Stand: 07. Juli 2026

Es ist einer der folgenreichsten Deals der jüngeren Games-Geschichte – und er läuft weitgehend unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit: Seit dem 21. November 2025 gehört ein Viertel von Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six nicht mehr allein Ubisoft, sondern zu einem erheblichen Teil dem chinesischen Technologiekonzern Tencent. Für 1,16 Milliarden Euro (rund 1,25 Milliarden US-Dollar) sicherte sich Tencent 26,32 Prozent an der neu geschaffenen Ubisoft-Tochter Vantage Studios, in der die drei wertvollsten Marken des Konzerns gebündelt sind. Bewertet wurde die Einheit dabei mit 3,8 Milliarden Euro – mehr als das Fünffache dessen, was der gesamte Ubisoft-Konzern an der Börse aktuell wert ist.

Der Ubisoft-Tencent-Deal fällt in die vielleicht schwerste Phase der Firmengeschichte. Im Geschäftsjahr 2025/26 rutschte Ubisoft mit 1,3 Milliarden Euro tief in die roten Zahlen, im Februar 2026 legten rund 1.200 Beschäftigte in Frankreich die Arbeit nieder, und die Aktie notiert mehr als 80 Prozent unter ihrem Höchststand. Ausgerechnet jetzt, wenige Tage vor dem Start von Assassin’s Creed Black Flag Resynced am 9. Juli 2026 – dem ersten großen Release unter der neuen Struktur – lohnt ein genauer Blick: Was steckt hinter dem Deal, was bedeutet er für Spielerinnen und Spieler in Deutschland und der DACH-Region, und ist Tencents Milliardeneinstieg eine Rettung oder der Anfang einer schleichenden Übernahme? Diese Analyse ordnet Zahlen, Machtverhältnisse und Perspektiven ein.

Der Ubisoft-Tencent-Deal im Überblick: 1,16 Milliarden Euro für Vantage Studios

Die Grundzüge des Deals sind schnell erzählt, seine Bedeutung nicht. Am 27. März 2025 unterzeichneten beide Seiten die verbindliche Vereinbarung, seit dem 1. Oktober 2025 arbeitet Vantage Studios operativ eigenständig, und am 21. November 2025 wurde die Transaktion offiziell abgeschlossen. Tencent zahlte 1,16 Milliarden Euro in bar und hält seither 26,32 Prozent an der Gesellschaft, die juristisch als Ubisoft Nova SAS firmiert. Die Mehrheit und die operative Kontrolle bleiben bei Ubisoft – zumindest vorerst.

Der Fachjournalist von TechNode fasst die Transaktion so zusammen: „Der französische Videospielriese Ubisoft und Tencent haben einen strategischen Deal abgeschlossen, bei dem Tencent 1,16 Milliarden Euro (1,25 Milliarden US-Dollar) in bar für eine Beteiligung an Ubisofts neu geschaffener Einheit Vantage Studios investiert, die sich der Entwicklung der drei Vorzeigemarken des Konzerns widmet: Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six.“ Vertraglich ist die Beteiligung eng gefesselt: Tencent muss seinen Anteil mindestens fünf Jahre halten, solange Ubisoft die Mehrheit nicht verliert, und Ubisoft verpflichtet sich, die Kontrolle für mindestens zwei Jahre zu behalten. Die 1,16 Milliarden Euro fließen direkt in den Schuldenabbau des hoch verschuldeten Mutterkonzerns.

KennzahlWert
Investition Tencent1,16 Mrd. € (≈ 1,25 Mrd. USD)
Anteil Tencent an Vantage Studios26,32 %
Bewertung Vantage Studios (pre-money)3,8 Mrd. €
Verbindliche Vereinbarung27. März 2025
Operativer Start1. Oktober 2025
Abschluss der Transaktion21. November 2025
Enthaltene MarkenAssassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six
Haltefrist Tencent / Kontrollpflicht Ubisoft5 Jahre / mind. 2 Jahre
Die Eckdaten des Ubisoft-Tencent-Deals. Quelle: Ubisoft-Mitteilung, TechNode.

