzelgeräte zuverlässiger auf als eine isolierte Einzelmessung, weil Ausreißer im Vergleich zur Gruppe sofort auffallen.

Troubleshooting: Die häufigsten Probleme und Lösungen

  • CrystalDiskMark startet nicht oder meldet “bereits ausgeführt”: Task-Manager öffnen, alle DiskMark-Prozesse im Hintergrund beenden, dann die Anwendung erneut als Administrator starten. Bei der Portable-Version hilft oft auch, den Ordner an einen Pfad ohne Sonderzeichen zu verschieben.
  • Werte schwanken stark zwischen Durchläufen: Hintergrundprogramme schließen, Antivirus-Scan pausieren, Testanzahl auf mindestens 5 erhöhen und den Mittelwert bilden statt eines einzelnen Laufs zu vertrauen.
  • Sequenzielle Werte liegen weit unter der Herstellerangabe: PCIe-Link-Status mit dem Skript aus Schritt 9 prüfen, oft steckt die SSD nur mit x2 statt x4 Lanes, weil ein zweites Laufwerk oder eine Erweiterungskarte Lanes im selben Chipsatz-Bereich belegt.
  • Random-4K-Werte ungewöhnlich niedrig: NVMe-Treiber aktualisieren oder auf den nativen Microsoft-Treiber zurückwechseln, gelegentlich hilft auch ein BIOS-Update, das eine neuere ASPM- oder Power-State-Behandlung mitbringt.
  • Laufwerk erscheint nicht in der Dropdown-Liste: Datenträgerverwaltung öffnen und prüfen, ob das Laufwerk initialisiert und mit einem Laufwerksbuchstaben versehen ist, ein rohes, nicht formatiertes Laufwerk zeigt CrystalDiskMark nicht an.
  • Schreibwerte brechen nach wenigen Sekunden stark ein: Kein Defekt, sondern SLC-Cache-Erschöpfung, siehe Schritt 11, mit größerer Testgröße von 16 GiB oder mehr erneut messen, um die tatsächliche Direct-to-TLC-Rate zu sehen.
  • Temperatur steigt sehr schnell auf über 70 Grad: Heatsink oder Gehäuselüfter prüfen, bei M.2-Slots unter der Grafikkarte kann die Abwärme der GPU zusätzlich Wärme stauen, ein separates Heatsink-Modul schafft hier oft spürbar Abhilfe.
  • PCIe-Link zeigt nur Gen 3 statt Gen 5 an: BIOS-Einstellung für den M.2-Slot kontrollieren, manche Boards laufen im “Auto”-Modus konservativer als im manuell erzwungenen Gen-5-Modus, besonders bei längeren Kabeln oder Riser-Karten.
  • Externe USB-SSD liefert “0 MB/s” oder Fehlermeldung: USB-Controller oder Kabel wechseln, manche USB-3.2-Gen2x2-Brücken haben Kompatibilitätsprobleme mit bestimmten NVMe-Chips und melden dann gar keine gültigen Werte zurück.
  • Ergebnisse im Admin-Modus und ohne Admin-Modus unterscheiden sich: Für konsistente Vergleiche immer denselben Modus verwenden und das im eigenen Protokoll vermerken, da manche Sicherheitsrichtlinien im Nicht-Admin-Modus zusätzliche Prüfungen bei jedem Dateizugriff auslösen.
  • CrystalDiskInfo zeigt keine Temperatur an: Kommt vor allem bei manchen OEM-Laptops mit eingeschränktem SMART-Zugriff vor, hier hilft meist nur das herstellereigene Tool oder ein BIOS-Update mit vollständigerer NVMe-Implementierung.

Wenn nichts hilft: strukturiert zurücksetzen

Bleiben die Werte trotz aller Prüfungen aus diesem Artikel dauerhaft unterdurchschnittlich, hilft oft nur ein strukturierter Reset in drei Schritten: zuerst ein Firmware-Update über das jeweilige Herstellertool einspielen, danach die SSD mit demselben Tool per Secure Erase vollständig zurücksetzen, und erst danach Windows neu installieren. Dieser Weg ist deutlich gründlicher als ein einfaches Neuformatieren, weil er auch interne Controller-Zustände zurücksetzt, die sich über Monate hinweg angesammelt haben können.

CrystalDiskMark im Vergleich zu anderen Benchmark-Methoden

CrystalDiskMark ist nicht das einzige Werkzeug zur Leistungsmessung von Speichermedien, es unterscheidet sich aber deutlich von GPU- oder System-Benchmarks in Zielsetzung und Methodik. Während ein GPU-Benchmark Bildrate und Frametimes über Sekunden oder Minuten misst, arbeitet CrystalDiskMark mit klar definierten, kurzen synthetischen Testmustern, die gezielt einzelne Aspekte der Speicherleistung isolieren. Wer eine vollständige Systembewertung braucht, etwa nach dem Zusammenbau einer neuen Workstation, kombiniert deshalb sinnvollerweise GPU-, CPU- und Storage-Benchmarks statt sich auf ein einzelnes Tool zu verlassen.