Was ist Vantage Studios? Die drei Kronjuwelen des Konzerns

Vantage Studios ist kein einzelnes Entwicklerteam, sondern eine Dachgesellschaft, in der Ubisoft seine drei umsatzstärksten und bekanntesten Franchises konzentriert hat: das historische Open-World-Epos Assassin’s Creed, den Shooter Far Cry und den Taktik-Shooter Rainbow Six. Getragen wird die Einheit von Ubisofts Schlüsselstudios in Montreal, Quebec, Sherbrooke, Barcelona und Sofia – jenen Teams, die seit Jahren die wichtigsten Blockbuster des Konzerns liefern.

Die Idee dahinter: mehr Autonomie, kürzere Entscheidungswege, weniger Konzernbürokratie. In der offiziellen Kommunikation beschreibt Ubisoft das Modell so, dass es „ein höheres Maß an Autonomie für die Entwickler und einen kürzeren Weg zwischen dem Sammeln und der Umsetzung von Spieler-Feedback ermöglicht, während gleichzeitig die Expertise, die Dienste, die Werkzeuge und die Technik von Ubisoft weiterhin zur Verfügung stehen“. Ein TechNode-Analyst ordnet den strategischen Kern nüchterner ein: „Durch die Ausgliederung seiner Kernmarken reduziert Ubisoft die Komplexität des Konzerns und bündelt seine Ressourcen neu, während Tencent sich über eine Minderheitsbeteiligung Zugang zu erstklassigen Vermögenswerten sichert und die kulturellen Reibungen vermeidet, die oft mit vollständigen Übernahmen einhergehen.“

Entscheidend ist, was nicht in Vantage Studios steckt. Marken wie Anno, Die Siedler, The Division, Ghost Recon oder Just Dance verbleiben im Rest des Konzerns – also genau in jenem Teil, der finanziell am stärksten unter Druck steht und in dem der Löwenanteil der Restrukturierung stattfindet. Der Ubisoft-Tencent-Deal zieht damit eine Trennlinie mitten durch das Portfolio: hier die geschützten, kapitalisierten Vorzeigemarken, dort das Tagesgeschäft mit ungewisserer Zukunft.

Ubisofts Bilanz: 1,3 Milliarden Euro Verlust im Geschäftsjahr 2025/26

Warum Ubisoft überhaupt zu einem solchen Schritt griff, zeigt ein Blick in die Bilanz. Das am 31. März 2026 abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26 war das mit Abstand schwächste seit Jahren. Der Umsatz fiel auf 1,4 Milliarden Euro und damit um 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die für die Branche zentralen Net Bookings sanken um 17,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Am dramatischsten aber ist das operative Ergebnis: Aus einem Verlust von 196,5 Millionen Euro im Vorjahr wurde ein operativer Verlust von 1,3 Milliarden Euro – ein Minus, das maßgeblich auf Abschreibungen, teure Spielabsagen und Verschiebungen zurückgeht.

Parallel dazu schrumpfte die Belegschaft. Zum 30. September 2025 zählte Ubisoft 17.097 Beschäftigte, ein Jahr zuvor waren es noch 18.666. Über zwölf Monate strich der Konzern rund 1.500 Stellen, etwa 700 davon seit März 2025. Die Zahlen sind mehr als Statistik: Sie erklären, warum der Zufluss von 1,16 Milliarden Euro aus dem Ubisoft-Tencent-Deal für das Management existenziell war. Die offiziellen Kennzahlen finden sich in Ubisofts Investor-Relations-Bereich; die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Werte dem Vorjahr gegenüber.

Kennzahl (Geschäftsjahr)2025/26Vorjahr / Vergleich
Umsatz1,4 Mrd. €−21,8 %
Net Bookings1,5 Mrd. €−17,4 %
Operatives Ergebnis−1,3 Mrd. €−196,5 Mio. € (Vorjahr)
Beschäftigte (30.09.2025)17.09718.666 (Vorjahr)
Stellenabbau (12 Monate)≈ 1.500davon ≈ 700 seit März 2025
Aktienkurs (06.07.2026)≈ 5,56 €Höchststand 2021: > 100 €
Ubisofts Geschäftsjahr 2025/26 im Vergleich. Quellen: Ubisoft Investor Relations, Marktdaten.

Assassin’s Creed Shadows: Hoffnungsträger mit Grenzen

Dabei war das Geschäftsjahr keineswegs ein reiner Fehlschlag. Das im März 2025 veröffentlichte Assassin’s Creed Shadows, das erste Serienspiel im feudalen Japan, erreichte binnen vier Monaten mehr als fünf Millionen Spielerinnen und Spieler und verbuchte laut Ubisoft den zweithöchsten Umsatz am ersten Verkaufstag in der Geschichte der Reihe – nur übertroffen von Assassin’s Creed Valhalla. Die gesamte Assassin’s-Creed-Marke kommt inzwischen auf über 30 Millionen Spielerinnen und Spieler mit wachsendem Engagement gegenüber dem Vorjahr.

Und doch reichte selbst ein solcher Erfolg nicht, um die Bilanz zu drehen. Shadows war ursprünglich für November 2024 geplant, wurde mehrfach verschoben und erschien erst im März 2025 – ein Muster, das Ubisoft in den vergangenen Jahren teuer zu stehen kam. Der Fall illustriert das Kernproblem des Konzerns: Selbst starke Marken können die Kosten immer aufwendigerer AAA-Produktionen kaum noch tragen, wenn sich Releases verzögern und einzelne Enttäuschungen wie das schwach gestartete Star Wars Outlaws ganze Quartale belasten. Genau hier setzt die Logik von Vantage Studios an – die wertvollsten Marken sollen abgeschirmt und mit frischem Kapital stabilisiert werden.

Die Ubisoft-Aktie: über 80 Prozent Wertverlust seit 2021

Nirgends wird die Vertrauenskrise so sichtbar wie am Aktienkurs. Am 6. Juli 2026 notierte die Ubisoft-Aktie bei rund 5,56 Euro; die Marktkapitalisierung des gesamten Konzerns lag damit bei etwa 748 Millionen Euro – weniger als eine Milliarde. Allein im vergangenen Jahr verlor das Papier je nach Datenquelle zwischen 40 und 48 Prozent an Wert. Gegenüber dem Allzeithoch von über 100 Euro aus dem Jahr 2021 summiert sich der Verlust auf mehr als 80 Prozent.

Die Diskrepanz ist frappierend: Tencent bewertete allein die drei Vantage-Marken mit 3,8 Milliarden Euro – also mit dem rund Fünffachen des gesamten Börsenwerts von Ubisoft. Für Anlegerinnen und Anleger, die die Ubisoft-Aktie halten, ist das eine zweischneidige Botschaft: Einerseits belegt die Bewertung, welch enormer substanzieller Wert in den Marken steckt. Andererseits offenbart der Abstand zwischen Markenwert und Börsenwert, wie wenig der Markt dem Management zutraut, diesen Wert in Gewinne zu übersetzen. Die Aktivistengruppe AJ Investments und andere Anteilseigner fordern seit Monaten einen radikaleren Umbau – bis hin zu einer vollständigen Übernahme oder Zerschlagung.

Tencents Games-Imperium: Riot, Epic, Supercell – und jetzt Vantage

Um die Tragweite des Ubisoft-Tencent-Deals zu verstehen, muss man ihn im größeren Bild sehen. Tencent ist – gemessen am Umsatz – der größte Games-Konzern der Welt und hält seit Jahren Beteiligungen an nahezu jedem bedeutenden westlichen Studio. Der Einstieg bei Vantage ist kein Einzelfall, sondern ein weiterer Baustein in einer Strategie, die von 100-Prozent-Übernahmen über Mehrheiten bis zu strategischen Minderheitsbeteiligungen reicht. Eine Übersicht von PC Gamer listet Dutzende solcher Beteiligungen.