Für Anwendungsfälle, bei denen Ladezeiten in Spielen im Vordergrund stehen, liefert DirectStorage-fähige Software zusätzliche Erkenntnisse, die ein reiner synthetischer Benchmark nicht abbildet. DirectStorage erlaubt es, Spielinhalte direkter von der NVMe-SSD in Richtung GPU zu bewegen, ein hoher CrystalDiskMark-Sequenzialwert übersetzt sich dabei aber nicht automatisch eins zu eins in kürzere In-Game-Ladezeiten. Für eine realistische Einschätzung lohnt sich deshalb zusätzlich ein Blick auf tatsächliche Ladezeiten in ausgewählten Spielen, gemessen mit der Stoppuhr statt mit einem synthetischen Tool.

Wer den Rechner ohnehin gerade neu aufsetzt oder erweitert, etwa mit einer zusätzlichen Grafikkarte für ein KI-Trainingssystem, sollte den Storage-Benchmark direkt in die übrige Inbetriebnahme-Routine einbauen. Ein sinnvoller Ablauf ist: zuerst Treiber und BIOS aktualisieren, dann CrystalDiskMark laufen lassen und das Ergebnis im eigenen CSV-Protokoll ablegen, erst danach mit der eigentlichen Nutzung beginnen. So entsteht von Anfang an ein Referenzwert, mit dem sich jede spätere Auffälligkeit objektiv vergleichen lässt, statt sich auf den subjektiven Eindruck “fühlt sich langsamer an” verlassen zu müssen.

Häufig gestellte Fragen

Ist CrystalDiskMark kostenlos?
Ja, sowohl die Standard-Edition mit Werbebanner als auch die werbefreie Shizuku-Edition sind vollständig kostenlos, ebenso das Begleitprogramm CrystalDiskInfo.

Welche CrystalDiskMark-Version sollte ich im September 2026 verwenden?
Die aktuelle Version ist 9.0.3 vom 24. Mai 2026. Ältere Versionen funktionieren zwar oft noch, unterstützen aber unter Umständen neuere NVMe-Controller schlechter.

Warum zeigt CrystalDiskMark niedrigere Werte als die Herstellerangabe?
Herstellerangaben stammen meist aus Laborbedingungen mit optimaler Kühlung, bestimmter Kapazität und Firmware. Reale Systeme mit anderem Mainboard, anderer Kühlung oder anderem Treiber liegen fast immer etwas darunter.

Was bedeutet der Unterschied zwischen Q32T16 und Q1T1?
Q32T16 misst maximale Parallelität mit 32 gleichzeitigen Anfragen über 16 Threads, ein serverähnliches Szenario. Q1T1 misst einen einzelnen, unparallelisierten Zugriff, der die Reaktionsfreude im Desktop-Alltag besser abbildet.

Wie lange sollte ein Testlauf dauern?
Ein Standarddurchlauf mit 1 GiB und 5 Wiederholungen dauert meist nur wenige Minuten. Für einen Sustained-Write-Test mit 16 oder 32 GiB sollte man je nach Laufwerk 10 bis 20 Minuten einplanen.

Kann ich CrystalDiskMark unter Linux oder macOS nutzen?
Nein, CrystalDiskMark ist eine reine Windows-Anwendung. Auf Linux kommen stattdessen Tools wie fio oder hdparm zum Einsatz, auf macOS etwa das integrierte Programm Blackmagic Disk Speed Test.

Wie oft sollte ich meine SSD benchmarken?
Für die meisten Nutzer reicht ein Test direkt nach dem Einbau sowie ein weiterer nach größeren Firmware- oder BIOS-Updates. Wer Leistungsprobleme vermutet, kann jederzeit erneut testen und mit dem eigenen CSV-Protokoll aus Schritt 12 vergleichen.

Verkürzt häufiges Benchmarken die Lebensdauer der SSD?
Ein einzelner CrystalDiskMark-Durchlauf schreibt üblicherweise nur wenige Gigabyte und wirkt sich auf die TBW-Gesamtlebensdauer moderner SSDs kaum messbar aus. Wer aber täglich große Testgrößen von 32 GiB oder mehr wiederholt fährt, verbraucht über Monate durchaus spürbare Schreibzyklen und sollte das mit CrystalDiskInfo im Blick behalten.

Warum unterscheiden sich die Werte zwischen zwei baugleichen SSDs desselben Modells?
Kleine Abweichungen von wenigen Prozent sind normal und entstehen durch Fertigungstoleranzen, unterschiedliche Firmware-Revisionen oder leicht unterschiedliche Füllstände der Laufwerke. Größere Abweichungen von mehr als 15 bis 20 Prozent deuten dagegen meist auf einen der in diesem Artikel beschriebenen Fehler hin, etwa eine unterschiedliche PCIe-Lane-Anbindung oder abweichende Kühlung.

Lohnt sich CrystalDiskMark auch für eine reine SATA-SSD?
Ja, auch wenn SATA-Laufwerke durch die Schnittstelle auf rund 550 MB/s begrenzt sind, hilft ein Benchmark dabei, einen fehlerhaften SATA-Modus im BIOS (etwa IDE statt AHCI) oder ein defektes Kabel zu erkennen. Werte deutlich unter 500 MB/s bei einer aktuellen SATA-SSD sind fast immer ein Hinweis auf ein Konfigurationsproblem, nicht auf ein defektes Laufwerk.