Studio / KonzernTencent-AnteilBekannte Marken
Riot Games100 %League of Legends, VALORANT, Teamfight Tactics
Supercell≈ 84 % (2016 für 8,6 Mrd. USD)Clash of Clans, Clash Royale, Brawl Stars
Epic Games≈ 40 % (Berichte 2026: teils ~28 %)Fortnite, Unreal Engine
Ubisoft (Konzern)≈ 9,99 % direkt + 49,9 % an Guillemot BrothersAnno, Die Siedler, The Division
Vantage Studios (neu)26,32 %Assassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six
Funcom100 %Conan Exiles, Dune: Awakening
Ausgewählte Tencent-Beteiligungen an westlichen Games-Studios. Prozentangaben nach öffentlich berichteten Werten; einzelne Quellen weichen ab.

Die Tabelle macht klar, warum Kritiker von einer schleichenden Machtverschiebung sprechen: Über direkte Anteile, Mehrheiten und Holding-Konstruktionen ist Tencent an einem erstaunlich großen Teil der westlichen Spielelandschaft beteiligt – vom größten Free-to-Play-Ökosystem bis zur meistgenutzten Grafik-Engine der Branche, der Unreal Engine.

Geopolitik: Warum die USA Tencents Beteiligungen prüfen

Genau diese Bündelung ruft inzwischen Regierungen auf den Plan. Seit Anfang 2026 wägt die US-Regierung ab, ob Tencent seine Anteile an amerikanischen Games-Konzernen behalten darf. Im Fokus stehen laut einem Bericht von Tom’s Hardware die Beteiligungen an Epic Games, Riot Games und Supercell. Die Begründung: nationale Sicherheit. Gaming-Plattformen sammeln Finanzdaten, persönliche Informationen und Chat-Protokolle von Hunderten Millionen Nutzern – und die Unreal Engine kommt zusätzlich in militärischen Simulationen und im Training von Rüstungsunternehmen und Streitkräften zum Einsatz.

Die Prüfung geht auf ein Verfahren des Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) zurück, das bereits unter der Biden-Regierung begann. Damals favorisierte das Justizministerium härtere Maßnahmen bis hin zur erzwungenen Veräußerung, während das Finanzministerium eher auf Auflagen wie eine Datentrennung setzte. Für den Ubisoft-Tencent-Deal ist dieser Kontext hochrelevant: Weil Vantage Studios eine französische Gesellschaft ist und Tencent bewusst nur eine Minderheit hält, umgeht die Konstruktion einen Großteil der US-Sicherheitsbedenken, die eine direkte Übernahme ausgelöst hätte. Die Minderheitsstrategie ist also nicht nur kulturell, sondern auch geopolitisch klug gewählt.

Acht Jahre Annäherung: die Guillemot-Familie und Tencent

Dass ausgerechnet Tencent bei Ubisofts Kronjuwelen einsteigt, ist kein Zufall, sondern das vorläufige Ende einer acht Jahre langen Annäherung. Sie beginnt mit einem Abwehrkampf: Zwischen 2015 und 2018 versuchte der französische Medienkonzern Vivendi, Ubisoft feindlich zu übernehmen. Vivendi kaufte zunächst das Ubisoft-Mobilstudio Gameloft und baute seinen Anteil an Ubisoft bis März 2018 auf 27,3 Prozent aus – womit Vivendi zum größten Einzelaktionär wurde. Firmenchef und Mitgründer Yves Guillemot wehrte sich öffentlich vehement und warf Vivendi vor, nichts von Spielen zu verstehen.

Die Rettung kam 2018 in Gestalt eines „weißen Ritters“: Gemeinsam mit der Guillemot-Familie und dem Ontario Teachers’ Pension Plan kaufte Tencent Vivendi für rund zwei Milliarden Euro heraus. Der Pensionsfonds übernahm 3,4 Prozent, Tencent 5 Prozent; Vivendi zog sich vollständig zurück. Im September 2022 vertiefte sich die Beziehung erneut: Tencent erwarb 49,9 Prozent an der Familienholding Guillemot Brothers und stockte seinen direkten Ubisoft-Anteil von 4,5 auf 9,99 Prozent auf. Vor diesem Hintergrund erscheint der Vantage-Deal weniger als Bruch denn als konsequente nächste Stufe – von 5 Prozent am Konzern bis zu einem Viertel an den wertvollsten Marken.

Streik in Paris: 1.200 Beschäftigte gegen das Management

Während Investoren und Manager über Milliarden verhandeln, wächst intern der Unmut. Am 10. Februar 2026 legten rund 1.200 Beschäftigte die Arbeit nieder – nur wenige Tage, nachdem zwei Gewerkschaftsvertreter öffentlich den Rücktritt von Yves Guillemot gefordert hatten. Fünf französische Gewerkschaften organisierten anschließend einen dreitägigen internationalen Streik und warfen der Führung „katastrophales Management“ vor, für das sie Verantwortung übernehmen solle.

Die Belegschaft trägt die Folgen der Krise unmittelbar: Stellenabbau, Studioschließungen, verschobene Projekte und eine Führung, deren Familienzugriff durch die Tencent-Verflechtung zusätzlich zementiert wird. Für viele Beschäftigte ist der Ubisoft-Tencent-Deal deshalb ambivalent – er sichert kurzfristig Liquidität, verschiebt aber langfristig die Machtbalance weiter weg von den Studios und hin zu Kapitalgebern. Zum offiziellen Abschluss der Transaktion ließ sich Yves Guillemot dennoch zufrieden zitieren: „Ich freue mich sehr, den Abschluss unserer strategischen Partnerschaft mit Tencent bekannt zu geben … Die strategische Investition von Tencent in die Ubisoft Nova SAS (bekannt als ‚Vantage Studios‘) wurde erfolgreich abgeschlossen, nachdem am 27. März 2025 die verbindliche Vereinbarung getroffen worden war.“

DACH-Perspektive: Blue Byte, Anno und Die Siedler

Für Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat der Ubisoft-Tencent-Deal eine besondere Note. Denn Ubisoft ist auch ein deutscher Entwickler: Unter dem Dach von Ubisoft Blue Byte arbeiten seit 2019 die drei Standorte Ubisoft Düsseldorf, Ubisoft Mainz und Ubisoft Berlin. Aus Mainz stammt die Aufbau-Legende Anno, Blue Byte betreut zudem die ebenso traditionsreiche Reihe Die Siedler – zwei Marken, die im DACH-Raum Kultstatus genießen.

Anno 117: Pax Romana als deutscher Lichtblick

Ausgerechnet aus Deutschland kam zuletzt eine der wenigen guten Nachrichten des Konzerns. Anno 117: Pax Romana, entwickelt von Ubisoft Mainz und am 13. November 2025 erschienen, verkaufte sich laut Ubisoft im vergleichbaren Zeitraum besser als der bisherige Serien-Bestseller Anno 1800 und stellte zum Marktstart Rekorde auf. Für 2026 sind mehrere DLCs angekündigt, die das Aufbauspiel rund um das Römische Reich erweitern sollen.

Die Pointe: Anno und Die Siedler gehören nicht zu Vantage Studios. Die deutschen Studios liefern also ausgerechnet einen Verkaufserfolg, sitzen aber im Rest-Konzern – jenem Teil, der die Restrukturierung am deutlichsten spürt. Bereits im Frühjahr 2025 baute Ubisoft auch in Deutschland Stellen ab, wie GamesWirtschaft berichtete. Für die DACH-Community stellt sich damit eine unbequeme Frage: Werden erfolgreiche, aber „nicht geschützte“ Marken wie Anno langfristig gestärkt – oder geraten sie im Schatten der abgeschirmten Vantage-Blockbuster ins Hintertreffen? Mehr Hintergrund zu Ubisofts deutschen Studios bietet der Überblick zu Ubisoft Blue Byte.

Konsolidierung 2026: Ubisoft, EA, Microsoft und Embracer im Vergleich

Ubisofts Umbau ist kein Einzelfall, sondern Teil einer historischen Konsolidierungswelle, die 2026 die gesamte Branche erfasst hat. Der US-Riese Electronic Arts wird für rund 55 Milliarden US-Dollar von einem Konsortium um den saudischen Staatsfonds PIF, Silver Lake und Affinity Partners von der Börse genommen – der größte fremdfinanzierte Übernahmedeal der Games-Geschichte. Wir haben die EA-Übernahme für 55 Milliarden Dollar ausführlich analysiert.

Auch Microsoft zieht die Kosten an: Über mehrere Wellen strich der Konzern seit 2023 Tausende Stellen, im Sommer 2026 traf es die Xbox-Sparte mit rund 3.200 gestrichenen Stellen und der Abstoßung mehrerer Studios – Details dazu in unserem Bericht zu den Xbox-Entlassungen 2026. Und der schwedische Konzern Embracer, der sich zeitweise über 100 Studios einverleibt hatte, zerlegt sich seit 2023 selbst: Nach Tausenden Streichungen (Branchenberichten zufolge rund 7.800 Stellen) und Studioschließungen wie Volition und Free Radical wird die Gruppe in mehrere eigenständige, börsennotierte Einheiten aufgespalten. Asmodee ging Anfang 2025 an die Börse, Coffee Stain wurde im Dezember 2025 abgespalten, der Rest firmiert als Fellowship Entertainment.

Der Ubisoft-Tencent-Deal reiht sich damit in ein Muster ein: Übernahme (EA), Kostensenkung und Verkauf (Microsoft/Xbox), Zerschlagung (Embracer) – und bei Ubisoft die Ausgliederung der Kronjuwelen an einen strategischen Partner. Wer die branchenweiten Kostenschübe verstehen will, sollte auch die Speicherkrise 2026 mit steigenden RAM-Preisen und den Einbruch der Konsolenverkäufe im Blick behalten – beide erhöhen den Druck auf Publisher zusätzlich.

Analyse: Rettung oder schleichende Übernahme – und was das für Spieler heißt

Ist der Ubisoft-Tencent-Deal nun Rettung oder Anfang vom Ende der Unabhängigkeit? Beides lässt sich argumentieren. Für die Rettungsthese spricht der frische Milliardenzufluss, die Abschirmung der wichtigsten Marken und eine Struktur, die Entwicklern mehr Autonomie verspricht. Für die Übernahmethese spricht die Historie: In acht Jahren wuchs Tencents Zugriff von null auf 5 Prozent des Konzerns, die halbe Familienholding und ein Viertel der Kronjuwelen. Die vertragliche Kontrollpflicht Ubisofts endet bereits nach zwei Jahren – ein bemerkenswert kurzes Zeitfenster.

Für Spielerinnen und Spieler sind die konkreten Folgen zunächst weniger dramatisch, als Schlagzeilen vermuten lassen. Kurzfristig bedeutet mehr Kapital für Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six eher stabilere Produktionsbudgets. Kritisch wird es bei zwei Punkten: Erstens dürfte der Druck zu wiederkehrenden Einnahmen – Live-Service, Season Pässe, Mikrotransaktionen – eher steigen als sinken, denn Kapitalgeber wie Tencent denken in Plattformen und langfristiger Monetarisierung. Zweitens stellt sich die Frage, wie viel kreative Kontrolle langfristig in Europa bleibt. Der erste Praxistest steht unmittelbar bevor: Assassin’s Creed Black Flag Resynced erscheint am 9. Juli 2026, entwickelt unter Federführung von Ubisoft Singapur auf Basis der modernisierten Anvil Engine.

Prognosen: Wie es mit Ubisoft und Tencent weitergeht

Wie könnte sich die Lage in den kommenden zwölf bis vierundzwanzig Monaten entwickeln? Fünf Einschätzungen auf Basis der aktuellen Faktenlage:

  1. Kurzfristige Entspannung, strukturelle Fragen bleiben: Die 1,16 Milliarden Euro senken die Schulden und verschaffen Luft, lösen aber nicht das Grundproblem sinkender Umsätze im Rest-Konzern.
  2. Black Flag Resynced als Stimmungsmesser: Ein starker Start am 9. Juli 2026 würde die Vantage-Strategie früh legitimieren; ein schwacher Verkauf würde die Rufe nach radikaleren Schritten verstärken.
  3. Weiterer Personalabbau ist wahrscheinlich: Solange der Rest-Konzern defizitär bleibt, dürften Restrukturierung und Studioabbau anhalten – auch in Europa.
  4. Tencents Einfluss wächst eher, als dass er schrumpft: Angesichts der Historie ist ein weiterer Ausbau der Beteiligung – am Konzern oder an Vantage – nach Ablauf der Sperrfristen plausibler als ein Rückzug.
  5. Geopolitik bleibt Risikofaktor: Sollten die USA Tencent zu Verkäufen bei Epic oder Riot zwingen, könnte das Tencents gesamte Weststrategie – und damit indirekt Ubisoft – unter Druck setzen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel hat Tencent für Ubisofts Vantage Studios gezahlt?

Tencent investierte 1,16 Milliarden Euro (rund 1,25 Milliarden US-Dollar) in bar und erhielt dafür 26,32 Prozent an Vantage Studios. Die Einheit wurde dabei mit 3,8 Milliarden Euro (pre-money) bewertet. Der Deal wurde am 21. November 2025 offiziell abgeschlossen.

Welche Spiele gehören zu Vantage Studios?

Vantage Studios bündelt Ubisofts drei wertvollste Franchises: Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Andere Marken wie Anno, Die Siedler, The Division, Ghost Recon oder Just Dance verbleiben im übrigen Ubisoft-Konzern und sind nicht Teil der neuen Gesellschaft.

Übernimmt Tencent damit Ubisoft komplett?

Nein – zumindest formal nicht. Ubisoft behält die Mehrheit und die operative Kontrolle über Vantage Studios und verpflichtet sich vertraglich, diese Kontrolle mindestens zwei Jahre zu halten. Tencent hält eine Minderheit von 26,32 Prozent und muss diese fünf Jahre halten. Angesichts der langen Vorgeschichte gilt ein wachsender Tencent-Einfluss dennoch als wahrscheinlich.

Wie schlecht steht Ubisoft finanziell da?

Im Geschäftsjahr 2025/26 verbuchte Ubisoft einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro (−21,8 Prozent). Die Net Bookings sanken um 17,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Die Aktie verlor gegenüber ihrem Höchststand von 2021 mehr als 80 Prozent an Wert.

Was bedeutet der Deal für Anno und Die Siedler?

Beide Marken werden von Ubisoft Blue Byte in Deutschland (Mainz, Düsseldorf, Berlin) betreut und gehören nicht zu Vantage Studios. Anno 117: Pax Romana verkaufte sich laut Ubisoft besser als Anno 1800 und erhält 2026 mehrere DLCs. Da diese Marken jedoch im stärker unter Druck stehenden Rest-Konzern liegen, bleibt ihre langfristige Priorisierung eine offene Frage.

Warum prüfen die USA Tencents Gaming-Beteiligungen?

Seit Anfang 2026 wägt die US-Regierung ab, ob Tencent seine Anteile an Epic Games, Riot Games und Supercell behalten darf. Hintergrund sind Bedenken zur nationalen Sicherheit – etwa der Zugriff auf Nutzerdaten und der Einsatz der Unreal Engine in militärischen Simulationen. Weil Vantage Studios eine französische Gesellschaft ist und Tencent nur eine Minderheit hält, ist dieser Deal von der US-Prüfung weitgehend unberührt.

Wann kommt das nächste große Ubisoft-Spiel?

Der nächste wichtige Release ist Assassin’s Creed Black Flag Resynced am 9. Juli 2026 – eine werkgetreue Neuauflage des Piraten-Klassikers unter Federführung von Ubisoft Singapur. Der Start gilt als erster Praxistest der neuen Vantage-Struktur.